Staatliche Ballettschule Berlin und Schule für Artistik in der Erich-Weinert-Strasse in Berlin (Quelle: dpa/Soeren Stache)
Video: rbb|24 | 23.01.2020 | Material: rbb24 Recherche | Bild: dpa-/Soeren Stache

Verdacht auf Missstände an Staatlicher Ballettschule - "Es gibt eine Grenze zwischen Härte und Unmenschlichkeit"

Jahrelang sollen Schülerinnen und Schüler der Staatlichen Ballettschule Berlin gelitten haben: 13-Stunden-Tage, harter Drill, Bodyshaming, Magersucht - bis Mitarbeiter revoltierten. Jetzt soll eine Kommission die Vorwürfe aufklären. Von Tina Friedrich und Torsten Mandalka

Am schlimmsten war es, während der Proben krank zu werden, beschreibt Sophie* den enormen Druck, den sie an der Staatlichen Ballettschule Berlin erlebt hat. "Jeder wusste: Wenn ich verletzt bin, gibt es sofort jemanden, der mich ersetzt. Wer nicht mehr funktionierte, wurde einfach ausgetauscht. Wir wurden behandelt wie Maschinen." Der Weg zurück auf die Bühne sei gnadenlos gewesen. "Man musste warten, bis eine andere krank wird, die man dann ersetzen kann."

Bei der Erinnerung an ihre Schulzeit kommen Sophie immer wieder die Tränen. Der extrem hohe Druck, perfekt zu sein. Die demütigenden Bemerkungen über ihren Körper. Die Mädchen, denen sie beim Essen half, weil die Schule leugnete, dass es Essstörungen überhaupt gab. Die Bulimie, die sie selbst im Lauf der Zeit entwickelte. Damals träumte sie noch von einem Leben als Ballerina. Heute würde sie jungen Mädchen davon abraten. "Ich verstehe jetzt erst, wo ich wirklich raus bin aus dieser Welt, wie wir uns kaputt gemacht haben, auch ausgenutzt wurden, und keiner darauf geachtet hat", sagt sie.

Schatten hinter der elitären Fassade

Die Staatliche Ballettschule und Schule für Artistik (SBB) ist eine Eliteschule und in gewisser Weise auch ein Leistungssportzentrum. Etwa 300 Schülerinnen und Schüler im Alter von zehn bis 19 Jahren lernen hier. Sie können nicht nur die Berufsausbildung zum Bühnentänzer oder Artisten machen, sondern auch Abitur und einen Bachelorabschluss. Viele kommen aus Übersee, leben in Berlin fernab des Elternhauses im Internat – alles für ihren Traum von einem Leben als Primaballerina, als Startänzer, Künstlerin oder Artist. Ihre Absolventinnen und Absolventen tanzen auf den ganz großen Bühnen der Welt: London, New York, Moskau.

Doch das hervorragende Image der Schule soll aufbauen auf dem autoritären Führungsstil ihres Leiters Ralf Stabel, der jede Kritik an den Vorgängen hinter der glänzenden Fassade zu unterdrücken versuchen soll. rbb24 Recherche hat dazu wochenlang recherchiert, mit Menschen in und außerhalb der Schule gesprochen. Sie berichten von Drill, Leistungsdruck, unverhältnismäßigen Lehrmethoden, möglicherweise Verstößen gegen Jugendschutzregeln. Stabel äußerte sich gegenüber rbb24 Recherche nicht zu den Vorwürfen und verwies auf die Senatsschulverwaltung. Unlängst kam es an der Ballettakademie der Wiener Staatsoper zu ähnlichen Vorwürfen, nach einer Untersuchung wurde dort die Schulleitung abgelöst.

Staatliche Ballettschule Berlin und Schule für Artistik in der Erich-Weinert-Strasse in Berlin (Quelle: Imago Images)
Die Staatliche Ballettschule Berlin und Schule für Artistik (Quelle: Imago Images) | Bild: Imago Images

Auftritte auch in den Ferien

Katja Will hat bis vor kurzem an der Ballettschule unterrichtet. Sie weiß, wie lang die Arbeitstage der Schülerinnen und Schüler werden können. Der Schulunterricht beginnt morgens um 7:50 Uhr, nachmittags und abends gibt es Tanzunterricht, Gymnastikeinheiten und Proben. Wenn sie dann abends noch auf der Bühne stehen, dauert der Arbeitstag schon mal gut 13 Stunden.

