Google Maps Hacks. (Quelle: Simon Weckert)
Audio: Inforadio | 03.02.2020 | Thomas Hollmann | Bild: Simon Weckert

Fake-Stau auf Google Maps - Wie ein Berliner mit 99 Smartphones die Straßen leert

Ein Mann befüllt einen Karren mit haufenweise Smartphones und zieht ihn im Schritttempo über eine Straße - mitten in Berlin. Google erkennt sofort: Viele Handys konzentriert auf einen Punkt, das kann nur Stau bedeuten. Hinter der Aktion steckt ein Berliner Künstler.

Dem Berliner Künstler Simon Weckert ist es offenbar gelungen, Google Maps zu überlisten und einen Stau zu simulieren, den es in Wirklichkeit gar nicht gegeben hat.

Dafür legte Weckert nach eigenen Angaben 99 Smartphones mit eingeschalteter Google-Navigation in einen Handkarren. Diesen zog er dann zu Fuß hinter sich her, während er unter anderem über die Schillingbrücke in Berlin spazierte.

Verkehrsteilnehmer umgeleitet

Google reagierte prompt und erkannte, dass sich viele Handys auf einem Punkt befinden. Das System deutete dies fälschlicherweise als im Stau stehende Autos, färbte auf der virtuellen Karte die betroffene Straße rot ein und zeigte anderen Verkehrsteilnehmer eine alternative Route an, damit diese den Stau umfahren können. Im Umkehrschluss konnte Simon Weckert seinen Handkarren über kaum befahrene Straßen ziehen.

Auf seiner Homepage bezeichnet der Künstler die Aktion als "Google Maps Hacks" [simonweckert.com]. Seine geglückte Installation belegt er überdies mit mehreren Fotos und einem Youtube-Video.

Die Macht der Apps

In einem Begleittext erklärt Weckert die Aktion damit, dass er auf die Macht von Apps aufmerksam machen wolle. Applikationen wie Google Maps, aber auch virtuelle Carsharing- oder Fahrradverleih-Angebote würden die reale Stadt verändern und das Verhalten von Lebewesen beeinflussen. Darüber müsse man sich mehr Gedanken machen.

Sendung: Inforadio, 04.02.2020, 8.05 Uhr

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45 Kommentare

  1. 45.

    Wenn sie die Sammelwut mächtiger Unternehmen für irrelevant halten ist ihnen eh nicht mehr zu helfen.

    Daten sind das Gold des 21. Jahrhunderts. Die Goldgräberstimmung fängt jetzt erst so richtig an.

  2. 44.

    Es ist vor allem irrelevant.
    Womit rechnen Sie in dem Fall, dass Google (oder sonstwer) ihren Standort weitergibt?
    Mit einem unverzüglichen Drohnenangriff?

  3. 43.

    Von der Erhebung irgendelcher Daten habe ich nichts gesagt.
    Und wer etwas in der Öffentlichkeit tut, muss seit jeher mit der Möglichkeit leben, dass die Öffentlichkeit das mitbekommt.
    Auch finde ich, dass Sie da ein wenig übertreiben:
    Leibeigene und Sklaven vergangener Zeit hätten feuchte Augen bei dem Gedanken bekommen, dass all ihr Dilemma eines Tages ausschließlich in der Möglichkeit bestehen könnte, dass irgendwer wüsste, wo sie gerade wären.
    Genauso falsch ist es, dass Supermärkte nur weiterleiten dürfen, dass eine Buchung stattgefunden hat.
    Das wäre steuerrechtlich und buchhalterisch nämlich arg wenig.
    Sicherheit erfordert ein gewisses Maß an Kontrolle.
    Und wer es gern bequem hat (so wie bekennenderweise ich), muss anderen auch erlauben, seine Wünsche zu erkennen und sich diesen anzupassen.
    Nicht jeder, der einem Werbung zuschicken will, ist ein Ausbeuter, Betrüger, Spitzel oder Schlapphut.

  4. 42.

    "Nutzen Sie die Ortungsfunktion Ihres Android Smartphones nicht, werden auch keine Daten erhoben und gleich gar nicht weitergegeben."

    *muhahaha* Ist das jetzt grenzenlos naiv oder einfach nur dumm?

  5. 41.

    Für das Jahr 2020 sind Sie aber schon irgendwie naiv oder wie kommen Sie sonst so durch das tägliche Leben? Ausschließlich mit Bargeld ohne Computer und Smartphone?

  6. 40.

    Da ist gar nichts illegal! Mit der Nutzung von Maps stimmen Sie der Datenweitergabe explizit zu. Nutzen Sie die Ortungsfunktion Ihres Android Smartphones nicht, werden auch keine Daten erhoben und gleich gar nicht weitergegeben. Ist absolut konform mit der DSGVO.

  7. 39.

