Geflüchtete an der syrischen Grenze (Quelle: rbb)
Video: Abendschau | 12.02.2020 | Norbert Siegmund | Bild: rbb

Prävention und Deradikalisierung - Berlin hat bereits 65 IS-Rückkehrer aufgenommen

In der Hauptstadt treffen immer mehr Berliner ein, die sich der Terrororganisation "Islamischer Staat" angeschlossen hatten. Der Staatsschutz setzt auf "strukturiertes Rückkehrmanagement". Anschlagspläne seien trotzdem nicht auszuschließen, heißt es.

Von den 135 Islamisten, die in den vergangenen Jahren ausgereist sind, um sich der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) in Syrien und den umliegenden Kriegsgebieten anzuschließen, sind 65 zurück in Berlin. Ein Teil davon hat Kampferfahrung, wie der Berliner Innenstaatssekretär Torsten Akmann (SPD) am Mittwoch im Ausschuss für Verfassungsschutz des Abgeordnetenhauses sagte.

Von den Ausgereisten seien drei Viertel Männer und weniger als zehn Jugendliche gewesen. Etwa 20 seien im Krieg getötet worden.

Aus ganz Deutschland hätten 1.050 Islamisten in die Türkei, nach Syrien oder in den Irak aufgemacht, sagte Akmann. Es sei nicht auszuschließen, dass ein Teil der Rückkehrer weiterhin der islamistischen Ideologie verbunden sei oder Anschläge plane.

Vom Flugzeug ins Programm für Deradikalisieurng

In Berlin kümmere man sich mit einem "strukturierten Rückkehrmanagement" um die Rückkehrer - von der Landung auf dem Flughafen bis zum Abschluss der Fälle. Dazu gehörten Strafverfolgung, Beobachtung, Deradikalisierung und Prävention, die Betreuung von Kindern und anderen Familienangehörigen sowie Unterstützung bei einer möglichen Integration.

Von zentraler Bedeutung sei der Informationsfluss zwischen Auslands- und Inlandsgeheimdiensten, aber auch zwischen Polizei und Verfassungsschutz sowohl auf Bundes- als auch auf Landesbene, betonte Akmann. Die Bundesländer seien dabei von schnellen Informationen durch die Bundesbehörden abhängig.

Netzwerk aus staatlichen und nicht-staatlichen Stellen

Ebenso wichtig seien Prävention und Deradikalisierung durch ein Netzwerk aus staatlichen und nicht-staatlichen Stellen. Dieses Netzwerk könne auch bei kurzfristig bekannt gewordenen Rückkehrern aktiv werden. Zur Steuerung dienen demnach Fallkonferenzen, die sich einzelnen Rückkehrern widmen.

Der Chef des Verfassungsschutzes, Michael Fischer, sagte, gegenwärtig gebe es fast keine Ausreisen mehr in Kampfgebiete. "Das stellen wir so nicht mehr fest. Das hat deutlich abgenommen."

Dantschke: "Wir haben keine Wahl"

Thomas Mücke vom Extremismus-Präventionsverein Violence Prevention Network betonte, Rückkehrer dürften nicht pauschal als Gefahr gesehen werden. Gerade desillusionierte und freiwillige Rückkehrer könnten wieder gut integriert werden. Schwieriger sei das zum Teil mit den Rückkehrern der jüngsten Zeit, die sich nach der Niederlage des IS auf den Weg gemacht hätten.

Frauen, die sich dem IS angeschlossen hatten, und deren Kinder sollten alle sofort zurückgeholt werden, forderte Claudia Dantschke, Hayat Deutschland im Gespräch mit dem rbb. Es gebe Urteile, die Deutschland verpflichten, die Frauen und Kinder zurückzuholen. "Wir haben keine Wahl", sagte Dantschke. Außerdem sei es für Deutschland sicherer, die Frauen im eigenen Land zu betreuen, als sie in den Krisen- und Kriegsgebieten in den Lagern zu lassen. Dort würden sie durch andere IS-Frauen weiter radikalisert.

