Mit Kind und Kegel - Baden am Krossinsee im Berliner Stadtbezirk Köpenick. Quelle: dpa/Hubert Link
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Pachterhöhung um das 50-Fache - Faustballer sollen Sommercamp im Treptower Forst räumen

Die Faustballer des SV Treptow 46 bangen nach einer Pachterhöhung und einem langen Rechtsstreit mit dem Land Berlin um ihre Anlage im Treptower Forst. Das Land meldet Zweifel an, ob die Faustballer dort tatsächlich Sport treiben. Von Roberto Jurkschat

Eine Pachterhöhung um mehr als das 50-Fache für einen kleinen Sportverein. Und der Eigentümer ist kein privater Immobilienhai, sondern das Land Berlin. Das klingt erst einmal nach einem Aufreger, nach David gegen Goliath. Aber ganz so einfach ist die Sachlage nicht.

Denn das Land Berlin ist der Meinung, dass der SV Treptow ein rund 26.000 Quadratmeter großes Gelände im Treptower Forst eigentlich nur als Campingplatz nutzt - schon seit 1970. Das idyllische Grundstück liegt im südöstlichsten Winkel Berlins, auf dem Schmöckwitzer Werder zwischen Dahme und Crossinsee, mit ein paar Bäumen und sandigem Boden, direkt am Ufer. In das Naherholungsgebiet ringsherum kommen Sportler, Touristen und Spaziergänger. Aber wer den Uferweg des Crossinsees entlang geht, müsste um das Gelände der Faustballer, das so groß ist wie dreieinhalb Fußballfelder, eigentlich herumlaufen, hieß es von der Senatsverwaltung. Denn der Verein habe das exklusive Nutzungsrecht.

Dreieinhalb Fußballfelder für 30 Personen

Ein Mitglied der Faustballabteilung, das anonym bleiben will, sagte im Gespräch mit rbb|24, dass das Gelände in der Campingsaison zwischen April und September von etwa 30 Personen genutzt werde. Die Faustballer kämen mit Zelten und Campingwagen, nutzten eine Baracke und einen Schuppen, die auf dem Gelände stünden.

Seit dem 1. April 2016 beträgt das Nutzungsentgelt für den Verein 8.804 Euro im Jahr. Bisher hat der SV Treptow das Filetstück am Ufer zum Schnäppchenpreis gepachtet und 164 Euro für ein ganzes Jahr gezahlt. Zum Vergleich: Für einen Zeltplatz auf dem Campingplatz am Fährsee im Brandenburger Templin müssen Camper für eine Saison rund 900 Euro zahlen. Allerdings können sie dort Sanitäranlagen, Strom und sonstigen Annehmlichkeiten nutzen, die es im Treptower Forst nicht gibt. Einen richtiger Spielbetrieb mit Trainingseinheiten und Faustball-Wettkämpfen aber gibt es auf dem Gelände auch kaum. Ein Mitglied der Faustballabteilung des SV Treptow sagt, dass zwei bis vier Mal im Jahr Spiele auf dem Gelände stattfänden.

Aus Sicht der Senatsverwaltung für Umwelt geht es bei dem Grundstück also nicht um eine Spielstätte, sondern um "einen sehr großen Zeltplatz in exklusiver Lage für einen exklusiven Kreis - zu einem extrem niedrigen Preis", wie Jan Thomsen, Sprecher der zuständigen Berliner Umweltverwaltung rbb|24 auf Nachfrage erklärt. Ziel der Berliner Forste sei es, die spärlich bewachsene Waldfläche aufzuforsten und den Uferweg "für alle Erholungssuchenden" zugänglich zu machen.

Die frühere Zeltplatz des SV Treptow

Mehr als 20.000 Euro Zahlungsrückstand

Ein Vereinsmitglied des SV Treptow sieht das ganz anders: "Das ist für uns wie ein schlechter Film - das Land Berlin ist dabei, hier einen Traditionsverein zu zerstören", sagt er rbb|24. Das Vorgehen der Berliner Forsten sei "in keinster Weise nachvollziehbar beziehungsweise hinnehmbar."

