ARCHIV - Eine Sonnenbank in einem Sonnenstudio (Quelle: dpa/Weigel)
Audio: Inforadio | 04.02.2020 | Barbara Kostolnik | Bild: dpa/Weigel

Streit um mögliches Verbot - Sonnenstudios legen sich mit Krebshilfe an

Die Deutsche Krebshilfe fordert ein bundesweites Solarienverbot. Der Gebrauch der Geräte könne Hautkrebs verursachen. Die Branche will sich gegen diese Behauptung nun mit juristischen Schritten wehren.

Zwischen Sonnenstudio-Betreibern und der Deutschen Krebshilfe bahnt sich ein juristischer Streit an. Hintergrund ist die Forderung der Krebshilfe nach einem bundesweiten Solarienverbot.

Der Verein hatte das am Montag in einer Mitteilung damit begründet, dass der Gebrauch "dieser Geräte" jährlich europaweit bei etwa 3.400 Menschen den gefährlichen schwarzen Hautkrebs verursache. In etwa 800 Fällen führe dies zum Tod. Der Bundesfachverband Besonnung, der nach eigenen Angaben rund 1.200 große Sonnenstudios in Deutschland vertritt, will die Krebshilfe nun zur Abgabe einer Unterlassungserklärung auffordern, wie Sprecher Holger Ziegert am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa sagte.

Es gebe keine wissenschaftliche Grundlage für die Behauptungen der Krebshilfe, sagte Ziegert. "Eine moderate Solariumsnutzung steigert nicht das Risiko." Mit moderat sind nach seinen Angaben nicht mehr als 50 Sonnenstudiobesuche im Jahr gemeint.

"Bräunungsprozess ist immer Hilfeschrei der Haut"

Der SPD-Gesundheitspolitiker und Mediziner Karl Lauterbach widersprach dieser Darstellung und forderte anlässlich des Weltkrebstages schärfere Regeln für Sonnenstudios. Bei Solarien gebe es keine sichere Dosis, sagte Lauterbach der dpa. "Gebräunte Haut ist nicht gesund. Sie altert schneller und kann Vorstufen zum Krebs entwickeln."

Eckhard Breitbart, Dermatologe und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP), hatte in der gemeinsamen Mitteilung mit der Krebshilfe gesagt, der Bräunungsprozess sei immer ein Hilfeschrei der Haut. "Jede Solariennutzung führt zu gesundheitlichen Schäden."

Für Kinder und Jugendliche gibt es seit 2009 ein Verbot

Der Besuch von Solarien ist in Deutschland für Minderjährige seit 2009 verboten. Die Krebshilfe hatte eine Ausweitung zu einem generellen Solarienverbot gefordert, da das Nutzungsverbot für Kinder und Jugendliche bisher völlig unzureichend eingehalten werde. Krebshilfe-Chef Gerd Nettekoven verwies auf Zahlen des "Nationalen Krebshilfe-Monitorings zur Solariennutzung (NCAM)", wonach es 2018 schätzungsweise 140.000 Minderjährigen gelungen sei, Zugang zu Solarien zu erhalten.

Der Bundesfachverband Besonnung zweifelte diese Zahlen an. Der Anteil der unter 18-jährigen Solariennutzer habe schon vor dem Verbot bei unter zwei Prozent gelegen, sagte Verbandssprecher Ziegert. Er sprach von populistischen Forderungen.

37.000 neue Hautkrebs-Erkrankungen jährlich

Lauterbach schlug Testbesuche vor, um zu prüfen, ob Solarien rechtswidrig Minderjährige unter die künstliche Sonne lassen. "Wir müssen die dafür vorgesehenen Strafen deutlich erhöhen. Es handelt sich um eine Körperverletzung, die nach Jahren zu einer Krebserkrankung führen kann." Ein grundsätzliches Verbot für Erwachsene müsse überlegt werden, wenn es nicht gelinge, die Jugendlichen besser zu schützen.

Jährlich erkranken nach Angaben der Krebshilfe etwa 37.000 Menschen in Deutschland an einem Melanom, dem schwarzen Hautkrebs. Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft sowohl die natürliche UV-Strahlung der Sonne als auch die künstlich erzeugte in Solarien in die höchste Risikogruppe der krebsauslösenden Faktoren ein.

