Symbolbild: Gleisbauarbeiten (Quelle: dpa/Lukas Schulze)
Audio: Inforadio | 12.02.2020 | Hendrik Schröder | Bild: dpa/Lukas Schulze

Berlin und Brandenburg - Bahn kündigt aufwendige Bauarbeiten an - samt Sperrungen

Gleise, Weichen und Brücken will die Deutsche Bahn in diesem Jahr in der Region erneuern - für 840 Millionen Euro. Ein Teil des Geldes soll helfen, die Einschränkungen für Fahrgäste klein zu halten. Doch ganz ohne wird es nicht ablaufen.

Die Deutsche Bahn plant in diesem Jahr eine Rekordsumme in die Infrastruktur in Berlin und Brandenburg zu investieren. Insgesamt sollen 840 Millionen Euro in rund 200 Projekte fließen, wie die Bahn am Mittwoch bekanntgab. Zu den Vorhaben gehören die Erneuerung von mehr als 200 Gleiskilometern, gut 170 Weichen und 35 Brücken.

Im vergangenen Jahr wurden 780 Millionen Euro investiert. Bundesweit stehen der Deutschen Bahn für dieses Jahr 12,2 Milliarden Euro für solche Projekte zur Verfügung. 

Ein größeres Projekt sind die Arbeiten auf der Strecke von Ludwigsfelde nach Jüterbog ab Oktober. Hier sind ab Oktober mehrfache Sperrungen vorgesehen. Davon sei auch der Fernverkehr Richtung München und der Fernverkehr Richtung Frankfurt betroffen, erklärte Alexander Kaczmarek, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für Berlin. Auf der Strecke sollen Gleise und Weichen erneuert werden. 

Geld für schnelleres Bauen

Damit es schneller geht, sollen 30 Weichen schon vormontiert angeliefert werden - für 1,3 Millionen Euro zusätzlich. "Sonst hätten wir eine doppelt so lange Sperrzeit gehabt", erklärte Kaczmarek. "Kundenfreundliches Bauen", kurz KuBa, nennt die Deutsche Bahn das. 

Ein Projekt aus dieser Kategorie gibt es auch auf der Strecke zwischen Karow und Bernau im Nordosten Berlins, auf der Brücken erneuert werden sollen. Dort sind 2020 mehrmals Sperrungen geplant, allerdings nur kurzfristig, wenn drei Hilfsbrücken ein- und ausgebaut werden. Das soll 1,5 Millionen Euro zusätzlich kosten.

Mehrfache Sperrungen sind außerdem beispielsweise auf der Bahnstrecke von Lichtenberg nach Strausberg vorgesehen und auf der von Griebnitzsee nach Potsdam.

Einschränkungen auch auf der S-Bahn

Auch im S-Bahn-Netz stehen zahlreiche Bauprojekte an, die Sperrungen erforderlich machen: so zum Beispiel die Gleiserneuerung am Südring der S-Bahn auf dem Abschnitt Tempelhof - Neukölln - Baumschulenweg. Die Bauarbeiten sollen Ende Juni beginnen, dann ist die Strecke ab Treptower Park bis Tempelhof für vier Wochen gesperrt, die von Neukölln bis Baumschulenweg sogar bis Mitte August.

Um den Zeitraum klein und den Betrieb so weit als möglich aufrecht zu halten, wird in mehreren Schichten gearbeitet. Außerdem sollen im Rahmen der Bauarbeiten auch die Gütergleise genutzt werden. Dafür braucht es zusätzliche Weichen - was mit 1,3 Millionen extra zu Buche schlägt. 

Zuletzt 700 Kilometer Gleise erneuert

Einschränkungen sind unter anderem auch für die Gleiserneuerung auf der Strecke von Buch nach Bernau zu erwarten. Dort müssen sich Fahrgäste ab Mitte Juli für fünf Wochen auf Schienenersatzverkehr einstellen, auf der von Mahlsdorf nach Strausberg für drei Wochen ab Ende März und zwischen Priesterweg und Blankenfelde südlich von Berlin ab Ende Mai für vier Wochen.

Zu den Projekten gehört laut Bahn auch die Einrichtung neuer Zugsicherungsanlagen auf der S7 und der S5.

Bereits in den vergangenen fünf Jahren hat die Deutsche Bahn in Brandenburg und Berlin nach eigenen Angaben rund 700 Kilometer Gleise erneuert und 80 Brücken modernisiert.

Ein Projekt: Sanierung am Ostbahnhof

Zu den Bauvorhaben der Bahn in Berlin gehört auch die Sanierung des 100 Jahre alten Hallendachs am Berliner Ostbahnhof. Dieses Projekt sorgte bereits im Vorfeld für Aufmerksamkeit. Die Arbeiten sollen im März starten und bis 2025 dauern - bei größtenteils laufendem Betrieb. 

Die Dacherneuerung sei nötig, weil die Bahnsteighalle des Ostbahnhofs bei starkem Sturm oder hoher Schneelast gesperrt werden müssten, hatte die Bahn Mitte Januar bekannt gegeben. Das hätten statische Prüfungen ergeben. Es bestehe aber keine Gefahr für Reisende. 

Massive Stahlträger an die Fassade

Derzeit laufen Vorbereitungsarbeiten für die Dacherneuerung: Es werden massive Stahlträger außen an die Halle angebracht, die sie stützen sollen. Das sei nötig, weil die Erdanker ausgewechselt würden, die auch bereits 100 Jahre alt seien. Acht Stelen sind bereits angebracht, insgesamt sollen es 27 werden. Pro Woche kämen drei hinzu, hieß es von der Bahn.

