"Classic Days" 2019 auf dem Kurfürstendamm (Quelle: imago images/Zeitz)
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Classic Days abgesagt - Statt Oldtimer-Freunden demonstrieren Israel-Feinde

Im Mai sollte auf dem Kurfürstendamm die Oldtimer-Schau "Classic Days" stattfinden. Behörden meldeten am gleichen Tag auch den Al-Kuds-Tag an und die Klassiker-Parade musste der anti-israelischen Demo weichen.

Die Oldtimer-Parade "Classic Days" auf dem Berliner Kurfürstendamm fällt in diesem Jahr aus. 
Der Veranstalter Frank Peppel habe die Fahrt wegen des gleichzeitig stattfindenden Al-Quds-Marsches absagen müssen, bestätigte er am Montag rbb|24. Zunächst hatte der "Tagesspiegel" berichtet.

Die "Classic Days" waren für das Wochenende 16./17. Mai geplant. Seit sieben Jahren finden sie statt - im vergangenen Mai mit rund 2.500 Oldtimern und 160 Ausstellern. Dafür wird der Kurfürstendamm teilweise gesperrt. Peppel hatte die Veranstaltung für 2020 bereits im Mai 2019 bei den Behörden beantragt. Anfang dieses Jahres sei er dann telefonisch von den Behörden benachrichtigt worden, dass im September die Al-Kuds-Demonstration für den 16. Mai angemeldet wurde.

Seit sieben Jahren trafen sich die Oldtimer-Freunde

Peppel sagte rbb|24, er sei von den Behörden aufgefordert worden, eine Einigung mit dem Veranstalter des Al-Quds-Marsches zu suchen. Er habe sich auf ein Treffen mit dem Mann in einem Café eingelassen, eine Einigung sei aber nicht möglich gewesen. Auf eine Ausweichroute - etwa in die andere Richtung des Kurfürstendamms Richtung Halensee - habe sich der Veranstalter des Al-Kuds-Marsches nicht einlassen wollen.

Peppel zeigte sich tief enttäuscht, dass die "Classic Days" in diesem Jahr nicht stattfinden werden, die Veranstaltung habe über Jahre ein friedliches und positives Bild von Berlin vermittelt. Er könne sie aber nur organisieren, wenn es ein "reibungsloses Miteinander" mit den Behörden gibt.

Al-Kuds ist der arabische Name für Jerusalem

Bei dem Al-Quds-Marsch, der in Berlin seit 1996 stattfindet, gehen Demonstranten jedes Jahr gegen Israel und für das Existenzrecht Palästinas auf die Straße. Immer wieder kommt es dabei zu antisemitischen Äußerungen. Am Al-Kuds-Tag, der am Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan liegt, ruft der Iran jedes Jahr zur Eroberung Jerusalems auf.
Hintergrund ist die Besetzung Ost-Jerusalems durch Israel während des Sechstagekrieges 1967. Al-Kuds ist der arabische Name für Jerusalem.

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft hat sich für ein bundesweites Verbot des sogenannten Al-Kuds-Tags ausgesprochen. Es dürfe nicht sein, dass dieser Aktionstag wie eine normale
Demonstration behandelt werde, teilte die Gesellschaft am Montag mit. "Vernichtungswerbung gegen Israel darf es auf deutschen Straßen in den kommenden Jahren nicht mehr geben", so der Präsident der Gesellschaft, Uwe Becker.

"Ich kann nicht verstehen, warum nach Jahren der Diskussion über den Al Quds-Tag in Berlin offensichtlich noch nicht einmal eine besondere Sensibilität im Umgang mit diesem besonders gravierenden Aufmarsch der israelfeindlichen Lobby in unserem Land vorhanden ist", monierte Becker. Wenn statt für die "Classic-Days" nun die Ampeln für den Marsch auf Jerusalem auf grün geschaltet werden, ist dies bitter. Es darf keine grüne Welle für Israel-Hasser geben", so Becker.

