Video: Abendschau | 03.02.2020 | Sabrina Wendling

Grün und Blau vor dem Aus - Tätowierer fürchten EU-Farbverbote

Gibt es bald nur noch schwarze Tattoos? Die Europäische Union erwägt, bestimmte Farbpigmente für bunte Verzierungen verbieten zu lassen. Tätowierer wehren sich gegen das Vorhaben. Sie sehen ihr Business in ernster Gefahr.

Jeder vierte Deutsche trägt mittlerweile ein Tattoo, weitere 21 Prozent denken darüber nach, sich eins stechen zu lassen. Doch vielleicht überlegt sich der ein oder andere das Tattoo-Stechen noch einmal - denn farbige Tattoos könnten bald der Vergangenheit angehören. Zumindest empfiehlt die EU-Chemieagentur (Echa) wegen Gesundheitsbedenken ein Verbot für grüne und blaue Tätowierfarben.

Genauer gesagt geht es um die Farbpigmente "Blue16 (74160)" und "Green 7 (74260)", aus denen neben blau und grün auch andere Tattoo-Farben gemischt werden. Laut Tätowierer könnten nach Umsetzung des Verbots 66 Prozent der gehandelten Tattoo-Farben am Weltmarkt nicht mehr verwendet werden. Am Dienstag wollen Experten der EU-Staaten über ein mögliches Verbot beraten. Wird es umgesetzt, könnte die Verwendung der Pigmente nach einer zweijährigen Übergangsfrist unzulässig sein.

Pigmente in Haarfarben bereits verboten

Die Echa begründet ihre Empfehlung damit, dass von den betroffenen Chemikalien womöglich Gefahren ausgehen, "die es zu bedenken gelte". Zudem verweist die Chemieagentur darauf, dass die entsprechenden Pigmente in Haarfarben bereits verboten seien. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur erklärte ein Echa-Sprecher Anfang Januar: "Wenn sie nicht auf der Haut verwendet werden dürfen, sollten sie auch nicht unter der Haut verwendet werden dürfen."

Wie genau die vom Verbot betroffenen Pigmente im Körper allerdings tatsächlich wirken, ist noch nicht hinreichend bekannt. Auf der Seite safer-tattoo.de vom für das Thema zuständige Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft heißt es zwar: In der Vergangenheit seien bereits gesundheitsschädliche Bestandteile, Verunreinigungen durch Keime, Schwermetalle und krebserzeugende Stoffe in den Tattoo-Farben gefunden worden. Aber dort heißt es auch: "Wie sich Tattoo-Farben und besonders Farbpigmente im Körper auf die Gesundheit auswirken, ist noch wenig erforscht."

Tätowierer: Farben sind nicht ersetzbar

Tätowierer sehen nun nicht nur ihr Business durch das Farb-Verbot in ernster Gefahr, sie fühlen sich auch ungerecht behandelt. Der langjährige Tätowierer Jörn Elsenbruch hat deswegen eine Petition unter dem Motto "Tattoofarben retten" gestartet. Die Initiative läuft noch bis zum 15. Februar, bislang haben mehr als 127.000 Menschen unterschrieben, rund 4.000 Unterschriften davon stammen aus Berlin, rund 3.000 aus Brandenburg.

Auch Henning Schmidt, Tätowierer am PDM-Beach-Tattoo-Studio in Potsdam, unterstützt die Initiative seines Kollegen. Er sagt im Gespräch mit Inforadio: Fallen die betroffenen Pigmente weg, könnten Tätowierer auch nicht mehr bestimmte Stile tätowieren. "Wir müssen dann umdenken", sagt er.

In der Petition monieren die Tätowierer außerdem, dass trotz der wenigen Erkenntnisse über die Auswirkung auf den Körper die Verarbeitung der Pigmente für Tätowiermittel mit der für Kosmetika gleichgesetzt würden. Außerdem kritisiert Initiator Elsenbruch in seiner Begründung: Werden die Pigmente tatsächlich verboten, nutze auch die von der EU vorgeschlagene Übergangsfrist zur Entwicklung neuer Farben wenig. Denn die Farben seien schlichtweg nicht zu ersetzen.

Sendung: Inforadio, 03.02.2020, 14:50 Uhr

19 Kommentare

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  1. 19.

