Defender 2020 (Quelle: rbb/Nils Hagemann)
Video: Brandenburg aktuell | 26.02.2020 | Mark Albrecht | Bild: Nils Hagemann

37.000 Soldaten auf dem Weg durch Europa - Nato-Truppen rollen für "Defender 2020" durch Brandenburg

Im Frühjahr findet mit "Defender 2020" die größte Truppenübung der Nato seit Ende des Kalten Krieges statt. Der Truppenübungsplatz in Lehnin gilt als Schlüsselpunkt für die Verpflegung der Soldaten, die durch Brandenburg ziehen. Von Nils Hagemann

Es wummert auf dem Truppenübungsplatz in Lehnin. Ein paar Vögel werden von einem lauten Knall aufgeschreckt. Es ist ein kalter Wintermorgen. Der matschige Schneeregen setzt sich auf den grünbraunen Tarnanzügen der Soldaten. Die meisten sind Deutsche, doch hin und wieder blitzt eine amerikanische oder englische Flagge auf den Uniformen auf.

Diese Soldaten sind nur die Vorhut. Sie nehmen an "Defender 2020" teil, der größten Militärübung seit Ende des Kalten Krieges. 37.000 Soldaten aus 18 Ländern sind an der Operation beteiligt. Darunter auch Finnland und Georgien, die keine Mitgliedstaaten der Nato sind. Bereits vergangene Woche haben die ersten Schiffe in Bremerhaven angelegt.

Erster großer Konvoi kommt Anfang nächster Woche

"Der erste wirklich große Konvoi wird Anfang nächsten Monats eintreffen", sagt der Kommandeur des Landeskommandos Brandenburg, Olaf Detlefsen. Die Briten und Amerikaner, die schon jetzt auf dem Truppenübungsplatz stehen, seien für die Versorgung der eintreffenden Truppen zuständig. Denn hinter dieser Übung stecke ein großer logistischer Aufwand, so Detlefsen weiter. Etwa 20.000 der US-Soldaten sollen mit dem Schiff nach Europa gebracht werden. Über Bremerhaven nach Brück in Brandenburg.

Einer der Zwischenhalte auf der Route ist auf dem Truppenübungsplatz in Lehnin. "Hier werden die Fahrzeuge betankt", erklärt Major Marico Shana Klingler, während sie vor einem riesigen Tanklaster steht. Auf dem Heck prangt der Union Jack. Die Fahrzeuge sind aus England extra für die Übung hergefahren worden. Klingler führt uns weiter in die Kaserne. "Hier werden hauptsächlich die amerikanischen Soldaten die Nacht verbringen", so die Kommandantin des Truppenübungsplatzes. Anders als auf anderen Truppenübungsplätzen werde in Lehnin nicht geübt. "Der Platz dient allein als Tank und Rast, wenn man so will."

Proteste gegen umstrittenes Manöver

Schon in der nächsten Woche werden die ersten Konvois wohl durch Brandenburg fahren. Wann und wo man durchfährt, kann Klingler nicht sagen. Sie wisse es nicht genau. Wohl auch aus Angst vor Protesten soll nichts verraten werden, denn die Übung ist umstritten. Schon bei der Ankunft der ersten Schiffe in Bremerhaven gab es Proteste. Etwa 200 Menschen, darunter Vertreter von Kirchen, Gewerkschaften, Friedensinitiativen und der Linkspartei, protestierten gegen das Manöver. Denn die Übung gilt als Machtdemonstration.

Ein Sprecher der Bundeswehr nannte sie gar eine Reaktion auf die Annektion der Krim durch Russland. Proteste sind also vorprogrammiert. Kommandeur Detlefsen widerspricht jeglicher Kritik. "Es geht nicht um ein Kräftemessen mit anderen Nationen."  

Kaum Auswirkung auf Bevölkerung

Vom Truppenübungsplatz in Lehnin geht es weiter über die A12 nach Polen. Die Brandenburger dürften davon wenig mitbekommen. Die Konvois fahren nur nachts. Ketten sind auf den Straßen verboten - auch weil in Brandenburg bei Manövern und Truppenverlegungen der Bundeswehr seit 2014 Straßenschäden in Höhe von 562.000 Euro entstanden sind. Alle Panzer müssen also mit der Bahn transportiert werden, damit weitere Schäden möglichst vermieden werden. Aber gerade um den Truppenplatz Lehnin könnte es nachts ein wenig lauter werden.