"Nicht mal in der Abwägungsphase"

Ein Sprecher der Berliner Innenverwaltung sagte, Berlin wolle die Straße nicht Extremisten überlassen, jedoch seien Versammlungs- und Meinungsfreiheit hohe Güter. Zugleich wies er den Eindruck strikt zurück, dass der Al-Kuds-Demonstration Vorrang gegeben werde. Man sei
mit beiden Veranstaltern in ersten Gesprächen gewesen. Ohne Angabe von Gründen hätten die Organisatoren der Oldtimer-Schau aber ihre Anmeldung zurückgezogen. "Das war noch nicht mal in der Abwägungsphase."

Im Vorjahr waren bis zu 1.200 Al-Kuds-Demonstranten mit Auflagen über den Berliner Kurfürstendamm gezogen. Fahnen und Symbole der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah waren verboten, ebenso anti-jüdische Parolen. An Gegenprotesten nahmen der Polizei zufolge
zwischen 1.000 und 1.200 Menschen teil. Dazu aufgerufen hatte ein breites Bündnis aus Parteien, Gruppen und Initiativen.

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57 Kommentare

  1. 57.

    Es macht mich fassungslos, das Hetze gegen Israel in unserem Land geduldet wird. Das Al Kuds überhaupt eine Plattform in Berlins Mitte bekommt. Meinungsfreiheit hört dort auf, wo andere verletzt werden, egal in welcher Form. Dieser Fakt ist nicht zu leugnen. Ich wünsche mir mehr Mut von den Verantwortlichen und für unsere jüdischen Mitbürger, dass sie hier unbehelligt leben können.

  2. 55.

    Wie so oft, sind auch diese Behauptung nicht nachweisbar. Wieso wird krampfhaft versucht, die Verbrechen des israelischen Regimes mit nicht belegten Behauptungen "reinzuwaschen"? Diese ehrwürdigen Rabbiner derart zu degradieren und Unterscheidungen zwischen "guten säkularen und bösen orthodoxen" Juden zu machen ist antisemitisch. Anscheinend sind für einige Kommentatoren hier lediglich jene Juden akzeptabel, die ihre Religion nicht praktizieren. Mit solchen Unterscheidungen scheint der Antisemitismus wohl wieder salonfähig zu werden.

  3. 54.

    Zum Glück prüft der Innensenator jetzt, ob und wie die Al Quds Demo verboten werden kann. Langsam wird es wichtig, dass Demokraten Zeichen gegen Antisemiten setzt.

  4. 53.

    Die von ihnen erwähnten orthodoxen!! Rabbiner, die bei der Al Kuds - Demo mitlaufen, sind das "Feigenblatt" der Veranstalter.
    Orthodoxe Juden erkennen den israelische Staat nicht an, verweigern den Militärdienst und die staatlichen Feiertage, weil es kein Gottesstaat ist. Ihre Beschäftigung ist das orthodoxe Ausleben der jüdischen Glaubensregeln, das penetrante Missionieren der säkularen Israelis und das Warten auf den Messias!
    Erwerbstätigkeiten werden deshalb meist nicht nachgegangen, beim Beziehen von Sozialhilfe vom säkularen Staate Israel wird komischerweise " ein Auge zugedrückt"!

  5. 52.

    Traurig, das einige Kommentatoren völlig falsche Sachverhalte über diese polizeilich angemeldete und legale Demonstration darstellen. Das Verbrennen von Flaggen ist in Deutschland verboten und wäre ein Grund, diese Demonstration zu verbieten. Weder werden dort Flaggen verbrannt, noch "antisemitische" Sprechchöre gerufen. Kann man sich ja im Netz anhören. Antisemitisch hingegen ist es, alle Juden mit Israel und dessen Apartheid zu identifizieren. Nachweislich laufen bei der Al-Kuds-Demonstration alljährlich jüdische Rabbiner mit, die sich für die Einhaltung der Menschenrechte, insbesondere der Palästinenser, einsetzen und sich gegen die Politik und das Vorgehen Israels aussprechen.
    Selbst der Vorwurf, dass die Initiatoren die Demonstration doch bitte in "ihrer Heimat" veranstalten sollen, spiegelt den Rassismus und die Unwissenheit einiger Menschen wieder, da die Initiatoren Deutsche sind.

  6. 50.

