Bauarbeiter läuft mit Polizisten über Baustelle in Stahnsdorf (Bild: imago images/Martin Müller)
Video: Brandenburg aktuell | 11.02.2020 | Jana Wochnik | Bild: imago images/Martin Müller

Häuser in Stahnsdorf beschädigt - Bauherr räumt nach Bombensprengung Versäumnisse ein

Auf der Baustelle in Stahnsdorf, wo am Samstag eine Bombe gesprengt werden musste, hat es offenbar Fehler bei den Bauarbeiten gegeben. Kampfmittel-Experten hätten diese beaufsichtigen müssen. Das sei jedoch nicht geschehen, räumte der Bauherr ein.

Nachdem in Stahnsdorf (Potsdam-Mittelmark) eine Weltkriegsbombe gesprengt werden musste, hat der für das Gebiet zuständige Bauherr am Dienstag Versäumnisse eingeräumt. Demnach hat ein Subunternehmen Erde bewegt, die noch nicht ausreichend auf Munitionsreste untersucht worden war.

Betroffenes Areal war noch nicht freigegeben

Am Tag des Bombenfundes sollte eigentlich nur auf einem Areal gebaggert werden, das bereits durch einen Kampfmittelexperten überprüft worden war, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens Bonava, das in der Wilhelm-Külz-Straße Wohnungen errichten will.

Das damit beauftragte Subunternehmen habe allerdings Boden in einem Bauabschnitt ausgehoben, der noch nicht ausreichend geprüft und auch nicht freigegeben worden war. Ein Kampfmittelexperte hätte die Arbeiten begleiten müssen, was aber nicht der Fall gewesen sei, räumte eine Bonava-Sprecherin auch gegenüber dem rbb ein.

Schwitzke: Schäden wären auch so immens gewesen

Die Bombe musste am vergangenen Freitag gesprengt werden, nachdem sie von einem Bagger berührt worden war und eine Entschärfung nicht gelang. Verantwortlich für die Sprengung war Sprengmeister Mike Schwitzke, der auf jahrelange Erfahrung zurückblicken kann. Den "Potsdamer Neusten Nachrichten" sagte er, dass die Sprenung der Bombe auch ohne vorherige Berührung durch den Bagger erhebliche Schäden angerichtet hätte. Allerdings hätte der Kampfmittelbeseitigungsdienst dann deutlich mehr Zeit für die Evakuierung des Sperrkreises gehabt. Auch hätte die Sprengung besser vorbereitet werden können, wenn ein Kampfmittelexperte die Bombe gefunden hätte, sagte Schwitzke.

Betroffene müssen auf Kulanz der Versicherungen hoffen

Die betroffenen Anwohner bangen derweil um ihre Häuser. Durch die Sprengung waren in der Nacht zu Samstag mehrere Häuser erheblich beschädigt worden, zwei von ihnen sind seitdem nicht mehr bewohnbar. Gutachter sollten noch in dieser Woche entscheiden, wann die beiden stark beschädigten Einfamilienhäuser wieder bewohnbar sind, sagte ein Gemeindesprecher am Mittwoch.

Nach Angaben von Bonava ruhen die Bauarbeiten noch. Die beiden Kräne müssten ausgetauscht werden. Experten prüfen demnach, ob die schon vorhandenen Rohbauten stabil sind. Mit Ergebnissen wird erst im Lauf der kommenden Woche gerechnet.

Sven Ratzburg steht in Stahnsdorf vor seinem Haus mit einen Teil der Tür zur Garage in der Hand, die bei der Bombensprengung einer Weltkriegsbombe herausgerissen wurde. (Bild: rbb/Lisa Steger)Sven Ratzburg mit den Resten einer Tür

Sven Ratzburg und seine Familie sind erst 2016 in ihre neu gebautes Haus in der Wilhelm-Külz-Straße eingezogen. Immerhin ist es noch bewohnbar. Doch die Schäden sind immens: Viele Fensterscheiben sind zerbrochen, auch die Fensterrahmen wurden zerstört, einige Wände haben Risse, eine Tür wurde durch die Druckwelle aus dem Rahmen gerissen, auch Gartenhaus, Carport und Wohnwagen sind beschädigt, sagt Ratzburg dem rbb. Ein Gutachter habe den Schaden vorläufig auf 50.000 bis 70.000 Euro beziffert.