Der Vorstand des Vereins hat seit der angekündigten Pachterhöhung im März 2016 versucht, gerichtlich gegen die Berliner Forsten vorzugehen. Die Senatsverwaltung für Umwelt sagt dazu: "Angebote, die Campingnutzung des Vereins auf andere Flächen der Berliner Forsten zu verlagern, hat es vor vielen Jahren bereits gegeben. Sie wurden vom SV Treptow 46 allerdings ausgeschlagen - weshalb eine solche Einigung nicht weiter verfolgt werden konnte."

Jetzt droht dem Traditionsclub eine hohe Nachzahlung an das Land – und die Pleite. Laut der Senatsverwaltung stand der Verein beim Land schon im September 2018 wegen fehlender Pachtzahlungen mit mehr als 20.000 Euro in der Kreide. Hinzu kommen Zinsen.

Ortsübliche Pacht als gesetzliche Vorgabe

Für die Senatsverwaltung für Umwelt war die Pachterhöhung im März 2016 eine "Anpassung" an "die ortsübliche Pachthöhe für eine Nutzung als Zeltplatz", wie Marc Franusch, Sprecher der Berliner Forsten, rbb|24 sagt.

Senatssprecher Jan Thomsen erklärt, dass zuerst die Eigentumsverhältnisse hätten geklärt werden müssen. Teile des Grundstücks gehörten bis dato zum "Preußenvermögen", das schließlich dem Land Berlin übertragen worden sei. "Damit entstand schon rein rechtlich die Pflicht einer ortsüblichen Pacht", so Thomsen. Grundlage für die Erhöhung von 0,6 Cent auf 40 Cent pro Quadratmeter sei die Nutzungsentgeltverordnung des Landes.

SV Treptow legte Berufung gegen Gerichtsurteil ein

Weil die geforderten Pachtzahlungen ab dem April 2016 ausblieben, kündigten die Berliner Forsten dem Verein Ende September den Nutzungsvertrag für das Zeltplatzgelände. Dagegen zogen die Treptower vor Gericht - und verloren.  

Mitte Dezember 2018 hat das Berliner Landgericht den Verein dazu verurteilt, die gekündigte Fläche zu räumen. Campende Faustballer waren laut einem Mitglied des Vereins im Sommer 2019 schon nicht mehr auf der Anlage. Wie die Senatsverwaltung für Umwelt mitteilte, hatte der Verein gegen dieses erste Urteil Berufung eingelegt.

Niederlage nach dreieinhalb Jahren Rechtsstreit

Auch mit diesem Versuch ist der Verein nun offenbar gescheitert, wie Jan Thomsen erklärt. "Der Verein teilte den Berliner Forsten kürzlich mit, dass die Berufung voraussichtlich zurückgewiesen werde. Das können wir derzeit nicht bestätigen, weil eine entsprechende Information des Gerichts an uns noch nicht vorliegt", so der Senatssprecher.

Die Lage für den Verein ist ernst. "Wir versuchen, die Insolvenz noch abzuwenden", sagte Vereinsvorstand Jens Düring rbb|24. Der SV Treptow wolle sich bis zur ersten Januarwoche noch mit den Berliner Forsten auf eine Lösung verständigen. Über den Stand der Verhandlungen wollte Düring nichts sagen.

Der SV Treptow hat neben der Faustball- noch eine Fußballabteilung. Der Sportplatz des SV Treptow 46 liegt im Plänterwald (Verlängerte Eichbuschallee). Wie ein Mitglied des Vereins sagt, könne der jahrelange Streit mit dem Land nun auf einen "Deal" hinauslaufen, bei dem die Insolvenz umgangen und die Fußballabteilung des SV Treptow 46 gerettet werden könnte. Wie es aussieht, müssen die Faustballer ihr Gelände aber nach 50 Jahren zum 11. Januar räumen. Ob es woanders weitergehen kann, ist unklar.

Beitrag von Roberto Jurkschat

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7 Kommentare

  1. 7.

