20.02.2020, Berlin: Zwei der Angeklagten sitzen zwischen ihren Anwälten im Gerichtssaal (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Video: Abendschau | 20.02.2020 | Norbert Siegmund | Bild: dpa

Urteile in Berlin - Drei Haftstrafen für Goldmünzen-Diebstahl - ein Freispruch

Drei Jahre nach dem spektakulären Diebstahl der riesigen Goldmünze aus dem Bode-Museum hat das Gericht sein Urteil verkündet. Drei Angeklagte erhalten Haftstrafen, einer davon eine Jugendstrafe. Ein vierter Mann wird freigesprochen.

Knapp drei Jahre nach dem spektakulären Diebstahl einer 100 Kilogramm schweren Goldmünze "Big Maple Leaf" aus dem Berliner Bode-Museum ist am Donnerstagmorgen das Urteil gegen vier Angeklagte gefallen: Ein 21- und ein 23-Jähriger wurden je zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt, ein weiterer 21-Jähriger erhielt eine Jugendstrafe von drei Jahren und vier Monaten. Der älteste Angeklagte, ein 25-Jähriger, wurde freigesprochen.

Die Staatsanwaltschaft am Landgericht Berlin hatte Haftstrafen von fünf bis zu sieben Jahren wegen gemeinschaftlichen Diebstahls im besonders schweren Fall gefordert. Die Beschuldigten seien professionell, gezielt und gut informiert vorgegangen.

Staatsanwaltschaft vertraut auf die Indizien

Im Plädoyer sprach die Staatsanwaltschaft von der "spektakulärsten Straftat in Berlin seit dem Zweiten Weltkrieg". Die Anklage stützte sich auf das Zusammenspiel verschiedener Indizien. Die Staatsanwaltschaft sprach von einem aus Mosaiksteinen zusammengesetzten Beweisbild, das in der Gesamtbetrachtung jedoch überzeugend sei.

Die Verteidiger der Männer im Alter zwischen 21 und 25 Jahren verlangten dagegen Freispruch. Es gebe keine unmittelbaren Tatzeugen und Beweise. Außerdem gebe es keine eindeutigen Spuren wie Goldsplitter. Im Fall einer Verurteilung beantragten die Anwälte zweier Angeklagter hilfsweise, dass zumindest das Jugendstrafrecht angewandt werden solle. Dem wurde offenbar stattgegeben.

Ermittler vermuten die Zerstörung der Goldmünze

In der Nacht zum 27. März 2017 sollen drei der deutschen Angeklagten, die zu einer polizeibekannten arabischstämmigen Familie gehören, über ein Fenster in das Museum eingestiegen sein. Die beiden Brüder sowie ihr Cousin sollen dann eine Vitrine zertrümmert und das riesige Goldstück zu einem Auto geschafft haben. Das Trio soll zu einer Großfamilie gehören, die wegen krimineller Aktivitäten berüchtigt ist. Einer der Angeklagten, ein Wachmann, soll Hinweise gegeben haben.

Die riesige Münze "Big Maple Leaf" mit einem damaligen Wert von 3,75 Millionen Euro ist bis heute verschwunden. Ermittler gehen davon aus, dass die Goldplatte zerstückelt und verkauft wurde.

Der Diebstahl der Goldmünze beschäftigt ab Freitag auch die Berliner Ziviljustiz: Dann beginnt vor dem Landgericht die Verhandlung über einen Rechtsstreit zwischen dem Eigentümer und der Versicherung, die bisher laut Gericht nur eine Teilentschädigung zahlte.

GdP: Haftstrafen im Mindestmaß

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) zeigte sich wenig zufrieden mit den Urteilen. "Die Haftstrafen sind das Mindestmaß, durch das der Rechtsstaat den Gerichtssaal zwar nicht als Verlierer verlässt, die uneinsichtigen Täter aber letztlich glimpflich davonkommen, einer sogar komplett", teilte Landeschefs Norbert Cioma mit. "Diese mittleren Haftstrafen nehmen die Sprösslinge gern mit. Das macht Männer aus ihnen, wird bei fast vier Millionen Beute und dem Respekt durch diesen Coup durchaus verschmerzbar sein." Die bisherigen gesetzlichen Möglichkeiten im Kampf gegen die organisierte Kriminalität reichten nicht aus, bilanzierte Cioma. Nötig seien die Beweislastumkehr bei der Vermögensabschöpfung, niedrigere Hürden für die Telekommunikationsüberwachung und Einsatz von Videovernehmung.