Einen Großteil wird die Versicherung wohl aus Kulanz übernehmen - eingeschlossen sind allerdings nur die Schäden am Wohnhaus. Die Reparaturen am Gartenhaus, einem Carport und einem Wohnwagen wird die Familie wohl selbst bezahlen müssen. "Ich möchte eigentlich, dass die Firma Bonava ihn [den Wohnwagen] bezahlt, weil ich wollte die Bombe ja nicht", sagte der Familienvater.

Auch eine Tierarzt-Praxis wurde schwer beschädigt

Durch die Bombensprengung schwer beschädigt wurde auch die Kleintierarztpraxis von Cordula Wirtz in der Wilhelm-Külz-Straße. Beide Frontscheiben sind kaputt, die Rahmen wurden durch die Druckwelle aus dem Mauerwerk gerissen. Wie hoch der Schaden ist, weiß die Tierärztin noch nicht - am Donnerstag will ein Fensterbauer kommen.

Wer für die Kosten aufkommen wird, weiß sie noch nicht. Da die Räumlichkeiten nur gemietet sind, wird Cordula Wirtz wohl nicht selbst bezahlen müssen. Und zumindest im Moment kann sie den Betrieb in ihrer Praxis auch weiterführen. Sollten die Experten zu der Einschätzung kommen, dass das zu gefährlich ist, würde ihr jedoch ein Verdienstausfall enstehen.

Vom Verhalten der Gemeinde ist Wirtz enttäuscht: "Es ist keiner irgendwie mal gekommen und hat sich da mal einen Überblick verschafft, nichts", sagt sie im Interview mit dem rbb. Und: "Wir sind ja alle betroffen und wir können da ja am wenigsten dafür, also, vielleicht sollte man da wenigstens mal Anteil nehmen. Das wäre nicht schlecht."

Gemeinde will Betroffene unterstützen

Wie Cordula Wirtz fühlen sich mehrere Opfer der Schäden von den Behörden im Stich gelassen. Der Bürgermeister von Stahnsdorf, Bernd Albers ("Bürger für Bürger"), will den Vorwurf der Untätigkeit so nicht stehen lassen. "Wir haben jetzt im Nachgang schon einer Familie, deren Haus im Augenblick nicht bewohnbar ist, eine Wohnung bei einer örtlichen Wohnungsgesellschaft reserviert, die angemietet werden kann, falls sich bewahrheitet, dass dieses Haus zunächst nicht wieder bezogen werden kann", sagte Albers dem rbb. Derzeit sie die Familie in einem Hotel untergebracht.

Eingang der Tierarztpraxis von Cordula Wirz in Stahnsdorf, die bei der Sprengung einer Weltkriegsbombe beschädigt wurde. (Bild: rbb/Lisa Steger)
Beschädigte Glasscheibe in einer Tierarztpraxis | Bild: rbb/Lisa Steger

Außerdem bietet die Gemeinde laut Albers Unterstützung gegenüber den Versicherungen an. Es müsse nachgewiesen werden, dass der Schaden aufgrund der Sprengung eingetreten ist. Dazu versende die Gemeinde aktuell ein Schreiben an die Betroffenen, mit denen diese das Geschehen und den Zeitablauf dokumentieren könnten.