Vor zwei Jahren wurde zusätzlich das Landesjugendballett als Ballettkompanie und Teil der Staatlichen Ballettschule gegründet. Die Schülerinnen und Schüler sollten auf diesem Weg Aufführungserfahrung zusätzlich zu den Trainings im Rahmen ihrer Ausbildung sammeln. Die Auftritte finden auch in den Ferien statt. In den Weihnachtsferien 2019 gab es zehn Vorstellungen – nach Angabe der Schulverwaltung haben die Schüler nur mit Einwilligung der Eltern mitgewirkt. Katja Will sieht dennoch die Schule in der Pflicht, stärker auf ausreichende Erholung der Kinder zu achten. "Wir haben eine Fürsorgepflicht den Kindern gegenüber", sagt Katja Will. "Sie können nicht einschätzen, ob sie die Ferien brauchen oder nicht. Das können nur wir als Erwachsene, und da müssen wir ganz klar sagen: nein, du hast da Ferien."

Keine Rücksicht auf Ruhezeiten

Doch nicht nur Erholungszeiten sollen regelmäßig vernachlässigt werden, wirft Lydia Marquardt*, eine Mitarbeiterin der Schule, der Schulleitung vor. So soll es intern Vorwürfe geben, dass einige Jugendliche bis spätabends aufgetreten seien, obwohl das Jugendschutzgesetz regelt, dass Minderjährige nur bis höchstens 23 Uhr auf der Bühne stehen dürfen.

Auch Freizeitphasen von mindestens 12 Stunden zwischen einem Auftritt und dem nächsten Schulunterricht sind dort vorgeschrieben. Das werde häufig nicht beachtet, kritisiert die Mitarbeiterin. In der Hausordnung der SBB ist nach Angaben der Schulverwaltung vorgeschrieben, dass an Tagen mit Aufführungen verkürzt unterrichtet wird, sowie am Tag danach der Unterricht später beginnen muss, etwa wenn Aufführungen um 22 Uhr beendet werden.

Körperliche Gewalt im Training

Die Erschöpfung und der Leistungsdruck schlagen sich in Statistiken nieder, ist Katja Will überzeugt. "Es gibt definitiv mehr Verletzungen als früher, mehr physiotherapeutische Behandlungen werden notwendig und auch psychisch ist der Druck für die Schüler hart, immer perfekt sein zu wollen und zu müssen, funktionieren zu müssen, bloß nicht krank sein zu dürfen." Das sei auch mit dem Argument, in einer Eliteschule für Leistungssport seien die Anforderungen eben hoch, nicht mehr zu rechtfertigen, kritisiert die Pädagogin.

Die Zahl der physiotherapeutischen Behandlungen sei in den vergangenen zwei Jahren deutlich angestiegen. Die Schulverwaltung bestätigt den Anstieg der Behandlungen. Dieser sei aber nicht auf den Anstieg von Verletzungen der Schülerinnen und Schüler zurückzuführen, sondern damit begründet, dass eine neue Kollegin mit mehr Kompetenzen mehr und andere Behandlungsmöglichkeiten anbieten kann, was auch in Anspruch genommen werde.

In einigen Fällen sollen Kinder auch krank oder verletzt getanzt haben, obwohl ärztliche Diagnosen und Empfehlungen klar davon abgeraten haben sollen. Auch solche Fälle seien der Schulleitung nicht bekannt, sagt die Senatsverwaltung – und fügt hinzu: "Es besteht Konsens darüber, dass [ein Auftritt] unter solchen Bedingungen nicht erfolgen darf. Tanzpädagoginnen oder Tanzpädagogen, die dies forderten, würden ihre Fürsorgepflicht grob verletzen und es wäre mit dienstrechtlichen Konsequenzen zu rechnen."

Zuweilen sei es im Training auch schon mal härter zugegangen, sagt Sophie. "Das war zum Beispiel Schläge auf den Oberschenkel, damit man die Muskeln anspannt." Pädagoginnen hätten manchmal auch Fingernägel zwischen Schulter und Schlüsselbein gebohrt, damit sie ihre Schultern senkt, erzählt sie. Die Schulleitung habe keine Meldungen über solche Fälle erhalten, sagt die Senatsschulverwaltung auf Anfrage von rbb24 Recherche.