Auch ungelöst: Juwelendiebstahl von Dresden

Ähnliche Aufmerksamkeit zog zuletzt der Diebstahl aus dem Dresdner Grünen Gewölbe auf sich: Ende November drangen Einbrecher durch ein Fenster in das Residenzschloss ein und stahlen binnen Minuten aus einer Ausstellungsvitrine historischen Juwelenschmuck von großem Wert.

Sendung: Abendschau, 20.02.2020, 19:30 Uhr

22 Kommentare

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  1. 22.

    Beim Lesen Ihrer Vorschläge beschleicht einen ein echt ungutes Gefühl und vor allem, daß Ihnen die unterschiedliche Zielrichtung des JGG im Vergleich zum StGB nicht so ganz klar ist und auch Verfassungsgrundsätze der BRD nicht so ganz geläufig sind bzw. Sie diese als obsolet betrachten. Im allgemeinen Teil des JGG stehen ein paar sehr erhellende Normen, die selbst 'Stammtisch-Juristen' einleuchten müßten.

  2. 21.

    Die Polizei benoetigt zur Wahrnehmung ihrer Aufgaben weitreichende Befugnisse. Anders ist eine effektive Strafverfolgung nicht moeglich. Wenn dies nicht gewuenscht ist, sollte man die Aufgaben der Poizei doch auf die Gefahrenabwehr beschraenken, und sie in Bezug auf die Straftatenverfolgung entlasten.

  3. 20.

    Sorry, aber Jugendliche gehören nicht lebenslang weggesperrt, sondern befähigt straffei und verantwortlich zu leben.
    Wer hier immer höhere Strafen fordert, sollte mal kurz darüber nachdenken, warum er sich an Gesetze hält. Nur aus Angst vor der Strafe????

  4. 19.

    Sie mögen meine Ansicht als Kurzsichtigkeit interpretieren, ich sehe diese allerdings als dem Strafvollzugsgesetz unterliegend an. In eben diesem wird im Paragraph 2 nämlich deutlich, welchem Zweck eine Freiheitsstrafe in der Bundesrepublik Deutschland dient. "Im Vollzug der Freiheitsstrafe soll der Gefangene fähig werden, künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen (Vollzugsziel). Der Vollzug der Freiheitsstrafe dient auch dem Schutz der Allgemeinheit vor weiteren Straftaten."
    Außerdem sind für Delikte des besonders schweren Diebstahls auch bei Erwachsenen Freiheitsstrafen von maximal 10 Jahren vorgesehen. Wie kommt man da auf lebenslang? Und das zumal noch bei einem Urteil, das wohl nicht hundertprozentig wasserdicht war.

  5. 18.

    Entschuldigung, aber Ihre Kurzsichtigkeit erschüttert mich. Es liegt für jeden einzelnen von uns mit den Händen zum Greifen nahe, dass das Strafmaß in vielen Bereichen verschärft gehört, insbesondere gehört das Jugendstrafrecht auf den Prüfstand. Ziel muss es werden auch Jugendliche mit lebenslangen Haftstrafen aus dem Verkehr zu ziehen.

  6. 17.

    Ihnen ist aber schon klar, daß bei Ihrer Aufzählung nur Diebstahl, Sachbeschädigung und (z. Zt. noch) Erschleichen von Leistungen, d.h. Schwarzfahren strafbar sind; alles andere, was Sie schrieben sind nur Ordnungwidrigkeiten. Was Sie in diesem Zusammenhang mit Verhältnismäßigkeit meinen, erschließt sich dem Leser nicht zweifelsfrei. Die jeweilige Sanktionierung steht im Gesetz also auch der Stafrahmen und das kann von Fall zu Fall immer unterschiedlich sein, ebenso wie die Höhe und Anzahl der Tagessätze bzw. Haftdauer, etc. Aber mit dem Thema würde man hier sehr viele Leser überfordern oder langweilen. Gehen Sie doch einfach mal ins Gericht und schauen sich ein paar Verhandlungen an und einige Gerichtskantinen sind auch ganz okay ;-)

  7. 16.

    Muss man nicht darüber nachdenken, ausländischen Kriminellen denen die deutsche Staatsbürgerschaft verliehen wurde diese wieder abzuerkennen?

    Nach den geltenden Gesetzen ist dies möglich wenn die Personen hierdurch nicht staatenlos werden. Da die Beteiligten in diesem Fsll arabischstämmig sind, sollte das kein Problem sein, da die sicher auch über diese Staatsangehörigkeit verfügen.

