Video: rbb24 | 21.01.2020 | Bild: rbb|24 / mavadee

Datenrecherche von rbb|24 - Wer mit dem Flixbus aus Berlin abreist, kommt fast immer zu spät

60 Prozent aller Flixbusse, die in Berlin abfahren, kommen deutlich verspätet am Zielort an. Vor allem bei kurzen Fahrten innerhalb Deutschlands ist der Fernbus unzuverlässig und schneidet schlechter ab als die Bahn. Von Haluka Maier-Borst

Zu spät, zu voll, zu chaotisch – das Klagen über die Bahn ist Volkssport in Deutschland. Was hingegen untergeht: Einer der Konkurrenten der Bahn schneidet sogar wesentlich schlechter ab. Flixbus. Das Unternehmen, das rund Dreiviertel des deutschen Fernbusmarkts beherrscht.

Eine Analyse von rbb|24 zeigt, dass für Berlin die Lage besonders problematisch ist. Mehr als 60 Prozent aller Flixbusse, die vom Zentralen Omnibusbahnhof losfuhren, hatten eine Verspätung von mehr als 15 Minuten. Für einige Verbindungen beträgt die mittlere Verspätung gar 50 Minuten. Das heißt die eine Hälfte der Fahrten kommt mit weniger Verspätung, die andere sogar mit mehr Verspätung am Zielort an. rbb|24 hat sich für die mittlere Verspätung als Maßstab entschieden, weil dies gewährleistet, dass einzelne extreme Verspätungen das Ergebnis nicht verzerren.

Die Analyse basiert auf Daten, die der SWR vom unternehmenseigenen Verspätungsmonitor des Unternehmens ausgelesen und dem rbb zur Verfügung gestellt hat. Der Verspätungsmonitor ist öffentlich einsehbar. Der SWR zeigte Mitte Dezember damit, dass bundesweit jeder zweite Flixbus um mehr als 15 Minuten verspätet ist. Zum Vergleich: Bei der Deutschen Bahn sind bundesweit nur etwa zehn Prozent der Verbindungen mit mehr als 15 Minuten verspätet.

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Speziell nach Schweden sind die Verspätungen groß
| Bild: rbb|24

Wieso es so häufig zu Verspätungen für Reisende aus Berlin kommt, erklärt Ostap Okhrin, Professor für Statistik im Verkehrswesen von der TU Dresden. Die Verkehrsdichte sei insgesamt in der Hauptstadt größer und sorge für mehr Staus, die eben auch die Flixbusse betreffen.

Die Verspätungen für Busse aus Berlin sind aber nicht nur ein Problem für Reisende aus Berlin. Wer aus Potsdam, Cottbus, Bernau oder Frankfurt(Oder) den Flixbus nutzen will, muss für viele Reiseziele über den Berliner Knotenpunkt reisen und ist darum ebenfalls betroffen. Welchem Muster die Verspätungen folgen und was man als Verbraucher beachten sollte, ist dabei gar nicht so einfach herauszufinden.

Viel Strecke, viel Verspätung - das gilt nur für Ziele im Ausland

Schaut man sich alle Verbindungen an, so fällt auf, dass Ziele mit großen Verspätungen auch zu den längsten Strecken im Flixbus-Angebot gehören und im Ausland liegen. So dauert zum Beispiel die Fahrt von Berlin ins schwedische Norrköping mehr als 17 Stunden laut Fahrplan. Im Vergleich dazu sind 50 Minuten Verspätung sogar relativ wenig.

Sobald man sich aber auf innerdeutsche Ziele konzentriert, gilt die einfache Rechnung 'lange Reise, große Verspätung' nicht mehr. Auch kurze Strecken sind häufig von Verspätungen geplagt. Stark betroffen sind dabei vor allem Fahrten entlang der Achse Berlin-Leipzig.

Vor allem auf der Nord-Süd-Achse gibt es große Verspätungen
| Bild: rbb|24

Besonders oft und mit viel Verspätung kommen Fahrgäste in Ilmenau an, das über diese Achse angefahren wird. Ähnlich hohe Verspätungen gibt es auch bei den Reisezielen Hohnstein, Pirna und Bad Schandau. Und das obwohl die Ziele laut Fahrplan nur 4 Stunden von Berlin entfernt sind.

Endstationen im Norden wie Hamburg, Kiel oder Rostock kommen mit mittleren Verspätungen zwischen elf und 17 Minuten vergleichsweise glimpflich weg - zumindest wenn man die schnellstmöglichen Verbindungen nutzt.

Auch auf kurzen Strecken sind die Verspätungen groß
| Bild: rbb|24

Lieber früh am Abend abfahren

Ein weiteres Ergebnis der Recherche ist auch, dass die Verspätungen ein zeitliches Muster haben. Zwar sind die Verspätungen relativ unabhängig vom Wochentag, nicht aber von der Uhrzeit. Verbindungen rund um 21 Uhr kamen meist pünktlicher an als Verbindungen, die morgens, mittags oder spät am Abend aus Berlin losfuhren.