    "Denn die Farben seien schlichtweg nicht zu ersetzen." Sorry, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass man keine neuen Farben herstellen kann, die diese dann verbotenen Stoffe nicht erhalten. Wie lief das denn bei den Haarfarben, bei denen sie schon verboten sind? Gibt es jetzt x Farben schlicht nicht mehr, oder wurden sie durch andere erlaubte Farben ersetzt? Denn ich habe nichts davon gemerkt, dass da das Farbangebot kleiner geworden ist - und einen großen Aufschei hab ich dazu auch nicht vernommen.

  2. 18.

    Litfaßsäule? Das unkontrollierte Vollschmieren des eigenen Körpers, welches gerade dem Nachwuchs als erstrebenswert und immer noch unglaublich unkonventionell gilt, erinnert doch mehr an das bedauernswerte Aussehen vieler öffentlicher Toiletten.

  3. 17.

    Apropos Glyphosat. Vielleicht kommt ja mal jemand auf die Idee, dass da bei Glyphosat die Datenlage sehr ausführlich ist während bei Industriechemikalien die zur Selbstverschönerung zweckentfremdet werden die Datenlage sehr schwach ist, die ECHA einfach ihren gesetzlichen Auftrag erfüllt. Und der besteht halt nicht darin irgendwelchen von Industrie oder NGO gesteuerten Medienkampagnen zu entsprechen, sondern wissenschaftlich und auf Fakten begründete Einschätzungen abzugeben.

  4. 16.

    Tja, Kippen und Alk sind ordentlich hoch besteuert, da reicht es, wenn es auf der packung steht, dass es dich umbringt.
    Was mir am besten gefällt, bei diesen Pigmenten gibt es ja nur einen Verdacht, nicht mal einen Beweis oder auch nur eine Studie. Meine Lösung: Wer sich tättowieren lässt, unterschreibt einfach, dass er sich der Risiken bewusst ist.
    Bei Kippen und Alk muss man nicht mal das...

  5. 15.

    Jeder der sich selbst schaden will, soll das von mir aus gerne tun.

  6. 14.

    Interessant ist, zu beobachaten, wie ausgerechnet diejenigen, die sich in so vielen anderen Bereichen für Autoritarismus stark machen bei diesem Vorschlag plötzlich auf eigene Rechte pochen. Das Narrativ gegen vermeintliche Eliten ist immer noch gängig im Rechtspopulismus. Doppelstandards sind scheints sehr beliebt.

    Bei dieser Diskussion um potenziell gesundheitsschädliche inhaltsstoffe in Farben kann niemand gewinnen. Denn Unsicherheit über Folgen kann weder als Argument dafür noch gegen die Verwendung eingebracht werden.

    Jedem Tierchen sein Plaisirchen sagt man. Insofern sollten die privaten Unternehmen, die mit Vorliebe unter die Haut gehen genauso wie Politik, die öffentliche Gesundheit, gelegentlich, im Fokus hat, gleichermaßen um gesündere Alternativen ringen. Es muss in erster Linie transparent über mögliche Folgen aufgeklärt werden. Gesundheitspolitisch gibt es aber wesentlich relevantere Themen: Pestizide, Mikroplastik, Weichmacher und Co.

  7. 13.

    Jetzt müsste auch der letzte die Briten verstehen.

  8. 12.

    Ich gebe Ihnen vollkommen recht und die Liste könnten man endlos in alle Bereiche weiterführen.
    Es gibt genügend Freizeitbeschäftigungen die mit Risikoversicherungen abgedeckt werden müssten oder gleich verboten werden sollten,da sie das Gesundheitssystem durch Leichtsinnigkeit belasten.
    Es ist ein Unding das (extrem-)Freizeitsportler keine Risikoversicherung benötigen und anschließend mit gebrochenen Knochen im Krankenhaus liegen und auf Kosten aller behandelt werden.

  9. 11.

    Regen Sie sich denn auch über die leute auf, die sich selbst und damit der Solidargemeinschaft vorsetzlich schaden in dem sie rauchen, regelmäßig Alkohol trinken, Übergewicht entwickeln, Risikosportarten wie Fußball oder Skifahren ausüben, etc. ?

