Krankenhaus Märkisch-Oderland in Strausberg (Quelle: rbb)
Video: Brandenburg aktuell | 13.02.2020 | Michael Lietz | Bild: rbb

Einziger Facharzt im Urlaub - Strausberger Klinik muss Geburtshilfe vorübergehend schließen

Am Krankenhaus von Strausberg können vorübergehend keine Entbindungen durchgeführt werden. Der einzige Facharzt der Gynäkologie muss Resturlaub nehmen, die Station muss in dieser Zeit geschlossen werden. Patientinnen müssen lange Wege auf sich nehmen.

Am Krankenhaus Märkisch-Oderland in Strausberg können zweieinhalb Wochen lang keine Geburten begleitet werden. Ab Freitagnachmittag 15 Uhr bis zum 2. März bleiben die Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie der Kreißsaal geschlossen, teilte das Krankenhaus am Donnerstag mit. Der Grund dafür ist ein akuter Mangel an Fachärzten.

Der einzige Gynäkologe des Hauses muss in diesem Zeitraum nicht genommene Urlaubstage aus dem vergangenen Jahr nehmen, teilte die Klinik auf Anfrage des rbb mit. Der Mann ist gleichzeitig der Chefarzt der Abteilung. Zwar seien zwei weitere Ärzte auf der Station tätig, da sie aber ihre Fachausbildung noch nicht abgeschlossen hätten, dürften sie nicht selbstständig agieren, hieß es. Ohne den Facharzt fehlt also jemand, der bei Komplikationen unterstützen und schlussendlich Entscheidungen treffen kann.

Nächste Geburtshilfe ist 22 Kilometer entfernt

Die Schließung wird auch Auswirkungen auf die Ausbildung von zwei zukünftigen Hebammen haben, deren Abschluss bevorsteht. Sie hätten in dem Zeitraum eigentlich praktische Erfahrungen an der Station sammeln sollen.

Das Brandenburger Gesundheitsministerium teilte auf Anfrage von Brandenburg aktuell mit, dass andere Krankenhäuser sowie niedergelassene Ärzte über die vorübergehende Schließung informiert worden seien. Patientinnen müssten sich vorübergehend an andere Häuser wenden: etwa die 22 Kilometer entfernte die Immanuel-Klinik in Rüdersdorf, das circa 35 Kilometer entfernte Klinikum Barnim Eberswalder oder das etwa 62 Kilometer entfernte Klinikum Frankfurt/Oder.

Ministerium sieht Grundversorgung nicht gefährdet

In den vergangenen Monaten mussten immer wieder Geburtenstationen von brandenburgischen Krankenhäusern geschlossen werden. So musste zwischen Oktober 2018 und Dezember 2019 ein Kreißsaal in Nauen (Havelland) geschlossen werden. Ende vergangenen Jahres konnten im Klinikum von Eisenhüttenstadt an Wochenende keine Geburten begleitet werden. In Templin (Uckermark) kann derzeit auch keine Rundumbetreuung auf der Geburtshilfe gewährleistet werden. In den meisten Fällen standen den Kliniken nicht genügend Hebammen zur Verfügung.

Weitere Schließungen seien dem Gesundheitsministerium in Potsdam derzeit nicht angezeigt, teilte ein Sprecher mit. "Angesichts der angespannten Fachkräftesituation ist Fachkräftesituation ist aber nicht auszuschließen, dass es auch 2020 vereinzelt zu Engpässen kommen kann." Bei jeder Schließung müssten individuelle Lösungen zur Überbrückung gefunden werden, hieß es. "Die Grundversorgung für die Bevölkerung war und ist zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen."

Sendung: Brandenburg aktuell, 13.02.2020, 19.30 Uhr

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Antwort auf [Waldfreund] vom 13.02.2020 um 19:52
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10 Kommentare

  1. 10.

    " Weitere Schließungen seien dem Gesundheitsministerium in Potsdam derzeit nicht angezeigt, "
    die werden schon noch kommen, schneller als befürchtet

    " "Die Grundversorgung für die Bevölkerung war und ist zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen."

    das ist eine Pflichtaussage des Gesundheitsministeriums wider besseren Wissens

  2. 9.

    " Strausberger Klinik muss Geburtshilfe vorübergehend schließen " auch hier also

    kürzlich war auf NDR-MV zu lesen, dass die Geburtshilfe in Parchim geschlossen ist mangels Ärzten, die haben alle gekündigt , warum wurde nicht genannt, aber die Klinik ist privatisiert... und die Strausberger Klinik ??

  3. 8.

    "Angesichts der angespannten Fachkräftesituation ist Fachkräftesituation ist aber nicht auszuschließen, dass es auch 2020 vereinzelt zu Engpässen kommen kann."

  4. 7.

    Ich sage es immer wieder, dieses Deutschland entwickelt sich immer mehr zum Entwicklungsland. Fehlende Fachkräfte, Misspolitik, Bürokratie bis zum Ersticken ...Sparen Sparen Sparen

  5. 6.

    Hallo Sabine, würden sie denn umgekehrt, wenn die Wehen anfangen und sie dringend Hilfe brauchen , von Berlin nach Frankfurt/ Oder fahren? Glaube ich nicht! Hier stimmt etwas sehr gewaltig nicht!So einen Start ins Leben muss sehr viel einfacher sein, ohne das ich lange überlegen muss, wo ich mein Kind zur Welt bringen kann!

  6. 5.

    Die Gebutskliniken in Hellersdorf oder Mahlsdorf liegen Näher als Köpenick.

  7. 4.

    Kritische Äußerungen zu dieser Tatsache müssen gezeigt werden, auch wenn Frauen oft nur , egal ob kompetent oder nicht, als Quotenträgerinnen eingesetzt werden. Die Kinder bekommen nun mal sie und deshalb haben sie das Recht darauf, dass ihre gesundheitlichen Bedürfnisse wahrgenommen und geschützt werden. Alles Andere kommt einer indirekten Körperverletzung gleich, da eventuelle Komplikationen durch lange Wege, billigend in Kauf genommen werden.

  8. 3.

    Die Verantwortungslosigkeit in diesem Land ist untragbar.

  9. 2.

    Das ist unglaublich. Wir schreiben das Jahr 2020!!!

  10. 1.

    die könnten ja auch nach köpenick fahren wäre nicht so weit wie nach Frankfurt oder. oder muss man in dem bundesland seine behandlungen durchführen lassen in den man wohnt?

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