Die 21-jährige Fabien Martini kam im Januar 2018 bei einer Blaulichtfahrt eines Polizisten ums Leben (Bild: rbb).
Video: Abendschau | 16.01.2020 | Norbert Siegemund | Bild: rbb

Nach intensiven Ermittlungen - Fall Fabien: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Polizisten

Der tödliche Unfall passierte vor zwei Jahren. Jetzt hat die Generalstaatsanwaltschaft Anklage gegen den Polizisten erhoben, der unter Alkoholeinfluss in das Auto der 21-jährigen Fabien am Alexanderplatz gefahren sein soll. Die junge Frau starb am Unfallort.

Zwei Jahre nach dem Unfalltod der 21-jährigen Fabien Martini hat die Staatsanwaltschaft Berlin "nach intensiven Ermittlungen" Anklage gegen einen Polizeibeamten erhoben. Wie die Behörde am Donnerstag auf Twitter meldete, werden dem Polizisten fahrlässige Tötung und Gefährdung des Straßenverkehrs durch Trunkenheit vorgeworfen. Zuerst hatte der "Tagesspiegel" berichtet.

Blutprobe wies 1,1 Promille Alkohol auf

Mit 130 Kilometer pro Stunde und mit Blaulicht war der Einsatzwagen der Polizei durch den Tunnel an der Grunerstraße gerast - mit 93 km/h schlug er in die Fahrertür von Fabien Martinis Kleinwagen, den der Polizist zu spät bemerkt haben soll, ein. Die 21-Jährige erlitt so schwerwiegende innere Verletzungen, dass sie noch am Unfallort starb. Die junge Frau war kurz zuvor zum Einparken auf die linke Fahrspur gewechselt.

Dem Polizisten war nach dem Unfall im Virchow-Campus der Charité eine Blutprobe entnommen worden, die 1,1 Promille Alkohol aufwies. Da die Probe nicht mehr vorliegt und eine zweite Blutentnahme nicht stattfand, dürfte vor Gericht zu klären sein, ob die Werte aus der Krankenakte verwertbar sind. 

Der Polizist sowie sein Beifahrer selbst waren bei dem Zusammenstoß ebenfalls verletzt worden.

Sendung: Inforadio, 16.01.2020, 9 Uhr

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7 Kommentare

  1. 7.

    "Wenn es keine Hinweise auf Alkohol beim Unfall gibt, wird auch niemand deswegen verdächtigt werden können und dann wird auch niemand auf die Idee kommen, dass jemand Alkohol getrunken hat."

    ...soso...bei später festgestellten 1,1 %o wollen die beteiligten Kollegen also "keine Hinweise" festgestellt haben? Genau das sollte jedoch verwundern, weil das ohne eine eindeutige Alkoholfahne schlicht nicht möglich ist! Zudem gehört eine Blutprobe bei Verkehrsunfällen mit Todesfolge - und die war ja im vorliegenden Fall unmittelbar evident - zum standardisierten Ermittlungsprozedere! Warum nun ausgerechnet im Falle eines Kollegen von diesem Standard abgewichen wurde, müssten Sie - und die Kollegen - allerdings erst noch schlüssig ausführen...

  2. 6.

    Die Polizei hat sich ihren ruinierten Leumund selbst erarbeitet. Mein Mitgefühl gilt der Familie des Opfers. Ich hoffe, dass alle Schuldigen einer angemessenen Strafe zugeführt werden.

  3. 5.

    Sie haben Beweise dafür, dass die Polizei sich gegenseitig gedeckt hat. Dann melden Sie sich doch bitte sofort bei der StA oder der zuständigen Kammer! Wenn es keine Hinweise auf Alkohol beim Unfall gibt, wird auch niemand deswegen verdächtigt werden können und dann wird auch niemand auf die Idee kommen, dass jemand Alkohol getrunken hat. Das „Pusten“ geht halt nur freiwillig. Zudem war der Fahrer verletzt, und da geht im Krankenhaus die Versorgung des Verletzten vor eventueller Strafverfolgung.

    Am Ende des Tages steht dann ggf. eine Fahrlässige Tötung im Straßenverkehr, die es jedes Jahr leider zigfach in Berlin gibt.

  4. 4.

    Das kann man sehr wohl, wenn man feststellt, wie sich die Kollegen hier gedeckt haben. Warum wurde nicht sofort ein Alkoholrest beim Verursacher durchgeführt? Das spricht eine eigene Sprache, für die die Polizei und falsch verstandener Zusammenhalt verantwortlich sind.

  5. 3.

    Sie pauschalisieren. Nicht die Polizei steht vor Gericht, sondern ein einzelner Mitarbeiter, der sich persönlich dafür verantworten muss. Man kann aus diesem schlimmen Ereignis keinerlei Schlüsse auf die „dortigen Zustände“ [bei der Polizei] ziehen.

  6. 2.

    Strafanzeige wurde nicht gestellt, die liegt schon lange vor und zwar von Amts wegen. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage beim Gericht erhoben. Wie so oft werden Begriffe, die eine ganz bestimmte rechtiche Bedeutung haben, in den Medien verwechselt oder falsch dargestellt und tragen zur Verwirrung bei. Festnahmen, Verhaftungen, Ingewahrsamnahmen, Ermittlungen, Anklagen, Beschlagnahmen, Sicherstellungen, Durchsuchungen, Razzien usw......die Bezeichnungen werden vielfach so gewählt, wie es dem Reporter oder Redakteur gerade in den Sinn kommt oder reisserischer klingt. Dabei wird übersehen, dass die Folgen jeweils völlig andere sind, je nachdem, was tatsächlich vorliegt.

  7. 1.

    Es ist erschreckend und nicht vermittelbar, dass es zwei Jahre gedauert hat, um an diesen Punkt zu gelangen. Auch die Polizei hat sich ohne wen und aber an unsere Gesetze zu halten. Leider hat gerade dieser Fall ein sehr schlechtes Gefühl bezüglich der dortigen Zustände hinterlassen.
    Mein Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen!

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