Sendung: radioeins, 04.02.2020, 16:00 Uhr

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9 Kommentare

  1. 9.

    Erst einmal sollte es m. E. darum gehen, mit der falschen und nur durch Werbezwecke erklärbaren Bezeichnung aufzuräumen.

    Mit "Sonne" hat das alles nichts zu tun. Deshalb ist "Sonnenstudio" oder "Solarium" von der Bezeichnung her völlig verfahlt. Es ist eine Art Kunstgrill, bei dem allerdings nicht verzehrbares Fleisch (oder Gemüse) am Ende stehen soll, sondern vermeintlich prestigeträchtig gebräunte Haut. Nicht mehr und nicht weniger.

    Hunderte und Tausende können auf einen Menschen schauen und es wird ihm nicht reichen, dann, wenn er sich nicht selber sieht. Das beständige Schauen in den Spiegel reicht dazu allerdings auch nicht aus.



  2. 8.

    Ihrer Argumentationslogik zufolge müssten die erheblichen Gefährder ihrer eigenen Gesundheit prämiert werden, da Sie durch ihr statistisch zeitigeres Ableben die Sozialkassen ja entlasten...
    Also wer will bestimmen was wann erheblich, zulässig oder versicherungspflichtig ist und was nicht??
    Und ist dies dann noch frei und demokratisch?

  3. 7.

    Ich und viele andere, zahlen für Sportunfälle ob bei extrem Sportarten* oder Fahrradfahren! Hoffentlich wird Sport bald verboten! (Satire)
    * ca. 1,5 Milliarden Euro im Jahr. Im vergleich 61,7 Millionen Euro für Hautkrebs

  4. 6.

    Rauchern ist das Rauchen wichtiger aus die Gesundheit der Mitmenschen, die den ausgeatmeten Rauch einatmen müssen und bei denen sich dadurch das Krebsrisiko erhöht. Alkoholtrinker, die sich betrunken hinters Steuer setzen, nehmen den Tod von Mitmenschen in Kauf. Und wenn jemand durch Solarienbesuche Krebs bekommt, zahle ich für dessen Medikamente und Behandlungen über meinen Krankenkassenbeitrag. "Soll doch der Nutzer selbst entscheiden." funktioniert nur dort, wo die Folgen des eigenen Handelns auch nur die eigene Person betreffen und keine Auswirkungen auf Mitmenschen haben.

  5. 5.

    Entscheiden soll er selber aber für die Konsequenzen Zahlen dürfen dann alle? So verstehen die meisten heutzutage individuelle Freiheit....
    Und sorry:Wo ist denn bitte was verboten, was ihre Freiheit in diesem Land so einschränkt, das diese Jammern rechtfertigt??

  6. 4.

    Bei Zigarettenrauch werden aber auch Menschen betroffen, die keinen Krebs wollen. Sollen die, die Krebs wollen ihn bekommen, sollen aber andere in Ruhe lassen.

  7. 3.

    Und die Solariumsbesucher unter den 37000 Krebspatienten werden zweifellos von der Solidargemeinschaft erwarten, dass ihre Therapiekosten komplett und unbegrenzt bezahlt werden.

    Es wird so viel von Eigenverantwortung gesprochen, was im Prinzip auch richtig ist, ohne dass die Solidargemeinschaft damit überflüssig wird. Keineswegs.

    Aber wer aus eigener Entscheidung erhebliche gesundheitliche Risiken eingeht (dasselbe bei der Meldung über bestimmte Pigmentverbote bei Tatoos), der sollte dazu verpflichtet werden, dafür eine Versicherung abzuschließen und auch selbst zu bezahlen.

  8. 2.

    Dann müßten Alkohol, Zigaretten und soviel anderes Zeug verboten werden. Soll doch der Nutzer selbst entscheiden. Nur noch Verbote in diesem Land.

  9. 1.

    "Mit moderat sind nach seinen Angaben nicht mehr als 50 Sonnenstudiobesuche im Jahr gemeint."

    Also einmal die Woche ins "Sonnenstudio"? Weshalb macht man denn so etwas?!

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