Dantschke appellierte an den Senat, die Jugendämter mit ausreichend Kapazitäten auszustatten. Die Kinder der IS-Rückkehrer bräuchten sehr viel Unterstützung und Psychologen, weil sie teils schreckliche Erfahrungen gemacht hätten. Auch die Frauen hätten sich radikalisiert und müssten bei der Deradikalisierung begleitet werden.

Der Verein Hayat Deutschland bietet Präventionsprogramme für Menschen und deren Angehörige an, die sich salafistisch radikalisiert oder dem militanten Jihadismus angeschlossen haben.

Sendung:  Abendschau, 12.02.2020, 19:30 Uhr

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9 Kommentare

  1. 9.

    Naja jetzt ist es verständlich wenn in Berlin am 11. März
    die größte Anti-Terror-Übung stattfindet. Diese "Heimkehrer" werden ihre Ideologien und ihren Hass gegenüber Andersdenkenden nicht abgelegt haben. Meiner Meinung nach, werden sie hier versuchen für ihren Kampf gegen die Ungläubigen zu rekrutieren und zu infiltrieren.

  2. 8.

    Wäre Deutschland ein Rechtsstaat, würde jeder und jede einzelne dieser zurückkehrenden Individuen der Prozess gemacht.

    Diese IS „Heimkehrer“ stehen für Völkermord, Kriegsverbrechen, Folter und Verbrechen an der Menschheit.

    Auch, wenn Assad nicht unser „bester“ Freund ist und Syriens Staatlichkeit niemanden hier zu kümmern scheint, muss Deutschland Amtshilfe leisten und ggf. diese Leute an Syrien ausliefern.

    Für Beobachter sieht es so aus und liest es sich, als hole Deutschland seine 5. Kolonne zurück.

    Schandhaft ist hier nicht Ausdruck genug

  3. 7.

    Dit ist jetzt sakastisch. Juhu,sie sind wieder da.....

  4. 6.

    Immer wieder interessant, wofür und wie schnell Geld locker gemacht werden kann...

  5. 5.

    Versuchen sie mal, die Kasse zu bewegen ihnen Psychotherapie zu bezahlen, wenn sie vor lauter Arbeit nur noch auf dem Zahnfleisch kriechen, oder Opfer von Gewalt wurden, weil sie zb keine Armlänge Abstand gehalten haben oder dergleichen. Da warten sie Monate und bekommen 10 bis 20 Stunden. Aber hauptsache wir therapieren die armen IS Frauen, die sich in den Kopf setzen ließen Christen, Juden und prinzipiell jeden anders denkenden zu hassen und zu vernichten. Unser Land, uns und unsere Kultur verabscheuen. Deradikalisieren hat noch nie funktioniert. Zudem reicht einer davon, bei dem es nicht klappt, um tausende hier zu töten. Wen interessieren da die anderen vielleicht erfolgreichen 20.

  6. 4.

    Man holt sich den Feind zurück ins Bett. Ich finde es hervorragend, dass Berlin, das ja eh kein Problem mit Alltagsrassimus, aus allen Richtungen kommend, hat, sich jetzt auch noch die holt, die sich hier radikalisierten und nun angeblich von allem nichts mehr wissen wollen. Glaubwürdig ist da vielleicht der geringste Teil von diesen Leuten.
    Wer immer noch daran glaubt, dass sich wirklich jeder Mensch ändern kann, der ist und bleibt ein Traumtänzer.
    Das wird leider eventuell wieder dazu führen, dass die, die hier ehrlich und anständig sowie integriert leben, in Sippenhaft genommen und stigmatisiert werden - und das macht mich ärgerlich, weil die Politik und die ganzen Sozialarbeiter und Engagierten in Sachen Menschenrecht, denen wieder Zündstoff bieten, die selbst radikal sind.
    Vor allem: es geht immer um Menschenrechte derer, die anderen Menschen aufgrund Rasse, Ideologie oder Religion ihr eigenes Menschenrecht auf Unversehrtheit nehmen oder genommen haben. Was wiegt schwerer?

  7. 3.

    Warum nimmt man diese zurück?

  8. 2.

    Das sind ja beängstigende Aussichten.

  9. 1.

    Oh Gott, hätte man das lieber nicht veröffentlicht, das kann nichts gutes heißen.

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