    Nö - im Grunde will ich das nicht überdenken. Ich will das die Erhebung solcher Daten illegal ist. Das sind meine Daten. Die gehören mir, wie mir der unbewachte Raum gehört in dem ich onaniere, mein Essen koche.
    Manchmal denke ich mir. Vielheit doch mal als weisser, privilegierter Europäer drüber nachdenken wie es ist, von irgendwas über mir ganz selbstverständlich als Sklave, als ausbeutbar und rechtlos angesehen zu werden. Leibeigenschaft ist halt länger her. Wird Zeit das Gewohnheitsrecht der Ausbeuter als das zu bekämpfen was es ist: Eine gewaltsame Aneigung. Ich habe weder dem Supermarkt noch der Bank irgendeine Genehmigung gegeben meine Daten zu mehr zu verwenden als den Nachweis das eine Buchung stattgefunden hat. Jede weitere Auswertung ist zu verbieten. Will ich ihnen meine Daten verkaufen, können sie mir ein Angebot machen. Demnächst verkauft noch einer meine Organe ohne zu fragen. Weil es son geiles Geschäftsmodell ist. Und halt mal so entstanden. Irgendwie.

  8. 38.

    Ich glaube so einige würden sich in China wohler fühlen.

    Die Aktion soll zum Denken anregen,daher finde ich sie gelungen.

  9. 37.

    Wer sich mit Google überwacht fühlt sollte es nicht nutzen. Ansonsten weiß jeder das Google gewisse Daten braucht um zu arbeiten und Vorschläge zum Weg zu machen oder ich erfahre zB wie lange es normalerweise dauert von A nach B zu kommen.
    Mitdenken ist auch bei Navis angebracht.
    Verkehrsmeldungen werden auch nicht von jedem Sender gebracht.

  10. 36.

    Ich gebe zu, dass ich per EC-Karte bezahlte Beträge beispielsweise im Supermarkt für gewöhnlich ebenfalls allermeistens ohne nachzudenken bezahle. Schlicht deshalb, weil ich da ebensowenig Möglichkeiten wie Gründe für einen Rechenfehler oder Betrug erkennen kann. Und vielleicht sollte ich dieses Verhalten überdenken.
    Allerdings halte ich solche Aktionen für nutzlos. Nehmen wir mal an, jemand würde bewusst eine Falschmeldung in die Zeitung setzen. Ob das irgendwen dazu veranlassen würde, sein Verhalten zu ändern (also beispielsweise die Zeitung zu wechseln, keine mehr zu kaufen oder stets eine Gegenkontrolle in mindestens einem anderen Medium durchzuführen)?
    Ziemlich unwahrscheinlich, hm?
    Ich halte es generell für albern, Menschen ändern zu wollen.
    Wer so etwas versucht, überschätzt sich allermeistens.

  11. 35.

    Da liegt der Ball danneindeutig beim Senat.
    Aus falscher Sparsamkeit, Paranoia oder beidem verzichtet man auf ein aktuelles Betriebssystem (dabei würde man unter Windows 10 nichtmal einen zusätzlichen Virenscanner oder eine weitere Firewall brauchen), personalisierte Werbung ist zugegebenermaßen eine zu schluckende Kröte (Firmen wie Google wollen halt Gewinn machen), doch die Gefahr der Pinkelbelauschung halte ich für überschaubar, weshalb Amazon-Echos und Google-Homes bei mir in JEDEM Zimmer stehen.
    Smart Home bringt mir aber einfach noch zuwenig Nutzen.

  12. 34.

    Wie ich Simon Weckert verstanden habe, wie er hier zitiert wurde, ging es um die Förderung von Sensibilität. Alles andere würde ihm demgegenüber falsch in den Mund gelegt, aus irgendwelcher Gründen heraus.

    Was hier Sie und andere gleichfalls schrieben, geht es um den sinnvollen Einsatz zusätzlicher technischer Hilfsmittel, sei es nun in der Kommunikation oder in der Navigation. Davon kann bei einem Großteil von Menschen überhaupt nicht mehr die Rede sein. Ja, es wächst sogar eine Generation heran, die an der Kasse anstandslos bezahlt, gleich, ob für das jeweils Gleiche 8,73 € oder 87,30 € abverlangt wird.

    Auf alles, was zusätzlich zu unseren Sinnen hinzutritt, können wir uns gerade nicht verlassen. Im Gegensatz zu unseren Sinnen., so fehlbar sie auch im Einzelfall sein mögen. Es gibt zunehmend Menschen, die drehen dieses Verhältnis um.

  13. 33.

    Ich kann mir das schon vorstellen:
    50 Smarts hintereinander = Stau
    20 LKWs mit Anhänger hintereinander = kein Stau.

  14. 32.

