Symbolbild: Ein Kunde zahlt an der Kasse (Quelle: dpa/Jens Kalaene)
Bild: dpa-Symbolbild/Jens Kalaene

Sozialbericht - Jeder sechste Berliner von Armut bedroht

In Berlin und Brandenburg bleibt Armut ein großes Problem. Besonders junge Menschen und Alleinerziehende sind gefährdet. Doch auch in der Altersgruppe der Senioren besteht Grund zur Sorge. Vor allem in Berlin verschlechtert sich die soziale Lage weiter.

Rund jeder sechste Mensch in Berlin ist von Armut bedroht, in Brandenburg etwa jeder achte. Die statistische Quote lag im Jahr 2018 für Berlin bei 16,5 Prozent, für Brandenburg bei 13,1. Das geht aus dem Regionalen Sozialbericht hervor, den das Landesamt für Statistik Berlin-Brandenburg am Freitag vorlegte. Damit zeigt sich für Berlin ein insgesamt leicht ansteigender Trend der Armutsgefährdungsquote, in Brandenburg ist die Quote seit 2013 indes leicht zurückgegangen.

Als armutsgefährdet galt in Berlin, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Pro-Kopf-Einkommens zur Verfügung hat. In Berlin entsprach das einem Betrag von weniger als 1.004 Euro. In Brandenburg galt als armutsgefährdet, wer mit weniger als 986 Euro auskommen musste.

Am wenigsten Armut in Pankow

In Berlin lebten besonders viele Menschen mit einem hohen Armutsrisiko in Neukölln (27,4 Prozent), ebenso in Spandau (24,3 Prozent). Besonders gering war das Risiko im Bezirk Pankow (6,7 Prozent). Für Brandenburg galten besonders hohe Werte für Cottbus (18,2 Prozent) und den Landkreis Ostprignitz-Ruppin (17,2 Prozent). Am wenigsten von Armut betroffen waren Menschen, die in den Landkreisen Potsdam-Mittelmark (9,1) und Havelland (9,4 Prozent) lebten.

Auffällig hoch war das Armutsrisiko in Berlin in der Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen. Hier betrug die Quote 29,8 Prozent. Auch in Brandenburg waren Personen zwischen 18 und 25 Jahren mit 23,7 Prozent im Vergleich zu den anderen Altersgruppen 2018 am stärksten von Armut bedroht.

Starker Armutszuwachs unter Senioren

Derweil war die Armutsgefährdung älterer Menschen weitaus geringer: Von den Berlinern und Berlinerinnen, die 65 Jahre oder älter waren, lebten 11,9 Prozent unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle. Bei der Brandenburger Bevölkerung reduziert sich die Armutsgefährdung ebenfalls mit zunehmendem Alter. Sie lag bei den über 65-Jährigen bei 9,5 Prozent. Auffällig ist allerdings, dass die Armutsgefährdungsquoten der älteren Bevölkerung seit 2006 in höherem Maße steigen als bei der jüngeren Bevölkerung.

Hohe Quoten bei Alleinerziehenden

Ebenfalls besonders von Armut betroffen, waren weiterhin Alleinerziehende: Ihre Situation habe sich in den vergangenen Jahren nicht verbessert, betonte der Sprecher der Landesarmutskonferenz Brandenburg, Andreas Kaczynski, laut Mitteilung des Bundesamtes. Besonders in Brandenburg waren die Quoten hoch: Dort waren Personen in Haushalten von Alleinerziehenden mit 40,4 Prozent am weitaus stärksten armutsgefährdet. In Berlin betrug die Quote bei Alleinerziehenden 31,9 Prozent.

Kinder aus diesen Familien lebten weiterhin mit einem überproportional hohen Armutsrisiko. In Brandenburg waren Alleinerziehende und deren Kinder mit 40,4 Prozent am weitaus stärksten armutsgefährdet. Auch in Berlin war die Gefahr für diese Gruppe besonders groß - knapp ein Drittel (31,9 Prozent) war 2018 davon betroffen.

Sendung: Inforadio, 28.02.2020, 15 Uhr

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15 Kommentare

  1. 15.

    Auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung findet man folgende Erklärungen zur Berechnung der relativen Armut, um die ea gier geht:
    "Zur Ermittlung des Einkommens wird zunächst das von allen Haushaltsmitgliedern tatsächlich erzielte Haushaltseinkommen zusammengefasst. Dieses setzt sich zusammen aus dem Einkommen aus selbstständiger und unselbstständiger Erwerbstätigkeit, dem Einkommen aus Vermögen, Renten und Pensionen sowie empfangenen laufenden Sozialtransfers – wie zum Beispiel Arbeitslosengeld, Sozialhilfe oder Kindergeld. Direkte Steuern und Sozialbeiträge werden abgezogen.

    Anschließend wird das verfügbare Einkommen gewichtet bzw. das sogenannte Äquivalenzeinkommen ermittelt. Dazu wird das verfügbare Haushaltseinkommen unter Berücksichtigung eines Gewichtungsschlüssels (Äquivalenzskala) geteilt. Die Äquivalenzskala weist dabei der ersten erwachsenen Person stets das Gewicht 1 zu. Weitere Erwachsene und Kinder ab 14 Jahren erhalten das Gewicht 0,5, Kinder unter 14 Jahren das Gewicht 0,3.

