Diana zur Löwen bei der Berlin Fashion Week am 15.01.2020. (Quelle: dpa/Lueders)
Audio: Inforadio | 11.02.2020 | Interview mit Diana zur Löwen | Bild: dpa/Lueders

Interview | Influencerin Diana zur Löwen - "Ich würde immer erst mal mit den Eltern sprechen"

Diana zur Löwen hat vor acht Jahren in ihrem Kinderzimmer Second-Hand-Fundstücke online vorgestellt. Mittlerweile ist die 24-Jährige eine der bekanntesten Influencerinnen in Deutschland - anlässlich des Safer Internet Day spricht sie über ihre Karriere und Ziele.

Der "Safer Internet Day" [klicksafe.de] am Dienstag steht in diesem Jahr unter dem Titel "Idole im Netz. Influencer und Meinungsmacht".

Diana zur Löwen ist für Hunderttausende junge Menschen ein Idol. Die 24-Jährige hat bereits als Jugendliche angefangen, sich zu einer öffentlichen Person im Internet mit vielen Followern zu entwickeln und ist heute eine der erfolgreichsten Influencerinnen in Deutschland. In ihren Videoclips beschäftigt sie sich mit Mode- und Beautytipps, aber auch mit Themen wie Finanzanlagen, Europapolitik oder sexualisierter Gewalt. Dabei ist ihre inhaltliche Bandbreite ebenso gewachsen wie ihre Followerschaft.

rbb: Frau zur Löwen, Sie haben bereits mit 16 Jahren angefangen, online zu veröffentlichen. Was haben Sie damals aufgenommen und ins Netz gestellt?

Diana zur Löwen: Das hat mit meiner Leidenschaft für Second-Hand-Mode angefangen. Ich habe meine Fundstücke online geteilt, erst auf einem Blog, dann irgendwann auf YouTube. Mittlerweile sind auch Instagram, TikTok und LinkedIn relevant. Ich habe mich auf den Plattformen immer ein bisschen mehr ausgeweitet.

Wollten Sie ein Star werden oder einfach nur ein bisschen was ausprobieren?

Als Teenager war mein primäres Ziel, auf die Fashion Week zu kommen. Ich war auch immer sehr inspiriert von einem anderen jungen Mädchen, Tavi Gevinson aus den USA. Sie saß mit 15 schon in der ersten Reihe der New Yorker Fashion Week. Deshalb dachte ich, wenn die das kann, dann kann ich das vielleicht auch. Aber ich habe gar nicht weitergedacht. Damals war dieses Business noch nicht so ein Business wie heute. Mit 15, 16 Jahren war ich auch viel schüchterner. Natürlich habe ich noch ganz anders gesprochen und hab viel öftes "ähm" gesagt. Es war als Teenager auch ein bisschen schwierig, Hate-Kommentare abzufangen  - gerade wenn zum Beispiel die Eltern keine Ahnung von diesem Business haben. In der Schule war es auch schwierig. Ich wusste beispielsweise nicht, wie ich damit umgehen soll, wenn meine Klassenkameraden mich darauf ansprechen. Das fand ich fast schwieriger als Kommentare, die man mal online bekommen hat.

Was würden Sie Jugendlichen empfehlen, die auch so etwas machen oder machen wollen?

Heutzutage fangen viele noch früher an, also schon mit elf oder zwölf Jahren. Ich würde auf jeden Fall immer erst mal mit den Eltern darüber sprechen. Denn es ist wichtig, dass auch sie einen Überblick haben und auch mal die Kommentare scannen und lesen. Auch dürfen andere Dinge wie Schule nicht vernachlässigt werden. Das haben mir auch immer meine Eltern mitgegeben: dass ich das alles machen kann, aber meine Bildung nicht vernachlässige. Ich habe mein Abitur und einen Bachelor an der Uni Köln gemacht. Wichtig ist auch, dass man sich darüber auch mit Freunden austauscht. Es ist auch wichtig, dass es in der Schule thematisiert wird. Es ist ja auch oftmals die Frage, ob es ein Handyverbot geben sollte. Aber das Internet und die Smartphones sind nicht mehr wegzudenken. Man muss den jungen Menschen beibringen, wie man richtig damit umgeht und was man vielleicht neben Social Media noch alles Cooles damit anstellen kann.

Sie haben heute mehr als 600.000 Follower bei YouTube und mehr als 800.000 bei Instagram. Wie kam eigentlich der Durchbruch? Wie sammelt man so viele Fans an?

Es gab gar nicht so einen richtigen Durchbruch. Es ist immer step by step gewachsen anhand von Themen, die ich mal behandelt habe. Zum Beispiel habe ich zuletzt auch viel zum Thema sexualisierte Gewalt bei Frauen gemacht. Das war etwas, das sehr viele aus meiner Community geteilt haben. Man muss sich einfach Themen suchen, die viele interessieren und die viele natürlich auch auf einer emotionalen Ebene ansprechen.

