Lose Dachziegel an einem Haus nach Sprengung einer Fliegerbombe auf einer Baustelle in Stahnsdorf Potsdam-Mittelmark. Quelle: Martin Müller/www.imago-images.de
Video: rbb|24 | 08.02.2020 | Material: NonStopNews, Brandenburg aktuell, Fotos: dpa | Bild: Martin Müller/www.imago-images.de

Blindgänger in Stahnsdorf - Mehrere Häuser nach Bombensprengung beschädigt

Bei der Sprengung einer Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg wurden in Stahnsdorf mehrere Häuser beschädigt - so stark, dass die Bewohner nicht mehr zurückkehren können. Die Detonation der 500 Kilo schweren Bombe war bis nach Berlin zu hören.

Bei der Sprengung einer Weltkriegsbombe in Stahnsdorf (Potsdam-Mittelmark) am frühen Samstagmorgen sind mehrere Häuser beschädigt worden. Dächer wurden abgedeckt, Fensterscheiben gingen zu Bruch, zwei Häuser wurden für unbewohnbar erklärt, wie ein Sprecher der Feuerwehr am Samstag sagte. Stahnsdorfer haben die Möglichkeit, alle Schäden, die durch die Sprengung an ihren Häusern entstanden sind, ab Montag im Ordnungsamt zu melden. 

Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes mussten die 500 Kilogramm schwere Fliegerbombe sprengen, da eine Entschärfung nicht möglich war. Mehrere tausend Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Der Blindgänger lag am Rande eines Wohngebietes.

Höhe des Sachschadens ist noch unklar

"Sie sind alle inzwischen in Hotels und bei Bekannten untergekommen. Wie es für sie weitergeht, kann das Ordnungsamt erst am Montag sagen", sagte ein Sprecher der Feuerwehr am Samstag. Die Höhe des Sachschadens sei derzeit noch unklar. Rund 3.200 Menschen, die am Freitagabend ihre Häuser verlassen mussten, verbrachten den Abend in zwei Notquartieren - dem Rathaus und einer Sporthalle. Ursprünglich war davon ausgegangen worden, dass bis zu 6.000 Anwohner betroffen sein würden.

Der Fundort lag nahe einer Gasdruckleitung, die für die Entschärfung stillgelegt wurde. Der Sperrkreis reichte bis in die angrenzenden Orte Teltow und Kleinmachnow. Um den Fundort sind Wohnhäuser, Geschäfte und einige Pensionen.

Detonation sogar in Berlin zu hören

Der Blindgänger war am Freitagnachmittag bei Bauarbeiten entdeckt worden. Die Bombe war in einem schlechten Zustand gewesen und konnte deshalb nicht entschärft werden, erklärte Sprengmeister Mike Schwitzke vom Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes Brandenburg. Der Zünder sei stark verkrustet gewesen, weshalb die geplante Entschärfung mit einem Wasserschneidegerät nicht erfolgen konnte. "Diese Bombe ist mit 500 Kilo doppelt so groß, wie die Bomben, die wir sonst in Potsdam haben. Dementsprechend ist auch eine sehr große Sprengstoffmenge in der Bombenhülle", sagte Schwitzke am Freitagabend dem rbb.

Kurz vor 19 Uhr deutete sich an, dass sich die Entschärfung bis in den Samstagmorgen hinziehen könnte. Gegen Mitternacht war der Sperrkreis geräumt, die Bombe detonierte schließlich gegen 3.30 Uhr.

Die Explosion sei bis Teltow-Seehof, Zehlendorf und Lichtenrade zu hören gewesen, schrieb Bürgermeister Bernd Albers auf Twitter. Immer wieder werden in Brandenburgs Boden Blindgänger gefunden. Seit der Wende zählte die Landeshauptstadt Potsdam über 200 Funde. In Oranienburg waren es bereits 210 Bomben. Die Kreisstadt im Landkreis Oberhavel war im Zweiten Weltkrieg stark bombardiert worden, weil dort Rüstungsbetriebe und chemische Industrie angesiedelt waren.

Sendung: Inforadio, 08.02.2020, 11 Uhr

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41 Kommentare

  1. 41.

    Der lange Schatten dunkler Vergangenheit. Nicht nur Millionen ermordeter, auch Blindgänger im Boden und in den Parlamenten sollten uns mahnen was Faschismus heißt. Und das wir nicht so tun können als hätte das mit uns gar nichts mehr zu tun.

  2. 40.

