03.03.2019, Berlin: Flugblätter mit Bildern der vermissten Rebecca liegen beim Treffpunkt zu einer Suche nach der Vermissten in Berlin-Buckow auf einem Fahrrad. (Quelle: dpa/Christoph Soeder)
Video: Brandenburg aktuell | 18.02.2020 | Annette Dornieden | Bild: dpa/Christoph Soeder

Auch ohne neue Beweise - Fall Rebecca: Unter Verdacht steht immer noch der Schwager

Schon kurz nachdem die 15-jährige Rebecca vor einem Jahr verschwunden ist, wird ihr Schwager festgenommen. Er hatte sich in Widersprüche verstrickt. Ein Jahr später hat sich am Verdacht gegen ihn nichts geändert - aber es gibt auch keine neuen Beweise.

An diesem Dienstag jährt sich das Verschwinden der Schülerin Rebecca. Die 15-Jährige aus Berlin-Rudow ist seit dem frühen Montagmorgen des Vorjahres wie vom Erdboden geschluckt. Das Mädchen hatte die Nacht im Haus ihrer Schwester und deren Mann verbracht und dort im Wohnzimmer geschlafen. Dann war sie spurlos verschwunden.

Der Schwager war nach dem Verschwinden Rebeccas als Hauptverdächtiger in den Fokus der Polizei geraten. "Wir gehen weiterhin davon aus, dass Rebecca das Haus ihres Schwagers nicht lebend verlassen hat", sagt Martin Glage, der Leitende Staatsanwaltschaft des Falles, aber auch jetzt – ein Jahr später. Es seien zwar keine Beweise hinzugekommen, aber "unter Verdacht steht immer noch der Schwager", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft rbb|24 am Dienstagvormittag.

Welche Fakten über Rebeccas Verschwinden feststehen

Was feststeht: Rebeccas Schwester soll das Haus am 18. Februar 2019 gemeinsam mit ihrer Tochter schon früh verlassen haben. Rebecca sei dann, so die Polizei, mit dem Schwager allein gewesen. Ihr Handy ist seit diesem Morgen dauerhaft abgeschaltet. Um 9.50 Uhr hätte das Mädchen in der Schule sein sollen, erschien dort aber nicht. Einen Entführungsfall durch einen Einbruch oder auf dem Weg zur Schule von "dritter Seite" schließt die Polizei genauso aus wie das freiwillige Verschwinden des Mädchens aus, wie Glage am Montag sagte.

Die Mordkommission der Polizei hatte schon am Samstag nach dem Verschwinden Rebeccas die Ermittlungen übernommen – denn ein Verbrechen, so die Polizei vor einem Jahr, könne nicht ausgeschlossen werden.

Der Schwager gerät schnell unter Verdacht

Zehn Tage nach Rebeccas Verschwinden nimmt die Polizei den heute 28-jährigen Schwager des Mädchens erstmals als Verdächtigen fest. Es soll, so die Ermittler damals, Widersprüche zwischen seinen Aussagen und den Ermittlungsergebnissen gegeben haben. Er wird jedoch schon am Tag darauf wieder freigelassen. Der Haftrichter sieht keinen dringenden Tatverdacht. Inzwischen gehen die Ermittler davon aus, dass die 15-Jährige Opfer eines Tötungsdelikts wurde. Am 4. März, drei Tage nach seiner Freilassung, wird der Schwager dann "wegen des dringenden Tatverdachts des Totschlags" erneut festgenommen.

Wenige Tage später, am 6. März, gibt die Polizei bekannt, eine Verkehrsüberwachungsanlage habe den Wagen des Schwagers am Tag von Rebeccas Verschwinden sowie am Tag danach auf der Autobahn A12 zwischen Berlin und Frankfurt an der Oder erfasst. Es folgt eine mehrmonatige großangelegte, aber dennoch erfolglose Suche nach Rebecca in Brandenburg. Hundertschaften der Polizei durchsuchen verschiedene Waldstücke und Seen. Es kommen das Technische Hilfswerk, Taucher, Such-Hunde und Hubschrauber zum Einsatz.

Am 22. März wird der Haftbefehl gegen den Schwager Rebeccas aufgehoben. Der zuständige Ermittlungsrichter habe wegen des aktuellen Ermittlungsstandes "Zweifel am dringenden Tatverdacht", heißt es. Die Anwältin des Schwagers erhebt den Vorwurf, ihr Mandant sei "zur Jagd" freigegeben worden.

Das Problem ist die fehlende Leiche

Obwohl die Indizien nach Angaben der Staatsanwaltschaft für ein Tötungsdelikt sprechen, hoffen die Eltern Rebeccas, die ihre Tochter am Nachmittag ihres Verschwindens vermisst gemeldet hatten, noch immer, dass Rebecca noch lebt. Ihren Schwiegersohn halten sie für unschuldig. Nach seiner Verhaftung hatte Rebeccas Vater gesagt, "die ganze Nummer" hänge mit einer anderen Sache zusammen. Die Mutter sagte, die Fahrten nach Brandenburg hätte er ihnen plausibel erklärt. In der Untersuchungshaft soll der Schwager dazu keine Aussagen gemacht haben. Er hatte jedoch Haftbeschwerde eingelegt.  

Martin Steltner, Sprecher der Staatsanwaltschaft, sagte später zur Beweislage gegen den Schwager, der auch nach seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft "Beschuldigter des Verfahrens" geblieben war: "Wir haben einzelne Indizien. Daraus kann ein Gesamtbild gebaut werden." Doch die Beweise reichten noch nicht aus. Das Hauptproblem sei, so Steltner im März 2019, dass die Leiche bisher nicht gefunden werden konnte.

Sendung: Fritz, 18.02.2020, 09:30 Uhr

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2 Kommentare

  1. 1.

    "Rebeccas Schwester soll das Haus am 18. Februar 2020..", Schätze das war 2019!

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