Zu den Ergebnissen der Recherche befragt, erklärt Flixbus, dass man laut eigenen Berechnungen bei weniger als 25 Prozent der Fahrten unpünktlich sei. Woher die Diskrepanz der Daten kommt, bleibt unklar.

rbb und SWR haben die Daten von der Website des Unternehmens ausgelesen. Flixbus verweist auf die interne Dokumentation. Des Weiteren erklärt Flixbus, man habe bei der eigenen Analyse auch alle Zwischenhalte berücksichtigt. Das haben auch rbb und SWR getan. Weitere Angaben zum Vorgehen fehlen in der Erklärung von Flixbus.

Gleichzeitig weist das Unternehmen aber auf einen Nachteil hin, den man gegenüber Bahn und Flugzeug habe. Man habe keine keine eigene Infrastruktur, sondern teilt sich die Straße mit anderen Verkehrsteilnehmern. Ein Problem, das auch Okhrin so sieht. Er plädiert allerdings nicht dafür, eine eigene Spur für Busse einzuführen, denn die wäre dann meistens "halbleer". Man könnte aber darüber nachdenken, das Tempolimit für den LKW-Verkehr von 80km/h auf 100km/h hochsetzen. "Dann könnten die Fernbusse und die LKWs zusammen die rechte Spur nutzen und die Fernbusse müssten nicht ständig die LKWs überholen."

Sendung: Inforadio, 21.01.2020, 06:40 Uhr

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32 Kommentare

  1. 32.

    Statistisch belegt: Urlauber, die mit dem Auto in den Urlaub fahren, sind in der schlechtesten Verfassung.

  2. 31.

    Wer so mit dem Auto fährt, wie es die Autoindustrie gerne sieht und propagiert, dann ist es Stress.
    Ich lasse mir gerne Zeit, fahre wirtschaftlich und komme immer entspannt am Ziel an.
    Flix käme für mich nie in Frage, zudem ich auch aus bestimmten Gründen aufs Auto angewiesen bin, wenn es auf Strecke geht.
    Busse auf der Autobahn sind aus Erfahrungen, neben der LKW, fahrende Zeitbombe, denen ich mich nicht aussetzen würde. Abgesehen von PKW fahrenden Idioten.

  3. 30.

    Ich fahre meisten mit dem Flixbus, wenn es nicht so stark auf die Zeit ankommt und mit dem Zug, wenn ich nur wenig Zeit habe. Daher tut es sehr viel mehr weh, wenn der Zug zu verspätet ist. Bei jeder 3. Reise mit dem Zug bin ich mehr als 1 Stunde verspätet...

  4. 29.

    Ich fahre einige Mal im Monat mit dem Flix Bus Richtung Norden und zurück.
    Bei diesem Preis und dazu habe ich sogar Internet-sind 20 Minuten Verspätung für mich Lächerlich.

  5. 28.

    Also wenn wir in Urlaub fahren ist es entspannend.....und bei unseren nordischen Nachbarn sowieso. Also warum so garstig?

  6. 27.

    Auch wenn ich selten FlixBus fahre und lieber das Auto nehme, weil bequemer, entspannter und unabhängiger, habe ich noch keine großen Verspätungen innerhalb Deutschlands erlebt. Wenn die Autobahn zu ist, ist sie für alle zu, passiert bei der Bahn und bei Flugreisen auch, was solls, wenn man Termine hat, nimmt man den Bus früher.

  7. 25.

    Wo ist beim Autofahren Entspannung?
    Staus, Baustelllen, Falschfahrer, "Elefantenrennen" , rücksichtslose Drängler...

    Das ist wahre Lebensfreude! Da braucht man dringend Urlaub!

  8. 24.

    "Als Konkurrenz zur Bahn finde ich den Fernbusmarkt nicht unwichtig und gerade für Leute mit sehr kleinen Geldbeutel sicher auch in Zukunft sehr interessant egal ob Verspätungen vorkommen oder nicht."
    in diesem Punkt haben Sie den Nagel auf den Kopf getroffen. Danke.

  9. 23.

    Ich will es mal mit anderen Worten so auf einen Punkt bringen: Flixbus als gemeinschaftliches Verkehrsmittel hat sich ganz bewusst den Tücken des Individualverkehrs ausgesetzt, anders als die Bahn. Busse sind daher, anders als die Bahn, immer eher ein Zwitter zwischen Individual- und Gemeinschaftsverkehrsmittel. Die stärkere Fahrgastbeanspruchung ab Freitagmittag und am Sonntagabend führt zu einer größeren Gefülltheit der Züge, nicht oder kaum aber zu einem höheren Fahrzeugeinsatz auf den Fahrstrecken. Genau das macht eben den grundsätzlichen Vorteil des Systems Bahn aus, im Zweifelsfall durch Koppelung längere Züge einsetzen zu können, wer denn noch auf Rangierer zurückgreifen kann.