Staatliche Ballettschule Berlin und Schule für Artistik in der Erich-Weinert-Strasse in Berlin (Quelle: Imago-Images/Sáshenka Gutiérrez)
Balletttänzerinnen beim Training | Bild: Imago-Images/Sáshenka Gutiérrez

Hoher Druck, abzunehmen

Für die Benotung sei das äußere Erscheinungsbild der Mädchen wesentlich – und nicht nur Faktoren wie das Gewicht, schildert Sophie ihre eigene Erfahrung bei einer Tanzprüfung. "Die Trainingskleidung war einheitlich gestaltet, aber manche Mädchen hatten eben etwas mehr Oberweite. Mir passte die Kleidung einfach nicht. Und dann bekam ich bei der Auswertung die Rückmeldung, ich würde eine schlechtere Note bekommen, weil ich sexuell anzüglich gewirkt hätte." Der Schulleitung sei dieser Fall nicht bekannt – heißt es aus der Senatsverwaltung. Das Körpergewicht sei kein Bewertungskriterium.

Der Druck, abzunehmen, sei jedoch enorm gewesen, erinnert sich auch Sophie. "Manche Lehrer haben uns dann zum Beispiel gesagt, dass wir kein Abendbrot essen sollen – eine Woche lang. Da versteht man sehr schnell, dass man abnehmen sollte", sagt sie. Auch Sätze wie: "Du bist zu fett, was machst du eigentlich hier", sollen Lehrer im Training gesagt haben. Dass es in diesem Zusammenhang gerade bei den Mädchen häufiger zu Essstörungen kommt, kann eine Folge des Drucks sein.

Sophie kannte nach einiger Zeit die Anzeichen. "Man interessiert sich nur noch für das Ballett, denn dafür nimmt man ja ab." Einige wurden magersüchtig und aßen grundsätzlich sehr wenig. Andere entwickelten eine Bulimie. "Dabei isst man stetig entweder nichts oder nur höchstens 100 Kalorien am Tag. Dadurch bekommt man irgendwann Fressattacken, erbricht sich und bestraft sich dadurch, dass man dann wieder tagelang nichts zu sich nimmt außer Wasser und Kaffee." Auch Sophie hat eine solche Essstörung entwickelt. "Man will es nicht wahrhaben, denn man tut es ja für das, was man liebt."

Die Mangelernährung im Teenageralter führte bei ihr dazu, dass sie heute mit Anfang 20 bereits unter Arthrose leidet.

Mädchen fühlen sich zu wenig unterstützt

Hilfe seitens der Schule soll es für die betroffenen Mädchen nach übereinstimmenden Aussagen kaum gegeben haben. "Wir durften so lange nicht am Training teilnehmen, bis wir vier Kilo zugenommen hatten. Dann hat man also mit einer Fressattacke vier Kilo zugenommen und später wieder abgenommen. Das ist keine Hilfestellung", sagt Sophie. Die Schülerinnen hätten sich untereinander versucht zu helfen, zum Beispiel gemeinsam zu essen. "Von den Autoritätspersonen kam da leider sehr wenig."

Allerdings habe es auch Ausnahmen gegeben, Lehrer, die wirklich helfen wollten, sagt Sophie. "Doch die hatten dann nicht die nötige Ausbildung, um psychisch kranke, essgestörte Mädchen zu behandeln. Man wurde da ein bisschen alleine gelassen."

"Ich weiß, dass das Thema Essstörungen ein ganz, ganz großes Reizthema ist", sagt Lydia Marquardt. Von oben gäbe es dazu eine ganz klare Haltung: "Es gibt keine Essstörungen. Das Thema ist nicht existent." Dass Ernährungsberatung bisher kein festgeschriebener Bestandteil der Ausbildung gewesen sei, bestätigt auch die Senatsschulverwaltung – es habe allerdings Beratung gegeben, zwei Ärztinnen hätten regelmäßig Sprechstunden angeboten. In Zukunft jedenfalls werde das Thema eine "herausgehobene Stellung" haben. Ernährungslehre sei seit dem laufenden Schuljahr im Stundenplan verankert. Vereinzelte Fälle von Magersucht und Bulimie seien in der Vergangenheit intensiv medizinisch und psychologisch betreut und behandelt worden. Die Senatsverwaltung nehme solche Fälle "sehr ernst".

