Foto aus dem Goldmünzenprozess: Kläger Boris Fuchsmann links im Bild. (Quelle: rbb/U. Morling)
Video: Abendschau | 20.02.2020 | Norbert Siegmund | Bild: rbb/U. Morling

Big Maple Leaf - Kunstmäzen will Schadensersatz für Münzdiebstahl

Der 73-jährige Eigentümer der "Big Maple Leaf"-Goldmünze klagt nach deren Diebstahl aus dem Bode-Museum auf Schadensersatz gegen die Versicherung. Erst am Donnerstag waren drei der mutmaßlichen Täter zu Jugendstrafen verurteilt worden. Von Ulf Morling

Genau einen Tag nach dem Urteil für die drei mutmaßlichen Diebe der 100-Kilogramm-Münze wird noch einmal über die bis heute spurlos verschwundene Goldmünze "Big Maple Leaf" verhandelt. Der Eigentümers fordert Schadensersatz.

Boris Fuchsmann wurde von der Versicherung bisher mit 800.000 Euro entschädigt. Doch er möchte noch weitere 2,6 Millionen Euro haben, "das hat die Münze schließlich auch ungefähr gekostet", sagt Fuchsmann. Er sei Immobilienentwickler, wird er bei dem Prozessauftakt am Freitag gefragt. Seine Körperhaltung wirkt versteift. Er erwidert leise, mit einem Anflug von Stolz in der Stimme: "Ich bin Kunstsammler. Ich sammle russische Kunst."

Goldmünze bei der Fußball-WM 2010 gekauft

Boris Fuchsmann, 73 Jahre alt, russische Wurzeln, steht ein wenig verloren auf dem Gang im Landgericht Berlin vor Raum E 206, auch wenn er von Menschen umringt ist. Unauffällig gekleidet mit einer schwarzen, weit geschnittenen Lederjacke und einfachem Hemd und Hose wirken vor allem seine wachen Augen, die gern lächeln, selbst auf den Fotos. "Ich war in die Münze verliebt, auch wenn meine Frau sie nicht zu Hause in unserer Wohnung haben wollte. Ich habe sie zur Fußball-WM 2010 in Südafrika gekauft", erzählt er.

Er habe im Hotel in Johannesburg eine Werbung für die Versteigerung der Goldmünze entdeckt. Da er aber den Kruger-Nationalpark besucht habe und dort kein Handyempfang möglich gewesen sei, habe er nicht telefonisch mitbieten können. Schließlich zahlte er dem neuen Eigentümer, einem spanischen Unternehmen, 100.000 Euro über dem Preis, mit dem die Firma die Münze ersteigert hatte. 3,4 Millionen Euro habe er schließlich bezahlt.

So kam die Big Maple Leaf nach Düsseldorf zu Fuchsmann und bald darauf als Leihgabe nach Berlin. "Das war eine sehr besondere Münze, nur fünf gab es weltweit", erklärt Fuchsmann, "ich habe sie für die Ausstellung im Bode-Museum zur Verfügung gestellt, damit die Leute sie sehen können."

Trägt das Bode-Museum Schuld?

Nachdem die Münze gestohlen worden war, reichte Fuchsmann im Dezember 2018 Klage gegen die Versicherung ein, das Bode-Museum unterstütze ihn als sogenannter Streithelfer. "Ich werde sie nie wiedersehen. Die Münze wird eingeschmolzen sein", sagt Fuchsmann bedauernd. Die Versicherung erwiderte seine Klage fünf Monate später.

Die Vorsitzende der 4. Zivilkammer Marianne Voigt versucht im Prozess zu erfragen, wer Schuld trägt an dem Diebstahl der Goldmünze, um mit ihrer Kammer entscheiden zu können, wer wieviel an den Eigentümer der Goldmünze zahlen muss. Muss das Bode-Museum einen Teilbeitrag leisten, weil es fahrlässig oder gar vorsätzlich, durch das defekte Sicherheitsfenster an der vorbeilaufenden S-Bahn-Trasse, den Diebstahl ermöglichte? Durfte es dem beauftragten Sicherheitsdienst vertrauen? Durfte der Sicherheitsdienst einfach Subunternehmen beschäftigen, ohne deren Qualifikation und Eignung zu überprüfen?