Beitrag von Nils Hagemann

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19 Kommentare

  1. 19.

    Ich frage mich gerade, ob das in der jetzigenZeit der Coronakrise sein muss. Werden da die Soldat(inn)en nicht auch von betroffen sein?

  2. 18.

    Lieber Herr Schmidt,
    solange Sie den Menschen und dessen 'Gerechtigkeitssinn' an oberste Stelle setzen, werden Sie in Ihrer Hoffnung scheitern müssen. Das beweist uns leider die Geschichte. Es wird noch viel schlimmer kommen, bis wir endlich einsehen, dass wir nicht 'die Obersten und Einzigen sind', die langfristig über anderes Leben bestimmen können.
    Unsere Wirkkraft wird nun eingeschränkt, zum Wohl der Natur.
    Dem Menschen fehlt mit der Demut alles zur Ein- und Umkehr. Das einzig rettende ist die Sehnsucht nach Wahrheit.

  3. 17.

    Gewalt ist kein Mittel der Problemlösung, sondern potenziert Probleme.
    Das Manöver "Defender 2020" ist pysische und psychische Gewalt und erinnert an ein besetztes Deutschland.
    Warum sind wir Drehscheibe und warum Manöver in dieser Form? Ich hoffe, wir agieren richtig, um unsere Menschenrechte endlich durchzusetzen. Frieden geht nur mit der Einhaltung aller Menschenrechte.
    Es geht nichts über die Freiheit im Denken und Sein und die bedeutet eben nicht Macht und Geld über den Ausverkauf von Menschenrechten. Freiheit im Denken und Sein bedeutet Selbstbestimmung. Gebt dieser fremdbestimmten Gewalt keine Chance! Weltfrieden für alle durch die Durchsetzung der Einklagbarkeit von Menschenrechten. Wir alle müssen die Einklagbarkeit von Menschenrechten einfordern.

  4. 16.

    Weder noch. Es geht um Russland. Schon Churchill hat gesagt: "Wir haben das falsche Schwein geschlachtet". Er hat wohl zu spät erfahren, dass es in Deutschland keine Bodenschätze gibt.

  5. 15.

    Allen Anti-Amis sei gesagt, es geht nicht um Deutschland. Es geht um die Staaten des Baltikums. Und auch um Polen. Fragt dort nach. Ihr seid egoistisch.

  6. 14.

    Die USA ist nun mal der größte Kriegstreiber Nr. 1 der Welt. Hat man nach dem kalten Krieg immer noch nichts gelernt. Warum provoziert man die Russen und Putin so? Ich heiße es mit der Krim auch nicht für gut. Nur wären dort jetzt Schiffe mit anderen Flaggen auf dem Schwarzen Meer unterwegs. Frage. Hätte sich der Ami vor seiner Haustür angesehen? Bestimmt nicht, siehe Cubs 1962.
    Lieber ,,Besorgter‘‘ es gibt deinen Worten kaum etwas hinzuzufügen.
    Die Menschen sollten endlich die Augen aufmachen und sich von der Politik und Medien nicht für ständig blöd verkaufen zu lassen.
    Der Spuck ist ja schlimmer als vor 30 Jahren.

  7. 11.

    Widerwärtige, provokative und gefährliche antirussische Kriegsspiele!
    Man stelle sich das mal umgekehrt vor: 20.000 russische und chinesische Soldaten würden nach Kanada und Mexiko verlegt werden und dort an den Grenzen der USA auf dicke Hose machen. Würde Trump so entspannt reagieren wie hier Putin? Wohl kaum!
    Die Nato ist noch immer ein aggressives Militärbündnis.

  8. 10.

