Hinter Sichtblenden steht am Kottbusser Tor ein Lkw. Er hatte zuvor eine Radfahrerin erfasst und tödlich verletzt (Quelle: dpa/Zinken).
Bild: dpa/Paul Zinken

Getötete Radfahrerin - Senat stellt Ampeln und Radweg am Kotti auf den Prüfstand

Nach dem Tod einer Radfahrerin am Kottbusser Tor in Kreuzberg will der Senat die Verkehrssicherheit verbessern. Konkret geht es um Ampelschaltung und Radweg. Am Abend kamen 200 Menschen zu einer Mahnwache am Unfallort.

Nach dem tödlichen Unfall einer Radfahrerin am Kottbusser Tor in Berlin-Kreuzberg will die Senatsverkehrsverwaltung Konsequenzen ziehen. Zunächst seien "signaltechnische Maßnahmen an den Ampelanlagen" geplant. Außerdem werde der Bezirk bauliche Veränderungen am Radweg prüfen, heißt es in einer Mitteilung vom Donnerstagabend.

Christian Haegele, Leiter der neuen Abteilung Verkehrsmanagement in der Senatsverwaltung für Verkehr, besuchte am Donnerstagnachmittag laut der Mitteilung den Bereich um das Kottbusser Tor gemeinsam mit Vertretern des Bezirks und der Polizei.

Mahnwache am Unfallort

Dort war am Mittwoch eine 68-jährige Radfahrerin von einem Lastwagen überfahren worden. Sie war auf dem Radweg auf der Kottbusser Straße Richtung Kottbusser Tor unterwegs und wurde von dem Laster erfasst, der rechts in die Skalitzer Straße abbiegen wollte. Gegen den 54 Jahre alten Lkw-Fahrer wird laut Polizei wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Der Mann musste seinen Führerschein aber zunächst nicht abgeben. Alles Weitere müsse ein Gericht entscheiden, sagte ein Polizeisprecher.

Etwa 200 Menschen versammelten sich am Donnerstagabend am Unfallort und hielten eine Mahnwache ab, die der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) und der Verein Changing Cities organisiert hatten. Sie stellten Kerzen und ein weißes Rad zum Gedenken an die Tote auf.

Die Vereine fuhren anschließend mit einer Fahrraddemo zum Bundesverkehrsministerium, um auf die Belange von Radfahrern und Fußgängern im Straßenverkehr aufmerksam zu machen. Der ADFC forderte auf Twitter eine verpflichtende Sicherheitstechnik in Lastwagen, um Kollisionen wie die am Kottbuser Tor zu verhindern.

09.01.2020, Berlin: Bei einer Mahnwache erinnern Demonstranten mit einem weißen Fahrrad an die am Kottbusser Tor gestorbene Radfahrerin. (Quelle: dpa/Carstensen)

Tempo 30 in der Adalbertstraße

Vor zwei Jahren war es dort schon einmal zu einem schweren Unfall beim Rechtsabbiegen eines Lkw gekommen. Eine 63-jährige Fußgängerin war seinerzeit an dem Verkehrsknotenpunkt von einem Laster erfasst worden. Die Frau starb noch am Unfallort.

Eine weitere Maßnahme sei auch für die nahegelegene Unfallstelle in der Adalbertstraße identifiziert worden. Dort soll eine Beschränkung auf Tempo 30 kommen. Am 2. Januar war hier ein Fußgänger von einem Lieferfahrzeug erfasst worden. Er starb später im Krankenhaus.

Die Unfallkommission wird über die Maßnahmen an den beiden Unfallstellen in ihrer turnusmäßigen Sitzung weiter beraten. Darüber hinaus wolle sich die Senatsverkehrsverwaltung weiter für strukturelle Verbesserungen durch sogenannte Verkehrssicherheitszonen einsetzen, wie es in der Mitteilung heißt.

Senat will Verkehrssicherheitszonen

Bereits im vergangenen Jahr hat das Land Berlin einen entsprechenden Antrag in den Bundesrat eingebracht, der im Januar im zuständigen Bundesratsausschuss beraten wird.