Mit Erdankern wird versucht, das Dach des Berliner Ostbahnhofs zu erneuern. (Foto: rbb/Toledo)
Stahlträger sollen die Bahnhofshalle für die Sanierung stabilisieren | Bild: rbb/Toledo

Einschränkungen bei Gerüsteinbau

"Das sieht sehr martialisch aus", sagte der Konzernbevollmächtigte Kaczmarek und betonte, es bestehe keinerlei Gefahr. "Das wird alles mit einem Sensor-System überwacht." Diese Sensoren melden jede Bewegung des Bauwerks in die Leitstelle, wird ein bestimmter Wert überschritten, schlagen sie Alarm. Bisher blieben die Werte aber im unbedenklichen Bereich. "Dieser Bahnhof wird für die nächsten 100 Jahre tauglich gemacht", sagte Kaczmarek. 

Auch wenn die Sanierungsarbeiten am Ostbahnhof den Zug- und S-Bahnverkehr so wenig wie möglich beeinträchtigen sollen - Einschränkungen werde es dennoch geben, kündigte der Konzernbevollmächtigte an: nämlich, wenn das geplante Hängegerüst eingebaut wird. "Wir versuchen aber, einige Gleise benutzbar zu lassen", so Kaczmarek.

Sendung: Abendschau, 12.02.2020, 19:30 Uhr

Kommentar

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11 Kommentare

  1. 11.

    Verantwortungslos ist sicher, wer solch eine verantwortungslose EInstellung hat, trotz "rollender Bahn" Auto zu fahren:

    "Wie gut, dass es das Auto gibt. Auch, wenn die Bahn mal wieder rollen sollte." (Markus2)

    P.S. an alle Zugezogenen: Als Urberliner kenne ich alle Varianten des SEV! Die Kommentatoren 3-5 habe ich da wohl in ihrem wunden Punkt getroffen.

  2. 10.

    Wenn an der Bahn gebaut wird geht es leider nicht immer das ein Gleis zum fahren frei bleibt! Leider müssen die ganzen Baustoffe ja auch irgendwie dorthin. Dazu benötigt die Bahn leider das 2 Gleis! Oder beim tauschen von Brücken dann ist kein Gleis mehr da!

    Spannender wäre aber zb wenn zwischen Bernau und Berlin die SBahn gebaut wird warum fährt man nicht für Berlin Pendler einen zusätzlichen Re bis Gesundbrunnen oder Hauptbahnhof?

  3. 9.

    Ich denke solche Sperrungen kommen vor allem der S-Bahn entgegen um ihren Zugverkehr zu entlasten.
    Gerade auf der S5 ist ja seit Jahren eine dauerbaustelle.
    Das können sich halt nur Monopolisten erlauben.

  4. 8.

    Zum ersten sind mit der Zeit inzwischen die Regelungen was die Wahl der Sicherungsmaßnahmen betrifft Verschärft worden, und der Sipo ist, dabei mit die letzte Fall. Die Feste Absperrung ist da sehr schnell das Mittel, um das der Planner nicht rum kommt.

    Und zum anderen soll ja auch der Bahnverkehr vor den Gefahren die sich aus der Arbeit ergeben Geschützt werden, und das nun mal nicht die Aufgabe des Sipo´s.

    Wenn ich mich recht entsinnen kann, habe ich während des Umbaus in Ostkeuz nicht soviel Sipos täglich gesehn. Aber ok, wieleicht habe ich sie auch einfach nur übersehn.

  5. 7.

    Wie wärs mit 6 Ersatzbussen? Sicher haben alle ein Abo, die Fahrten sind doch bezahlt!

  6. 6.

    Warum immer ganze Vollsperrungen, wozu gibts denn Sicherungsposten? Hat doch am Ostkreuz auch geklappt.

  7. 5.

    Viel Spaß im Ersatzverkehr.....ich gebe Markus recht. Und woher wollen Sie wissen wer verantwortungslos ist oder nicht, wer ein Auto braucht oder nicht ?Hauptsache alle über einen Kamm scheren und sich als etwas Besseres hinstellen. Ganz großes Kino.

  8. 4.

    Wie gut das es gibt die nicht wissen was Schienenersatzverkehr bedeutet. Sehr oft kommen dann zwei vielleich drei Busse in die dann die Passagiere eines Doppelstock Regionalzug mit 5 Abteilen müssen. I

    Wie gut, dass nicht alle so wenig Ahnung haben wie Klaus Schreiber und sich als gerne als "besserer" Mensch hinstellen damit sie auf andere zeigen können wie schlecht "DIE" doch sind.

  9. 3.

    SEV ist keine Alternative im Berufsverkehr, der Steckt viel zu lange fest und fährt zu umständlich. Ich gehe doch nicht den großen Teil des Sommers eine Stunde früher aus dem Bett wegen Moralaposteln wie Ihnen.
    Für genau solche Situationen hat man ein Auto, das lasse ich doch sonst auch brav stehen im Namen des Klimagottes.

  10. 2.

    Markus2:
    "Wie gut, dass es das Auto gibt."

    Das Auto brauchen Sie nicht, denn es wird Schienenersatzverkehr geben.

    Markus2:
    "Auch, wenn die Bahn mal wieder rollen sollte."

    Wozu soll ein Auto gut sein, wenn die Bahn wieder fährt?

    Wie gut, dass nicht alle so verantwortungslos denken wie Markus2!

  11. 1.

    Meine Strecke ist betroffen. Alles klar. Wie gut, dass es das Auto gibt. Auch, wenn die Bahn mal wieder rollen sollte.

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