    Es ist wie beim Fußball: Die Spieler und Trainer auf dem Platz sind Idioten, und vor der Glotze sitzen Millionen Spieler und Trainer die es richtig könnten.
    Wer Ahnung hat und genug Schneid: die Freiwilligen Feuerwehren suchen händeringend Mitglieder. Menschen mit Mut, die den größten Teil ihrer Freizeit damit verbringen, Menschen zu helfen die Hilfe brauchen.
    Unser Sohn war mit seinen Kameradinnen und Kameraden die ganze Nacht draußen, und alle sind froh daß keine Personen zu Schaden kamen.

  3. 39.

    Eine lustige Frage - was macht man mit einem "vollen" Dixi-WC bei einer Bombenentschärfung/Sprengung? Gibt es Freiwillige, die ein volles WC schultern und wegtragen? Erschütterungsfrei? Oder der nette Dixi-Mitarbeiter mit dem Pumpenwagen, ob der Freitag Abend gegen 22 Uhr noch Bock hatte, erschütterungsfrei in Bombennähe abzupumpen und wegzurollern? Schon irgendwie witzig, die Bemerkung im Kommentar :-)

    Heute auf dem Heimweg vorbeikommen an der Baustelle, man fragt sich, wie man das so gezielt geschafft hat, wenn man bedenkt, was da für Sprengkraft war und dann doch recht "wenig" Schäden. Respekt!

    Natürlich sind die direkten Nachbarn betroffen, ich hoffe, alle werden ordentlich und schnell entschädigt! Und ich hoffe, der Wind hält sich in Grenzen, und der Regen....

  4. 38.

    An Gretel,Kurt wilhelm und Daniel W. :
    " Die Leute mit der wenigsten Ahnung haben am meisten Meinung,"
    Peinlich,Respektlos und völlig indiskutabel,wie Sie sich hier zu den Fähigkeiten des Sprengmeisters und seinesTeam äußern , ob zur Notwendigkeit der Sprengung vor Ort und zur Uhrzeit der Sprengung. Die Notwendigkeit ergibt sich aus der Schilderung im Artikel.
    Den Mietern und Hausbesitzern mein Mitgefühl. Ich hoffe,dass die Regulierung der Schäden unkompliziert läuft und sich offizielle Stellen zuständig erklären,falls diese Schäden nicht von der Gebäudeversicherung der Hauseigentümer abgedeckt ist.

  5. 36.

    Es ist peinlich, wenn Laien hier schlauer als ein erfahrener Sprengmeister sein wollen! Wissen Sie, was ein chemischer Langzeitzünder ist? In dem Moment, in dem die Bombe auch nur geringfügig bewegt oder erschüttert wird, beginnt sie zur akuten Gefahr zu werden und kann jede Sekunde hochgehen! Sogar ohne weitere Erschütterung. Selbst die Annäherung zum Anbringen der Ladung zur kontrollierten Sprengung bedeutet schon höchste Lebensgefahr. Da bleibt keine Zeit, noch groß Schutzmaßnahmen aufzubauen, weil jede weitere Erschütterung, und sei sie noch so klein, zur Detonation führen kann! Herr Schwitzke dürfte zu den erfahrensten Entschärfern überhaupt gehören, der entscheidet nicht ohne Grund eine umgehende Bombensprengung mitten in der Nacht.

  6. 35.

    Es gibt Menschen für die sollte man keinen Finger rühren. Schon gar nicht sich in Lebensgefahr begeben.
    Für mich ist das übrigens eine Diskussion zum Thema..."Zunehmende Gewalt gegen Rettungskräfte..."... "Zunehmende Gewalt, Hetze und Beleidigung gegen Kommunalpolitiker und kommunale Verwaltung"
    Es ist diese Grundhaltung aus der sich das speist.
    Rastlos haltloses Forderungsmanagement. Im Brustton hässlichster Überzeugung.
    An dieser Stelle also Danke an alle die ihr Leben riskierten, die teils ehrenamtlich die Betroffenen Bürgerinnen und Bürger versorgten und begleiteten. Die Kolleginnen und Kollegen die Überstunden schoben. Ihr seid die Besten.
    Für die notorischen Nöler machen wir es halt auch nicht.

  7. 34.

    Ich habe zwei Druckwellen in Zehlendorf gespührt, eine um 3:30 Uhr und eine noch stärkere um ca. 3:33 Uhr.
    Hat jemand eine Erklärung dafür?

  8. 33.

    Kurt Wilhelm, Daniel W.: Bedauern Sie hier ernsthaft die Zerstörung eines Dixieklos, wo Menschenleben in Gefahr waren? Und dann noch die Uhrzeit, hat der Knall etwa ihren heiligen Schlaf gestört?

