Im Einsatz hat einen Streifenwagen in Berlin-Marzahn einen Fußgänger erfasst (Quelle: Morris Pudwell).
Video: rbb|24 | 15.02.2020 | Material: TeleNewsNetwork | Bild: Morris Pudwell

Berlin-Marzahn - Fußgänger stirbt nach Zusammenstoß mit Polizeiauto

Nach dem Tod eines Fußgängers in Berlin-Marzahn gibt es unterschiedliche Versionen zum Unfallhergang. Ein Polizeiauto hatte den 30-Jährigen erfasst und tödlich verletzt. Ein Augenzeuge sagte rbb|24, weder Blaulicht noch Sirene seien angeschaltet gewesen.

Bei einem Unfall mit einem Polizeiauto in Berlin-Marzahn ist in der Nacht zu Samstag ein 30-jähriger Fußgänger getötet worden. Wie ein Polizeisprecher rbb|24 sagte, ist der Funkwagen auf dem Weg zu einem Raubdelikt in der Nähe des Unfallortes gewesen.

Fußgänger stirbt schwer verletzt im Krankenhaus

Gegen 22.45 Uhr sei der Fußgänger auf die Allee der Kosmonauten gelaufen und von dem Einsatzwagen erfasst worden. Dabei sei der Mann schwer verletzt worden. Der Unfall habe sich auf der Höhe des S-Bahnhofs Springpfuhl ereignet, so die Polizei. Ein alarmierter Rettungswagen habe den Schwerverletzten anschließend ins Krankenhaus gefahren, wo er seinen Verletzungen wenig später erlegen sei.

Nach ersten Erkenntnissen sei der Wagen mit Blaulicht unterwegs gewesen, sagte der Sprecher. Wie hoch die Geschwindigkeit des Wagens war und ob zusätzlich die Sirene eingeschaltet war, müsse noch ausgewertet werden. Außerdem müsse geklärt werden, ob der Fußgänger unvorsichtig über die Straße ging.

"Weder Blaulicht noch Sirene"

Nach Informationen des rbb ist allerdings unklar, ob die Besatzung des Polizeiautos ausreichend auf sich aufmerksam gemacht hat. Wie ein Augenzeuge am Samstagabend gegenüber rbb|24 sagte, ist "weder das Blaulicht noch die Sirene des Einsatzfahrzeugs angeschaltet" gewesen. Erst nachdem der Wagen mit dem Fußgänger kollidiert sei, habe das Warnlicht geleuchtet, sagt der Mann.

Weiter heißt es, dass mehrere Zeugen das Fehlen von Blaulicht und Sirene beobachtet haben müssen, da an der Straßenbahnhaltestelle mehrere Personen gestanden hätten. Außerdem hätten Busse eines Schienenersatzverkehrs (SEV) etwa 30 Meter entfernt vom Unfallort auf Fahrgäste gewartet, so die Informationen des rbb. Laut S-Bahn Berlin ist seit Freitagnacht am Bahnhof Springpfuhl zwischen 22 und 1.30 Uhr ein SEV eingerichtet.

Ermittlungsverfahren: Verdacht der fahrlässigen Tötung

Wie der Polizeisprecher sagte, hätten die Insassen des Funkwagens - ein Polizist und eine Polizistin -  einen Schock erlitten und seien derzeit nicht im Dienst. Gegen den Fahrer sei ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung eingeleitet worden.

Laut Polizei hatte der Fahrer nach dem Vorfall freiwillig einen Atemalkoholtest durchführen lassen, dieser sei negativ verlaufen. Auch einer Blutentnahme und einer Fahrtüchtigkeitskontrolle habe er zugestimmt. Derzeit untersuche der Verkehrsermittlungsdienst Umstände und Hergang des Unfalls. Außerdem hätten sich bei der Polizei in Marzahn Zeugen gemeldet, bestätigte der Sprecher.

Raubüberfall wegen Drogen

Bei dem Raubdelikt, zu dem die Polizisten fahren wollten, sollen drei Tatverdächtige Drogen von einem Mann gefordert haben. In einer Nebenstraße unweit des Unfallorts habe sich der Mann gewehrt, sagte der Polizeisprecher. Dabei habe er nach derzeitigen Erkenntnissen mit einer Schreckschusswaffe geschossen. Verletzt worden sei aber niemand. Dem Sprecher zufolge nahm die Polizei drei Beteiligte fest, einer der mutmaßlichen Räuber sei noch flüchtig.

