Archivbild: Eine junge Frauen kämpft am 13.09.2017 in Berlin bei Starkwind mit einem Regenschirm. (Quelle: dpa/Britta Pedersen)
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Video: rbb|24 | 10.02.2020 | Material: TeleNewsNetwork, NonStopNews | Bild: dpa/Britta Pedersen

Kaum Schäden nach Sturmnacht - "Sabine" verschont Berlin und Brandenburg

Die erste Sturmnacht der Jahres ist in Berlin und Brandenburg glimpflich verlaufen. Schwere Schäden gab es nach bisherige Informationen nicht. Auswirkungen hat Orkan "Sabine" allerdings weiterhin - vor allem für Bahn- und Flugreisende.

Das Sturmtief "Sabine" hat in der vergangenen Nacht in Berlin und Brandenburg kaum Schäden angerichtet. Menschen kamen nicht zu Schaden.

Den Höhepunkt erreichte der erste Wintersturm des Jahres mit Regen und Sturmböen am frühen Montagmorgen zwischen zwei und vier Uhr. Der Deutsche Wetterdienst hob die amtliche Warnung vor Unwetter mit Orkanböen für Berlin und Brandenburg aber schon um kurz nach 4 Uhr wieder auf. Ursprünglich sollte sie in Berlin bis 7 Uhr, in Brandenburg sogar bis 10 Uhr gelten.

Die Verkehrslage war am Montagmorgen entsprechend entspannt: Die S-Bahn twitterte kurz nach 5 Uhr: "Zum Unwetter liegen bislang keine Störungsmeldungen vor." Autofahrer sollten zunächst aber noch vorsichtig fahren, weil abgebrochene Äste oder umherfliegende Gegenstände auf den Straßen liegen können.

50 Einsätze bei der Berliner Feuerwehr

Die Berliner Feuerwehr musste bis zum Montagmorgen rund 50 Mal ausrücken. Größere Schäden habe es aber nicht gegeben, sagte ein Sprecher. Vor allem umgestürzte oder unterspülte Bäume gingen nach einer ersten Bilanz auf das Konto von "Sabine". Unter anderem stürzte in der Pasewalker Straße in Wedding ein Baum um und fiel auf drei Autos, auch ein 30 Quadratmeter großes Werbebanner drohte wegzufliegen.

Ein Baugerüst ist am 09.02.2020 durch das Sturmtief Sabine in der Sophienstraße in Berlin-Mitte durch eine Orkanböe umgefallen. (Bild: rbb/Ricardo Westphal)
| Bild: rbb/Ricardo Westphal

Einen der größten "Sabine"-Einsätze hatte es bereis am Sonntagabend in der Sophienstraße in Berlin-Mitte gegeben. Hier kippte ein 150 Quadratmeter großes Baugerüst um und stürzte auf die Straße. Verletzte gab es nicht. Das Gerüst beschädigte laut Feuerwehr auch ein gegenüber liegendes Gebäude leicht.

Stromausfall im Großraum Cottbus

Auch in Brandenburg hat "Sabine" weniger Schäden angerichtet als befürchtet. Die meisten Feuerwehreinsätze wurden in der Nacht zum Montag von umgestürzten Bäumen, Ästen auf Straßen und umgefallenen Telefonmasten ausgelöst. Insgesamt meldeten die Leitstellen brandenburgweit rund 280 Einsätze.

Die Potsdamer Feuerwehr trennt ein 25 Meter langes Blechteil vom Dach eines Mehrfamilienhauses in der Potsdamer Vorstadt ab. Das Dachteil hatte sich durch eine Sturmböe gelöst. Quelle: NonstopNews
Bild: NonstopNews

In Potsdam rissen Sturmböen in der Nacht ein 25 Meter langes Blechteil vom Dach eines fünfgeschossigen Wohnhauses in der Brandenburger Vorstadt ab. Wie ein Mitarbeiter der Feuerwehr rbb|24 auf Nachfrage bestätigte, drohte das Dachelement herunterzufallen. Die Feuerwehr habe das Bauteil abgetrennt.

Im Großraum Cottbus beschädigten umgestürzte Bäume in der Nacht Freileitungen; dadurch war die Stromversorgung für fast 3.000 Kunden des Anbieters Mitnetz-Strom für einige Stunden unterbrochen. Die Schäden sind inzwischen beseitigt. Menschen wurden nach bisherigen Erkenntnissen nirgendwo verletzt. Der Lagedienst der Polizei in Potsdam registrierte 87 kleinere Einsätze. Überwiegend sei es um umgestürzte Bäume und Verkehrsschilder gegangen, sagte eine Sprecherin am Morgen.