Ob und in welchem Umfang die Versicherungen Schäden ersetzen, ist derzeit noch unklar. Grundsätzlich gilt: Schäden durch Weltkriegsbomben sind nach den Musterbedingungen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) vom Versicherungsschutz ausgeschlossen. Jedoch sind die Bedingungen laut GDV nicht verbindlich. Daher könnten Versicherungen den Schaden nach eigenem Ermessen ersetzen. Bislang sei dies auch immer geschehen. Für kaputte Fenster, Dächer oder Gemäuer komme dabei die Gebäudeversicherung auf; für Schäden, die innerhalb des Hauses durch die Detonation entstehen, die Hausratsversicherung.

Sendung: Brandenburg aktuell, 11.02.2020, 19:30 Uhr

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15 Kommentare

  1. 15.

    Sorry, sollte nicht derjenige belangt werden der die Bombe nach dem Krieg unverantwortlicherweise mit Erde bedeckt hat? Schließlich hat derjenige damit eine saubere Entschärfung damit verhindert. Das ist leider das Produkt menschlicher Fahrlässigkeit was nun die unschuldigen Familien zahlen.

  2. 14.

    @Wissender: Wenn Sie die Versicherungsbedingungen der von Ihnen genannten Versicherung richtig lesen (HUK §1.2.1), dann ist die Regulierung dieser Schäden generell ausgeschlossen. Wenn also die Versicherung den Schaden reguliert dann nach eigenem Ermessen aus Kulanz. Genau das stand im Artikel von rbb24 und entgegen ihrer Darstellung das diese Schäden in der Wohngebäudeversicherung enthalten sind.

  3. 13.

    Bin zwar nicht jemand der ständig nach dem Staat schreit, aber in dem Fall muss das auf jeden Fall staatlich übernommen werden meiner Meinung nach, weil das der rechtsnachfolger des früheren Regimes ist.

  4. 12.

    Das ist überhaupt nicht überraschend, weil Schäden aus Kriegshandlungen, einschl. Bürgerkrieg und Aufstand/Unruhen (und deren Folgen) in nahezu jeder Art von Sachversicherung ausgeschlossen sind.

    Und ein WK II Blindgänger ist nunmal zweifelsfrei eine Kriegsfolge.

  5. 11.

    Der Bürgermeister hat zwar schon am Wochenende erklärt, dass die Mitarbeiter der Gemeinde sich auch nach Feierabend bei der Evakuierung engagiert haben. Aber was interessieren denn Fakten, wenn man sich aufregen möchte!

  6. 10.

    @ rbb: Nein, Sie schreiben unter der Überschrift:" Betroffene müssen auf Kulanz der Versicherungen hoffen" und Sie schreiben "Daher könnten Versicherungen den Schaden nach eigenem Ermessen ersetzen". Das ist unsauber - wie ich bereits erklärte und wie Sie gerne nachforschen können, gibt es Versicherungen die das vertragsgemäß ersetzen (nicht Kulanz) zB die HUK,

  7. 8.

    Jedenfalls! ist es für jeden Betroffenen, egal ob Mieter oder Eigentümer, ratsam, eine Strafanzeige wegen Sachbeschädigung sowie aus jedem anderen in frage kommenden Rechtsgrund einzureichen, um dann das Ermittlungsergebnis der Polizei/Staatsanwalt zivilrechtlich auszuwerten und über 823 II BGB an die passivlegitimierte Person heranzugehen, dir dann hoffentlich nicht zahlungsunfähig ist.

    Einer eigenen Versicherung ist ein Schaden umgehend mizuteilen, da es sich aber offenbar um Fremdverschulden handelt, würde ich mit dieser absprechen zuzuwarten bis der rechtliche Verursacher feststeht, es sei denn, die eigene Versicherung kommt für den erlittenen Gesamtschaden vollständig auf und man triit seine eigenen Ansprüche an die eigene Versicherung ab. Dann bleibt im Zweifel immer noch schriftlich zu vereinbaren, wie man mit einer eventuellen Höherstufung der Versichetungsprämie zu verfahren hat, die auch in den Beteich des Verursachers.

  8. 7.

