Ein Laborant arbeitet mit einer Pipette im Institut für Virologie an der Charité Berlin Mitte, in dem Untersuchungen zum Coronavirus laufen.
Audio: radioeins | 29.01.2020 | Gespräch mit Virologe Christian Drosten | Bild: dpa/Christophe Gateau

Frau in Charlottenburg getestet - Auch zweiter Verdacht auf Coronavirus in Berlin nicht bestätigt

Der zweite Coronavirus-Verdachtsfall innerhalb weniger Tage in Berlin hat sich nicht bestätigt. Eine Frau, die zuvor im Risikogebiet war und in Berlin mit Symptomen einer Erkrankung isoliert wurde, ist nicht von der gefährlichen Lungenkrankheit betroffen.

Der jüngste Verdachtsfall auf das Coronavirus in Berlin hat sich nicht bestätigt. Eine Senatssprecherin teilte am Dienstagabend mit, der Test sei negativ verlaufen. Das heißt, die betroffene Frau hat sich nicht mit dem Virus infiziert.

Die Frau war in Charlottenburg-Wilmersdorf isoliert worden, weil bei ihr Symptome aufgetreten waren. Sie hatte sich in China in der Region aufgehalten, das das Robert-Koch-Institut als Risiko-Gebiet einstuft.

Zuvor hatte es bereits am vergangenen Wochenende einen Verdachtsfall in Berlin gegeben. Eine Frau war am Samstag mit Symptomen in das DRK-Klinikum Mitte eingeliefert; sie soll vorher in China gewesen sein. Auch dieser Verdachtsfall hatte sich letztlich nicht bestätigt.

Atemmasken helfen nur bedingt

Angenommen wird, dass das Coronavirus durch Tröpfcheninfektion etwa beim Husten übertragen wird. Das Virus siedelt sich vor allem in den unteren Lungenbereichen an. Wie hoch die Sterberate bei dem neuen Erreger sei, lässt sich noch nicht sicher sagen. Wissenschaftler gehen davon aus, dass sie sich im Rahmen des Grippe-Virus bewegen wird.

Die bisherigen Daten und die Erfahrungen mit anderen auf Coronaviren zurückgehenden Erkrankungen lassen eine Inkubationszeit von im Mittel etwa einer Woche annehmen. Dass einfache Atemmasken einen guten Schutz vor dem Virus bieten, wird von Experten angezweifelt. Von der Weltgesundheitsorganisation WHO hieß es dazu, die Masken würden nicht als Vorbeugung für Gesunde empfohlen, sondern für Patienten und Leute, die sich möglicherweise angesteckt haben, damit sie das Virus nicht verbreiten.

Berlins Gesundheitssenatroin Dilek Kalayci sieht die Hauptstadt gut auf das Coronavirus vorbereitet. "Berlin verfügt mit dem Institut für Virologie und der Sonderisolierstation an der Charité über eine sehr gute Ausstattung", erklärte sie. Trotz des laut Einschätzung des Robert Koch-Instituts geringen Risikos für Deutschland "müssen wir leider auch auf einzelne Einreisefälle in Berlin eingestellt sein".

Christian Drosten, Virologe an der Berliner Charité, erklärte im Gespräch mit dem rbb, dass das Coronavirus bislang nur mit "Allgemein-Maßnahmen" behandelbar sei. " Es gibt keine spezifischen Medikamente, die gegen dieses Virus helfen", so Drosten bei radioeins. Anders sei dies beispielsweise bei der Behandlung der Influenza: Hier gebe es "direkt antiviral wirkende Substanzen". "So etwas gibt es für das Coronavirus nicht."

Warnhinweise an Berliner Flughäfen

An den Flughäfen Tegel und Schönefeld wurden daher Warnplakate zum Coronavirus aufgehängt. "Sie hängen im Ankunftsbereich, warnen vor den Symptomen und erklären Vorsichtsmaßnahmen", sagte Flughafensprecher Daniel Tolksdorf am Sonntag. Die Plakate seien in Deutsch, Englisch und Chinesisch verfasst. "Bei ausgewählten Flügen aus China verteilen wir auch Handzettel." Passagiere können sich demnach jederzeit an das Flughafenpersonal wenden, falls ein Verdacht besteht.