    Um das mittlere Einkommen zu berechnen, wird der Median (Zentralwert) verwendet. Dabei werden hier alle Personen ihrem gewichteten Einkommen nach aufsteigend sortiert. Der Median ist der Einkommenswert derjenigen Person, die die Bevölkerung in genau zwei Hälften teilt. Das heißt, die eine Hälfte hat ein höheres, die andere ein niedrigeres gewichtetes Einkommen. 60 Prozent dieses Medianwertes stellen die Armutsgefährdungsgrenze dar."

  2. 14.

    Dennoch werden jedesmal die vier, fünf Parteien gewählt, die ausnahmslos Politik für die Reichen machen.

  3. 13.

    Lassen Sie doch den Leuten, die RRG auch dafür verantwortlich machen, wenn ihnen ein Käsebrot aus der Hand fällt und auf der 'falschen' Seite auf dem Boden landet ihren Spaß, Andreas.

  4. 12.

    "Am wenigsten Armut in Pankow"
    In Pankow wohnen ja auch die ganzen Söhnchen und Töchterchen aus Bayern oder Baden-Württemberg, die vor lauter Kohle der Eltern nicht wissen was sie als erstes kaufen oder verschandeln sollen.
    Ähm ich meine natürlich Prenzlauer Berg, Pankow ist eben nicht gleich Prenzlauer Berg. Prenzlauer Berg war mal meine Heimat von 1971-1997, wo nicht nur Hipster, Studenten und Szenemöchterns dort gelebt haben, sondern auch echte Familien in Vollzeitarbeit. Denn Armut hängt mit der Lebenseinstellung und falschen Kontakten zusammen. Arm macht die ganze Teilzeitarbeit und Jobberei die keine ordentliche Vorsorge bringt, wenn man keinen ordentlichen Beruf gelernt hat und lieber abhängt. Aber man wird eben älter. Also nicht ewig studieren und auf Bananenkiste leben, sondern einen Beruf erlernen. So früh wie möglich.

  5. 11.

    Was für ein billiges Argument. Darf ich Sie daran erinnern, dass RRG erst seit einigen Jahren regiert? Und die CDU im Bund, seit wann? 2005.
    Die Bundesgesetze sind i.ü. entscheidend.
    Solange wir im rechts - links statt im Fleißig - Reich Schema denken, wird sich nichts ändern.

  6. 10.

    Ich würde mir auch eine Häufigkeitsverteilung der Pro-Kopf-Einkommen an dieser Stelle wünschen, denn damit wäre mal geklärt, wie die Einkommensverhältnisse in Berlin / Brandenburg sind und was an dem Mythos der vielen armen Berliner dran ist.
    Eine andere Frage ist auch, wie der Mittelwert der Einkommen bestimmt wurde : Handelt es sich sich um das arithmetische Mittel oder um den Medianwert (letzterer wäre vermutlich aussagekräftiger)

  7. 9.

    Wir brauchen mehr Radwege .......... einen Mietendeckel für den sozialen Wohnungsbau......
    Armut gehört zu Berlin oder wie soll sonst Reichtum entstehen ?

  8. 8.

    Die Interpretation erscheint mir sehr suggestiv, weil sich hier nur auf das Einkommen in Bezug auf das mittlere Pro Kopf Einkommen eingegangen wird. Seit 2006 sind die Einkommen gestiegen, insgesamt stärker als die Renten. Da müssen zwangsläufig mehr ältere unter die 60,8 Prozent fallen. Auchiist zu beachten, dass das Rentenniveau für Neurentner stetig gesenkt wurde. Die Kosten für Kinder steigen auch schneller und damit sind Alleinerziehende stärker betroffen. Bei den Jüngeren bis 25 verdirbt möglicherweise der hohe Studentenanteil die Statistik.
    Mir fehlt auch die Einbeziehung der Wohnsituation. Der Rentner mit Eigener Wohnung hat andere Kostenstrukturen.
    Lieber rbb, da wäre eine Klarstellung wirklich hilfreich...

  9. 7.

    Armutsgefährung ist insbesondere bezüglich junger Menschen irreführend. Viele Studierende beziehen Bafög und würden nach Definition in jene Quote reinfallen. Ich vermute aber dass eine relativ kleine Gruppe von ihnen im Arbeitsleben tatsächlich unter Armut leiden wird...

  10. 6.

    Solange es noch die Tafeln und ähnliche Einrichtungen gibt, braucht man sich nicht sorgen. Niemand wird hier den Hungertod erleiden. Man muss den Gürtel eben enger schnallen.

  11. 5.

    Von Armut kann keine Rede sein, der DAX ist doch ständig auf Höhenflug. Seit 1998 hat keine Wahl etwas in eine andere, bessere Richtung gebracht.

  12. 4.

    Im Universium dreht sich alles um Ursache und Wirkung ... Gut, Armut ist die Wirkung ... Was ist die Ursache? Hhmm, auf der Agenda des Berliner Senat stehen Feiertage und Straßenumbenennungen ganz oben ... Bildung? Durchsetzung von "Schule schwänzen"? Ach was ...

  13. 3.

    Der Berliner Senat ist mit anderen Dingen beschäftigt da kann man schon mal diese wichtigen Dinge aus den Augen verlieren. Die nächste Wahl wird es zeigen

  14. 2.

    Schon merkwürdig, daß in einem solch reichem Land wie Deutschland das Wort Armut immer öfter genannt werden muß.
    Kann das an der Politik hier liegen?

  15. 1.

    Sind von Armut bedroht,und wie viel sind arm?Immer mehr arme Menschen in Berlin.Sozis,Grüne und Linke ander Macht.Ein Armutszeugnis.

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