Dorfmobil in Barsikow (Bild: Willem Schoeber)
Audio: Antenne Brandenburg | 17.02.2020 | O-Ton Vize-Landrat Werner Nüse | Bild: Willem Schoeber

Carsharing in Barsikow - Zum Arzt mit Brandenburgs erstem E-Dorfmobil

Wer auf dem Land in Brandenburg mobil sein möchte, braucht viel Zeit - oder ein eigenes Auto. Das kleine Dorf Barsikow geht beziehungsweise fährt jetzt neue Wege: Der Ort hat sich ein eigenes E-Auto zugelegt, das die Bürger umweltfreundlich ans Ziel bringen soll.

Die 183 Einwohner von Barsikow (Ostprignitz-Ruppin) können schon bald auf ein E-Auto zurückgreifen, das ihnen gemeinsam zur Verfügung steht. Am Freitag wird das entsprechende Auto, ein Renault ZOE, seinen Betrieb aufnehmen und nach dem Carsharing-Prinzip die Barsikower von A nach B bringen.

Das "Dorfmobil" ist in ganz Brandenburg das erste Projekt seiner Art, initiiert hat es der Barsikower Dorfverein. Dieser hatte sich erfolgreich an einer entsprechenden Ausschreibung des Landkreises Ostprignitz-Ruppin beteiligt und den Zuschlag erhalten. Mit dem E-Auto soll die Mobilität in jenen Landstrichen Brandenburgs gefördert werden, in denen nur ein sehr ausgedünntes ÖPNV-Angebot besteht.

Umweltschützerin Anna Funke und Kuhwirt Thomas Kiesel in Barsikow
Anna-Margarete Funke, hier im Gespräch mit Landwirt Thomas Kiesel | Bild: rbb/Lenz

1,99 Euro pro Stunde

Mit dem "Dorfmobil" können die Barsikower zum nächsten Bahnhof, zum Arzttermin oder zum Einkaufen fahren - den dafür nötigen Strom erhalten sie an einer extra dafür gebauten Stromtankstelle am Alten Konsum. "Das Ganze läuft über eine App", wie die Vorsitzende des Barsikower Dorfvereins, Anna-Margarete Funke, im Gespräch mit rbb|24 erklärt. Über die App melden sich Kunden an und bezahlen auch die Gebühren, die bei 10 Cent pro gefahrenem Kilometer bzw. bei 1,99 Euro pro Stunde liegen.

"Natürlich kann das Auto vorerst auch per Telefon reserviert und gemietet werden", sagt Funke mit Blick auf die älteren Bewohner, die in Barsikow stark vertreten sind. Fast jeder dritte Dorfbewohner ist 65 Jahre oder älter. "Aber auch unter ihnen herrscht große Offenheit für das Projekt", betont Funke. So manche unter den Senioren hätte schon angekündigt, den Zweitwagen zu verkaufen und stattdessen das "Dorfmobil" zu benutzen. Um das Angebot für ältere Mitbürger noch attraktiver zu machen, sei auch ein Chauffeur-Service mit dem E-Auto angedacht. "Davor müssen aber noch einige juristische Fragen geklärt werden", sagt Funke.

Das E-Mobil für Barsikow verhüllt (Bild: Willem Schoeber)
Am Freitag wird er feierlich enthüllt: der Renault ZOE | Bild: Willem Schoeber

Dorfverein hofft auch Nachahmer

Das "Dorfmobil"-Projekt in Barsikow wird vom Landkreis mit 25.000 Euro für den Kauf des Renault finanziell unterstützt. "Hinzu kamen 3.000 Euro aus einem Fördertopf der Bundesregierung, den Rest finanzieren wir über einen Kredit beim Autohaus", erklärt Funke. Die Kosten der E-Tankstelle am Alten Konsum sowie weitere Rechnungen für die App-Programmierung und die Einstellung des Bordcomputers im E-Auto hat der Landkreis komplett übernommen.

Da Carsharing nicht als gemeinnützig gilt, mussten Anna-Margarete Funke und ihre Vereinskollegen für das Projekt einen eigenen Geschäftsbetrieb gründen. "Unser Mobilitätsbetrieb darf keinen Gewinn machen und auch kein Geld vom gemeinnützigen Gemeindeverein nehmen", betont sie.

Das "Dorfmobil" soll derweil größere Kreise ziehen: Der Landkreis stellt für Mobilitätsprojekte in ländlichen Regionen insgesamt 65.000 Euro zur Verfügung - darunter fällt auch das "Dorfmobil". Eine entsprechende Ausschreibung sei bereits auf den Weg gebracht. "Wir sehen darin ein Leuchtturmprojekt für ganz Brandenburg, es gibt auch schon weitere Interessenten", freut sich Funke. Der Rheinsberger Ortsteil Flecken Zechlin hat schon beim Dorfverein Barsikow angeklopft.

 

Sendung: Antenne Brandenburg, 18.02.2020, 11:30 Uhr

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3 Kommentare

  1. 3.

    Eine Stadtmensch-Antwort :-) Taxi... aufm Land gibt's keine Halte, oder Würfelfunk oder so.... share-cars stehen auch nirgends rum, außer jetzt in Barsikow :-)

  2. 1.

    Super Idee! Aber was machen die, die nicht mehr gut sehen können, oder keinen Führerschein haben? Oder zu schlecht beweglich sind, um das Auto zu nutzen? Nächste Idee: Jemand, der fährt. Später: das selbstfahrende Auto. Da ist so viel Platz für Ideen in Brandenburg!

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