Vor einem Monat war ein Berliner Polizist angeklagt worden, der im Januar 2018 mit einem Polizeiauto nahe des Alexanderplatzes den Wagen einer 21-Jährigen gerammt haben soll. Die Frau war noch an der Unfallstelle gestorben. In diesem Fall wirft die Staatsanwaltschaft dem Polizisten vor, unter Alkoholeinfluss gefahren zu sein.

Großeinsatz in Berlin wegen Schießerei

Wegen einer Schießerei am Tempodrom in Kreuzberg, bei der in der Nacht zu Samstag ebenfalls ein Mensch ums Leben kam, war die Berliner Polizei im Großeinsatz.

Zahlreiche Einsatzkräfte, auch aus der Direktion des Unfallwagens von Marzahn, wurden zum Tempodrom verlegt. Infolge der Einsatzlage wurden Kräfte aus anderen Bereichen zusammengezogen, um die Unfallstelle in Marzahn abzusichern.

Sendung: Inforadio, 15.02.2020, 8:40 Uhr

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Antwort auf [Rainerharald] vom 15.02.2020 um 19:16
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14 Kommentare

  1. 14.

    Durch den Gebrauch von Blaulicht und Zweitonhorn - und nur durch den gleichzeitigen Gebrauch von beidem - entsteht den anderen Verkehrsteilnehmern eine Pflicht, freie Bahn zu schaffen. Der Fahrer des Einsatzfahrzeuges erhält aber selbst dann keine zusätzlichen Rechte - er ist immer noch in der Pflicht, so zu fahren, dass kein Unfall passiert. Von dieser Pflicht befreien ihn keine "einsatztaktischen Gründe" hin, und keine Rücksicht auf "Lärmschutz" her. Der Fahrer eines Einsatzfahrzeuges, der ohne Gebrauch des Zweitonhorns die normalen Regelungen der StVO übertritt, und in einen Unfall verwickelt wird, wird der der Feststellung einer Mitschuld nur schwer entgehen. So ist die Rechtslage, ohne über irgend einen konkreten Fall reden zu müssen - und wer das nicht weiss, fährt bitte hoffentlich kein Einsatzfahrzeug...

  2. 13.

    Das kann ich für Rettungswagen ebenfalls bestätigen. Habe bereits mehrfach erlebt, dass es zu unangenehmen und auch gefährlichen Situationen kam, weil auf das Signalhorn beispielsweise vor belebten Kreuzungen verzichtet wurde. So sehr ich sonst für das Vermeiden von Lärm bin, dort erfolgt es an der falschen Stelle. Liebe Einsatzwagenfahrer, am hellichten Tag nimmt man das Blaulicht allein sehr schlecht war. Wenn ihr von hinten kommt unter Umständen gar nicht. Dass der aktuelle Unfall nachts geschah, deutet allerdings darauf hin, dass die Zeugen wohl rechter haben werden, als die zur Wahrheit verpflichteten Beamten... Na ja, das werden die Ermittlungen ergeben. Mein Beileid den Hinterbliebenen.

  3. 12.

    Halten Sie Kommentare für angebracht, die (entgegen der StVO) völlig selbstverständlich von einer Haupt-Schuld des Polizisten ausgehen?

  4. 11.

    Die primäre Unfallursache ist doch wohl nicht die fehlende Sirene, sondern dass jemand offensichtlich vor einem Bus über die Straße gelaufen ist, ohne (ausreichend) auf den Verkehr zu achten. Dass man das nicht tut, weil man dabei überfahren werden kann, lernt man schon im Kindergarten.

    Die Sirene nicht anzuschalten, hat oft einsatztaktische Gründe, man möchte die Täter ja stellen und nicht vor der anrückenden Polizei warnen. Für andere Verkehrsteilnehmer (Radfahrer, Fußgänger) und Anwohner (Kleinkinder, Menschen mit Schlafproblemen etc.) ist es ohne Gehörschutz unerträglich, wenn Sirenen unnötig laufen, gerade nachts.

    Ob und welche Mitschuld ggf. den Fahrer trifft, werden die Ermittlungen zeigen.

  5. 10.

    Halten Sie Ihren Beitrag unter dieser Meldung, der dem überfahrenen Fussgänger offenbar die Schuld für den Unfall zuweist, für angebracht, Uwe?

  6. 9.

    Alles unnütze Mutmaßungen hier. Auch mit Martinshorn und Blaulicht darf man niemanden totfahren (auch keinen mit Kopfhörer auf dem Kopf).
    Umgekehrt ist man auch als Autofahrer nicht immer Schuld an einem Unfall. Ebensowenig, wie nicht jeder Fußgänger nicht nach rechts oder links schaut.