    Die Angriffskriege führen eher NATO-Länder, wie die USA,GB, Frankreich und die Türkei: In Syrien, dem Irak und Lybien.
    Gegen den Iran wird schon kräftig medial getrommelt.
    Dagegen ist in der Ukraine ein Bürgerkrieg ausgebrochen und die Krim hat sich abgespalten.
    Es gab dazu ein Referendum der Bevölkerung.
    Diese hat sich mehrheitlich dazu ausgesprochen, zu Russland und nicht zur Ukraine zu gehören.
    Diese Mehrheit ist in den letzten Jahren sogar noch gewachsen, wie eine Untersuchung des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages ergab.
    Nach dem Jugoslawienkrieg war es opportun, das Kosovo vom serbischen Staatsgebiet zu trennen.
    Dort gab es nicht einmal ein Referendum, jetzt jedoch die größte NATO-Basis Osteuropas.
    Komisch.


  9. 8.

    Wer der Aggressor ist, hat Putin mit seinem auch vom Besorgten bestätigten Angriffskrieg gegen die Ukraine bewiesen. Da ist es geradezu scheinheilig wenn die SED-Nachfolger plötzlich ihre christlichen Wurzeln entdecken und die zweite Wange auch noch hinhalten wollen. Appeasement ist schon einmal krachend gescheitert.

  10. 7.

    Einfach nur widerlich und erbärmlich, dass es im Jahr 2020 immer noch ein paar Leute gibt, die solche Kriegsspiele relativieren und polemisch instrumentalisieren. Scheinbar geht die „Angst vor den Russen“ die Wessis in der frühen Schule des kalten Krieges beigebracht bekamen nicht aus den Köpfen einiger Ewiggestriger.

  11. 6.

    Alles klar Alfred... wer kritische Fragen zum Militär stellt, ist ein Linksextremist... in diesem Sinne, rechts um nach Osten, und Abmarsch!

  12. 5.

    Der Reiseverkehr wurde bisher auch nicht wesentlich eingeschränkt. Und das wäre die erste wirksame Maßnahme, um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern.
    Im Pandemiefall werden wir froh sein wenn wir auf militärische Ressourcen zurückgreifen können, oder glauben Sie Herrn Spahn, daß Deutschland das im Griff hat?

  13. 4.

    Schlimm ist für mich, daß die Bundeswehr da mitmacht,die sollte sich lieber aktuellen Vorgängen widmen,die Chinesen haben es vorgemacht,wie man in 10 Tagen ein Krankenhaus baut,jetzt könnte mal unsere ruhmreiche Bundeswehr in einem friedlichen Wettstreit zeigen,das die Deutschen sowas in einer Woche schaffen,denn unsere Bundeskanzlerin hat schon gesagt:Wir schaffen Das!!!

  14. 3.

    Und das zu Corona-Zeiten. Einfach unglaublich. Und solche Veranstaltungen werden nicht abgesagt... Ich (ver)zweifle echt an der Menschheit.

  15. 2.

    Der Rüstungskonzern- und Manöverwahnsinn geht weiter bzw. beginnt erneut. Angestachelt vom festen Glauben die Russen könnten uns angreifen. Bisher sehe ich die Stimmungsmacher ausschließlich in Europa bzw. In den USA. Die NATO hat sich rund um Russland postiert und verstößt damit gegen Absprachen des vier Plus eins Vertrages. Als die Russen die Krim besetzten war der Aufschrei groß, waren doch andere Staaten massiv am Schwarzmeerhafen der russischen Flotte interessiert. Die Ukraine hätte den NATO-Staaten sofort Zugang gewährt. Eines muss den Kriegstreibern bei der NATO klar sein, wenn es zu einem Konflikt kommen sollte spielt sich dieser in der Mitte Europas statt, Amis und Engländer usw. sind ganz weit weg.

  16. 1.

    Die sogenannten Aktivisten scheinen zu den Putinverstehern zu gehören, die z.B. die Besetzung der Krim nicht weiter stört. Sonst würden die auch dort protestieren und sich nicht wie die SED-Nachfolger traditionell einseitig gegen die NATO positionieren. Die Friedensdivideden durch die Perestroika ist aufgebraucht.

    Bei den Kosten für dieses Manöver würden potentielle Straßenschäden durch Kettenfahrzeuge nicht weh tun. Eine Verlegung über solch lange Strecken belastet jedoch das Material zu stark. Die Panzen müssen schließlich im Übungsraum schnell einsatzfähig sein und nicht erst einer aufwendigen Wartung bedürfen.

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