    Google analysiert Daten und macht Vorschläge. Von einer Fremdbestimmung kann also nicht die Rede sein.
    Und sich (so lange man keine Gewissheit hat) auf eine Wahrscheinlichkeit zu verlassen, halte ich für logisch.
    Oder würden Sie Sich etwas in die Ohren stopfen und weiterschlummern, wenn Ihr Rauchmelder Alarm schlägt?
    Blindes Vertrauen ist meistens dumm. Doch um das zu begreifen, braucht man keine Aktionskünstler.

  15. 31.

    Dafür dauert die altmodische Staumeldung viel zu lange und ist personell und technisch begrenzt und damit ungenau. Google wertet Daten dagegen in Echtzeit für jeden Punkt im Straßennetz in Sekunden aus und prognostiziert daraus die aktuelle Verkehrslage. Das kann bei unklaren Datenzulieferungen, wie eben durch diese Aktion des so genannten Künstlers, auch mal zur selbsterfüllenden Prophezeiung führen, zumindest so lange, wie keine andere Info dazu kommt. Bereits der erste Anwohner, der ungestört die Straße entlang fährt, hebt den vermeintlichen Stau schon wieder auf. Grundsätzlich bleibt es trotzdem sinnvoll, angezeigte Staus zu umfahren, statt sich stur hinein zu stellen und die Umwelt mit Abgasen zu belasten. Die einen nennen es Manipulation, die anderen sagen dazu Verkehrslenkung. Und die funktioniert nun mal nur mit vielen Echtzeit-Daten.

  16. 30.

    Offensichtlich haben Sie sich noch nicht mit der Erstellung von Profilen und die Verknüpfung von Daten befasst. Sie schreiben ja auch "vermutlich". Wenn Sie auf Privatsphäre verzichten; bitteschön, Ihr Problem.
    Sie werden nicht ständig überwacht? Oh doch....
    Wenn der " Künstler“ noch etwas Sinnvolles in dieser Richtung unternehmen will sollte er sein Experiment wiederholen, aber ohne dass Maps auf den Geräten aktiv ist. Auf dieses Ergebnis wäre ich gespannt!

  17. 29.

    Sie haben Recht. Lustigerweise kaufen viele Leute extra ein TomTom, weil die Stauvorhersage dort so gut ist, obwohl die exakt dieselbe Funktionalität nutzen wie Google. Oder man freut sich über die Funktion, will aber selbst nichts dazu beitragen, weil man sich ja so überwacht fühlt. Ein wenig Nachdenken macht doch klar, dass es nur mit einem großen anonymisierten Datenpool funktionieren kann. Nichts anderes macht Google hier. Wer damit nicht leben kann, deaktiviert einfach die Ortungsfunktion und verzichtet auf Google Maps. Problem gelöst!

  18. 28.

    Die Gefahr liegt weniger bei Google, mehr beim Senat, der ungeschützt auf Windows 7 oder XP daddelt. Die vorhandenen Daten können bei solchen Amateuren einfach abgegriffen werden. Dass mich Google mit Werbung belästigt, so what. Smart Home oder Alexa käme bei mir nie in Frage, weil zu viel Schwachstellen dazwischen liegen (Telekom? Vodafone?). Oder einfach Tüftler Spaß daran haben, mir beim Pinkeln zu lauschen...

  19. 27.

    Sorry, dieses Geschwafel von Überwachung nervt irgendwann! Man nutzt bei Google einen Dienst, der darauf beruht, dass man anonymisiert Daten weitergibt, die von Algorithmen ausgewertet werden und jedem Nutzer dann als Info zur Verfügung gestellt werden. Wer als Privatperson dahinter sitzt, interessiert dabei Google gar nicht bzw. nur so weit, dass es Ihnen vornehmlich Werbung zu Themen anzeigt, die Sie interessieren könnte. Mehr will Google gar nicht wissen. All das können Sie aktiv beeinflussen, indem Sie die Privatsphäre-Einstellungen ändern, Dienste deaktivieren oder gänzlich darauf verzichten. Gerade die Ortungsfunktion zur Auswertung von Staus ist doch ein sinnvoller Austausch von Informationen. Die Beeinflussung durch den Künstler dürfte auch nur in kaum befahrenen Nebenstraßen funktionieren, da überholende Fahrzeuge zur Korrektur führen würden. Die Aktion ist Aufmerksamkeit erregend, aber weder neu noch sinnig.

  20. 26.

    Zu verbergen hat jeder was, Facebook interessiert mich nicht, den Urlaub verbringe ich lieber zuhause den menschengemachten Klimawandel halte ich für eine Theorie, Verkehrsmeldungen betrachte ich nicht als Entmündigung, zur Stopfgans bin ich nicht qualifiziert, da ich ein Männchen bin und eine Neigung zu Halsschmerzen habe, doch mit dem Rest haben Sie Recht.
    Mein Vorschlag: Leben Sie künftig unter Indios im Urwald. So ganz ohne moderne Technik, denn die ist ja eh Teufelszeug. Gelle?

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