    Der Sachverhalt mag richtig oder falsch bewertet zu sein, will mich keiner Seite anschließen. Beobachten sollte die Öffentlichkeit, im Anschluss nach der Vertreibung, was passiert mit dem versteckt gelegenen, führ ultra Reiche oder Politiker höchst interessante Grundstück? Schön einsam im Wald, wenn es erst einmal umzäunt ist, nicht mehr oder nur schwer einsehbar, ein ideales Baugrundstück für eine Traumvilla, ganz wie es die "Schönen und Reichen lieben.....gelle? "Umme Ecke", am Zeuthener See, ist nämlich nichts mehr zu bekommen! Seit längerem ist der "Brückensprung" zum anderen Ufer ersehnt! (Karte mal anschauen, eventuell ooooooEarth mit hinzu ziehen)

  2. 6.

    Klar, das es auch um ein die Pacht geht. Es ist auch ein Filetstück. Gut als Wassergrundstücke zu verkaufen - dann müsste man bestimmt drumherum laufen.

  3. 5.

    „ ! Das können wir doch von unseren Gebühren erwarten,...“ Bitte reden Sie nicht für mich. Ich habe den Bericht erfasst. Sie sollten sich mal mit den Feinheiten der Sprache beschäftigen, statt hier zu pöbeln. Zum Thema finde ich die Vorgehensweise ggü. dem Verein korrekt. Die Pacht schuldet der Verein den Steuerzahlern. Das ist eine Sauerei auf Kosten der Allgemeinheit.

  4. 3.

    Das ist immer noch falsch! Niemand musste um den Campingplatz herumlaufen. Zu keiner Zeit! Warum schreiben Sie das? Es ist nachweislich falsch. Sie können es überprüfen. Keine Lust? Zu faul? Woran liegt es?
    Es ist nur eine Kleinigkeit, aber Sie suggerieren damit, dass der Campingplatz andere - wie Sie es nennen - Erholungssuchende gestört oder behindert haben bzw. zu Umwegen genötigt hat. Und das ist falsch! Man konnte zu jeder Zeit den Uferweg als Fußgänger oder Fahrradfahrer nutzen. Die Camper haben lediglich auf einem Schild darauf hingewiesen, dass Kinder über den Weg laufen könnten und dass man bitte die Hauptwege benutzen solle. Also sogar explizit den Weg für alle freigegeben. Ich gehe dort seit vielen Jahren mit meinem Hund spazieren. So wie viele andere auch. Recherchieren Sie richtig! Das können wir doch von unseren Gebühren erwarten, oder?

  5. 2.

    Wir haben den Satz präzisiert: "Aber wer den Uferweg des Crossinsees entlang geht, müsste um das Gelände der Faustballer, das so groß ist wie dreieinhalb Fußballfelder, eigentlich herumlaufen, hieß es von der Senatsverwaltung. Denn der Verein habe das exklusive Nutzungsrecht."

  6. 1.

    Das ist sehr schade für den Sportverein.
    Zur Richtigstellung:
    ".... aber wer den Uferweg des Crossinsees entlang geht, muss um das Gelände der Faustballer herumlaufen, ... " - Das ist falsch! Um nicht zu sagen "Blödsinn". Hier hätte der rbb einfach mal richtig recherchieren sollen. Es hätte gereicht mit einigen Anwohnern oder Spaziergängern zu sprechen.
    Der Uferweg war zu jeder Zeit für alle "Erholungssuchenden" zugänglich. Selbst die Badestelle wurde nicht nur von Campern genutzt.
    [Es ist wirklich erschreckend wie schlecht der rbb mal wieder recherchiert hat. Schämt euch! So entsteht ein falsches Bild!]
    Die Berliner Forsten sollten sich lieber darum kümmern, dass der Müll aus dem umliegenden Wald entsorgt wird. Die Camper haben ihr Areal immer sauber gehalten. Ich habe nicht den Eindruck, dass das zuständige Forstamt sich wirklich intensiv um den dortigen Wald kümmert. Die Müllhaufen liegen dort zum Teil seit Jahren.

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