Brandenburg, Potsdam: Der Schriftzug «Justizzentrum Potsdam» steht auf einer Steinwand neben dem Eingang zum Gerichtsgebäude. (Quelle: dpa/Schlesinger)
Video: rbb24 | 10.02.2020 | 16 Uhr | Bild: dpa/Schlesinger

37-jähriger Mann verurteilt - 14 Jahre Haft für Messerattacke auf schlafende Partnerin

50 Mal sticht ein Mann aus Brandenburg an der Havel auf seine schlafende Lebensgefährtin ein. Das Opfer überlebt nur knapp - weil die neunjährige Tochter die Polizei alarmiert. Nun wurde der Mann zu einer Haftstrafe verurteilt.  

Das Potsdamer Landgericht hat einen Familienvater aus Brandenburg an der Havel wegen versuchten Mordes und schwerer Körperverletzung zu 14 Jahren Haft verurteilt. Der 37-Jährige hatte im April letzten Jahres 50 Mal auf seine schlafende Lebensgefährtin eingestochen. Der Mann ließ erst von der Frau ab, nachdem die neunjährige Tochter herbeigeeilt war und die Polizei alarmiert hatte.

Das Leben der Frau konnte in einer mehrstündigen Notoperation gerettet werden. Wäre der Notarzt nicht sofort gekommen, wäre das Opfer wahrscheinlich fünf bis zehn Minuten später gestorben, sagte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung.

Richter: Tat war spontan

Auch bei versuchtem Mord sei eine lebenslange Strafe theoretisch möglich, so der Vorsitzende. Hier aber hätten es die Richter für unverhältnismäßig gehalten, weil es eine spontane Tat war, der Angeklagte zuvor keine Straftaten begangen hatte und weil die Verletzung nicht schwerwiegend genug gewesen seien.

Die Frau ist heute am ganzen Körper vernarbt und kann eine Hand nicht mehr richtig bewegen. Die Verteidigung will auf eine Revision verzichten. Das Opfer verfolgte den Prozess weinend, zahlreiche Polizisten sicherten die Verhandlung.

16 Jahre lang in einer Beziehung

Während des Prozesses hatte der Angeklagte geschildert, dass er 16 Jahre lang mit seiner Partnerin zusammen gewesen sei. Neben der Tochter hatten sie einen einjährigen Sohn und lebten im eigenen Haus, beide waren voll berufstätig. Nach einer ersten Beziehungskrise im Jahr 2013 habe er im April dieses Jahres nicht mit neuen Trennungsabsichten seiner Partnerin gerechnet. Doch dann habe die Frau erklärt, sie habe "jemand Neues" kennengelernt.

Seine Tat könne er sich mittlerweile nicht mehr erklären, betonte der 37-Jährige. "Ich kann das nicht verstehen, weil ich gegen Gewalt bin und die Beziehung immer harmonisch war", sagte er. "Hätte ich damals über die Folgen der Tat nachgedacht, in vollem Bewusstsein, wäre das nicht passiert." Experten befanden den Mann jedoch nicht als vermindert schuldfähig oder schuldunfähig.

Sendung: Antenne Brandenburg, 10.02.2020, 11:30 Uhr

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8 Kommentare

  1. 8.

    Für eine Sicherungsverwahrung gibt es ganz konkrete Voraussetzungen, die hier offensichtlich nicht gegeben sind.

  2. 7.

    Sicherlich ist dieses Strafmaß nach dem Gesetz korrekt. Aber persönlich denke ich ebenfalls an eine Sicherheitsverwahrung nach diesen 14 Jahren.
    Es ist unglaublich wie ein Mensch so etwas einem anderen antun kann.

  3. 5.

    Die Emotionen liegen bestimmt bei jedem sehr hoch, dennoch wäre eine Sicherheitsverwahrung unverhältnismäßig, da nach absitzen seiner Strafe von keine Folgetaten auszugehen ist.

  4. 4.

    Vielleicht ist der Richter ein Quereinsteiger, der mal Missionar werden wollte.
    Solche Täter gehören für immer in den Knast oder auf eine unbewohnte Insel im Stillen Ozean ausgesetzt!

  5. 3.

    Absolutes Unverständniss, Strafe viel zu milde. So jemand gehört in die Sicherungsverwahrung nach absitzen der Strafe.

  6. 2.

    Genau das habe ich auch gedacht. Zwar scheint mir das Strafmaß vielleicht noch angemessen. Mit der Begründung "nicht schwerwiegend" allerdings nähren die Richter meinen Verdacht, dass die Justiz auf Elfenbeintürmen arbeitet: Wenn jemand FÜNFZIG Mal auf einen schlafenden Menschen einsticht, dann hat er, mindestens in diesem Moment, die klare, feige Absicht, diesen Menschen zu vernichten. Dass das nicht geschehen ist, und dass die Frau nicht noch schlimmere Folgen davonträgt, ist ausschliesslich Zufällen, der Tochter sowie dem schnellen, ausdauernden und professionellen Handeln der Retter zu verdanken. Keinesfalls aber darf die grosse Leistung dieser Menschen strafmildernd für den Täter wirken.

  7. 1.

    Kein Lebenslänglich, weil
    "...die Verletzung nicht schwerwiegend genug gewesen seien..."?!?! WIE BITTE?!
    Ich dachte,
    "Wäre der Notarzt nicht sofort gekommen, wäre das Opfer wahrscheinlich fünf bis zehn Minuten später gestorben..."
    Nee, is klar. Unfassbar.

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