Foto aus dem Goldmünzenprozess: Kläger Boris Fuchsmann links im Bild. (Quelle: rbb/U. Morling)
Audio: rbb | 21.02.2020 | Lennart Garbes | Bild: rbb/U. Morling

Zivilprozess um "Big Maple Leaf" - Eigentümer der Goldmünze fordert volle Versicherungssumme

Jetzt geht's ums Geld: Nachdem die Urteile im Strafprozess zum Diebstahl der 100 Kilo schweren Goldmünze gesprochen wurden, wird ab Freitag über die Versicherungssumme gestritten. Für den Steuerzahler könnte das teuer werden. Von Oliver Noffke

Das Berliner Landgericht verhandelt ab Freitag den Streit um die Versicherungssumme der gestohlenen Goldmünze "Big Maple Leaf". Der Eigentümer der 100 Kilogramm schweren Münze, Boris Fuchsmann, verklagt die Allianz-Versicherung, um die volle Auszahlung der Versicherungssumme zu erreichen. Bisher seien ihm 800.000 Euro ausgezahlt wurden, sagte der Düsseldorfer Kunstsammler und Immobilieninvestor auf Anfrage von rbb|24, die Münze sei aber für 4,2 Millionen Euro versichert gewesen.

Der Prozess könnte allerdings auch für Bund und Länder teuer werden. Fuchsmann hatte die "Big Maple Leaf" der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt, nachdem sie im Jahr 2010 Teil einer Ausstellung im Bode-Museum gewesen war. Im Prozess wird auch eine Rolle spielen, welche Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurden, um einen Diebstahl zu verhindern. "Ich erwarte, dass einer von beiden bezahlen muss", so Fuchsmann. "Im Grunde genommen habe ich zwei Triple-A-Schuldner: die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und Europas größte Versicherung."

Versicherung könnte mit Mängeln bei der Sicherung argumentieren

Die SPK hat sich auf der Seite von Fuchsmann an dem Rechtsstreit beteiligt - sicher auch aufgrund der enormen Schadenssumme. Schriftlich teilte die Presseabteilung der Redaktion mit: "Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz teilt die Auffassung des Geschädigten, dass die Versicherung Allianz aufgrund des Versicherungsvertrags verpflichtet ist, dem Eigentümer den Schaden vollständig zu ersetzen."

Eine Sprecherin der Allianz sagte auf Anfrage: "Grundsätzlich äußern wir uns nicht zu laufenden Prozessen, die bei Gericht anhängig sind." Es ist allerdings anzunehmen, dass die Versicherung die Rolle der Stiftung ansprechen wird.

Mithilfe eines Komplizen hatten die Diebe das einzige Fenster in dem Museum ausfindig machen können, dass nicht durch einen Alarm gesichert war. Die Vitrine, in der die Münze aufbewahrt worden war, war ebenfalls nicht alarmgesichert. Die SPK gehört zu 75 Prozent dem Bund, die übrigen 25 Prozent halten die 16 Bundesländer. Es ist also durchaus möglich, dass der Steuerzahler für den Schaden aufkommen muss. 

Gericht: Materialwert bei 3,3 Millionen Euro

Die gestohlene "Big Maple Leaf" war eine von fünf identischen Münzen, die in der kanadischen Hauptstadt Ottawa geprägt wurden. Die Royal Canadian Mint, die staatliche Münzprägeanstalt des Landes, hält sich zum damaligen Verkaufswert bedeckt. Auf Anfrage teilte die Presseabteilung lediglich mit, der Preis habe dem damaligen Goldwert entsprochen, zuzüglich einer Prämie für die Verkäufer in unbekannter Höhe.

Im Mai 2007 lag der Wert von Gold im Monatsdurchschnitt bei 493,44 Euro für eine Feinunze. Hochgerechnet auf das Gesamtgewicht von 100 Kilogramm heißt das, der Materialwert bewegte sich damals im Bereich von 1,59 Millionen Euro - plus/minus ein paar Zehntausend.

Mittlerweile ist der Goldpreis aber deutlich gestiegen. Bei dem Strafprozess, in dem am Donnerstag drei Männer wegen des Diebstahls zu Haftstrafen verurteilt wurden, wurde der Materialwert der Münze mit 3,3 Millionen Euro angegeben. Mit diesem Prozess hat sich Fuchsmann nach eigener Aussage nicht beschäftigt. "Das verfolge ich nicht", sagte er rbb|24.

Für den Zivilprozess ist, wie in solchen Prozessen üblich, vorerst nur ein Verhandlungstag angesetzt. "Ich glaube nicht, dass es dabei bleiben wird", sagte Boris Fuchsmann. 

Update: Das Landgericht will am 17. März eine Entscheidung verkünden. Das gab Richterin Marianne Voigt am Freitagmittag bekannt. Das muss aber kein Urteil sein. Es kann auch ein anderer Beschluss sein, das Verfahren fortzuführen.

Beitrag von Oliver Noffke

14 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 14.