Mangelnde Kommunikationskultur

In den Leitsätzen der Schule steht, dass die Ballettschule soziale Kompetenz vermitteln soll, in einem vertrauensvollen Arbeitsklima mit kollegialer Kommunikationskultur. Davon kann nach Meinung von Lydia Marquardt keine Rede sein. Sie arbeitet nach wie vor an der Schule. Wer Probleme anspreche, bekomme von Schulleiter Ralf Stabel oft die gleiche Antwort: Dass es keine Probleme oder Konflikte an der Schule gebe, auch keine Essstörungen. Aussagen wie diese zitieren alle, mit denen rbb24 Recherche im Laufe der Nachforschungen sprechen konnte.

Darüber hinaus habe er Methoden entwickelt, seine Kritiker mundtot zu machen. Katja Will spricht von "subtilen Möglichkeiten", mit denen er klargemacht haben soll, dass Widerspuch nicht erwünscht sei. Ihr selbst sei beispielsweise die Verantwortung für bestimmte Proben entzogen worden. Es sei auch vorgekommen, "dass derjenige, der den Konflikt aus Sicht der Schulleitung verursacht hat, nämlich der Mitarbeiter, unter Umständen einen schlechteren Stundenplan bekommen hat." Auch die Verantwortung für bestimmte Proben soll er kritischen Lehrkräften beispielsweise entzogen haben. Die Schulleitung streitet das über die Senatsverwaltung ab: Stunden- und Ablaufpläne seien hochkomplex - man habe bei der Probenzuteilung nur auf zeitliche Wünsche von Pädagoginnen reagiert.

Das Kollegium rebelliert

Doch die kritischen Stimmen werden lauter. Im Dezember schlossen sich rund 60 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus allen Bereichen der Staatlichen Ballettschule und der Schule für Artistik zusammen und verfassten einen "Antrag auf Gewährleistung der Fürsorgepflicht". Darin formulierten sie die Kritik, die Stabel aus ihrer Sicht seit Jahren nicht hören will: Die Arbeitsbelastung sei zu hoch, es fehlten Konzepte für den Gesundheitsschutz. Stattdessen herrsche eine "Kultur der Angst". "Unter den gegebenen Bedingungen ist der Schutz der Schüler*innen nicht gewährleistet", heißt es abschließend. Rund zwei Drittel des Kollegiums – unterzeichneten den Antrag.

Jetzt werden Veränderungen in Gang gesetzt. Eine Gesamtkonferenz wurde anberaumt und mithilfe externer  Moderation Aussprachen zwischen Schulleitung und Beschäftigten in Angriff genommen. Im Januar wurde ein Sportpsychologe eingestellt, das Schutzkonzept für den Umgang mit und die Prävention von sexueller Belästigung soll überarbeitet werden. Bezogen auf drillartige Unterrichtsmethoden seien die Lehrkräfte für Bühnentanz in diesem Jahr noch einmal sensibilisiert worden, besonders achtsam zu sein.

Keine Stellungnahme der Schulleitung

rbb24 Recherche hat den Schulleiter Ralf Stabel ebenso wie den Leiter des Landesjugendballetts mit allen Vorwürfen konfrontiert und um eine ausführliche Stellungnahme gebeten. Beide äußerten sich nicht, sondern verwiesen an die Senatsverwaltung für Bildung, die oberste Aufsichtsbehörde der Staatlichen Ballettschule.

Dieser liegt der Antrag zur Gewährleistung der Fürsorgepflicht ebenso vor wie ergänzende Dokumente, die die Vorwürfe detailliert beschreiben. Die Bildungsverwaltung nehme die Vorwürfe "sehr ernst", sagte Staatssekretärin Beate Stoffers dem rbb. Allen Vorwürfen, auch dienstrechtlicher Natur, würde in jedem Fall nachgegangen werden.

Stoffers betont jedoch auch, die Vorwürfe seien dem Senat gegenüber zwar schon im September 2019 erhoben worden, bislang jedoch allesamt anonym. Konkrete Anzeigen lägen nicht vor. Deshalb hätten die Schule und die Beschuldigten Anzeige wegen Verleumdung und übler Nachrede erstattet.

