Das Fahrzeug des Arbeiter Samariter Bundes (ASB) steht nach dem Stromausfall in Köpenick in der Altstadt (Quelle: rbb/Nolte).
Video: Abendschau | 26.02.2020 | Andrea Everwien | rbb Praxis | Bild: rbb/Mara Nolte

Zwei neue Fälle in Deutschland - Geisel: Katastrophenschutz ist auf Coronavirus vorbereitet

In Italien breitet sich das Coronavirus weiter aus. Inzwischen gibt es auch in Deutschland zwei neue bestätigte Infektionen, darunter bei einem Italien-Heimkehrer. In Berlin sei der Katastrophenschutz auch auf drastische Maßnahmen vorbereitet, sagt Innensenator Geisel.

Die Sicherheitsbehörden in Berlin beschäftigen sich mit drastischen Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Für den Katastrophenfall spiele man auch die Variante durch, ähnlich wie einige Kommunen in Norditalien die Stadt oder Teile davon abzuriegeln, bestätigte Innensenator Andreas Geisel (SPD) am Dienstag auf Nachfrage. "Natürlich ist der Katastrophenschutz in Berlin vorbereitet", so Geisel, und man würde "wenn es denn notwendig wäre und eine entsprechende Gefahrensituation festgestellt wird, solche Dinge auch veranlassen können".

Geisel schränkte allerdings umgehend ein: Mehr als Gedankenspiele seien das nicht. "Die Frage ist, wie wirksam ist das, und funktioniert das in einer 3,7-Millionen-Einwohner-Stadt so umfassend wie das in oberitalienischen Kleinstädten der Fall ist." Martin Pallgen, der Pressesprecher der Senatsverwaltung für Inneres, ergänzte: Im hypothetischen Fall, dass sich die Corona-Infektion zu einem Katastrophenfall entwickeln würde, griffen Instrumente und Maßnahmen, die im Katastrophenschutzgesetz geregelt seien. "Davon sind wir meilenweit entfernt. Eine Abriegelung der Stadt oder Teilen davon steht überhaupt nicht zur Diskussion."

Zwei bestätigte Infektionen in BaWü und NRW

Währenddessen meldete am Mittwoch zunächst Baden-Württemberg eine bestätigte Infektion mit dem Coronavirus. Bei einem 25-Jährigen, der sich vermutlich während einer Italienreise in Mailand angesteckt habe, sei das neuartige Virus nachgewiesen worden. Kurz darauf meldete auch und Nordrhein-Westfalen, dass dort erstmals nachweislich eine Person an dem Virus erkrankt sei. Die Person aus Erkelenz sollte in die Uniklinik Düsseldorf gebracht werden, bestätigte ein Sprecher der Düsseldorfer Feuerwehr der Deutschen Presse-Agentur am Dienstagabend. Wo der Patient sich angesteckt haben könnte, war noch unbekannt. Der Zustand des Patienten ist nach Behördenangaben kritisch. Er soll laut dpa Mitte 40 sein und eine Vorerkrankung haben.

In Deutschland gibt es inzwischen mehr als ein Dutzend nachgewiesene Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus. Bislang standen die Fälle aber stets im direkten Zusammenhang mit dem Ausbruch in China. Experten gehen davon aus, dass es auch in Deutschland sehr wahrscheinlich unentdeckte Infektionen gibt. In Berlin und Brandenburg hatten sich Verdachtsfälle allerdings bislang nicht bestätigt.

Italienischer Grenzsoldat mit Atemschutzmaske
Bild: picture alliance / Photoshot

Brandenburger Behörden versuchen zu beruhigen

Das Brandenburger Gesundheitsministerium wies am Dienstag darauf hin, dass die Lage im Land nicht mit der in Italien vergleichbar sei. In Italien gebe es mehr als 200 Infektionen, in Brandenburg bislang keinen einzigen bestätigten Corona-Verdachtsfall, teilte das Ministerium am Dienstag mit. "Wie bei allen behördlichen Maßnahmen gilt auch beim Infektionsschutz, die Angemessenheit und Verhältnismäßigkeit zu wahren", hieß es.