    Die hat dann wahrscheinlich Gewinn gemacht. Siehe Kommentar Nr 1.
    Aber kann mir nicht vorstellen dass die Münze "reinstes" Gold war.

  2. 13.

    Mängel? Jetzt kommen die "Experten" der Versicherung und erzählen was vom Pferd. Wo waren diese Leute bei Vertragsabschluss? Warum gab es keine Abnahme der Sicherungs-Maßnahmen?
    Hoffentlich Arroganz-Versichert.

  3. 12.

    In diesem Land ist es normal, dass alle Versicherungen, einschließlich der Berufsgenossenschaft die Zahlung nach Gutdünken zu m Nachteil der Versicherten gestalten dürfen. Es geht bei den Versicherungen nur um Profit, nicht tatsächlich um Versicherten zu helfen. Am schlimmsten sind die so genannten Berufsgenossenschaften, die gerne Mal Existenzen vernichten.

  4. 11.

    Wieso war der Aussteller, also das Bodemuseeum nicht versichert? Und gibt es keine Verantwortlichen, die bis an die Pfändungsgrenze für ihre Versäumnisse haftbar gemacht werden können?

  5. 10.

    Der Versicherungsvertrag ist mit der zuständigen Behörde abgeschlossen worden. Deshalb muss dann der Staat bei entsprechendem Urteil in die Vorleistung gehen.

    Inwieweit der Staat von den Tätern dann das Geld zurück bekommt... Ich glaube, dazu bedarf es bestimmt keiner weiteren Ausführungen mehr....oder?

  6. 9.

    Ich weiß zwar nicht, warum der Steuerzahler das bezahlen soll, denn die Täter sind dingfest gemacht worden. Ich sehe da keine Logik. Man sollte doch bei den Tätern abgreifen und nicht dem Steuerzahler wieder in die Tasche greifen.

  7. 8.

    Grundsächlich sind die AGB's in der Versicherungspolice maßgebend. Und die sollte sich jeder VOR der Unterschrift durchlesen. Wenn da steht (und das steht bei großen Werten auf jeden Fall!), welche Sicherheitsmaßnahmen der Kunde vorab selbst vorzunehmen hat, dann ist das auch Gesetz. Meistens reduzieren sich bei großer Eigensicherung dann auch die Versicherungsbeiträge.
    Wenn hier der Ausstellungsträger seiner Pflicht nicht nachgekommen ist (ungesichertes Fenster, keine Sicherungswarnungen an Münze), dann hat er schlichtweg eine Vertragsverletzung begangen und muss mit Leistungsabzügen in der Versicherungssumme rechnen.
    Was ist daran schwer zu verstehen?

    Hier hat also der Veranstalter geschludert - und wieder einmal offensichtlich zu Lasten von uns Steuerzahlern, die den Rest der versicherten Summe zuschiessen muss! Was haben wir für inkompetente "Fachleute" in dieser betreffenden Behörde zu sitzen? Und warum haben diese keine Verträge, die sie zu Schadenersatz verpflichten??

  8. 7.

    Wenn Versicherungen bezahlen sollen oder müssen, machen sie sich immer krumm.

  9. 6.

    Das Verhalten der Allianz-Versicherung ist prima Eigenwerbung: Wir versichern ALLES, wenn aber der Schaden wirklich groß ist, versuchen wir um jeden Preis, die Versicherungsleistung auf ein Minimum zu drücken.
    Hier geht es "nur" um eine millionenschwere Goldmünze. Richtig übel wird es erst bei hohen Ansprüchen von Otto Normalverdiener aufgrund von Berufsunfähigkeit, Invalidität oder Krankheit. Hoffentlich nicht Allianz-versichert!

  10. 5.

    Sie haben noch vergessen zu erwähnen, dass die Panzerkette aus Gold, die das Oberhaupt ziert, nach derzeitigem Stand auch noch von unseren Steuergeldern bezahlt wurde. Geradezu irrwitzig.

  11. 4.

    Wie soll das Land, sollte es denn zahlen müssen, das Geld wieder holen, wenn viele der Großfamilie von staatlichen Fürsorgeleistungen abhängig sind....?

  12. 3.

    Ich sehe schon die Bilder vor Augen, wenn der Allianz Vertreter bei den Clan-Oberen an der Wohnungstür klingelt und fragt ob sie die 4,8 Millionen zufällig in bar haben.
    Wahrscheinlich wird dann der ALG II Bescheid vorgezeigt und die Sache ist erledigt.
    Recht haben und Recht bekommen sind in der Demokratie halt nicht immer das selbe.

  13. 2.

    Dann kann Berlin sich das Geld von einer in Berlin polizeibekannten arbabischstämmigen Großfamilie wiederholen!

  14. 1.

    Aktuell ist Goldpreis auf einem 7-Jahres-Hoch, ein Kilo 999.9 kostet rund 48.000 Euro. Aktueller Marktpreis der Big Maple Leaf läge damit bei 4,8 Millionen Euro.

Das könnte Sie auch interessieren