Der Antrag sieht vor, dass Kommunen sogenannte Verkehrssicherheitszonen einrichten können. Dies würde Kommunen ermöglichen, Lkw über 3,5 Tonnen, die nicht mit einem Abbiegeassistenten ausgerüstet sind, die Einfahrt in die ausgeschilderten Verkehrssicherheitszonen zu untersagen. Dies wäre aus Sicht der Senatsverkehrsverwaltung ein wirksamer Beitrag für mehr Verkehrssicherheit in den Städten.

Sendung: Abendschau, 09.01.2020, 19:30 Uhr

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35 Kommentare

  1. 35.

    Fahren sie mal 5 Min Auto und denken dann noch mal über Radfahrer nach ! Oder Fragen sie einfach Fußgänger ! Radfahren gehört verboten !
    Auf den Gehwegen und gemeinsam genutzten Geh/ Radwegen nieten sie rücksichtslos Fußgänger und Fahrgäste um. Rote Ampeln bedeuten gar nichts. Nachts ohne Licht ist genauso Standard wie falsche Richtung, Fußgängerzonen, Parks usw. Nicht mal Radwege benutzen sie, selbst wenn welche da sind und behindern nicht nur den Verkehr sondern sorgen für gefährliche Situationen
    Würden Autofahrer nicht permanent für Radfahrer mitdenken und deren Fehlverhalten ausbügeln oder sich sogar so wie Radfahrer verhalten, dann gäbe es noch viel mehr Unfälle.
    Radfahren hat in der Stadt nichts zu suchen, das müsste einem bei den ganzen Unfällen langsam mal einleuchten.

  2. 34.

    Ich hasse alle Fahrradfahrer. Die denken die kommen an allem immer mit recht voran. Geht’s noch
    Es reicht langsam macht eure Augen auf Fahrräder haben im Verkehr nix zu suchen.

  3. 33.

    Mehr Strafen für Radfahrer hätten sicher geholfen das Leben der getöteten Dame zu retten, die einfach nur bei Grün fahren wollte.

  4. 32.

    Selbstverständlich ist eine Analyse nötig, doch immer bleibt die Frage, bis zu welchem Punkt das geht. Der Überdruss an Analysen will ich mal an einem völlig anderen Beispiel illustrieren, was mir vor gut vierzig Jahren zu Ohren kam: Da wurde nur müde gestöhnt über die psychologischen Ansätze, die derweil auseinandergingen über die so weltbewegende Frage, ob es nun ein "Hauptbedürfnis" oder ein "Nebenbedürfnis" eines kleines Kindes wäre, auf den Arm genommen zu werden.

    Anders als die Gesamtheit aller Männer begreifen sich Kraftfahrer sehr viel stärker als homogene Gruppe, mit allen Folgen, die das hat. Die Gründung des ADAC ist ein Beleg dafür, während "Manndat" bspw. berechtigterweise ein Sektendasein führt. Wir sehen hier nur die Folge einer jz. lang eingeschliffenen Behäbigkeit, allerdings auch eine seit 2 bis 3 Jz. praktizierten zuweilen auftretenden Trotzhaltung dagegen. AUFGELÖST wird dadurch in der Tat nichts.

  5. 31.

    ... dazu die bezeichnende Antwort des rechtsabbiegenden LKW-Fahrers von Berlin-Spandau, der dabei ein 7-jähriges Schulkind überfahren hatte: "Auf was soll ich denn noch alles achten?"

    Ferner liefen. Sonst nichts.

  6. 30.

    ICH gar nicht.
    Natürlich müsste man da einen Zeitrahmen schaffen, was wie lange und auf welche Weise analysiert wird.
    Und ihr Beispiel ist eine Milchmädchenrechnung.
    Da könnte man genausogut sagen: "70 % aller Morde werden von Männern begangen" (dDese Zahl habe ich aus der Luft gegriffen).
    Was würde das aussagen?
    Dass man die Zahl der Männer reduzieren sollte?
    Dass Männer generell böse sind und abgeschafft gehören?
    Dass Männer nicht mehr überall hin dürfen?
    Zu einer gründlichen Analyse gehört auch eine der Umstände.

