Aussenansicht des Auguste Viktoria Krankenhaus Vivantes. Berlin Schöneberg, Rubensstraße. (Quelle: imago-images)
Video: Abendschau | 17.02.2020 | Antje Tiemeyer | Bild: imago-images

Schlechte Arbeitsbedingungen - Medizinisches Team verlässt aus Protest Vivantes-Klinikum

38 Ärzte und Pflegekräfte haben im Berliner Auguste-Viktoria-Klinikum gekündigt - aus Protest gegen schlechte Arbeitsbedingungen. Sie wechseln geschlossen ins St. Joseph Krankenhaus und bauen dort eine neue Abteilung für Infektiologie mit auf. Von Anna Corves

Am Berliner Auguste-Viktoria-Klinikum des Krankenhauskonzerns Vivantes hat ein Großteil der Belegschaft des Fachbereichs für Infektiologie gekündigt und wechselt geschlossen an das St. Joseph-Krankenhaus in Tempelhof. Das hat die Sprecherin des St. Joseph-Krankenhauses dem rbb am Montag bestätigt.

So werden elf Ärzte und 27 Pflegekräfte, die bisher für Vivantes im Schöneberger Auguste-Viktoria-Klinikum arbeiten, zum 1. April eine neue Abteilung für Infektiologie am St. Joseph-Krankenhaus aufbauen. Dort werden sie schwerpunktmäßig HIV-Patienten behandeln, aber auch andere virale und bakterielle Infektionen, zum Beispiel Patienten mit multiresistenten Keimen.

Neue Abteilung mit eingespieltem Team

Das St. Joseph-Krankenhaus sprach von einer guten Ergänzung für die eigenen Schwerpunkte wie Nierenheilkunde und Onkologie. Diese Patienten seien besonders infektionsanfällig. Außerdem bildeten Ansteckungen mit multiresistenten Keimen eine große Herausforderung. Die neue Abteilung mit einem erfahrenen und spezialisierten Team aufbauen zu können, nannte die Sprecherin eine "große Bereicherung".

Arbeitsbedingungen sollen sich zunehmend verschlechtert haben

Die Ärzte und Pflegekräfte verlassen Vivantes unter anderem aus Protest gegen immer schlechtere Arbeitsbedingungen, wie eine Mitarbeiterin dem rbb sagte. Im St. Joseph könnten sie mit einem besseren Betreuungsschlüssel für die Patienten arbeiten.

Vivantes wollte sich auf Anfrage vom rbb nicht zu Personalangelegenheiten äußern, teilte aber mit, die Klinik für Infektiologie "stelle sich neu auf". Das Auguste-Viktoria-Klinikum werde aber auch weiterhin HIV-Patienten behandeln.

Sendung: Inforadio, 17.02.2020, 15:00 Uhr

Beitrag von Anna Corves

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33 Kommentare

  1. 33.

    Wir lachen schon nicht mehr.vivantes hat ein Einstellungsstopp für Ärzte verhängt.offene Stellen dürfen nicht besetzt werden.es muss gespart werden.die verbliebenen Kämpfer an der Front schieben 60h-Wochen und springen zwischen mehreren Abteilung hin und her,und versuchen so gut es geht die Patientenversorgung aufrecht zu erhalten.als Antwort von oben auf die zunehmende Not und Überarbeitung:dann sollen wir eben die Strukturen verändern und verdichten.Das wir das schon längst aus der Not heraus getan haben,interessiert dabei nicht und wird auch nicht gesehen.Arbeitsschutzgesetze sind irrelevant.der arbeiternehmener und die Patienten interessiert vivantes nicht.Hauptsache die Kasse stimmt.das die Zahlen aber ohne Ärzte und Pflegekräfte nicht erbracht werden kann,ist denen wohl nicht klar.das sagt einem schon das 1x1 in der Schule.

  2. 32.

    Wie soll denn sichert gestellt das meine Krankheit behandelt werdan kann,wenn meine Daten zum Krankenverlauf bei Vivantes bleiben. Mein behandelnder Arzt hat letztes Jahr im September eine Andeutung gemacht ,dass es das AVK nicht mehr so geben wird , jetzt verstehe ich den Hintergrund und weiss dass alles von langer Hand vorbereitet wurde. Ich wurde jedoch auch im AVK sehr gut behandelt

  3. 31.

    Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) hofft, dass dieses Vorgehen nicht Schule macht. Wolfgang Albers kritisiert als Linke die Schwächung eines landeseigenen Krankenhauses: „Wir haben nicht einen Pfleger mehr und nicht einen Patienten weniger. Das ist keine Lösung, das ist eine Flucht.“ 
    So gestern gelesen im Berliner Kurier. Genau, macht am besten jetzt das Team verantwortlic u. bringt bloß nicht das jahrelange Versagen der Politik zur Sprache und auch nicht den Führungsstil unserer großen Kliniken, wie Vivantes oder Charité. Es ist unglaublich, dass die Politik solche Führungsmethoden und ständige Verletztungen des Arb.zeitgesetzes in den Kliniken scheinbar noch duldet und noch als vertretbar hinzustellt und wieder einmal den moralischenZeigefinger hebt. Immer wieder haben wir auch in der Charité Kinderonkologie über so einen Schritt nachgedacht, es leider nie geschafft uns zu organisieren und letztendlich umzusetzen. Ihr habt ein Zeichen gesetzt und als Team zus. gehalten. Toll!

  4. 30.

    Genau. Vom damals neu gewählten rotgrünen Senat der Stadt Berlin. Kernkompetenz, auch so ein Wort," soziale" Politik machen.
    Es ist also Wurst, wen wir wählen. Nehmen wirs also lieber selber in die Hand....

  5. 29.

    Danke. Die Pflegekräfte beklagen sich? Als Therapeut wurden mir in einer Rehaklinik in Brandenburg (Michels-Klinik) 8,80 Euro bezahlt, am Schluß 10,30 Euro. Und die Gewerkschaft, ver.di, fand das in Ordnung. Denke auch ans Auswandern. Der letzte Absatz ist leider unverständlich. Wo in Österreich 300 warm?

  6. 28.

    Sehr gut!
    Zeigen wir ihnen , dass wir viele sind.In den Kliniken, und überall, wo menschliche Arbeitskraft und -Gestaltungswille von den "Grauen Herren" für ihre eigenen Zwecke missbraucht wird.
    Wechseln wir nicht nur den Arbeitgeber. Auf Dauer wird auch "St Josef"ziemlich unheilig werden. Das läuft dann unter "Umstrukturierung ". Sondern schaffen WIR die Arbeitgeber in toto und das Heer gut bezahlter Sklaventreiber aus Management und Verwaltung ganz ab.
    Ändern WIR das Paradigma.
    Andere rund das nicht für uns.

  7. 27.

    Das Haus wird auch diesen worst case durchgerechnet haben. Die Kranken nicht. Ich plädiere für mehr Eigenverantwortung.

  8. 26.

    Das ist nicht ganz richtig. Vivantes Kliniken sind schon lange keine städtischen Kliniken mehr, sondern wurden 2001 vom Senat in die Vivantes GmbH "umgegründet". Anteilseigner ist zwar der Senat, aber der Senat hat sich mit der GmbH-Gründung geschickt aus der Affaire gezogen.

  9. 25.

    Und dem Albers (Linke) fällt nichts anderes ein als zu bezweifeln, daß kirchliche Krankenhäuser bessere Arbeitsbedingungen bieten.

  10. 24.

    Jo, dann wisst ihr ja auch wie es in paar Jahren mit den Wohnungen aussieht. Stichwort Mietendeckel. Es sollten sich noch viele Beschäftigte mehr, aus allen Bereichen dazu entschließen, nicht mehr für den Senat zu arbeiten. Egal in welchem Ressort. Bauunternehmer, Dienstleister... jeder. Dass der Senat eine schlechte Zahlungsmoral hat ist offenkundig.

  11. 23.

    In unserer Klinik hatten an einem Tag auf der Frührehabilitationsstation 2/3 der Pflegekräfte wegen unhaltbarer Zustände gekündigt. Daraufhin wurden die Pfleger ganz einfach von den anderen Stationen abgezogen und wurden nach Protest an ihre Professionalität erinnert. Die Stellen wurden langsam und nur teilweise neu besetzt, da die Klinikleitung keinen Ersatz fand. Die Arbeitsverdichtung nahm in der Pflege unmenschlich zu, der Gewinn durch eingesparte Gehälter nahm die Klinikleitung kommentarlos hin.

  12. 22.

    Ich krieg eh immer nen Lachanfall, wenn ich "ärztlichen Fachkräftemangel" höre. Wir haben derzeit geschätzt um die 1000 Ärzte in einer Warteschleife, weil wir unanständig hohe Anforderungen an gestandene Ärzte stellen, die hier praktisch ihr Studium nochmal machen müssen.

    Ein anderer niedergelassener Arzt an der syrischen Küste. Der eine soll jetzt hier das praktische Jahr machen, weil ihm die Niederlassungszeit in Syrien nicht anerkannt wurde (der hat in Odessa studiert. Der kann russich, englisch und arabisch und jetzt deutsch).

