Symbolbild: In einem Waffengeschäft wird das Magazin einer Schreckschusspistole geladen. (Quelle: dpa/Uli Deck)
Bild: dpa/Uli Deck

Zahlen der Berliner Polizei - Illegales Schießen mit Schreckschusswaffen nimmt zu

Eine Schreckschusswaffe zu kaufen ist einfach - nach Ansicht der Berliner Polizeigewerkschaft zu einfach. Immer öfter werden solche Waffen in der Hauptstdt illegal in der Öffentlichkeit getragen und auch abgefeuert.

Die Berliner Polizei registriert immer mehr Fälle, in denen Menschen illegal Schreckschusswaffen in der Öffentlichkeit tragen oder sogar damit schießen.

Im vergangenen Jahr wurden von der Polizei 335 Straftaten gegen das Waffengesetz mit Schreckschusswaffen erfasst. In den Jahren davor lagen die Zahlen, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen, jeweils deutlich darunter. 2018 waren es 265 Verstöße, 2017 nur 209. Schreckschusswaffen sehen oft täuschend echt aus, knallen laut und stoßen heißes Gas aus. 

Auch mit Kleinem Waffenschein ist das Abfeuern nicht erlaubt

Erlaubt ist der Kauf und Besitz der sogenannten Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen für jeden Erwachsenen. Verkauft werden die Pistolen in Waffenläden und im Internet für 100 bis 150 Euro. In der Öffentlichkeit mit sich tragen darf man sie aber nur, wenn man einen sogenannten Kleinen Waffenschein besitzt. Auch hier ist die Zahl stark gestiegen: 2010 wurden 7.700 Kleine Waffenscheine ausgegeben, im vergangenen Jahr waren es rund 21.000.

Selbst mit Waffenschein ist das Abfeuern von Schreckschusswaffen in der Öffentlichkeit verboten. "Das gilt auch an Silvester", heißt es fett gedruckt auf der Internetseite der Berliner Polizei [berlin.de/polizei]. Daran halten sich aber viele Besitzer nicht. Seit Jahren seien Schreckschusspistolen ein Problem, stellte die Polizei in ihrer Bilanz zum letzten Jahreswechsel fest. 

GdP: Verkauf reglementieren

Polizeipräsidentin Barbara Slowik sagte kürzlich, das verbotene Schießen mit den Pistolen habe "fast inflationär" zugenommen. Dabei können Schüsse aus der Nähe gefährlich sein und durch ausgestoßene heiße Gase zu ernsthaften Verletzungen führen. Die Anzahl anderer Straftaten wie Bedrohung, Raub oder Diebstahl, bei denen der Täter eine Schreckschusspistole einsetzte, änderten sich über die Jahre kaum. In Berlin waren es jeweils etwa 100.

Die Gewerkschaft der Polizei in Berlin fordert, den Verkauf von Schreckschusswaffen an das Vorzeigen des Kleinen Waffenscheins zu koppeln und den Internehthandel zu reglementieren. "Die Waffen sind kein Kinderspielzeug, sondern sehr gefährlich", sagte Gewerkschsaftssprecher Benjamin Jendro: "Einsatzkräfte können auf den ersten Blick nicht unterscheiden, ob es eine scharfe Waffe ist oder nicht."

Sendung: Abendschau, 02.02.2020, 19:30 Uhr

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8 Kommentare

  1. 8.

    Genau, hier in Pankow Nähe Wollankstr. waten wir durch Zentimeter hoch liegende Patronenhülsen.

    Über Sinn und Unsinn dieser Waffen kann man streiten aber Blödsinn erzählen und Bange machen gilt nicht!

  2. 7.

    Zitat: "Sie tun so, als hätten wir hier amerikanische Verhältnisse. Leider nicht. Sorry, aber wer sich bewaffnet gegen einen Vertreter des Staates stellt, und sein Handeln nicht einstellt wenn dieser Vertreter als solcher zu erkennen gibt, der muss im Zweifelsfall damit rechnen zu Schaden zu kommen."

    Das ist doch eine Aussage, die keinen Bezug zum dem Fall der getöteten Frau in Friedrichshain hat, auf den "Klara Fall" rekurriert, Ralf. Und ihr "leider nicht" dazu, dass wir hier keine "Amerikanischen Verhältnisse" haben, finde ich mehr als befremdlich. Diese Verhältnisse würden bedeuten, dass es jedes Jahr tausende Tote durch Waffengewalt zu beklagen gäbe. Das kann man nicht wollen!

  3. 6.

    Selbst hier in Schönefeld sah und sieht es nach Silvester aus wie auf einem Truppenübungsplatz. Überall liegen Hülsen. Und nein, es sind tatsächlich nicht nur Hülsen von den 30 Cousins, die die große Baustelle hier als Zieldarstellung genutzt haben, sondern auch Otto-Notmalbürger, die wie selbstverständlich mit kleinen Kindern aus dem Haus kommen und dann mit Vogelschreck über die Viehweide schießen.

  4. 5.

    Ich gebe Ihnen vollkommen Recht.
    Nur eines irritiert mich, Ihre Aussage: "Leider nicht." Ich würde eher sagen: "Zum Glück nicht." Amerikanische Verhältnisse möchte ich nicht haben.

  5. 4.

    Es finden also "inflationär" oft Erschießungen von psychisch Kranken durch Polizeibeamte in Berlin statt.

    Bitte erhellen Sie doch ihre Mutmaßungen mit Fakten!

    Wie oft wurden-sagen wir einmal in den letzten 10 Jahren- psychisch Kranke durch Polizeibeamte in Berlin erschossen?
    Bitte belegen Sie auch die "inflationäre" Steigerung der Tötungen!
    Vielen Dank.

  6. 3.

    Sie tun so, als hätten wir hier amerikanische Verhältnisse. Leider nicht. Sorry, aber wer sich bewaffnet gegen einen Vertreter des Staates stellt, und sein Handeln nicht einstellt wenn dieser Vertreter als solcher zu erkennen gibt, der muss im Zweifelsfall damit rechnen zu Schaden zu kommen.
    Bei dem was sich manche Mitbürger in Uniform bieten lassen müssen, passiert tatsächlich zu wenig vergleichbares.
    Und genau diese Tatsache trägt dazu bei, dass bestimmte Idioten scheinbar nicht kapieren wollen, wozu es Regeln und Gesetze gibt. Und am Ende wird es der Anwalt schon richten.

  7. 2.

    Gut, dass die Polizei das verfolgt. Sinnvoll wäre die Einführung eines Sachkundenachweises, da offenbar viele ahnungslos oder mutwillig illegal mit den Waffen umgehen. Die Schreckschusswaffen auch im Waffenregister zu registrieren kann helfen einen Überblick über die tatsächliche Verbreitung der Waffen zu bekommen. Bundesweit gibt es über 600.000 ausgestellte Kleine Waffenscheine, aber wahrscheinlich Millionen von Schreckschusswaffenbesitzern (zu Hause und in der Firma immer noch erlaubnisfrei).
    In Berlin liegen tatsächlich vielerorts die verschossenen Patronenhülsen herum.

  8. 1.

    Slowik sollte was gegen inflationäres erschießen vermeintlich psychisch auffälliger Menschen durch ihre Uniformträger tun. Diese Entwicklung verharmlost sie und deckt die Täter. Davon soll die Schreckschuss Debatte nur ablenken.

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