  7. 29.

    Es ist schon bezeichnend wie manche Autofahrer schwer oder tödlich verletzte Radfahrer bewußt in Kauf nehmen oder zumindest billigen.

  8. 28.

    Wie lange wollen sie denn noch beobachten und analysieren?

    Unfälle werden zu ~ 70 % von Kraftfahrern verursacht.

    https://adfc-berlin.de/radverkehr/sicherheit/information-und-analyse/121-fahrradunfaelle-in-berlin-unfallstatistik/154-die-wichtigsten-fakten-aus-der-polizeilichen-unfallstatistik.html

  9. 27.

    Bin ich der gleichen Meinung. Radfahrer sollten viel mehr kontrolliert und bestraft werden. Schon wenn ich Erwachsene sehe die ihre Kids hinter sich fahren lassen könnte ich wahnsinnig werden

  10. 26.

    Ein weiteres gravierendes Problem ist zudem auch noch, dass Viele das Höchsttempo mit einem Mindesttempo verwechseln, unterhalb dessen keinesfalls gefahren werden darf.

    Diese Verhaltensweise scheint mir durchgängig.
    Würden wir dies so mit Putzeimern praktizieren und das Fassungsvermögen würde regelmäßig um 1/4 überschritten, die Betreffenden bekämen fortlaufend nasse Füße.

  11. 25.

    Der 81 jährige Nachbar ist leider direkt vor seiner Haustür mit seiner Ehefrau angefahren worden. Sehr traurig, dass dort nicht schon tagsüber Tempo 30 galt. Im selben Haus befindet sich eine große Kita von Kotti e.V. und gegenüber eine Tagesklinik. Der gesamte Bereich ist zwecks Lärmschutz für nachts schon mit Tempo 30 beschildert. Es muss also nur die temporäre Beschränkung abgehängt werden; sofort wäre überkleben möglich. Ähnliche Situation am Engeldamm, wo vor der Kita temporär Tempo 30 beschildert ist (7.30-17.30), hält sich nur niemand dran - 70 meter weiter steht dann nochmal ein Tempo 30 Schild vor dem Zebrastreifen - sinnvoller wäre dort wahrscheinlich Tempo 20 und davor generell Tempo 30 ;) Die vielen Nebenstraßen mit ihren Geschwindigkeitregelungen sollten dringend auch auf den Prüfstand. In Bereichen mit Tempo 20 fahren viele sehr viel schneller - vielleicht auch, weil die Schilder besonders schlecht platziert sind hinter großen Parkplatzbewirtschaftungsschildern...

  12. 24.

    Bei allem Respekt, aber bringen Sie bitte ihre Actionfilmreife Darstellung in Zusammenhang mit der getöteten 63-jährigen Dame!
    Sie werden in einer freien Gesellschaft nie den idealzustand eines perfekten Miteinanders erleben. Fakt ist, dass Autofahrer über eine gültige Fahrerlaubnis verfügen muss. Fahrradfahrer nicht. Das sollten sich Autofahrer bewusst sein...

  13. 23.

    ist das Satire oder meinen Sie den Unsinn ernst?
    Radwege auf der Fahrbahn - ja wo denn sonst? Gehwege sind für Fussgänger und selbst wenn wir einen Augenblick so tun, als seien Radwege auf dem Gehweg toll - das hilft von rechts abbiegenden Lastern überrollten Radlern wie?
    Und sollen Ihrer Meinung nach Radler ein Stück zurück schieben, wenn ein LKW auf der Spur neben ihnen auf ihre Höhe fährt? Damit sie wieder hinter dem LKW stehen?
    Kleiner Hinweis: Sichtbarkeit, wahrgenommen werden, verhindert (gerade) Abbiegeunfälle, deshalb stehen Radler VOR dem LKW genau richtig. Sie werden gesehen und dann eben nicht überrollt.