Bildungsverwaltung setzt Kommission ein

Doch sie kündigte auch sofortige Konsequenzen an. "Wir werden eine Kommission einrichten aus mindestens sieben Experten aus verschiedenen Bereichen, um alle Vorwürfe, die hier im Raum stehen, zeitnah aufzuklären." Die Kommission soll auch bisher unbestätigten Gerüchten nachgehen, wonach es zu sexuellen Übergriffen durch eine Lehrkraft gekommen sei, sowie sich mit den Vorwürfen befassen, Kinder würden verletzt tanzen. Vorsitzen wird der Kommission die ehemalige Ballettschulleiterin Hannelore Trageser.

Die Kommission werde unabhängig von der Schule im Auftrag der Bildungssenatorin Handlungsempfehlungen erarbeiten, die auch strukturelle Veränderungen bedeuten können. "Wir sehen generell bezüglich der Schülergesundheit eine hohe Verantwortung bei der Schulleitung, aber selbstverständlich auch bei den Lehrkräften und bei uns, bei der Schulaufsicht." Elite bedeute nicht, dass man bestimmte Grundregeln nicht einzuhalten habe. Belastungen müssten erträglich sein.

Für Sophie waren die Belastungen irgendwann unerträglich. Sie hat sich gegen eine Karriere als Tänzerin entschieden. "Die Staatliche Ballettschule ist zwar eine Eliteschule, aber es wird schnell vergessen, dass es Kinder sind, die dort ausgebildet werden. Ja, es ist hart, das stimmt. Aber es gibt eine Grenze zwischen Härte und Unmenschlichkeit, und die muss auf jeden Fall gewahrt werden."

Sendung: Abendschau, 23.01.2020, 19:30 Uhr

*Name von der Redaktion geändert

Beitrag von Tina Friedrich und Torsten Mandalka

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113 Kommentare

  1. 113.

    Das ist richtig, aber es muss auch für die Schule möglich sein, Kinder, deren technische und künstlerische Entwicklung - und Ausdauer- den Ansprüchen des Ballettberufs nicht genügen, von der Schule nach jedem Schuljahr gehen zu lassen. Das ist nämlich eine Eliteschule für klassische Bühnentänzer, tanzen ist hier nicht ein Hobby neben dem Regelunterricht, sondern der Kern des Unterrichts und des Alltags. Die Eltern und die Kinder sollten von vornherein verstehen, daß nicht jeder gut genug für die Bühne ist, man tut den Schülern keinen Gefallen, wenn sie "zu dick", unpünktlich, undiszipliniert, etc. in der Ausbildung sein dürfen, damit die Eltern glücklich sind, und dann als mittelmässige Tänzer von keiner Bühne übernommen zu werden. Ich habe öfters sowohl Herrn Stabel als auch Herrn Seyffert - bei öffentlichen Proben zuschauen dürfen und finde sie beide großartig.

  2. 111.

    Mich als Vater einer Schülerin dieser Schule erfüllt dieses System des allerhöchsten Leistungsdrucks mit aller größter Sorge. Ich habe Angst um die körperliche und psychische Gesundheit meiner Tochter. Selbst wenn die Gesetze zum Jugendschutz erfüllt werden, hat meine Tochter eine 60 Stunden Woche, weniger Ferien und kaum Freizeit, denn es gilt ja auch nach einem 10 Stunden Tag noch die Arbeit für die reguläre Schule zu erledigen. Solche Arbeitsbedingungen würde kaum ein Arbeitnehmer mehr hinnehmen. Hinzu kommt noch dieses Leben für einen Traum, der nur für die Allerwenigsten in Erfüllung gehen wird.

  3. 110.

    Auch die Hamburger Ballettschule entwickelt sich seit dem Führungswechsel in die gleiche Richtung. Wenn auch nicht in dem Ausmass, aber die Parallelen sind eindeutig zu erkennen.

  4. 109.

    Und noch immer gibt es keine Clearingstelle. Man darf sich fragen, wie ernst die Verantwortlichen das Wohl der Betroffenen wirklich nehmen.

  5. 108.

    Ich muss leider sagen,dass das Buch v.Prof.Stabel mich schon tief betroffen machte,denn es entsprach vollkommen der Wahrheit und so konnte ich mir viele Dinge besser erklären und einordnen.Als ehemaliges Mitglied des Staatsopernballetts,weiss ich wovon ich rede.......da kam bei mir das Grauen auf!