    Ein Abriss des Nahostkonfliktes zu thematisieren, wäre ein abendfüllendes Programm... Nur wer einseitig Israel dafür verantwortlich macht, der sollte mal persönlich bei Hamas/Fatah/Hisbollah... nachfragen, wie die es denn so mit dem Existenzrecht Israels halten!! Und wer hinterhältig aus den Wohnvierteln in Gaza-Stadt Kasam-Raketen auf die damit erreichbaren Städte Israels feuert, der sollte nicht die Opferrolle als vermeintlichen Trumpf ausspielen.
    Das Einknicken der Berliner Verwaltung ist aus deren Sicht nachvollziehbar, man will wahrscheinlich wieder mal Diskriminierungsvorwürfen willfähig zuvorkommen. Dabei wäre es wahrscheinlich nicht schwer, Al Kuds zu verbieten: allein schon die politische Bedeutung wäre hinreichend, hinzu kommen die Vorkommnisse (antisemitisch Sprechchöre, Verbrennen von Flaggen) der letzten Jahre, vor allem 2014!!
    Nochmal was zum Antisemitismus: Kritik an der Politik der israelischen Regierung ist o.k und solange nicht antisemitisch, wie z.B. in gleichem Maße andere Staaten mit ähnlichen Besatzungsvorwürfen gleichfalls kritisiert werden!! Ich habe übrigens seit langem keine öffentliche Kritik an der Besatzungspolitik Chinas in Tibet gehört!!!!!

  7. 49.

    Genauso ist es! Es ist einfach nur eine Schande, das in Berlin die Plattform gegeben wird gewalttätig zu sein und zu Mord aufzurufen an Juden.
    Ich schäme mich für Deutschland !!!

  8. 47.

    Entschuldigung, wer dort mitmarschiert, weiß genau um die antisemitische Motivation der Organisatoren und macht sich daher mit denen gemein. Wer nur Israels Politik berechtigt kritisieren will, kann eine eigene Demo organisieren und läuft nicht dort mit!

  9. 46.

    Es ist schon spannend zu sehen, was hier in Deutschland dank Demokratie alles möglich gemacht wird. Hut ab, sag ich nur. Ein Veranstalter, der über Jahre hinweg den Kudamm zu einer Schaustraße macht, ihn wegzudemokratiesieren und eine Demo zu genehmigen, die nach einen Untergang eines Landes schreit, Jerusalem. Ich fass es einfach nicht. Ich schäme mich mittlerweile, Deutsche zu sein, weil von den feinen Herren nicht mal welche Eier in der Hose haben, den Veranstaltern dieser Demo einen anderen Termin zuzuteilen. Und wenn sie auf den Termin bestehen, danke absagen und sollen ihre Koffer packen und in ihrem Land demonstrieren. Echt zum .......

  10. 45.

    Sie sollten mal Ihre ideologische Brille abnehmen und Beiträge korrekt lesen.

    Zitat: Peppel hatte die Veranstaltung für 2020 bereits im Mai 2019 bei den Behörden beantragt. Zitat Ende
    Im September, also 4 Monate später, wurde die Al-Kuds Demo angemeldet. Warum sich der Veranstalter der Classic Days mit dem Veranstalter der Al-Kuds Demo einigen sollte, erschließt sich hier nicht. Ebensowenig das weitere Verhalten der Innenverwaltung. Zu diesem Sachverhalt wird die Behörde auch noch Stellung nehmen müssen.

    Des Weiteren wird den Teilnehmern dieser Demo nichts "unterstellt" Das sich ein Großteil der Teilnehmer lautstark antisemitisch äußert, ist schlicht eine überprüfbare Tatsache. Sie dürfen sich gerne die Filmaufnahmen der letzten Jahre ansehen.

  11. 44.

    @ Sandmännchen

    Diese Demo nimmt Bezug auf den al quds Tag, welcher durch den Iran initiiert wurde und die Vernichtung Israels als Ziel hat. Also ist gerade in Deutschland eine Demo, welche schaden des Staates Israel als Ziel hat sehr bedenklich.

  12. 43.