  14. 22.

    Und das möchten Sie so den Angehörigen des am 2. Januar getöteten Fussgängers sagen, ja?

  15. 21.

    Fahren sie mal 5 Min Auto und denken dann noch mal über Radfahrer nach ! Oder Fragen sie einfach Fußgänger ! Radfahren gehört verboten !
    Auf den Gehwegen und gemeinsam genutzten Geh/ Radwegen nieten sie rücksichtslos Fußgänger und Fahrgäste um. Rote Ampeln bedeuten gar nichts. Nachts ohne Licht ist genauso Standard wie falsche Richtung, Fußgängerzonen, Parks usw. Nicht mal Radwege benutzen sie, selbst wenn welche da sind und behindern nicht nur den Verkehr sondern sorgen für gefährliche Situationen
    Würden Autofahrer nicht permanent für Radfahrer mitdenken und deren Fehlverhalten ausbügeln oder sich sogar so wie Radfahrer verhalten, dann gäbe es noch viel mehr Unfälle.
    Radfahren hat in der Stadt nichts zu suchen, das müsste einem bei den ganzen Unfällen langsam mal einleuchten.

  16. 19.

    Ich komme aus PM und bin des öffteren in Berlin.
    Ja es schlimm wenn Radfahrer angefahren werden, aber:
    Habe in Berlin 10 Jahre Bus gefahren (BVG / Reisebus).
    Was ich da alles erlebt habe, brachte mir graue Haare.
    Mein Eindruck, auch der selbst erlebte, Berliner Radfahrer sind rücksichtslos und extrem aggressiev.
    Kein wunder wenn so viele verletzt werden.
    Und zum anderen - was haben Radwege auf der Fahrbahn zu suchen - Unfälle sind somit vorprogramiert.
    Was hat ein Radfahrer an der Ampel neben einem LKW zu suchen - Radfahrer sollten prinzipiell an Kreuzungen hinter dem LKW stehen.

  17. 18.

    Ja. Hoffentlich kommen jetzt endlich die "Verkehrssicherheitszonen". In London gelten die bereits seit dem 1.9.2015 für die gesamte Umweltzone (low-emission-zone). https://tfl.gov.uk/info-for/deliveries-in-london/delivering-safely/safer-lorry-scheme Überraschung: Alle Dienstleistungen und Rettungsdienste in der Stadt funktionieren weiterhin ;)

  18. 17.

    Sie haben Beobachtungen gemacht und Erfahrungen gesammelt.
    Allerdings halte ich es für zu voreilig, deshalb gleich die Verbotskanone auszupacken und zu fordern, dass Ihre Eindrücke zu Maßnahmen führen sollten.
    Auch wenn es unmenschlich klingen mag:
    Man sollte sorgfältig ermitteln, was für Unfallursachen die häufigsten sind. Dann gilt es herauszufinden, was deshalb zu geschehen habe.
    Ich bin kein Autofahrer. D. h. für mich sind Kraftfahrzeuge eher Werkzeuge, mitunter notwendige Übel.
    Aber ich lehne es ab, dass aufgrund persönlicher Befindlichkeiten politische Maßnahmen unüberlegt und spontan getroffen werden.
    Erst beobachten und analysieren. Dann entscheiden, was, wann, wo und in welcher Weise am zweckmäßigsten wäre.
    Und persönliche Freiheiten nur dort einschränken, wo es nicht anders geht.
    So fände ich es richtig.

  19. 16.

    Mein Beileid den Hinterbliebenen...

    Schonmal jemand über ein Rechtabbiegeverbot für LKW nachgedacht???
    Im Ernst! Anstatt einmnal rechts abzubiegen ginge auch 3x links! Hier könnte der Lkwfahrer zumindest den toten Winkel den er ja nur rechts hat überlisten.
    Bei den Verkehrszeichen gibt es das Zeichen 590 Blockumfahrung. So, nur eben 3x links - macht einmal rechts...

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