    Machen Sie sich mal lieber Gedanken darüber, warum Glyphosat in der EU eine weitere Zulassung bekommen hat. Warum weiterhin Zuckeraustauschstoffe wie Aspartam und Acesulfam-K (sind in jedem Light Produkt) erlaubt sind, obwohl sie im Tierversuch Krebs ausgelöst haben.
    Warum das OVG NRW in seinem Urteil unabhängigen Dritten eine Einsicht in das Lebensmittelbuch verwehrt hat und die Protokolle der Sitzungen nicht öffentlich gemacht werden dürfen.

  10. 10.

    Da sich hier die Mehrzahl über die Spätfolgen und daraus resultierende Belastung des Gesundheitssystems aufreget, sollte dann auch gleich für ein Verbot von Zigaretten und Alkohol sein. Das trägt auch die Solidargemeinschaft! Die EU ist echt nur noch ein Verbots- und Gängelungskonstrukt. Wird Zeit das wichtigere Themen behandelt werden.

  11. 9.

    Ich bin informiert. Aber Danke für die Lehrstunde.
    Und warum jetzt? Tätowiert wird schon ewig. Die Idee von Kommentar 3 ist eigentlich eine gute Idee.

  12. 8.

    Ueber Geschmack laesst sich bekanntlich streiten. Wer gern als "BUNT DEKORIERTE LITFASS-SAEULE " durchs Leben gehen und damit , moeglicherweise das Selbstwertgefuehl aufwerten will(muss) , soll dies tun - oder? Allerdings kann ich mir nicht vorstellenm dass die Chemie der Farben wirklich nicht ( auch nicht ein bisschen????) giftig ist, auch wenn hier von den Tattoo-Kuenstlern dementiert oder verharmlost wird. Selbst wenn z.Zt.. keine schluessigen Tests und Ergebnisse langfristig vorliegen , bleibt doch ein latentes Gesundheitsrisiko. Alusserdem sollten man von Erwachsenen eine EIGENVERANTWORTUNG voraussetzten und nicht versuchen immer per Gesetz in das LEBEN MUENDIGER BUERGER einzugreifen. Have a nice day!

  13. 7.

    Vielleicht sich vorher informieren und nicht immer diese einfallslose Schuldzuweisung an Politiker.
    Ein Großteil der Farbe von Tattoos löst sich übrigens im Blut. Und die Farben sind extrem giftig und mit PAK's angereichert.

  14. 6.

    Pauschales Politik-Bashing ist hier fehlplatziert. Mir graut es schon davor, wenn in zwei Dekaden die Anzahl an Hautkrebserkrankungen deutlich angestiegen sein wird. Dann darf es die Solidargemeinschaft über die Krankenkassen-Beiträge wieder glattbügeln und die Betroffenen werden die Politiker vorwurfsvoll fragen, warum sie das alles nur zulassen konnten.

  15. 5.

    Ja, z.B. bleihaltige Altanstriche in Wohnungen und Häusern sind sicherlich giftiger und nicht sanierungspflichtig ;) https://de.wikihow.com/Bleifarbe-erkennen. Doch warum erforscht die Tatooindustrie nicht unbedenkliche Farben?

  16. 4.

    Auch wenn ich Tattoos selber furchtbar finde, haben diese EU Politnixe nix wirklich Wichtiges zu tun als uns Bürger immer mehr zu drangsalieren? Unfassbar, es reicht mal wirklich langsam!

  17. 3.

    Es wird schon etwas dran sein an Schwermetallen. Eine Ersatzlösung kommt sicher bald, um die Farben zu ersetzen.
    Aber die Argumentation einiger Leute "meine Sache, was ich mache blub blub" stimmt nicht ganz, denn das Gesundheitswesen, kommt dann für die sinnlosen Schäden auf. Ich wäre für eine Risiko-Privatversicherung für Tätowierte.

  18. 2.

    ...keine Angst, die wollten auch schon lange die Zeitumstellung abschaffen. Und jetzt nach dem Brexit (die erste Karte ist aus dem Kartenhaus gezogen) haben die wohl ganz andere Sorgen.

  19. 1.

    Irgendwann reicht es....man kann nur noch mit dem Kopf schütteln. Diese überbezahlten Politiker der Eu müssen doch Langeweile haben.

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