"Achillesferse für eine eventuelle Obliegenheitsverletzung ist die ausgeschaltete Alarmsicherung des Fensters, durch das der Diebstahl stattfand", sagt die Richterin. Der Vertreter des Bode-Museums gibt zu Bedenken, dass der eingesetzte Wachdienst hätte kontrollieren müssen und den Diebstahl so hätte verhindern können. Das Bode-Museum habe keine "Obliegenheitsverletzung" begangen, müsse also keinen Schadensersatz leisten. Die allermeisten Museen würden ihre Sammlungen vollständig elektronisch absichern und keinerlei Sicherheitsmitarbeiter mehr beschäftigen, ganz im Gegensatz zum Bode-Museum.

Urteil wird Mitte März erwartet

Das Bode-Museum hat bislang gute Chancen, um eine Schadensersatzleistung herumzukommen. Doch bis zum Urteil am 17. März kann das Museum zusätzlich Belege liefern, wie engagiert die Reparatur des Sicherheitsfensters betrieben wurde, das in der Nacht des Diebstahls nicht Alarm schlug. In möglicherweise folgenden Prozessen um den Schadensersatz des Wertes der Goldmünze könnten auch die beteiligten Wachschutzfirmen zur Kasse gebeten werden.

Boris Fuchsmann verlässt den Gerichtssaal still und nachdenklich. Er hat auf eine Entscheidung gehofft - und sein restliches Geld, wenn er schon seine Münze nie wiedersehen sollte. Wie schätzt er das Urteil ein über die drei mutmaßlichen Diebe seiner Goldmünze? "Naja, was soll ich sagen? Die Leute sind bestraft. Ob es zu viel oder zu wenig Strafe ist, kann ich nicht sagen, Hauptsache ist, dass sie verurteilt sind." 

Sendung: Abendschau, 20.02.2020, 19:30 Uhr

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4 Kommentare

  1. 4.

    Es ist unverständlich, dass der Verleiher das Risiko des zufälligen Untergangs nicht vertraglich auf das Museum überwälzt hat. Aber wahrscheinlich war er zu gutmütig.

  2. 3.

    Das Museum hätte die Münze besser sichern müssen und der Wachdienst besser aufpassen. Stimmt ALLES aber
    hallo, ich glaube ich bin im falschen Film.
    In allererster Linie hätten mal die Täter erst gar nicht ins Museum einsteigen dürfen. Trotz aller Sicherheitslücken wäre diese Münze noch da, hätten diese Krimminellen sie nicht gestohlen. Bei denen ist wahrscheinlich nichts zu holen ansonsten müssten sie ihr Leben lang den Schaden abarbeiten,den sie verursacht haben.
    Ich fand diese Münze toll und bin stocksauer, dass diese Krimminellen sie gestohlen haben.

  3. 2.

    Tja, die Münze war aber im Museum und war jämmerlich gesichert. Hätte ich das gewußt, hätt' ich sie mir auf den Rücken geschnallt und wäre jetzt irgendwo, nur nicht hier.

  4. 1.

    „ auch wenn meine Frau sie nicht zu Hause in unserer Wohnung haben wollte.“

    Das sollte eigentlich schon genügen.

    Es kann nicht Aufgabe der Museen sein, überteure Kunst oder -Wertgegenstände reicher Mäzene zum Zwecke der kostenfreien Lagerung in verbunkertem Gebäude aufzubewahren.

    Für die sichere Lagerung exorbitanter Werte, haben sich Firmen spezialisiert.
    Ja, das koschded natürlich eine Stange Geld...

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