    Da sind Ärzte mit Froterfahrung dran - die erschüttert nix. Außer das deutsche Nichtanerkenntnissystem.

  13. 21.

    Los jetzt heult und jammert über den Fachkräftemangel. Den gibt es nicht. Es gibt ausbeuterische Arbeitgeber die ihr Personal extrem schlecht behandeln, keinen angemessenen Lohn zahlen und jetzt wieder los heulen wenn sich die Arbeitnehmer wehren. Ich lach mich nur noch weg.

  14. 20.

    Was genau sollte uns dieser Beitrag vermitteln?

    Die Arbeitsbedingungen sind bei Vivantes schlecht, habe ich jetzt verstanden. Jetzt gehen Ärzte und einiges Pflegepersonal.
    Und nun wird alles gut?

    Vivantes ist staatlich? Das ist sehr überraschend... Warum gibt es keine Ausschreibungen, z. B. bei Medizinprodukten?


  15. 19.

    Falsch. Vivantes ist 100% Land Berlin. Es ist eine landeseigene GmbH. Und im Aufsichtsrat sitzen Mitglieder des Senats.

  16. 18.

    Vielen Dank liebe Kollegen/innen für dieses Statement.Die Arbeitsbedingungen bei Vivantes sind erschreckend.Sparen.Sparen.Sparen.Offene Arztstellen werden nicht besetzt (Einstellunsgsverbot durch die Führungsriege)und die verbleibenden Kollegen machen Arbeit für 3 und mehr und pfeifen auf dem letzten Loch.Man wird zu Überstunden und Überarbeitung genötigt und das Gewissen eines Arztes seine Patienten gut zu versorgen so schamlos ausgenutzt.Aber wir können nicht mehr.Wann wachen die endlich auf?

  17. 17.

    Danke liebe Kollegen,für diesen mutigen Schritt und dieses Statement.Die Arbeitsbedingungen sind zur Zeit erschreckend.Offene Arztstellen werden nicht besetzt (Einstellungsverbot zum Geldsparen während die Führungsriege die Hände aufhält).Die verbleibenden Kollegen werden zu Überstunden und Überarbeitung genötigt und pfeifen auf dem letzten Loch.Die Patientenbehandlung und das Patientenwohl ist gefährdet.Sparen.Sparen.Sparen.Wann wachen die endlich auf und merken,dass die Milchmädchenrechnung nicht funktioniert.Wir brauchen Ärzte!!!Keiner will mehr so arbeiten.

  18. 16.

    Hallo liebe Berliner und Brandenburger, ich beobachte die Diskussionen als COTTBUSERIN AUS ÖSTERREICH,
    es fehlt mir leider in allen Bereichen die Objektivität, und glaubt mir ich melde mich zum 1. ersten mal über dieses Medium. Ich denke es gibt kein schwarz grau. Ich habe in Deutschland 2 Ausbildungen Ist und West habe aber in Österreich als Schankgehilfin, Abwäscherin mein Glück gefunden Miete 50 m2 300 warm 1800 netto mal14
    Renato Sozial 1070 euro, 30 Jahre 1200, 40 Jahre 1400 netto . Warum Deutschland nicht. Kleines Amerika geworden. Viele liebe Grüsse aus Oberösterreich
    Natascha

  19. 15.

    Die solidarische Suche von Ärzten und Pflegenden nach einem neuen Arbeitgeber und der Vollzug des Wechsels zeigt deutlich, welche Macht die Berufsgruppen gemeinsam haben. Jetzt war es eine Abteilung. In Kürze hoffentlich auch mal eine ganze Klinik.

    Die Politik schafft Rahmenbedingungen und ein Gesetz nach dem anderen.
    Die Arbeitgeber interessiert es nicht und nutzen Schlupflöcher an jeder Ecke.

    Endlich mal Pflegende, die nicht nur Jammern und Drohen, sondern etwas für sich durchziehen!


  20. 14.

    Das Land Berlin und insb. die Senatsverwaltung sind für unverantwortliche Zustände im Berliner Gesundheitssystem verantwortlich. Vivantes selbst ist nicht das Kernproblem. Berlin leistet sich z.B. wahrscheinlich die schlimmste Psychiatrie Deutschlands, das Krankenhaus des Maßregelvollzugs. Weitgehend von der Öffentlichkeit unbeachtet, herrschen in dem landeseigenen (nicht teilprivatisierten!) Krankenhaus Zustände, welche im Rest der Republik seit dreißig jahren überwunden sein dürften: runtergekommene Patientenzimmer, Schmutz, Willkür..
    Man kann nur hoffen, dass hier die Presse mal näher hinschaut..

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