Ein Berliner Polizeibeamter demonstriert die Handhabung einer Elektroimpulswaffe (Taser). (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Audio: Inforadio | 12.02.2020 | Holger Hansen | Bild: dpa/Paul Zinken

Dreijähriger Test - Taser-Probelauf der Berliner Polizei ausgewertet

Die Berliner Polizei hat den dreijährigen Probeeinsatz von Tasern ausgewertet, ein Bericht dazu liegt der Senatsinnenverwaltung vor.

Aus dem Bericht geht hervor, dass seit Beginn des Tests 2017 in den beiden beteiligten Polizeiabschnitten in Kreuzberg und Mitte 19 Mal der Einsatz des Elektroschockgeräts angedroht wurde. Nur vier Mal wurde der Taser von den Beamten tatsächlich angewendet. Laut Gewerkschaft der Polizei (GdP) wurden damit jeweils Selbstmord-Versuche verhindert.

Die Waffen verschießen kleine Pfeile, die an dünnen Drähten hängen. Wenn die Pfeile einen Menschen in einigen Metern Entfernung treffen, schießen Stromschläge durch die Drähte und lähmen das Opfer sekundenlang. Taser sind umstritten, weil es in den USA Fälle gab, in denen Menschen mit einem Herzfehler durch die Stromschläge gestorben sein sollen.

GdP fordert Verlängerung des Probelaufs

Die GdP fordert eine Verlängerung des Probelaufs, weil oft schon mit dem Androhen des Tasers Situationen deeskaliert werden könnten, sagte GdP-Chef Norbert Cioma. Der Taser müsse der Polizei als zusätzliches Hilfsmittel der körperlichen Gewalt zur Verfügung stehen und nicht wie bisher der Schusswaffe gleichgesetzt bleiben, so Cioma.

Dafür wäre eine Gesetzesänderung durch das Abgeordnetenhaus notwendig, die aber vor allem Linke und Grüne ablehnen. Der Probeeinsatz sollte untersuchen, wie hilfreich der Gebrauch des Elektroimpulsgeräts in Gefährdungs-Situationen sein kann. 

Sendung: Abendschau, 12.02.2020, 19:30 Uhr

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2 Kommentare

  1. 2.

    Man muss sehr vorsichtig sein, dass sich die Erfahrungen aus den USA in Deutschland nicht wiederholen. Man hört immer wieder Berichte in denen Taser zur Bestrafung von Personen, die sich einer Verhaftung widersetzen, eingesetzt werden. Ich denke die Taser den Schusswaffen gleichzusetzen ist der richtige Weg.

  2. 1.

    Wenn Taser so eingesetzt würden, wie sie „beworben“ werden, ließe sich darüber reden. Aber es wird genauso laufen wie mit dem Pfefferspray: Anfangs für „äußerste Notfälle“ vorgesehen und mit „allemal besser als Schießen“ angepriesen, ist es längst zum Allzweckmittel gegen alles, was lästig ist, verkommen. Da werden z.B. Sitzende eingenebelt, um Blockaden aufzulösen, was zwar den Einsatzbestimmungen widerspricht, aber noch nie geahndet worden ist. Während des damaligen Probelaufs geschah so etwas natürlich nicht, denn man wollte ja nicht, dass lästige Bedenkenträger einem dieses schöne Spielzeug wieder wegnehmen. Aber kaum war es offiziell ins Arsenal aufgenommen, ging’s los.

    Und Drohung sind nicht „deeskalierend“. Da tritt ein seltsames Verständnis von Deeskalation zutage – in seiner Ausbildung hat Herr Cioma das sicher anders gelernt.

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