Von Beautybehandlungen bis hin zu ernsten politischen Themen decken Sie ein wahnsinnig breites Themenspektrum ab. Wie kommt das eigentlich?

Das hat natürlich viel mit mir als Mensch oder als junger Frau zu tun. Ich habe mich über die Jahre verändert und damit auch mein Content. Je älter ich werde, desto mehr habe ich auch den Anspruch an Inhalten, die ich selbst konsumieren möchte. Dabei geht es vor allem  um politische Themen, oder dass ich auch manche Sachen einfach hinterfrage. Und das ist eigentlich das, was ich jetzt auch mehr machen möchte. Deswegen bin ich auch zum Beispiel in Berlin, weil man hier der Politik viel näher ist und man auch einfach noch mal ganz andere Dinge ausprobieren kann.

Das Internet und die Smartphones sind nicht mehr wegzudenken. Man muss den jungen Menschen beibringen, wie man richtig damit umgeht und was man vielleicht neben Social Media noch alles Cooles damit anstellen kann.

Diana zur Löwen

Sehen Sie sich eher als Journalistin, als Entertainerin oder als die beste Freundin des Internetnutzers?

Ich würde meine Rolle vielleicht auch als eine Art Übersetzerin beschreiben. Ich versuche meiner Zielgruppe gerade das Thema Politik oder komplexere Themen einfach nahezubringen. Dazu zählt zum Beispiel die Verfolgung der Uiguren. Ich konnte jemanden treffen, der sich viel besser mit dem Thema auskennt und auch einen persönlichen Hintergrund hat. Das sind natürlich Sachen, die einem dabei helfen, so ein Thema noch besser zu verstehen oder das Ganze auch ein bisschen näher kennenzulernen. Damit versuche ich eigentlich immer die Dinge, die komplex oder auch weit weg erscheinen, nah an meine Zuschauer heranzubringen.

Wie kann man sich Ihren Arbeitsalltag vorstellen?

Jeder Tag ist anders und immer auch von Terminen gegliedert. Aber ich recherchiere auch viel. Entweder mache ich das in Cafés oder alleine. Zu meinem Arbeitsalltag gehört natürlich auch viel Content-Produktion und Kommentar-Management. Gerade auf Instagram bekomme ich auch sehr viele Direktnachrichten. Es können sich viele nicht vorstellen, aber es ist schon ein Fulltime-Job. Ich arbeite zum Beispiel auch viel am Wochenende. Man kann es auch schwer vom Privatleben trennen, denn alles, was ich zum Teil privat mache, teile ich auch auf Instagram und in meiner Insta-Story.

Wie gut können Sie davon leben?

Ich kann auf jeden Fall so gut davon leben, dass ich eine Mitarbeiterin finanzieren kann. Ich habe auch keine Probleme, mir eine Wohnung in Berlin zu leisten. Jeden Monat habe ich quasi ein anderes Gehalt. Es ist schon ein guter Job.

Haben Sie eigentlich im Hinterkopf, dass man nur bis zu einem bestimmten Alter Influencer ist und dann zieht man sich irgendwann zurück? Oder ist das eine veraltete Denkweise?

Ich habe ein abgeschlossenes BWL-Studium. Ich bilde mich eigentlich regelmäßig weiter und habe beispielsweise eine IHK-Projektmanager-Ausbildung gemacht und ein Projektstudium in Cambridge zu Sustainability Management. Das ist ein Thema, das mich interessiert, das aber gerade viele interessiert. Deswegen kann ich mir schon vorstellen, irgendwann noch mal etwas anderes zu machen oder mehr in den Hintergrund zu treten und vielleicht andere Themen mehr zu bespielen. Aber ich glaube, man muss sich gar nicht so einen Druck machen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview mit Diana zur Löwen führte Oliver Soos, Inforadio.

Dieser Text ist eine gekürzte und redigierte Fassung des Gesprächs. Das komplette Interview können Sie sich oben im Player anhören.

Sendung: Inforadio, 11.02.2020, 09:10 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

4 Kommentare

  1. 4.

    Na janz klasse! "Irgendwas mit Medien" und bloß nicht ernsthaft ans Arbeiten denken. Also diese jungen Menschen heute...
    Nee, mal im Ernst: Is schon schön und ich gucke mir auch oft Schminktipps und spannende Pappschachteln in dem Internetz an ;-) Achtung Leute - 'Unboxing' ist keine gewaltfreie neue Sportart.

  2. 3.

    Sorry, musste einfach unken!

  3. 2.

    Grossartig!........ shopen, shopen, ähh Politik, BWL, Buisness, shopen, ...
    Vielleicht sollte sie ja mal ihren Follow ern nahe legen das Handy auch mal wegzulegen und mal n Buch zu lesen! Irgendetwas wie; Berlin, Alexander Platz, Wie der Stahl gehärtet wurde!, Der Trinker, oder Der Untertan oder sowas

  4. 1.

    Aha!

    (habs nicht gelesen)

Das könnte Sie auch interessieren