Die Berliner Flughäfen seien routinemäßig auf Viren-Fälle vorbereitet. "Erst im letzten Jahr hatten wir in Tegel zusammen mit der Charité eine Übung zum Verhalten im Seuchenfall", sagte Tolksdorf. Die Senatsgesundheitsverwaltung empfiehlt Einreisenden aus dem chinesischen Risikogebiet, sich bei einer Notaufnahme untersuchen zu lassen, falls Anzeichen einer Atemwegserkrankung bemerkt werden.

Vier bestätigte Fälle in Bayern

Die bayerischen Gesundheitsbehörden bestätigten bereits am Dienstag die vier ersten Fälle in der Bundesrepublik. Zunächst war die neue Lungenkrankheit bei einem 33 Jahre alten Mann aus dem Landkreis Landsberg am Lech nachgewiesen worden. Er hatte sich in seiner Firma in einem Vorort von München bei einer Kollegin aus China infiziert. Am Dienstagabend teilte das bayerische Gesundheitsministerium mit, dass sich drei weitere Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert haben. "Auch diese Patienten sind Mitarbeiter der Firma aus dem Landkreis Starnberg", hieß es weiter.

Die vier Betroffenen wurden in der München Klinik Schwabing stationär aufgenommen und dort medizinisch überwacht und isoliert, wie das Ministerium mitteilte. "Bei einigen weiteren Kontaktpersonen läuft derzeit ein Test, ob auch hier eine Infizierung mit dem Coronavirus vorliegt." Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) sagte: "Es wurden insgesamt rund 40 Mitarbeiter der Firma ermittelt, die als enge Kontaktpersonen in Frage kommen. Die Betroffenen sollen am Mittwoch vorsichtshalber getestet werden." Dann will das Ministerium auch per Pressemitteilung über den aktuellen Sachstand informieren.

Der 33-Jährige hatte sich nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) bei einer Kollegin aus China angesteckt, die in der vergangenen Woche zu einer Schulung zum Autozulieferer Webasto in den Gautinger Ortsteil Stockdorf im oberbayerischen Landkreis Starnberg gekommen war. Die Frau hatte ihre Infektion erst am 23. Januar auf dem Rückflug nach China bemerkt.

Sendung: Inforadio, 29.01.2020, 6 Uhr

FAQ: Coronavirus

  • Was ist das neue Virus überhaupt?

  • Wo kommt es her?

  • Was sind die Symptome?

  • Wie wird es behandelt?

  • Wie steckt man sich an?

  • Ist ein ähnlicher Verlauf zu erwarten wie bei SARS?

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 4.

    Was ist nur los in Berlin,chinesische Freunde habe gestern einen Zettel am Fahrstuhl kleben gehabt mit der Aufschrift . " Haut ab wir wollen euch hie nicht haben, wir wollen kein Virus" (sinngemäß). In der letzten Woche hat man ihnen eine Autoscheibe eingeworfen (eine Anzeige ist erfolgt) Ich bin erschrocken darüber, was es doch für Hirnlose Menschen gibt in dieser Stadt.

  2. 3.

    .. noch ein Nachtrag zum Bullshit-Bingo. Wenn Ärzte nichts tun, dann nennen sie das aggressives Zuwarten. Ich bin gespannt wann der erste das raushaut ....

  3. 2.

    Spahn: „... wachsame Gelassenheit ...“ Was ist denn das bitte ? Es gibt unter Angestellten das beliebte Bullshit-Bingo wenn der Chef seine neue Strategie verkündet. Spahn hat den ersten Punkt gemacht ....

  4. 1.

    Hat sch mal jemand an die Kreuzfahrtschiffe gedacht. Aktuell in dieser Region unterwegs, ich kenne Personen. Wenn gleich 1000 Menschen von Bord gehen und wieder auf engsten Raum eine Woche zusammengesperrt sind, das ist nicht gefährlich!!?
    Ach ja, die sind ja auch umweltschonend unterwegs, verkippen Abfall ins Meer. Oder glaubt jemand, die bezahlen dafür??

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