Für den Fall der Fälle könnten die Landkreise und kreisfreien Städte aber "notwendige Maßnahmen zur Abwehr drohender Gefahren durch das Auftreten übertragbarer Krankheiten" ergreifen. Bis einschließlich Montag habe es im Land in den zurückliegenden Wochen 21 gemeldete Verdachtsfälle gegeben, die sich aber alle nicht bestätigten.

Robert-Koch-Institut gegen Einreisesperren

Vor dem Hintergrund der aktuellen Situation in Italien sagte der Vizepräsident des Robert-Koch-Instituts (RIK), Lars Schaade, dem rbb, er halte Einreisebeschränkungen und Gesundheitskontrollen an den Grenzen für wenig hilfreich, um das Corona-Virus zu bekämpfen. Im Inforadio-Interview am Mittwoch wies Schaade außerdem darauf hin, dass in Deutschland ohnehin schon regelmäßig bei Patienten mit Atemwegserkrankungen Proben genommen würden. Sie würden nun auch auf das Corona-Virus untersucht. So könne festgestellt werden, ob sich die Krankheit ausbreitet.

Laut Schaade zeigt die Erfahrung, dass Maßnahmen wie Grenzschließungen nicht den gewünschten Effekt haben. Die Reisenden würden sich dann andere Wege suchen. Der Vizepräsident des RKI äußerte sich auch skeptisch zur Abriegelung von Städten wie in China und Italien: Am wichtigsten sei, die Kontakte zwischen Kranken und Gesunden zu reduzieren. Das gehe auch, wenn eine Stadt nicht abgeriegelt werde.

Sendung: Inforadio, 25.02.2020, 18:00 Uhr

24 Kommentare

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  1. 24.

    Ja wenn es nicht so ernst wäre würde ich über ihren Beitrag schmunzeln! Nein ich muss echt etwas schmunzeln. Aber ja 20 Jahre Ehrenamt im Katastrophenschutz haben mich eins gelehrt wenn einer der hauptamtlichen Vorgesetzten sagt „wir sind gut vorbereitet !“ sollten bei allen die Alarmglocken an gehen! Natürlich sollte keine Panik verbreitet werden aber sich selber vorzubereiten in einem gewissen Maße sich auf solche Situation vorzubereiten ist nie verkehrt! Man muss nur an den Stromausfall in Köpenick denken! Also mit kühlen Kopf etwas vorbereiten auf grundlegende Hygiene achten und dann abwarten was wirklich passiert! Ja 3 Tafeln liegen bei mir auch immer als Zucker Reserve bereit!

  2. 23.

    Die US Panzer sind nicht wegen des Coronavirus im Land, sondern wegen eines, wenn auch überflüssigen, Manövers an Russlands Ostgrenze. Insofern ist ihr Beitrag relativ sinnlos und hat nichts mit dem Thema zu tun.

  3. 22.

    Ich bin Katastrophenschutzbeauftragter in einem Berliner Bezirksamt. Sowohl meine Kollegen, als auch ich, sind über nichts informiert. Es gibt keinerlei Maßnahmepläne oder Anweisungen für diesen Fall. Mit uns hat niemand gesprochen, aber wir sind vorbereitet? Auf was Herr Geisel?

  4. 21.

    Ein guter Beitrag wäre es die irrsinnigen Truppentransporte im Rahmen des NATO - Manövers "Defender 2020" zu unterbinden. Mit Soldaten und Panzern wird man das Corona-Virus nicht besiegen können!

  5. 20.

    Wo sind wir gut vorbereitet? Der reguläre Dienst bringt uns täglich an die Belastungsgrenze und der Personalmangel ist offensichtlich.
    Panikmache ist nicht hilfreich und die Sicherheit kaputt sparen kostet Menschenleben.

  6. 19.