    Ich verstehe die Diskussion um den Subunternehmer im Zusammenhang mit der kontrollierten Sprengung nicht. Ist doch völlig irrelevant! Hätte der dort nicht gebuddelt, wäre die Bombe halt später entdeckt worden, hätte aber trotzdem vor Ort gesprengt werden müssen. Das Ergebnis wäre das Gleiche, die Schäden genau so entstanden. Im schlimmsten Fall wäre die Bombe aufgrund irgendwelcher Erschütterungen während der Bauarbeiten sogar unkontrolliert von allein hoch gegangen. Insofern kann man dich von einem Glücksfall sprechen, dass nicht mehr passiert ist. Dass die Firma nicht ohne Kampfmittelräumdienst hätte buddeln dürfen, ist nur deshalb relevant, dass die Bombe rechtzeitig entdeckt und nicht unkontrolliert bewegt wird. Damit wird das Risiko einer Explosion beim Graben reduziert. Fahrlässig war das Buddeln also unzweifelhaft, für die Schäden war es aber nicht ursächlich.

  9. 6.

    Ich bin immer wieder überrascht, was Versicherungen alles nicht bezahlen müssen! Wenn Sie denn mal zahlen müssen, folgt oft die Kündigung. In diesem Fall frage ich mich aber auch nach der Verantwortlichkeit von "Vater" Staat? Diese Bombe hätte doch da eigentlich gar nicht liegen dürfen!? Klar kann der Sprengmittel Räumdienst nicht ganz Deutschland absuchen, aber sollte es für solche Fälle nicht einen Fond geben? Immerhin kann/muss ich doch, als Häusle Bauer, darauf vertrauen, dass das Siedlungsgebiet beräumt wurde. Es gibt doch sicherlich eine Liste von gefährdeten Gebieten?

  10. 5.

    Hallo Wissender,

    wir schreiben doch genau das: "Grundsätzlich gilt: Schäden durch Weltkriegsbomben sind nach den Musterbedingungen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) vom Versicherungsschutz ausgeschlossen. Jedoch sind diese Bedingungen laut GDV nicht verbindlich. Daher könnten die Versicherungen den Schaden dennoch übernehmen. Bislang ist dies laut dem Verband auch immer geschehen."

    Wo sehen Sie da einen Widerspruch oder eine Abweichung zu Ihrem Hinweis?

    Beste Grüße und einen schönen Tag,

    Ihre Redaktion

  11. 4.

    Wundert sich noch einer? Am Morgen nach der Sprengung schrieb ich, dass die Versicherungen sich das gegenseitig zuschieben werden, aber KEINER zahlt am Ende. Jetzt soll es also Hausrat und Gebäudeversicherung zahlen - bin gespannt, ob das läuft, bevor die wissen, wo sie sich das Geld wiederholen können...

    Bonova verweist auf einen Subunternehmer, der in der Sandwüste zu weit gegraben hat. Dass sie keinen Kampfmittelexperten vor Ort hatten oder Bauleiter, die den Baggerführer ausbremsen - Kollateralschaden...

    Übrigens, kleiner Scherz am Rande: direkt angrenzend an die Baustelle ist eine GLASEREI...

    „Eine kontrollierte Sprengung einer 500-Kilo-Bombe in dicht bewohntem Gebiet gibt es nicht“, so Schwitzke (Zitat aus PNN.de). Genau!

  12. 3.

    Ihre Aussage ist nicht korrekt. Gemäß der Allgemeinen Versicherungsbedingungen für Wohngebäudeversicherungen der HUK §1.2.1 sind diese Schäden generell ausgeschlossen.

  13. 2.

    Die Auskunft des GDV, dass Weltkriegsbomben von der Versicherung ausgeschlossen sind stimmt so nicht ganz. Das kann jede Versicherung selbst festlegen. Bei der HUK ist dies zB in der Wohngebäudeversicherung mit eingeschlossen.

  14. 1.

    Freitag um Eins macht jeder seins. Der Spruch hat wohl immer noch gültigkeit!

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