Beschlagnahme Zigaretten im Berliner Hauptzollamt (Bild: imago images/Sven Lambert)
Video: Abendschau | 12.02.2020 | Rainer Unruh | Bild: imago images/Sven Lambert

Einbruch in Asservatenkammer - Millionen Zigaretten aus Berliner Hauptzollamt gestohlen

Nicht nur die Berliner Polizei ist in jüngster Zeit Opfer von Einbrüchen geworden, jetzt trifft es auch das Hauptzollamt. Schon vor gut zwei Wochen stiegen dort Unbekannte in die Asservatenkammer ein - und entkamen mit reicher Beute.

Aus der Asservatenkammer des Berliner Hauptzollamts sind rund 5,2 Millionen beschlagnahmte, unversteuerte Zigaretten gestohlen worden. Das bestätigte der Sprecher der Behörde am Mittwochmorgen im Gespräch mit rbb|24. Zuvor hatte die "Berliner Morgenpost" berichtet.

Der Vorfall ereignete sich demnach bereits am 26. Januar. In welchen Standort des Hauptzollamtes eingebrochen wurde, wollte der Sprecher nicht sagen. Die Behörde hat ihren Hauptsitz am Mehringdamm in Kreuzberg, weitere Dienststellen befinden sich an der ehemaligen Grenzstation Dreilinden, in Marzahn und in Schöneberg.

Neben den Zigaretten sei auch eine große Menge von unversteuertem Shisha-Tabak gestohlen worden, sagte der Sprecher weiter. Wie genau der Diebstahl gelang, wollte er nicht ausführen, "um mögliche Nachahmer nicht auf den Plan zu rufen".

Die Anzahl der Zigaretten entspricht 26.000 handelsüblichen Stangen mit einem Gesamtgewicht von 3,4 Tonnen. Das entspricht einem Steuerschaden von mehr als einer Million Euro.

Bericht: Kein dauerhafter Wachschutz

Das Zollfahndungsamt sei auf der Suche nach den Tätern, hieß es. Bislang verliefen die Ermittlungen sehr vielversprechend, deutete der Sprecher an. Aus ermittlungstaktischen Gründen könne er aber keine Einzelheiten nennen. Nach Informationen der "Berliner Morgenpost" ist die Asservatenkammer des Berliner Hauptzollamts nicht ausreichend gesichert. So soll es keinen dauerhaften Wachschutz und eine veraltete Kamera am Eingang geben.

In den vergangenen Jahren hatte es in Berlin bereits Einbrüche in mangelhaft gesicherte Polizeigebäude und Vorfälle auf den Sicherstellungsgeländen der Polizei gegeben.

Shihsa-Tabak-Schmuggler aufgeflogen

Im Dezember war Polizei und Zoll in Berlin ein Schlag gegen ein illegales Shisha-Tabak-Vertriebsnetz gelungen. Bei dem Einsatz im Auftrag der Staatsanwaltschaft konnten 1,1 Tonnen unversteuerter Wasserpfeifen-Tabak sichergestellt werden. Verbindungen zu arabischstämmigen Clans wurden von der Polizei nicht ausgeschlossen.

Seit Dezember 2018 sei die gemeinsame Ermittlungsgruppe "Zigaretten" (GE Zig) des Zollfahndungsamts Berlin-Brandenburg und des Landeskriminalamts Berlin der Gruppierung von Tatverdächtigen auf der Spur gewesen, hieß es von der Polizei. Die fünf Beschuldigten im Alter zwischen 30 und 40 Jahren sollen neben zwei legalen Ladengeschäften mit angeschlossenem Online-Handel auch eine illegale Vertriebsschiene mit selbst hergestelltem Wasserpfeifentabak aufgebaut haben.

Ob der Diebstahl des Shisha-Tabaks aus dem Hauptzollamt mit diesem Fall in Verbindung steht, ist unklar.

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19 Kommentare

  1. 19.

    Beweismittel werden erst nach Abschluss des Steuerstrafverfahrens vernichtet, das sollte jedem einleuchten. Leider ist die Justiz in Berlin hoffnungslos unterbesetzt, sodass solche Verfahren über viele Jahre laufen.