    Ihren letzten Satz stimme ich voll und ganz zu. Das es zu Engpässen bei Medikamenten und auch Lebensmittel kommt kann man nur dieser Panikmache zu schreiben. Der Umsatz wird jedenfalls gefördert.
    Was haben wir schon alles gehabt, Schweinepest, Rinderwahn, Geflügelpest und und....... und wem hat es genützt , der Pharmaindustrie .
    Wir werden auch diesen Virus überleben.... mal sehen was denn als nächstes kommt.

  7. 18.

    VIEL Panikmache---- Morgenpost 20.02.2010 :
    Die Grippewelle rollt über Deutschland und wird sich laut Experten noch einige Wochen hinziehen
    Es gibt bundesweit schon über 79.263 nachgewiesene Fälle. 130 Menschen sind an dem Erreger bereits gestorben

  8. 17.

    Geisel sollte die Realität zur Kenntnis nehmen. So ein möglicher Ausbruch einer Masseninfektion benötigt in aller erster Linie erstmal entsprechend viel Pflegepersonal. Das ist jetzt schon ohne Masseninfektion nicht vorhanden. Für den ganz normalen Krankenhausbetrieb fehlen in Berlin 10000 Pflegekräfte. Die Charité in Berlin hat entschieden, vorerst keine weiteren Patienten auf der Kinderkrebsstation aufzunehmen. Grund dafür ist ein akuter Personalmangel im Pflegebereich.

  9. 16.

    Vielen Dank für die Antwort.
    Wenn Ihr schreibt der Wiederspruch liegt in den Darstellungen des Senates dann sollte man erst über Dinge berichten nach intensiver Hindergrundbeleuchtung der Darstellungen des Senates.
    Bei Senatsmeldungen sollte man sehr gut recherschieren da sie nun mal die Angewohnheiten haben nicht zu stimmen.
    Das gehört für mich zu einem guten Journalismus und Berichterstattung.
    Man kann nicht zwei Beiträge einstellen die sich völlig wiedersprechen.

  10. 15.

    Gut vorbereitet? Ich habe nur zwei Gummihandschuhe zur einmaligen Verwendung und eine recht billige Atemschutzmaske erhalten. Na dann gilt dies halt als gut vorbereitet...

  11. 13.

    Der Verlauf ähnlich einer Grippe trifft so nicht zu. Auch können jüngere Menschen können betroffen sind, wenngleich es ältere und Menschen mit Vorerkrankungen häufiger trifft (was immer der Fall ist)

    Die Zahl der damit verbundenen Todesfälle liegt deutlich höher, als bei einer Grippe. Angaben hierzu differieren zwischen 2 und 8 %! Bei einer Grippe sind es etwa 0,1 %. Leider sind die Zahlen aus China nicht gesichert, die Zählweise wurde oft geändert und so sind die Zahlen schwer zu bewerten.

    Panik ist ein guter Ratgeber, die Entwicklung wird, wenn sie nicht schleunigst gebremst werden kann, zu einem globalem Problem werden, auch wirtschaftlich.

  12. 12.

    Panik machen sollte jeder für sich vermeiden, jedoch vorausschauendes Handeln ist immer gut. Wie bei anderen Krisen sollten haltbare Lebensmittel im Vorrat und Trinkwasser in jedem Haushalt sein. Auch die notwendigen Medikamente und Mittel die einen Infekt lindern könnten. Vielleicht kommt es doch zu Quarantänen zu Hause oder in Stadtteilen. Und wie gesagt die übliche Hygiene ist wichtig, auch diese den Kindern vermitteln: Händewaschen, nichts in den Mund stecken oder ablecken. Wie oft sehe ich das bei Kindern im öffentlichen Raum. Und bedenkt, Todesfälle treten eher bei sehr viel älteren und gesundheiltl. vorbelastet Menschen auf. Schlimm genug, aber dieser Personenkreis muss sich eh immer mehr schützen, da kann auch eine Grippe sehr gefährlich sein.

  13. 11.