    Es wird in diesem Fall ermittelt. Das ist gut so. Und dann steht am Ende hoffentlich fest, wie sich die Verantwortlichkeiten verhalten.

    vg,

  7. 8.

    Der Fahrer eines Einsatzfahrzeuges ist für seine Fahrweise voll verantwortlich. Benutzt er das Zweitonhorn nicht, darf er nicht damit rechnen, dass andere Verkehrsteilnehmer in wahrnehmen und sich entsprechend verhalten. Er hat dann in einem Verkehrsstrafverfahren relativ schlechte Karten. Habe leider oft beobachten müssen, dass Einsatzfahrzeuge in Berlin sehr sparsam mit dem Zweitonhorn umgehen. Ob das aus falscher Rücksicht gegenüber klagefreudigen Anwohnern passiert, oder aus einem anderen Grund, ist mir nicht bekannt.

  8. 7.

    Leider ist es heutzutage völlig aus der Mode gekommen, dass man, bevor man die Straße überquert, erst einmal nach links und rechts schaut UND dann über die Straße geht! Früher wurde das einem noch "eingetrichtert".
    Heutzutage wird, egal, ob ein Überweg ist, oder nicht, wie eine Rotte Wildschweine alles überquert, auch Tramgleise!
    Und Dank Handy und Kopfhörer ist es eigentlich immer nur eine Frage der Zeit, bis solche folgenschwere Unfälle passieren...

  9. 6.

    Mir ist das sch.. Drogendelikt sowas von schnurz - da ist ein Mensch tot, mit Martinshorn wäre das nicht passiert. Stiller Alarm, dass ich nicht lache - rechtfertigt das Anschleichen an Taschendiebe bei 100 kmh ohne Sirene den Verlust von Menschenleben?
    Das Mädel in Mitte ist auch tot, weil ein (mutmaßlich betrunkener) Polizist bei stark überhöhter Geschwindigkeit zu einem nicht vorhandenen Einsatz (fake) fuhr. In Teltow starb ein Ehepaar, weil ein Einsatzwagen ohne Sirene auf eine Ampelkreuzung bretterte, am Bahnhof Teltow (Nabel der Welt) gab es offenbar Streitereien mit einem Kollegen und Suffköppen. Zwei Menschen tot.

    Stiller Alarm?

    Sag das mal den Eltern oder Kindern der Toten....

  10. 5.

    Ist es so schwierig, alle Polizei-, Feuerwehrautos und Rettungswagen mit Dashcams auszustatten? Immer wieder diese nichts nützigen Vermutungen, die elendig lange Ermittlungen nach sich ziehen.

    PS: ob Polizei oder wer auch immer, wenn man über die Straße geht, schaut man nach links und rechts und läuft nicht einfach drüber. Das ist wirklich nicht schwer!

  11. 4.

    Sehr schlimme Sache, Beileid den Betroffenen!

    Erstens darf ein Einsatzfahrzeug nur unter Sonderrechten die StVO verletzen.
    Zweitens gibt's einen sogenannten Stillen Alarm, zum Beispiel bei einem Raub gegenwärtig.
    Aber hey, wenn die Polizei mit Lichtorgel und Soundpool angerückt wäre hätte man sich darüber erregt, dass die bösen Räuber weglaufen konnten weil die doofen Polizisten mit vollem Bohei angerückt sind... Hauptsache nörgeln.

  12. 2.

    Ich kenne die Sachlage nicht, jedoch wird oft genug auf die Sirene verzichtet, leider. Dabei sind die Polizeisirenen in Berlin eher leise, anders als die Feuerwehrsirenen. Leider sind im Bereich von Bahnhöfen und Kreuzungen häufig Menschen unterwegs, die auch noch mit Kopfhörern sich die Ohren verschließen. Das ist übrigens des öfteren eine Unfallursache gewesen.

  13. 1.

    ganz schreckliche Sache... leider gibt es wohl keine Vorschrift, die besagt, dass Streifenwagen beim Überschreiten der zulässigen Geschwindigkeit neben Blaulicht auch Martinshorn anschalten MÜSSEN. Heutzutage, wo so viele mit LED oder Halogenlicht am Auto fahren, ist es oft genug schwierig, das lautlose Blaulicht mit seiner Dringlichkeit rechtzeitig zu entdecken. Kurz vor knapp - an Kreuzungen vielleicht? - wird oft das Martinshorn zugeschaltet, dann weiss man selbst als Autofahrer nicht, wohin man verschwinden soll...

    Allen Angehörigen und Freunden mein herzliches Beileid. Hoffentlich sind Menschen da, die Sie auffangen....

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