  6. 107.

    So war es. Bereits +- 2008. Es gab großartige Lehrer. Und es gab Gregor Seiffert und Ralf Stabel. Dazwischen hatten sich dann alle irgendwie zurechtzufinden, v.a. die Kinder und Jugendlichen. Ist d s eigentlich im Ballett weltweit so, oder nur bei den Ossis?! Das haben wir uns gefragt, und unser Tänzer kann uns das mittlerweile beantworten.

  7. 106.

    Der gute Herr Tanzprof. Stabel hat ja vor +- 10 Jahren das Buch "IM Tänzer - das Ballett und die STASI" veröffentlicht, wie er mir beim Abschied unseres Sohnes von der Eliteschule mitgeteilt hat und mir versichert, obwohl er keine Namen genannt hätte, würde ich mit Sicherheit alle IMs wiedererrkennen. Dafür wehrte er dann das Geschenkkistchen mit dem sehr guten Spätburgunder aus dem Schwabenland ab als wäre es Weihwasser. Mich hat´s leicht gegruselt, und der Abschied war zum Glück für immer.

  8. 105.

    Die Richtlinien sind allen bekannt, doch die Schulleitung hat sie systematisch ausgehebelt.

  9. 104.

    Im Rahmen des Jugendarbeitsschutzgesetzes sind behördliche Ausnahmen für die Beschäftigungen von Kindern an Theateraufführungen erforderlich. Dazu gehören diverse Genehmigungen von Arzt, Jugendamt, Schule und eine unterschriebene Einwilligungserklärung der Erziehungsberechtigten. All dies lag in unserem Fall nicht vor. Das Verbot der Beschäftigung von Kindern wurde nicht vermutlich nicht beachtet.

  10. 103.

    Die Pianistinnen und Pianisten sind oft die Kronzeugen des Geschehens, da die Eltern und Kinder ohne Schutz der Anonymität im Regelfall sich nicht äußern würden. Usw., usw. Man könnte sich fragen, warum würde denn eine Ballettschule am Scheitern des Kindes arbeiten wollen? Quoten-Kinder wegen Finanzierung und Qualitätsdruck am Ende der Ausbildung? Das wäre eigentlich auch von einer ernstgemeinten Kommission zu untersuchen. Klassisches Ballett ist und bleibt eine autoritäre Ausbildung. Die Autorität ist aber eine große Verantwortung, der man gerecht werden muß. Man kann nur hoffen, dass die Kommission keine Alibiveranstaltung wird. Wer hier wirklich aufräumen will, wird garantiert fündig werden. Die Kommission trägt auch wieder eine große Verantwortung, nun im Blickfeld der Öffentlichkeit, und kann um diese Aufgabe nicht beneidet werden. Denn davon wären hier nicht nur die Schulleitung, sondern auch einige KT Lehrkräfte betroffen.

  11. 102.

    Alles korrekt beschrieben! Es geht dann aber noch weiter. Das eine ist, wenn das Kind aus welchen Gründen auch immer scheitert und wie man es dem Kind beibringt usw., eben wie von Ihnen beschrieben. Das andere ist aber, wenn die Schule am Scheitern des Kindes arbeitet, ob aktiv oder passiv (wegschauen, nichts merken). Der aktive Part, das was im Ballettsaal täglich passiert, liefert den Stoff für Psychothriller auf Weltniveau. Und wenn sich die Öffentlichkeit von blutigen Füssen der Tänzer*innen beeindrucken lassen, dann werden die Menschen von den Schilderungen des täglichen Psychoterrors sprachlos werden. Dort haben die Lehrerinnen die Freiheit, dis Situation so zu gestalten, dass das Infrage stellen der angewendeten Methoden sanktioniert wird und offengelegte Nachweise angesichts des drohenden Rauswurfs aus der Schule kaum möglich sind. Auch und vor allem die Pianistinnen und Pianisten müssen bei einigen KT Lehrerinnen aktiv und passiv Gehorsamkeit zeigen.

  12. 101.

