01.03.2019, Berlin: Kriminaltechniker der Berliner Polizei untersuchen das Haus und den Garten der Schwester der verschwundenen 15-jährigen Rebecca. (Quelle: dpa/Bernd von Jutrczenka)
Audio: Inforadio | 17.02.2020 | Raphael Knop | Bild: dpa/Bernd von Jutrczenka

Ein Jahr vermisst - Was mit Rebecca passiert ist, bleibt unbeantwortet

Es ist der spektakulärste Vermisstenfall der vergangenen Jahre in Berlin und Brandenburg: Vor genau einem Jahr verschwindet die damals 15-jährige Rebecca aus Neukölln spurlos. Was seitdem passiert ist, fasst Raphael Knop zusammen.

Als die Suchmaschinen im vergangenen Jahr ihre Top-Suchbegriffe veröffentlichen, steht ein Name ganz weit oben: der der verschwundenen 15-jährigen Berliner Schülerin Rebecca. Der mysteriöse Vermisstenfall sorgt weit über die Grenzen von Berlin und Brandenburg für großes Interesse.

Das helfe aber nicht unbedingt bei den Ermittlungen, teilt der ermittelnde Staatsanwalt im Fall Rebecca, Martin Glage, am Montag in einer Videobotschaft auf Twitter mit. Von "Verschwörungstheorien, die teilweise auch hier in der Öffentlichkeit verbreitet wurden", halte man von Seiten der Ermittler wenig. Es sei zudem nicht hilfreich, wenn "Wahrsager und Seher" der Staatsanwaltschaft "irgendwelche Tipps geben." Über "sinnvolle und die Ermittlung unterstützende Hinweise" sei man aber nach wie vor dankbar, so der Staatsanwalt.

Ermittler erhielten mehr als 2.000 Hinweise

Insgesamt arbeiten die Ermittler der Mordkommission mehr als 2.000 Hinweise ab. "Zunächst werden natürlich die Spuren ausgewertet, die auf den ersten Blick erfolgsversprechender erscheinen. Später die Hinweise, wo man denkt, dass sich nicht unbedingt weitere Erkenntnisse daraus ergeben. Gleichwohl wird allem nachgegangen, alles wird ausgewertet", sagt Martin Steltner, Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Trotz der intensiven Ermittlungsarbeit – mit zwischenzeitlich zwei parallel arbeitenden Mordkommissionen und groß angelegten Suchaktionen in Wäldern und Seen mit hunderten Beamten, Hubschraubern, Tauchern und Mantrailer-Hunden – bleibt Rebecca spurlos verschwunden. "Es gibt nichts Neues. Wir haben bislang das Schicksal von Rebecca nicht aufklären können", sagt Steltner.

Was am 18. Februar geschah, bleibt nebulös

Die Frage danach, was am 18. Februar 2019 passierte, bleibt also unbeantwortet. Das ist der Tag, an dem Rebecca später zur Schule musste und bei ihrer Schwester Jessica, ihrer Nichte und ihrem Schwager übernachtete.

Rückblick: Schwester Jessica geht an diesem Tag mit ihrer Tochter schon früh aus dem Haus. Rebeccas Schwager kommt in der Nacht von einer Firmenfeier nachhause. Er schläft da noch – und zwar nach Angaben von Rebeccas Familie so lange, bis Rebeccas Mutter ihn anruft, weil sie sich Sorgen um ihre Tochter macht. Der Schwager schaut nach und beruhigt seine Schwiegermutter: Rebecca sei nicht mehr zuhause.

Aber auch ihr Smartphone ist und bleibt aus. Den ganzen Tag. In der Schule kommt sie nicht an. Ihre Kleider und ihr Rucksack sind weg. Als sie abends immer noch nicht zuhause und erreichbar ist, melden Rebeccas Eltern sie bei der Polizei als vermisst.

Schwager "nicht mehr so verdächtig"

Die Polizei fahndet öffentlich mit einem bearbeiteten Instagram-Foto nach ihr, zudem wird die Familie vernommen – auch Rebeccas Schwager. Da er widersprüchliche Angaben zu seinem Schlafverhalten macht und einige Tage später Autofahrten Richtung Polen – auch am Tag von Rebeccas Verschwinden - nicht begründen kann, gilt er als hauptverdächtig. Denn die Ermittler gehen von einer Straftat aus.

"Es spricht eben alles dafür, dass sie die Wohnung nicht lebend verlassen hat. Und es spricht nichts dafür, dass sie sich beispielsweise irgendwo anders aufhält. Dass sie entführt worden ist oder an irgendeinem Ort lebt. Oder dass sie sich abgesetzt hätte", sagt Steltner. Darauf gäbe es keine Hinweise. Es gehe ja nicht um Spekulationen, sondern die Ermittler hielten sich an die Fakten, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft weiter.

Rebeccas Schwager, der seit neun Jahren mit der Schwester Rebeccas verheiratet und für die Familie wie ein Sohn ist, kommt zwei Mal in Untersuchungshaft. "Wir haben zwar einen Verdächtigen, aber der ist nicht mehr so verdächtig wie kurz nach dem Verschwinden von Rebecca. Deswegen müssen wir im Hinblick auf die Unschuldsvermutung auch ein bisschen zurückhaltend und vorsichtig sein", sagt Steltner.

Rebeccas Eltern hoffen, dass ihre Tochter noch lebt. Sie glauben, dass sie irgendwohin verschleppt wurde. Ganz ausschließen können die Ermittler das nicht. "Sobald sich neue Erkenntnisse ergeben, die beispielsweise die erneute Absuche eines Geländes nahelegen, wird das selbstverständlich gemacht", sagt Martin Steltner. "Aber im Moment ist das nicht der Fall."

Sendung: Inforadio, 18.02.2020, 8 Uhr

Beitrag von Raphael Knop

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2 Kommentare

  1. 2.

    Und der ganze Überwachungsstaat hat nix gebracht. All die Kennzeichenscanner, all die Mobilnetzabfragen und Vorratsdatenspeicherung... nix

  2. 1.

    In einem Fernseh-Interview mit einem Privatsender, daran erinnere ich mich noch sehr gut, hat Rebeccas Vater wenige Tage nach dem Verschwinden seinen Schwiegersohn über die Kamera direkt angesprochen und sinngemäß gesagt, dass die Ermittlungen in die falsche Richtung gingen und er nun endlich sagen solle, was wirklich hinter all dem stecke. Es klang ganz offensichtlich so, als gebe es einen Zusammenhang, über den der Vater selbst nicht reden wollte, dies aber nun von seinem Schwiegersohn erwarte. Ich hatte schon damals das Gefühl, dass diesem Interview nicht genug nachgegangen wurde. Es muss auf RTL oder n-tv gewesen sein.

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