27.06.2019, Mecklenburg-Vorpommern, Lärz: Besucher tanzen vor der Hauptbühne des vom Verein Kulturkosmos organisierten Fusion-Festival 2019. (Quelle: dpa/Büttner)
Bild: dpa/Büttner

Sexualisierte Gewalt - Spannervideos von Fusion-Festival auf Pornoseiten aufgetaucht

Nach heimlichen Nackt-Aufnahmen auf dem Festival Monis Rache sind nun auch von der Fusion illegale Clips aufgetaucht. Die Spannervideos wurden offenbar in Duschen gedreht.  Nun fordert das Festival zu Strafanzeigen auf.

Vom "Fusion"-Festival in Mecklenburg-Vorpommern sind illegale Videoaufnahmen im Netz aufgetaucht. Wie aus einer Stellungnahme des Veranstalters, Kulturkosmos Müritz e.V., von Montag hervorgeht, wurden im vergangenen Sommer auf dem Gelände Festivalbesucher heimlich beim Duschen gefilmt und die Videos später auf einer pornografischen Internetseite geteilt.

Die Kameras sollen dabei so platziert gewesen sein, dass man zwar die Körper, aber nicht die Gesichter der betroffenen Personen erkennen konnte. Auch Nahaufnahmen von weiblichen Körperteilen wurden dabei gemacht.

Die Veranstalter wurden Ende Januar durch anonyme E-Mails über die Spannervideos informiert. Sie erstatteten Strafanzeige und bewirkten, dass die Videos mittlerweile von der pornografischen Seite gelöscht wurden. "Wir sind erschüttert und fassungslos darüber, dass diese Form von sexualisierter Gewalt an Orten stattfindet, in denen wir Antisexismus und Gewaltfreiheit als Grundkonsens verstehen", schrieb der Verein.

Ohne Strafanzeige kein Einschreiten der Polizei

Das Herstellen und Übertragen von Videos, die Personen gegen ihren Willen nackt zur Schau stellen, ist eine schwerwiegende Verletzung der intimen Privatsphäre und strafbar. Allerdings werden die Strafverfolgungsbehörden erst dann aktiv, wenn betroffene Personen Anzeige erstatten. Kulturkosmos ruft deshalb jetzt Besucher des Festivals auf, die sich auf den Videos wiedererkannt haben, Strafanzeige zu erstatten. Dies ist nun, da die Videos offline sind, allerdings schwer nachzuvollziehen. Betroffenen bietet das Festival bei Bedarf anwaltlichen Beistand.

Erst vor wenigen Wochen war durch die Recherchen des ARD-Jugendformats "Strg_F" bekannt geworden, dass auch auf den Dixi-Toiletten des linken Festival "Monis Rache" in Tutow heimliche Aufnahmen entstanden sind. Anders als die Veranstalter der Fusion, erstatteten die Organisatoren von "Monis Rache" aber keine Anzeige gegen den Täter, dessen Identität dem Festival bekannt ist - und ernteten Kritik der betroffener Personen, die ihnen Täterschutz vorwarfen.

Sexualisierte Gewalt - Neuland für linke Festivals

Für die "Fusion" sind diese Aufnahmen Neuland. Das in seiner Grundhaltung antisexistische, linke Festival sollte ein sicherer Raum, frei von sexualisierter Gewalt sein. "Fünf Tage Ferienkommunismus", hatten die Veranstalter, das 1997 gestartete Festival auf einem ehemaligen sowjetischen Militärflugplatz in der mecklenburgischen Gemeinde Lärz genannt. 2.000 Besucher kamen im ersten Jahr - heute sind es 80.000.

In Vorbereitung auf das Fusion Festival 2020 will sich der Veranstalter des "größten Ferienlagers der Republik" nun intensiv mit diesen sexualisierten Übergriffen auseinandersetzen und in Zusammenarbeit mit den einzelnen Gruppen, insbesondere aus dem Sanitär- und Hygienebereich, mögliche Vorsichts- und Kontrollmaßnahmen diskutieren und umsetzen. Eine Totalüberwachung des Veranstaltungsortes lehnen die Organisatoren aber ab.

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1 Kommentar

  1. 1.

    Das gab es doch auch schon bei der Loveparade und CSD. Kennen wa alles. Ist da die Polizei eingeschritten? nein.

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