    Die Pianistinnen und Pianisten sind oft die Kronzeugen des Geschehens, da die Eltern und Kinder ohne Schutz der Anonymität im Regelfall sich nicht äußern würden. Usw., usw. Man könnte sich fragen, warum würde denn eine Ballettschule am Scheitern des Kindes arbeiten wollen? Quoten-Kinder wegen Finanzierung und Qualitätsdruck am Ende der Ausbildung? Das wäre eigentlich auch von einer ernstgemeinten Kommission zu untersuchen. Klassisches Ballett ist und bleibt eine autoritäre Ausbildung. Die Autorität ist aber eine große Verantwortung, der man gerecht werden muß. Man kann nur hoffen, dass die Kommission keine Alibiveranstaltung wird. Wer hier wirklich aufräumen will, wird garantiert fündig werden. Die Kommission trägt auch wieder eine große Verantwortung, nun im Blickfeld der Öffentlichkeit, und kann um diese Aufgabe nicht beneidet werden. Denn davon wäre hier nicht nur Schulleitung, sondern auch einige KT Lehrkräfte betroffen.

  13. 100.

    Alles korrekt beschrieben! Es geht dann aber noch weiter. Das eine ist, wenn das Kind aus welchen Gründen auch immer scheitert und wie man es dem Kind beibringt usw., eben wie von Ihnen beschrieben. Das andere ist aber, wenn die Schule am Scheitern des Kindes arbeitet, ob aktiv oder passiv (wegschauen, nichts merken). Der aktive Part, das was im Ballettsaal täglich passiert, liefert den Stoff für Psychothriller auf Weltniveau. Und wenn sich die Öffentlichkeit von blutigen Füssen der Tänzer*innen beeindrucken lassen, dann werden die Menschen von den Schilderungen des täglichen Psychoterrors sprachlos werden. Dort haben die Lehrerinnen die Freiheit, dis Situation so zu gestalten, dass das Infrage stellen der angewendeten Methoden sanktioniert wird und offengelegte Nachweise angesichts des drohenden Rauswurfs aus der Schule kaum möglich sind. Auch und vor allem die Pianistinnen und Pianisten müssen bei einigen KT Lehrerinnen aktiv und passiv Gehorsamkeit zeigen.

  14. 99.

    Es ist vollkommen in Ordnung, wenn die Schule die Honorare, die Schüler für solche Verpflichtungen erhalten, einbehält und nur eine Aufwandsentschädigung an das Kind bezahlt. Allerdings sollte die Schule dann auch dafür Sorge tragen, dass die Schüler abends sicher zurückkommen und dies nicht den Eltern aufbürden.
    Die personelle Ausstattung des Internats ist, trotz allen Engagements der Erzieher, unzureichend, um eine adäquate Betreuung der Schüler sicherzustellen. Dies wird mit dem Argument „Förderung der Selbstständigkeit der Kinder“ beschönigt.
    Wir hoffen sehr, dass die jetzt öffentlich gemachten Missstände an der SBB dazu genutzt werden, eine echte Verbesserung und Professionalisierung der SBB zu bewirken, damit folgenden Schülergenerationen eine wirklich professionelle Ausbildung unter professionellen Rahmenbedingungen zugutekommt.

  15. 98.

    denn nicht alle Absolventen können als Tänzer*innen ihren Lebensunterhalt verdienen, und es gibt in jedem Fall ein Leben nach der Tanzkarriere.
    Auch die langen Schultage von 13 h entsprechen der Realität, und zwar fünf Tage die Woche. Hinzu kommt, dass auch Samstag Unterricht ist, danach sind oft auch noch Proben, so dass der Sonntag der einzige freie Tag ist, wenn da nicht eine Aufführung ansteht. Dass nach Aufführungen der Unterricht verspätet beginnt, trifft nur zu, wenn es sich um Schulaufführungen handelt, bzw. die ganze Klasse betroffen ist. Haben nur einzelne Schüler*innen eine Verpflichtung, dürfen sie am Folgetag nur später kommen, wenn Unterricht in den allgemeinbildenden Fächern ist, am Tanzunterricht haben sie teilzunehmen. Für diese „Einzelfälle“ gibt es auch keinen Ausgleich von entgangenen Schulferienzeiten.