  10. 22.

    Als Konkurrenz zur Bahn finde ich den Fernbusmarkt nicht unwichtig und gerade für Leute mit sehr kleinen Geldbeutel sicher auch in Zukunft sehr interessant egal ob Verspätungen vorkommen oder nicht aber ich bevorzuge innerhalb Deutschlands und in angrenzende Länder doch eher die Bahn auch wenn ich hier und dort mal 20 oder 30 Euro mehr bezahlen muss als beim Bus . Komfort und oftmals kürzere Reisezeit sind es mir wert .

  11. 21.

    Ich stimme Ihnen und Ihren Worten zu. Wir sind zwar auch ab und zu mit dem Fernbus unterwegs Richtung Kobenhavn oder Malmö zu Konzerten, jedoch in den Urlaub reisen auch wir komfortabel und entspannt mit dem Auto. Egal was die Spritpreise machen.

  12. 20.

    Nicht nur in Berlin sind die Busse zu spät auch in Gießen und Frankfurt am Main und das schlimme ist man bekommt keine Entschädigung wie bei der Bahn, wenn es unter 250 km sind. Passiert öfters auf den Weg nach Heidelberg. Flixbus soll bitte auch ab 60 Minuten oder 120 Minuten Entschädigung zahlen, wie bei der Bahn

  13. 19.

    Jaop, damit nur noch Leuten wie Ihnen die Straßen exklusiv zur Verfügung stehen. Der Mob muss öffentlich fahren.
    Was bilden Sie sich nur ein? Sind Sie besser, wichtiger und vor allem wertvoller als andere?

  14. 18.

    Soso, "möglichst immer Sonntag früh". Das zeigt doch indirekt auf, dass auch die Fahrt mit dem PKW ein erhebliches zeitlich unkalkulierbares Risiko birgt.

  15. 17.

    Ein Fahrplan sollte aber die Realität abbilden. Bei Flixtrain sind deutliche Reserven eingeplant, weil es in im wahren Leben Verspätungen geben kann. Dort muss Flix bei deutlich verspäteter Ankunft die Fahrgäste entschädigen, beim Bus aber eben nicht. Da der Bus eh auf längeren Strecken meist deutlich langsamer als der ICE ist, hoffen die beim Bus darauf, dass der Fahrgast schon akzeptieren wird, dass das übliche Verkehrsaufkommen im Fahrplan nicht berücksichtigt wird. Der Kunde sieht schließlich den Stau aus dem Fenster. Da braucht es keine realistischen Fahrpläne.

    Mein meinen Fahrten gen Rhein/Ruhr oder Rhein/Main war der Fernbus nur selten pünktlich, oft mehr als 30 min und länger verspätet. Unsere unterschiedlichen Beobachtungen basieren auf einer jeweils zu kleinen Stichprobe. Dem gegenüber haben Spiegel.de und erst Recht der SWR erheblich umfangreichere Daten über einen längeren Zeitraum erfasst.

  16. 16.

    Was soll der Bericht? Jeder weiss, das ein Bus, der über die Autobahn fährt, Zeitverzögerungen hat. Das Entscheidende beim Busreisen ist der Preis. Der Bus ist so unschlagbar günstig, das die Zeitverzögerungen einfach nicht ins Gewicht fallen.

  17. 15.

    Ein Fernbus kann nie zu spät am Fahrtziel ankommen, da das ansonsten in den EU-Fahrgastrechten hätte berücksichtigt werden müssen.

  18. 14.

    Ich fahr regelmäßig mit Flixbus. Für welchen Zeitraum habt ihr denn Daten erhoben? Bitte unbedingt ergänzen! In den Sommerferien beispielsweise kommt verkehrsbedingt durchaus dir ein oder andere Verspätung zusammen. In den Wintermonaten dagegen komme ich regelmäßig sogar zu früh an und Verspätungen gibt es fast nie.

  19. 13.

    Zu spät, zu voll, zu chaotisch mit Bus und Bahn - auf all das kann ich, können wir verzichten. Daher ist und bleibt das angenehmste Fortbewegungsmittel der eigene PKW mit dem wir, möglichst immer Sonntag früh von Berlin nach Süd-, Westdeutschland und Österreich mit 130 - 150 km/h entspannt fahren, reisen. Von Tür zu Tür und Pause individuell bestimmen. Das ist Lebensqualität und wir bezahlen dafür gerne jeden Preis bei Anschaffung und Unterhalt. Daran wird sich auch bei steigenden Preisen nichts ändern. Ganz ehrlich, wir hoffen auf schnelle drastische Erhöhung der Kraftstoffpreise auf über zwei Euro pro Liter damit die Straßen etwas leerer werden.

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