"Sabine" sorgt weiter für Einschränkungen

Trotz des recht glimpflichen Verlaufs sorgte Sturmtief "Sabine" in Berlin und Brandenburg auch am Montag weiter für Einschränkungen. Erst im Laufe des Vormittags konnte die Deutsche Bahn den Fernverkehr bundesweit - mit Ausnahme von Bayern, wo "Sabine" erst angekommen ist - nach und nach wieder aufnehmen. Das Unternehmen hatte am Sonntagabend sämtliche Fernzüge gestoppt.  

Im Regionalverkehr wurden für Montagmorgen die ersten Züge auf den Strecken RE6 Wittenberge-Berlin-Gesundbrunnen, RB55 Kremmen-Hennigsdorf und RB23 Potsdam-Michendorf wegen der erwarteten Sturmschäden gestrichen. Auch die Ostdeutsche Eisenbahn GmbH (Odeg) informierte die Reisenden darüber, dass sie weiterhin mit Verspätungen und Zugausfällen rechnen müssten.

Einschränkungen gab es am Montag weiterhin auch auf den Berliner Flughäfen. Vor allem am Flughafen Tegel fielen zahlreiche Verbindungen aus. Fluggäste wurden gebeten, sich in regelmäßigen Abständen bei ihren Airlines zu informieren.

Schüler dürfen zu Hause bleiben

Die Senatsverwaltung für Bildung in Berlin erklärte auf Twitter, dass der Unterricht an Berliner Schulen am Montag stattfinde. Allerdings könnten Eltern ihre Kinder vom Unterricht abmelden oder später zur Schule schicken, "wenn der Schulweg gefährlich erscheint". Eine ähnliche Mitteilung hat das Bildungsministerium in Brandenburg am Sonntag veröffentlicht: Eltern haben demnach die Möglichkeit, ihre Kinder vom Schulunterricht abzumelden. Die Schulen sollten benachrichtigt werden.

Vorsicht geboten in Parks und Wäldern

Zoo und Tierpark in Berlin kündigten an, aus Rücksicht auf die Tiere am Montag nicht zu öffnen. Außerdem warnte der Bezirk Mitte am Montagvormittag ausdrücklich und dringend vor dem Betreten der Parks. Vor allem abseits der offiziellen Wege könnten abgebrochene Äste oder gespaltene Kronen ausbrechen und zu schweren Verletzungen führen. Weil für Montag weitere starke Sturmböen vorhergesagt worden seien, könne man nicht ausschließen, dass ganze Bäume plötzlich umstürzen oder große Äste abbrechen, so das Bezirksamt. Die Gärtner des Grünflächenamtes Mitte sollen zunächst die am meisten genutzten Hauptwege etwa im Tiergarten kontrollieren und dann auch nach und nach die Nebenwege in den Blick nehmen. Das könne aber mehrere Tage dauern, erklärte das Bezirksamt.

In Brandenburgs Wäldern und Parks hat "Sabine" deutlich weniger Verwüstung angerichtet als ursprünglich erwartet. "Wir haben rund 1,1 Millionen Hektar Waldfläche in Brandenburg, vereinzelt umgefallene Bäume sind da ein sehr geringer Schaden", sagte Carsten Leßner, Referatsleiter Wald- und Forstwirtschaft im Umweltministerium Brandenburg. Dennoch warne er noch vor Waldspaziergängen, da abgebrochene Äste noch aus den Baumkronen fallen könnten.

Der Park Sanssouci war am Montag bereits wieder geöffnet. Dort haben zwei Bäume Schaden genommen, die Bereiche seien abgesperrt, sagte der Sprecher der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Frank Kallensee. Der  Schlosspark Oranienburg blieb am Montag allerdings geschlossen.    

Amtliche Unwetterwarnung für Teile Brandenburgs

Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel (Grüne) sagte im rbb, das Sturmtief "Sabine" weise darauf hin, "dass Extremwetterereignisse zunehmen, dass der Klimawandel eben auch sich so ausdrückt, dass flächendeckend in Deutschland Stürme ungeahnten Ausmaßes aufkommen und dass wir in Zukunft immer stärker mit solchen Erscheinungen zu rechnen haben".