    Danach sollte über eine Rückführumg in ihren Herkunftsstaat nachgedacht werden.

  8. 15.

    Na, luxuriöse Unterbringung...Da würde ich nicht mal einen Kurzurlaub verbringen wollen. Ich bin in Tegel und Moabit neun Jahre lang ein und aus gegangen. Luxus habe ich nirgends gesehn. Sie müssen wohl andere Knäste kennen als ich.

  9. 14.

    Ich hab da mal ne Frage....

    Wo ist denn da bitte, die Verhältnismäßigkeit?
    Schwarz Fahren
    Bei rot über die Ampel?
    Falsch parken?
    Hundekot nicht aufsammeln?
    Kulturgut beschädigen oder stehlen?

    Für mein naives Unwissen , bitte ich um Nachsicht
    Danke

  10. 13.

    Ist nicht der Job einer Polizeigewerkschaft der Kampf für die Interessen ihrer Mitglieder? Das scheinen GdP und DPolG ganz anders zu verstehen. Sie betätigen sich lieber als innenpolitische Scharfmacher.

  11. 12.

    Mich kotzt diese GdP nur noch an.
    Jede Straftat wird nur dazu genutzt, eine Erhöhung der Polizeibefugnisse zu fordern.
    Die Kritik am Strafmaß kann man sich auch mal sparen, wir haben nicht umsonst eine Gewaltenteilung.
    Hätten sie richten wollen, hätten sie die Möglichkeit gehabt sechseinhalb Jahre zu studieren, zwei Staatsexamen zu schreiben und sich tiefer in die Materie von Gutachten- und Urteilsstil einarbeiten zu können.

  12. 11.

    Der Klau hatte schon eine gewisse Lässigkeit, das muss ich den Dieben lassen.
    Aber es ist glücklicherweise kein unersetzlicher Kunstschatz verloren gegangen. Die Münze lässt sich reproduzieren, es ist nur eine Frage von Geld.

  13. 9.

    Zu Nr. 1:
    Ihre Fragestellung ist etwas irritierend, da seltsam formuliert. Hier muß nicht die Schuld bewiesen sein, denn eine Tat ist immer unter den drei Aspekten 1) Strafbarkeit, 2) Rechtswidrigkeit und 3) Schuld zu beurteilen. Die Schuld ist bei einem vorsätzlichen Begehungsdelikt immer dann gegeben, wenn es keine Schuldausschließungs- oder Schuldminderungsgründe gibt, d.h. so etwas wirkt sich dann eher bei der Strafzumessung aus, da stehen 1) und 2) schon längst fest. Was hier zu beweisen war, war die Tat, d.h. eine individuelle strafbare und rechtswidrige Handlung, die konkret einem Angeklagten zugeordnet werden kann. Genau darin liegt hier allerdings bei einem Indizienprozeß das Problem - die richterliche Überzeugung war schon oft Thema unzähliger jur. Abhandlungen.

  14. 8.

    Das Ganze ist doch eine Lachnummer! So lange es gibt, wird sich an der Art und an der Vielfalt der Verbrechen nichts ändern. Es ist hier schon öfter über den erzielten Stundenlohn geschrieben worden, wenn die Täter nur so eine geringe Strafe bekommen, wie eben bei diesem Urteil. Da könnte man sich ja glatt weg, über den Richter Gedanken machen, hat es schon alles einmal gegeben.

  15. 7.

    Da werden die Täter erleichtert sein. Erst mal eine Auszeit bei luxuriöser Unterbringung. Bei guter Führung Entlassung auf Halbstrafe u. dann das Leben in vollen Zügen genießen.

  16. 6.

    Ich danke Ihnen. Deutsche Gerichte urteilen immer noch unabhängig. Und das ist gut so.

  17. 5.

    Lieber Ernst,

    es wird so bald wie möglich eine ausführlichere Beschreibung aus dem Gerichtssaal geben, in der unser geschätzter Kollege auf die genaueren Begründungen der Urteile eingehen wird. Deshalb bitten wir hier noch um etwas Geduld.

    Herzliche Grüße und einen schönen Tag,

    Ihre Redaktion

  18. 4.

    Ich wüßte gern, warum der 4. Angeklagte freigesprochen wurde.
    Als Tippgeber und Wachmann war er doch wohl am Verbrechen beteiligt?
    Der Artikel ist unklar und unvollständig, wieder mal...

  19. 3.

    wieder 3 weniger

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