Die vom Zentrum für politische Schönheit vor dem Reichstag aufgebaute Stele wird am 15.01.2020 abgebaut. (Quelle: rbb/Dagmar Bednarek)
Bild: rbb/Dagmar Bednarek

"Zentrum für politische Schönheit" - Aktivisten bauen umstrittene Gedenksäule für Nazi-Opfer ab

Nach anderthalb Monaten hat das Künstlerkollektiv "Zentrum für politische Schönheit" die umstrittene Stahlsäule vor dem Reichstag abmontiert. Der Bezirk hatte angekündigt, in Kürze selbst einschreiten zu wollen.

Das Künstlerkollektiv "Zentrum für politische Schönheit" (ZPS) hat am Donnerstag seine umstrittene Stahlsäule vor dem Reichstagsgebäude in Berlin abbauen lassen. Das bestätigte ZPS-Sprecher Philipp Ruch der Deutschen Presse-Agentur. Am Freitag hätte das Bezirksamt Mitte ansonsten mit der Beseitigung der inzwischen einbetonierten Säule begonnen, wie Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) sagte.

Angeblich Asche von Holocaust-Opfern in der Säule

Aufgestellt worden war die Säule bereits Anfang Dezember. Das für umstrittene Aktionen bekannte ZPS stand für das Aufstellen der Säule von Beginn an in der Kritik: Es hatte behauptet, die Stele enthalte Asche von Opfern der Massenmorde der Nationalsozialisten.

Das ZPS hatte die Asche nach eigenen Angaben anschließend entfernt und der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland (ORD) übergeben, die sie auf einem jüdischen Friedhof beisetzte, wie die ORD bestätigte. Das ZPS entschuldigte sich für die Aktion - ließ die Stele aber trotz Aufforderung des Bezirks, sie zu entfernen, zunächst stehen.

Anfang Januar hatte eine Gruppe von etwa 20 Menschen, darunter auch jüdische Aktivisten, versucht, die Säule abzubauen. "Mit Asche von Opfern des Holocaust sollte man keine Kunst und Politik machen", hatte Autor Eliyah Havemann zur Begründung gesagt.

Das Bezirksamt hatte den Verantwortlichen zunächst eine Frist zur Beseitigung bis zum 20. Dezember gesetzt, der das Künstlerkollektiv widersprochen hatte. ZPS-Sprecher Ruch begründete den jetzigen Abbau der "Gedenkstätte" mit der nun erfolgten Abweisung des Einspruchs.

Abbau der Stele vor dem Reichstag im Regierungsviertel Berlin. (Quelle: rbb/D. Bednarek)

Sendung: Inforadio, 16.01.2019, 13:00 Uhr

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10 Kommentare

  1. 10.

    Ich glaub schon. Zumindest stehen am Oranienplatz auch schon seit mehreren Wochen riesige Holzwände mit Sprüchen. Ich dachte erst Wahlkampf - aber wahrscheinlich Kunst. Mir wäre es lieber das wäre auf PKW-Parkplätzen zulässig. Davon gibt es in Kreuzberg reichlich - leider sind Grünflächen dagegen hier im Kiez äußerst rar.

  2. 8.

    Es doch immer so, dass den Dreck andere weg machen, den die "Aktivisten" machen. Siehe auch die FFF-Aufmärsche vor dem Wirtschaftsministerium.
    Nur, daß wird still und heimlich dem Steuerzahler übergeholfen.

  3. 6.

    Aktivisten (Definition von Dr. Toyota mit Hilfe von Wikipedia) dürfen das. Und es gibt ein unerschöpflichen Pool an "Aktivisten" und jeder kann einer sein.

  4. 5.

    Wie nett von ZPS doch die " Gedenksäule " endlich zu entfernen. Hoffentlich zahlt ZPS auch die Kosten für den beschädigten Rasen.

  5. 3.

    "Als Aktivist (von lateinisch activus „tätig, aktiv“) wird eine Person bezeichnet, die in besonders intensiver Weise, mit Aktivismus, für die Durchsetzung bestimmter Absichten eintritt. Oft sind diese im weitesten Sinn politischer Art und stammen insbesondere aus den Bereichen der Wirtschafts-, Umwelt- und Sozialpolitik sowie der Bürger- und Menschenrechte. (...)
    Ein Aktivist unterscheidet sich vom Politiker vor allem darin, dass er seine Ziele nicht über direkte Teilhabe an dem formellen politischen Prozess erreichen will, etwa durch Anstreben eines politischen Amts oder Mitarbeit in einer Partei, sondern auf eher informelle Art und Weise – etwa durch Öffentlichkeitsarbeit, Demonstrationen und in jüngerer Zeit verstärkt durch Internet-Aktivitäten wie Online-Abstimmungen, was auch als Cyberaktivismus bezeichnet wird. " (Wikipedia)

    Aber Hauptsache irgendeinen Senf dazugeben. Es wäre schön, wenn rbb24 die Möglichkeit des Kommentierens endlich abschaltet.

  6. 2.

    Und? Keine Strafanzeige gegen Ruch und Konsorten? Oder kann jetzt jeder im Park betonieren wenn er sagt, das ist Kunst?

  7. 1.

    Was heutzutage alles als "Aktvist" bezeichnet wird.
    Gestern die, die Krippenfiguren klauen, heute die Aufsteller einer fragwürdigen Stehle.

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