    Wir diskutieren sehr viel in der Redaktion über die Frage "Was ist Panikmache und was ist berechtigte Sorge?"
    Zu Ihrer Kritik: Die Berichterstattung liegt in dem einen Beitrag, den Sie ansprechen, darin, Aussagen der Senatsverwaltung darzustellen. Dass etwa 10.000 Üflegekräfte gebraucht werden und - im Übrigen - Herr Geisel eine Abriegelung von Berlin nun doch durchspielt ist auch von uns berichtet worden. Der Widerspruch liegt nicht in der Berichterstattung, sondern offensichtlich in den Darstellungen des Senats. Trotzdem danken wir Ihnen für die Kritik!

    Liebe Grüße aus der Redaktion

  14. 10.

    Na wenn Herr Geisel Berlin gut vorbereitet sieht, dann bin ich ja beruhigt. Er ist ja bekanntlich ein Meister seines Fachs.

    Merkwürdigerweise sind, trotz SARS 2002, sämtliche Katastrophen- und Notfallpläne in D völlig veraltet, es gibt kein einheitliches Warn- oder Kommunikationssystem für die Bürger in D und keine zentrale Stelle die für die zentrale Kommunikation zuständig ist, deutsche Ärzte sind sich nicht einmal über die Inkubationszeit, Lethalität des Virus und die Quaratänezeit einig.

    Das Kompetenzwirrwarr der Behörden tut ein übriges dazu. Die Frage wann der Bahnverkehr ins Ausland eingestellt werden kann, wurde vom Innen- an das Verkehrs- und dann an das Gesundheitsministerium weitergereicht. Von einem weisungsbefugten, behördenübergreifenden Führungsstab weit und breit nichts zu sehen.

  15. 9.

    Vorbereitung kann doch auch heißen, dass ein Memo rumgeschickt wird: Sollte es zu Corona-Fällen kommen, teilen Sie der Bevölkerung bitte mit, dass sie sich die Hände waschen soll. Vorbereitung kann auch heißen, dass die Katastrophenschützer mal einen Erste-Hilfe-Kurs belegt haben, den Führerschein besitzen oder die Autos vollgetankt sind.
    Vorbereitung kann doch auch heißen, dass sie eine WhatsApp-Gruppe gebildet haben, um sich optimal zu vernetzen.
    Immer diese Kritik an der Vorbereitung! Keiner weiß, was dahinter steckt, also sollte auch niemand behaupten, dass sie nicht vorbereitet sind. Vorbereitet heißt sogar, dass die Mitarbeiter in Kenntnis gesetzt werden, dass demnächst mit ihrem Einsatz zu rechnen ist.
    Schüler sind für einen Test vorbereitet, wenn sie Blatt und Stift mitgebracht haben. Das setzt nicht voraus, dass sie gelernt haben. Bin auf den Ernstfall vorbereitet (habe 3 Tafeln Schokolade gekauft - die hilft immer). Schneit es bei euch auch?

  16. 8.

    Mal abgesehen davon dass durch die Medien sehr viel Panik bei den Menschen ausgelösst wird ist Berlin nie und nimmer dafür ausgerüstet.
    Mein Arzt hat mir gesagt das dieser Virus wie eine Grippe oder Erkältung verläuft und was da die Medien berichten ist überhaupt nicht wahr. Hinter jeden Todesfall der angeblich durch diesen Virus entstand liegt eine Vorerkrankung vor und wenn man sich dann mit diesen Virus ansteckt ist es logisch dass es eng wird.
    Bleibt einfach mal sachlich in eurer Berichterstattung und dazu gehört auch dass Berlin nicht !!! dafür vorbereitet ist. wiedersprichts sich auch mit den Beitrag das 10000 Pflegekräfte fehlen.

  17. 7.

    Ich bin beim Katastrophenschutz. Nein, wir sind nicht gut aufgestellt. Und das ist milde Ausgedrückt.

  18. 6.

    Also das der Katastrophenschutz vorbereitet ist, halte ich für ein Gerücht. Dieser wurde in Berlin genauso kaputt gespart, wie alles andere.

  19. 5.

    Ich traue denen kein Wort! Die bisherige Zeit sagt was anderes. Leider.

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