Symbolbild: Ein Wolf (Quelle: dpa/Soeren Stache)
Audio: Antenne Brandenburg | 13.02.2020 | Lisa Steger | Bild: dpa/Soeren Stache

Erster Fall dieser Art - Jäger in Potsdam wegen Abschusses eines Wolfes angeklagt

Vor dem Amtsgericht Potsdam muss sich demnächst ein Jäger verantworten, der Anfang 2019 im Landkreis Potsdam-Mittelmark einen Wolf abgeschossen haben soll. Wegen Verstoßes gegen das Naturschutzgesetz drohen ihm bis zu fünf Jahre Haft.

In Brandenburg ist ein Jäger angeklagt worden, weil er einen Wolf abgeschossen hat. Das bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Potsdam rbb|24 am Donnerstagnachmittag. Zuerst hatte die "Märkische Allgemeine" darüber berichtet.

Dem Deutschen Jagdverband zufolge ist eine solche Anklage in Deutschland noch nie erhoben worden. Auch dem Sprecher des Amtsgerichtes Potsdam, Oliver Kramm, ist ein ähnlicher Fall bisher nicht bekannt gewesen. Wer den Fall zur Anklage gebracht hat, konnte Kramm nicht sagen.

Anwalt des Jägers: Wolf hat Hunde angegriffen

Bei dem Angeklagten handelt es sich Kramm zufolge um einen Niederländer, der sich am 21. Januar 2019 an einer Treibjagd beteiligt hatte. Dabei soll er den Wolf erschossen haben. Dem Mann wird ein Verstoß gegen Bundesnaturschutzgesetz vorgeworfen, heißt es bei der Anklagebehörde.

Der Anwalt des Jägers erklärte, der Wolf habe die Jagdhunde seines Mandanten angegriffen. Dieser habe geschossen, weil sich der Wolf nicht durch Pfiffe, Schreie und einen Warnschuss vertreiben ließ. Auch Zeugenaussagen zufolge soll der Wolf die Hunde des Jägers angegriffen haben. Nach dem Abschuss wurde das tote Tier im Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung untersucht.

Hinreichender Tatverdacht muss noch geprüft werden

Sollte es zum Prozess vor dem Amtsgericht Potsdam kommen, drohen dem Jäger eine Geldstrafe oder bis zu fünf Jahre Haft. Ob ein hinreichender Tatverdacht bestehe und es zur Hauptverhandlung komme, sei aber noch offen, sagte Kramm auf Nachfrage von rbb|24. Das Gericht werde dies in den nächsten vier bis sechs Wochen prüfen. Zum Prozess werde es nur kommen, wenn die Wahrscheinlichkeit für eine Verurteilung bei mindestens 50 Prozent liege.

Der Wolf ist in Deutschland eine streng geschützte Tierart. Seit 1990 wurden 119 tote Wölfe gemeldet; 17 davon wurden illegal geschossen, 87 starben im Straßenverkehr.

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9 Kommentare

  1. 9.

    Sagen Aie mal, merken Sie noch was?

    Hier ist kein Wolf bei Nutztieren eingedrungen, sondern Menschen in das Revier der Wölfe, wahrscheinlich noch mit abgerichteten Hunden, die Wildtiere von sich aus angreifen.
    Und wenn sich der Wolf dagegen erwehrt, schreiben Sie hier so einen Stuss?

  2. 8.

    Die Jagt in Nor. und Se mit Elchhunden unterscheidet sich völlig von Drück/Treibjagten in De.
    Ausserdem dringen WIR mit unserer Tätigkeit in das,, zu Hause" der Wildtiere ein und tragen dementsprechend die alleinige Verantwortung!.. auch für ein ewtl. Zuschadenkommen unserer Hunde! Ach für die vielen überfahrenen oder durch Sauen geschlagenen Jagthunde.

  3. 7.

    es gibt noch eine Regelung, die besagt daß der Hund im Einwirkungsbereich seines Hundeführers sein muß, sonst darf ihn ein Jäger erschießen. Ich bin auch ein Hundehalter und früher hat es auch funktioniert bevor die Wölfe ausgerottet werden. Ich bin der Meinung es gibt zu viele Jäger und außerdem geht es auch um das Geld. Umsonst haben sie den Holländer nicht mit auf die Jagt genommen.

  4. 6.

    Die Tatsache dass man seine eigenen Hunde beziehungsweise Nutztiere vor dem Wolf nicht schützen kann, und dieses vom Gesetz auch noch unterstützt wird, ist einfach nur eine Schande. Es stellt sich die Frage was kommt als Nächstes, vielleicht das man seine Nutztiere dem Wolf zur Verfügung stellen muss. Der Jäger hat hat mein vollstes Verständnis, ich würde auch nicht tatenlos zuschauen wie ein Wolf eines meiner Familien Mitglieder (mein Hund) angreift, beziehungsweise tötet.

  5. 5.

    Endlich mal ein Staatsanwalt, der sich für die Durchsetzung von Tierschutzrechten einsetzt. Üblicherweise werden die ohnehin schon lockeren Tierschutzrechte mit Füßen getreten. Falls es nicht zu einer Strafe kommen sollte fragt man sich schon, warum es überhaupt Gesetze gibt, wenn diese nicht von der Judikativen richtig durchgesetzt werden. Als Hauptargument würde ich anführen, dass ein Mensch ohne Waffe, hier auch nur die Möglichkeit hätte einen Stock für die Verteidigung seines Hundes zu nutzen. Das wäre das in dieser Situation angemessene Mittel gewesen und hätte sogar den Vorteil, dass der Wolf in Zukunft daraus gelernt hätte.

  6. 4.

    Grober Unfug. Es ist hinreichend bekannt, daß Wölfe immer wieder Hunde angreifen. In Skandinavien z.B. passiert das vor allem bei Jagdhunden regelmäßig. Wenn Ihnen schon derart der Überblick fehlt, verbreiten Sie doch bitte nicht auch noch Ihre selbst ausgedachten Phantasiegeschichten.

  7. 3.

    Sehr gut! Ich hoffe, dass hart durchgegriffen wird und es zu einer Haftstrafe kommt! Dieses wahllose Abschießen. Von wegen der Wolf hat die Hunde angegriffen! Wer soll das denn glauben!

  8. 2.

    Der Wolf hat Jagdhunde angegriffen? Das halte ich für extrem unwahrscheinlich, denn Wölfe sind sehr scheu und flüchten vor dem Menschen und den Geräuschen einer Treibjagd. Der Täter soll uns mal seinen verletzten Jagdhund zeigen...Ich halte das für eine Ausrede. Hoffentlich wird er ggf. für diese unerlaubte Wilderei zur Rechenschaft gezogen!

  9. 1.

    Sehr gut. Wilderei muss hart bestraft werden!

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