  2. 18.

    Warum ist so etwas nur in Berlin möglich? Soll das einen Zusammenhang mit der Berliner Politik herstellen. Vielleicht wissen Sie nicht, dass der Zoll eine Bundesverwaltung ist und die Berliner Politik daher mit den Mängeln bei den Zolldienststellen in Berlin nichts zu tun hat.

  3. 17.

    Todesstrafe für Zigarettenschmuggel scheint mir reichlich überzogen. Auch als "Erziehungsmaßnahme" mit einer Schachtel ist das wohl eher Körperverletzung.

  4. 16.

    Wäre auch für eine sofortige Vernichtung, sollte man mal drüber nachdenken.

  5. 15.

    Es ist schon eigenartig, erst werden die Zigaretten/Tabak bei Razzien sichergestellt und dann werden die Asservate geklaut.

  6. 14.

    Vielleicht war es nur ein Ablenkungsmanöver mit dem Tabakdiebstahl schließlich lagern in der Asservatenkammer auch wichtige andere Beweisstücke.

  7. 13.

    Erst der Goldtaler dann die Zigaretten . Demnächst fehlt der Funkturm und keiner merkt etwas.
    Schuld ist wieder einmal die Sparpolitik unserer ach so guten Regierung.

  8. 12.

    Da war sicherlich einer aus der Dienststelle dran beteiligt?Man geht wohl kaum Maskiert in solche Gebäude rein.
    Also war hier Insiderwissen vorhanden.

  9. 11.

    Das ist keine "alte Erziehungsmaßnahme" sondern gefährliche Körperverletzung. In Bayern wird allein fürs Rauchen lassen (Kinder / Jugendliche) nach Jugendschutzgetz ein Bußgeld von bis zu 2.000 Euro eingezogen - in Berlin kostet das lächerliche 50-200 Euro. Vielleicht gilt es hier doch noch als altertümlicher Brauch ;)

  10. 10.

    Da sind Sie ja schon überm Finanzminister angelangt. Gehen Sie lieber kegeln; lassen die Kugel rollen. :=)

  11. 9.

    Das rauchen überhaupt noch legal ist. Tabak und Kaminöfen produzieren mehr Feinstaub als andere private Verbraucher. Eine Kippe verseucht 40 Liter Wasser.
    Das einzige, was hier illegal ist, ist dass ein Beteiligter kein Geld beim Vertrieb von einem Nervengift, das jährlich viele Menschen tötet, bekommen hat. Der Staat.

  12. 8.

    Nicht mal mehr eine Nachtschicht bewacht die beschlagnahmten Sachen. Hätte ich was zu sagen würden drei bis sieben Etagen höher die Köpfe rollen.

  13. 7.

    Welch ein Glück, dass keine Zollbeamte gestohlen wurden. Aber wir alle sollten für eine hochmoderne Kamera sammeln.

  14. 6.

    ...am besten den damaligen Schmugglern (denen man das Zeug abgenommen hatte) Alles an Ort und Stelle aufrauchen lassen...

    Das ist eine alte Erziehungsmaßnahmen von Eltern, die Ihre Kinder mit ner Schachtel Kippen erwische haben.

  15. 5.

    Mario, in Berlin ist alles möglich!!!

  16. 4.

    Das ist ja wohl ein Lacher..... wie kann denn so etwas passieren......

  17. 3.

    Ihre Tastatur, vermutlich ostasiatischer Herkunft, hat eine Macke oder Sie haben nur versehentlich die Feststelltaste aktiviert.

    Praktisch kommen Sie in nahezu jedes Objekt hinein - überall auf der Welt. Sie können mitten im Kalten Krieg auf dem Roten Platz in Moskau mit ihrer Cessna landen, es gab Morde und Banküberfälle in der DDR - und Sie regen sich Hierüber so aus? Das steht in keinem Verhältnis zum Geschehen.

  18. 2.

    In Zukunft das Zeug vielleicht direkt vernichten anstatt einzulagern.

  19. 1.

    SELBSTBEDIENUNGSLADEN DEUTSCHLAND. ....
    Es wird immer grotesker.

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