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte am Sonntag eine amtliche Unwetterwarnung für Berlin und Teile Brandenburgs herausgegeben. Inzwischen hat sich die Wetterlage zwar beruhigt. Der DWD warnt aber weiter vor Sturmböen in der Region. Diese können noch bis Dienstagnachmittag Windgeschwindigkeiten von bis zu 65 Kilometern pro Stunde erreichen - vereinzelt auch bis zu 100 Kilometern pro Stunde. Laut DWD können weiterhin einzelne Äste herabstürzen, auch auf herabfallende oder herumfliegende Gegenstände solle man weiter achten.

Sendung: Inforadio, 10.02.2020, 08:00 Uhr

Kommentar

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52 Kommentare

  1. 51.

    Wenn andere Leser berichten, sie hätten die Information nicht auf den Internet-Seiten der Verwaltung finden können und Sie, der RBB, als Quelle lediglich einen Tweet angeben, dann erlaubt dies diesen Schluss - oder?

  2. 50.

    @A. Neumann

    Diese Stürme sind keine üblichen Frühjahrsstürme.
    Sie kommen aufgrund von Anomalien des globalen Temperaturförderbandes, auch Jetstream genannt, zu Stande.

    Es gibt da Echtzeitkarten, die den aktuellen Jetstream visualisieren.

    Der Jetstream ist etwas aus seiner üblichen Bahn geraten. Und, da die Veränderungen im globalen Strömungsmuster auf Veränderungen allgemeiner Temperaturkonstanten in den Polargebieten und den gemäßigten Zonen zurückführbar sind und wir wissen, dass ausschließlich menschliches Handeln deren Ursache sind, kann von einem Ereignis des menschengemachten Klimawandels gesprochen werden.

  3. 49.

    Ihr macht das schon richtig, liebe RBB-Redaktion. Und macht bitte auch so weiter!

  4. 48.

    Interessant, dass ein Grüner Umweltminister den Klimawandel an einen diesem Sturm festmacht. Will er damit den Wechsel in eine CO2-neutrale Gesellschaft sabotieren? Es gibt deutlich bessere Anzeichen dafür als ein laut den Haus-Meteorologen des RBB und des DWD üblichen einzelnen Sturmereignisses, welches von Orkanen in der Vergangenheit deutlich übertroffen wurde.

  5. 46.

    Dieses (Dauer-)Gemecker von irgendwelchen Besserwissern, die den RBB bzw. den Deutschen Wetterdienst anfeinden, geht mir wesentlich mehr auf die Nerven als die Warnungen vor Unwetterlagen. Besser zu viel als zu wenig warnen! Denn dreimal darf man raten, wer sich darüber aufregen würde, wenn es zu richtig heftigen Situationen gekommen wäre inkl. Personen- und Sachschäden und der RBB oder andere darüber lediglich mit beschwichtigenden Worten berichtet hätten. Die Berichterstattung geht völlig in Ordnung.

    Danke an die Meteorologen, Journalisten und Reporter, die ein Auge auf alles haben und uns rund um die Uhr informieren! Ich weiß das sehr zu schätzen.

  6. 45.

    Wir wollen keine Panik schüren, sondern sachlich über mögliche Gefahren informieren. Die Warnungen sind daher notwendig, da gerade bei Extremwetterlagen im Vorhinein die Lage nicht abgeschätzt werden kann. Und warum sollten wir Ihren Kommentar nicht freischalten, wenn Sie Ihre Kritik sachlich anbringen? Wir setzen uns damit auseinander und werden dennoch bei der nächsten Unwetterwarnung wieder genauso informieren, falls doch mehr passiert als in dieser Nacht.

  7. 43.

    Ja ja, der DWD und seine Unwetterwarnungen... Genau wie im letzten Sommer, wo des öfteren vor Starkregen, Gewittern usw. gewarnt wurde und nur ein paar dunkle Wölkchen aus denen nichts kam, über uns hinwegzogen.
    Und Sabine war hier zumindest auch nur ein ein normaler Wintersturm, nichts besonderes.
    Ich nehme die Unwetterwarnungen des DWD daher kaum noch für voll.

  8. 42.

    Meiner Meinung nach gäbe es allenfalls deshalb Grund zum Nörgeln, weil der Winter wohl dieses Jahr mal wieder nur ein verlängerter Herbst ist (womit ich aber leben kann).
    Weiß jemand, wann man in Berlin das letzte Mal eine Schneeballschlacht machen konnte?