  16. 97.

    sie sind zu dick. Der an der Schule erteilte Unterricht in „Ernährungslehre“ entspricht fachlich in keiner Weise den heutigen Erkenntnissen zu Sporternährung, und ist ganz sicher nicht geeignet, um Kinder mit Essstörungen zu unterstützen.
    Die Schüler*innen werden zum Spielball der „Cliquenbildung“ bei den Tanzpädagogen. Wenn die Kinder bei einem Lehrer Unterricht haben, der der künstlerischen Leitung nicht genehm ist, dürfen diese Kinder nicht an Wettbewerben oder Aufführungen teilnehmen. Die Lehrer der Allgemeinbildung haben ebenfalls einen schweren Stand, ihr berechtigter Anspruch, den Kindern auch eine vernünftige Schulausbildung zu ermöglichen, muss grundsätzlich hinter den tänzerischen Belangen zurückstehen. Auch Kinder, die Wert auf ihre Allgemeinbildung legen, werden von der künstlerischen Leitung „kaltgestellt“. Dies steht in krassem Gegensatz zur Außendarstellung der Schule und ist sehr kurzsichtig,

  17. 96.

    Allerdings fehlt an dieser Schule völlig eine „Kultur des Scheiterns“, sprich, wie werden Schüler aufgefangen, die den Ansprüchen der Schule nicht genügen. Es kann nicht sein, dass Schüler*innen auf der jährlichen LEK, die über den Verbleib an der Schule entscheidet, ohne Vorwarnung, oder zumindest ohne für die Kinder erkennbare Vorwarnung, aussortiert werden, und es diesen überlassen wird, ihre Eltern darüber zu informieren. Hier müssten die Eltern im Vorfeld in Kenntnis gesetzt werden. Den Kindern müsste vermittelt werden, dass sie zwar für den Beruf des*r Tänzer*in nicht geeignet sind, dass man sie aber dennoch als Person wertschätzt und dass es andere Perspektiven für sie gibt. Ebenso wird der sehr individuelle Verlauf der Pubertät nicht abgewartet, die Kinder werden wegen in der Regel vorübergehender „körperlicher Unzulänglichkeiten“ abgewertet oder aussortiert. Einige Beispiele: sie sind zu kindlich, haben eine zu deutliche sexuelle Ausstrahlung, die Beine/Arme sind zu lang/kurz,

  18. 95.

    Auch als Eltern eines Kindes, dass die Schule erfolgreich und auch sehr gerne absolviert hat, darf man nicht die Augen vor den Ereignissen an der SBB verschließen.
    Der Artikel des rbb ist korrekt recherchiert und beschreibt sachlich und ohne Übertreibung Vorkommnisse an der SBB. Der Einfluss der Schule ist auch heute noch so groß, dass wir unseren Namen nicht nennen möchten, um unserem Kind nicht zu schaden.
    Die SBB ist von der Grundidee, nämlich die anspruchvolle künstlerisch-sportliche Ausbildung mit guter Allgemeinbildung zu kombinieren, eine hervorragende Einrichtung. Allerdings bleibt die tatsächliche Umsetzung weit hinter diesem professionellen Anspruch zurück. Dass der Berufswunsch Tänzer*in zu werden mit harter Arbeit und Entbehrungen verbunden ist, weiß jede*r Schüler*in, das wird zurecht auch von der Schule klar kommuniziert. Es ist ebenso richtig, dass die Schule die Ausbildung von Schüler*innen beendet, die später auf dem Arbeitsmarkt keine Chance haben.

  19. 94.

    Hört bitte auf mit dem Elite-Quatsch. Gar keine Frage, an dieser Schule arbeiten auch tolle Menschen, die ihr Bestes geben. Auch die Absolventen sind auf einem sehr hohen professionellen Niveau. Allerdings werden Sie den Zusatz "Elite" bei keiner anderen weltbekannten Ballettschule finden (St. Petersburg, Paris, Stuttgart, etc.). Gehören deren Absolventen nicht zur Elite? Hier wird luxuriös mit elitär verwechselt. Ja, für eine Ballettschule hat die SBB luxuriöse Verhältnisse, die die Steuerzahler finanzieren. Aber ist diese tolle Infrastruktur, auf die viele Eltern reinfallen, auch in besten Händen? Elitär ist ein menschlicher Faktor, in diesem Fall repräsentiert durch die Schulleitung. Eine Schule soll das Richtige tun und gesunde und tolle Tänzerrinnen und Tänzer ausbilden. Die Öffentlichkeit wird schon ihr Urteil über elitär oder nicht elitär fällen. Möglicherweise möchte man hier dem genau mit dem Zusatz "Elitär" zuvorkommen.

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