    Jeder Ort dieser Welt ist besser geeignet gegen die Siedlungspolitik Israels und den Stress um Jerusalem zu protestieren, als ausgerechnet Berlin und dann noch der Kudamm.
    Politisch und historisch bewusst Bürger Deutschlands haben Israel und den Juden aller Welt gegenüber noch ein besonderes Gefühl von Verantwortung und auch von Schuld.
    Und das muss auch so bleiben.
    Die wenigsten Länder setzen sich mit ihrem Völkermord (zb an Armeniern u Aramäern) auseinander und stehen dazu. Das wird geleugnet.
    Das muss man wohl nicht extra erklären und das muss ganz bestimmt nicht jeder verstehen, schon gar keine Mitbürger, denen Deutschlands Geschichte nicht präsent ist.
    Aber manche Menschen, auch junge Leute haben diese Sensibiltät, das sieht man auch in vielen Kommentaren. Zum Glück!
    Ich möchte jedenfalls nicht, dass auf dem Kudamm unter Gejohle und Gekreische die iraelische Flagge und gleich daneben, wie üblich, die US Flagge verbrannt werden.
    Klärt die Nahost Politik endlich vor Ort, oder gern auch in Washington, wo ständig Öl ins Feuer gegossen wird.

  13. 42.

    Nö, wozu das denn? Wenn alle Volksfeste aufgrund von unerfüllbaren Auflagen abgesagt werden (Baumblütenfest, Biermeile, ja sogar etwas alkoholfreies wie das Kaltblüterrennen) dann kann es auch keine ILA geben... ist doch super: Berlin (und Brandenburg!) ist dann künftig nur noch eine Bettenburg für die spießige Dazugezogenschaft... und noch nicht einmal das: die haben ja zuhause noch ihre Weinfeste... danke, daß Ihr in Eurer neuen Heimat alles so toll aufnehmt und Euch prima integriert!!!

  14. 41.

    Hallo,

    aus dem Artikel geht nicht hervor, dass die Veranstalter der Oldtimer-Show sich vorher angemeldet hätten. Zudem ist es schon perfide, einer Demonstration, die seit mindestens 24 Jahren in Berlin auf die Menschenrechtsverletzungen gegen die Palästinenser aufmerksam macht, Antisemitismus zu unterstellen. Es ist traurig, dass wir in Deutschland unsere Augen gegen dieses Unrecht krampfhaft verschließen und jede Menschenrechtsverletzung Israels mittragen.

  15. 40.

    Lieber AGB, ich glaube, wir reden hier an einander vorbei. Selbstverständlich soll jeder seine Meinung offen sagen, vertreten und dafür demonstrieren können. Für dieses Recht war ich 89 auf der Straße. Sich den Weg aber durch ein Volksfest zu bahnen, wie die Classic Days um die eigenen Meinung in diesem Umfeld möglichst zu potenzieren, finde ich unpassend. Da ist auch die, sicherlich zu hinterfragende israelische Politik kein Grund.
    Verantwortlich sind die politischen Entscheider in den Behörden, die einfach nicht den Arsch in der Hose haben, eine klare Weisung zu erteilen und den Demonstranten einen anderen Raum oder eine andere Zeit vorzugeben um Kollisionen beider Veranstaltungen zu verhindern.
    Als Sammler von automobilem Kulturgut bin ich selbst betroffen und würde keines meiner Fahrzeuge an den Kudamm stellen, wenn ich darauf gefasst sein müsste, dass dort eine radikale Demo durchmarschiert. Mir wäre da völlig Wurst für oder gegen was die da aufmarschieren. LG Martin

  16. 38.

    Nur nochmal zur Erinnerung:
    Die Classic Days haben sich zuerst angemeldet, also war das Wochenende 16./ 17. 05.2020 auf dem KuDamm längst für die Classic Days geblockt. Was heißt da jetzt Abwägungsphase?
    Wenn man also den Al-Quds-Marsch nicht verhindern kann weil wir nun mal ( glücklicher Weise) in einer Demokratie leben, dann hat er aber nicht am 16.05.2020 auf dem KuDamm stattzufinden.
    Eine völlig verkorkste Aktion der Berliner Innenverwaltung. Und wenn sich der Senat 2018
    zu Israel bekennt,kann ich die Genehmigung einer Anti-Israel-Demo in unserer Stadt nicht nachvollziehen,trotz Demokratie.

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