  9. 41.

    Es kann kaum falsch sein, Menschen zur Vorsicht zu ermahnen.
    Und warum sollte es "Panikmache" sein, wenn man davon abrät, das Haus zu verlassen (besonders sonntags, wo es eh oft nicht notwendig sein dürfte).
    Was auch immer man von den Medien im Allgemeinen und von den Öffentlich-rechtlichen im Speziellen hält:
    In solchen Fällen beweisen sie ihre Nützlichkeit.
    Dass sensible Menschen dadurch verängstigt werden könnten, halte ich für ein vertretbares "Risiko".
    Und was erwarten Sie?
    Dass Journalisten nicht mehr von dort berichten, wo's unangenehm und gefährlich ist?
    Um Himmels Willen: Braucht es denn heute alle fünf Meter eine Kuschelecke, in der jeder vor allem geschützt wird?

  10. 40.

    Viel Hektik um fast Nichts..... Einfach kurios, das bei dem stürmischen Wetter plötzlich die Züge in Bahnhöfen stehen bleiben müssen, nur weil vielleicht oder eventuell Äste oder mal ein Baum in Deutschland ein Gleis blockiert!! Da sieht man wie durch einfachste natürliche Dinge das Leben angreifbar ist... Es gab Zeiten, da wurden die Seitenstreifen mit einfachsten Mitteln in Schuss gehalten, aber das war dann nicht mehr zeitgemäß und wurde =gesundgeschrumpft=. Vielleicht sollten viele unserer Mitbürger einfach mit offenen Augen draußen unterwegs sein und das Wetter beobachten, anstatt sich von panischen und übertriebenen Aussagen in den Medien verrückt machen zu lassen. Dort wird meist nur der Extremfall dargestellt. Und zum Punkt schulfrei heute, kann ich nur den Kopf schütteln. Schwappt die Schulschwänzerei von Freitag jetzt schon auf den Montag über??? Allen eine sturmfreie Woche..

  11. 38.

    Wo kein Sturm ist können auch keine Schäden sein. Leider ist die Wettervorhersage inklusive Warnung mal wieder sehr ungenau, ich werde mich jedenfalls danach nicht mehr richten. Man muss doch vorhersagen können ob Berlin betroffen ist oder nicht.hier bewegt sich nicht mal ein Baum. Solche Berichte über schulfrei sind doch lächerlich

  12. 36.

    Weil es bei der Bezeichnung von Wetterfronten auf den RELATIVEN Temperaturunterschied zueinander ankommt.

    Daher wird eine Wetterfront mit Temperaturen, die sich auf RELATIV zu Ihr wärmere Luftmassen zubewegt, als Kaltfront bezeichnet - unabhängig von den absoluten Temperaturen und Jahreszeiten.

  13. 35.

    Absolut richtig! Deswegen finde ich Kommentarfunktionen für Nachrichten an sich auch völlig überflüssig - je nach Thema lassen sich da (gefühlt) 80-99% Politikextremler aller Richtungen und offenbar gelangweilte Zeitgenossen aus, die halt was schreiben, weil sie sonst gerade Langeweile haben (wobei diese dann noch in die Gruppen "kann nicht lesen" und "will nur abfrusten" zerfallen)... :-/

  14. 34.

    Es ist schon bedenklich, wenn die Senatsverwaltung voraussetzt, dass ihr das tumbe Volk selbstverständlich bei Twitter volkt ... äh: folgt.

  15. 33.

    Genau! Egal was immer ist alles falsch. Die Infos der Medien oder des DWD waren sehr wichtig. Bin selber mit meiner Eisenbahn heute Nacht nach Chemnitz gefahren und kann nur sagen das meine Lok mit 127t Eigengewicht ganz gut gewackelt hat! Und ja hier liegen diverse Bäume um in Sachsen! Verstehen kann ich wiederum keinen Menschen die bei der Situation dasnun 2 Tage vorher schon gewarnt wurde Leute in den Nachrichten auf Bahnhöfen interviewt werden und aussagen kommen „... ja die Bahn kann wieder nichts .... keine Informationen.... keiner da ...usw!“ Leute 2 Tage lang warnte die Bahn bitte planen sie ihre Reise um wir lassen die Züge stehen! Unverständlich was daran nicht zu verstehen ist!

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