    Auch in Oranienburg hat es schon Zerstörungen bei der Sprengung oder Bergung einer Bombe gegeben, das ist eben nie auszuschließen, wenn man sich an halbverrostetes Material heranwagt.
    Allen Meckerköpfen hier sei nochmal ans Herz gelegt, bei der nächsten Bombenentschärfung mal dabei zu sein, und zwar in unmittelbarer Nähe. Frische Unterhosen bereithalten!

  9. 32.

    mein erster Gedanke beim Lesen, Menschen ohne Bleibe, Dächer, in die es reinregnet, jetzt der Sturm, Entschärfer in Lebensgefahr....Ordnungsamt: MONTAG, gähn!

  10. 31.

    Kurt Wilhelm: Wenn Sie die Lage der Bombe und das Grundstück kennen würden, dann würden Sie hier nicht so einen Mist schreiben. Bitte informieren Sie sich richtig bevor Sie solche Kommentare verfassen. Nein, es war nicht mehr Zeit. Der chemische Zünder konnte nicht mehr unschädlich gemacht werden und das Zerschneiden des Zünders ging halt auch nicht. Da die Bombe durch den Bagger massiv bewegt wurde, konnte nur der Sprengmeister die einzig richtige Entscheidung der sofortigen Sprengung anordnen und durchführen. Ihm gehört der volle Respekt und der Dank. Wir waren unmittelbar betroffen und sind froh darüber, dass der Spuk um 03:30 Uhr ein Ende hatte. Was wäre geschehen, wenn die die Bombe bei der ersten Bewegung explodiert wäre? Wir hätten Tote und Schwerverletzte zu beklagen. Ich glaube nicht, dass Herr Schwitzke zusätzliche Aufmerksamkeit bei seinem Job braucht. Er übt diesen Beruf schon lange aus und bringt sein Leben für andere Menschen in Gefahr. Ihm gebührt der volle Respekt und D

  11. 30.

    Natürlich. Die Bombe war in einen sehr schlechten Zustand und hatte durch 500 kg Sprengstoff eine sehr immense Sprengkraft. Wäre sie z. B. durch Erschütterung unkontrolliert hochgegangen, wären die Schäden viel heftiger, als bei einer kontrollierten Sprengung.

  12. 29.

    Also ich frage mich auch was das für eine Sprengmeister ist, war der nicht in O-Burg in der Lehre? Wieso sprengt man was mitten in der Nacht und dann auch noch ohne jeglichen Schutz anderer Gebäude? Hier haut doch irgend etwas nicht hin. Da werden doch Informationen unterschlagen. Das Dixi Klo sagt doch auch alles. Wurde die Bombe wirklich gezielt gesprengt oder ist bei der Entschärfung etwas schief gelaufen und das Ding flog so in die Luft?

  13. 28.

    Wir hätten ja alle den Montag Vormittag abwarten können, wenn alle aus den Ferien zurück sind und der Sturm braust. Dann hätte die Gemeinde auch genügend Leute wieder im Dienst, und man hätte alle Anwohner erreicht. Mal überlegt? Sowas sollte man in den Ferien machen, wenn wenig Leute betroffen sind. Der Baggerfahrer kann dat Ding nicht noch weitere 3 Tage auffer Schüppe halten. Echt, hier sind Vorschläge - Herr Schwitzke liegt vermutlich vor Lachen schweißgebadet unterm Tisch! Und sich dann noch über die Uhrzeit beklagen... natürlich vornehmlich von Leuten, die von Stahnsdorf so weit entfernt wohnen wie Leipziger von Halle °^°

    PS: natürlich ist es eine Spätfolge vom WKII. Aber schwuppdiwupp - Montag spätestens ist es eine Sturmfolge, wetten? Wenigstens für die Bundesrepublik. Das hängt man doch gerne anderen Versicherungen um. Oh Mann...

  14. 27.

    Bei der nächsten Sprengung sind Schäden an Gebäuden vielleicht vermeidbar, wenn man Fenster ankippt, Dachluken und Garagentore öffnet und Rollläden oben lässt. Denn der schmalen, aber kräftigen Druckwelle folgt ein ausgedehntes Unterdruckfeld. Während die Druckwelle gegen die Hindernisse stößt, zieht der Unterdruck Sekundenbruchteile später daran. Deshalb liegen Glasscherben und Dachziegel draußen und nicht im Haus.

    Damit die Räumlichkeiten hinter den Wänden, Fenstern und Türen oder im Dachstuhl den Druckunterschied ausgleichen können, um die rasche Druck-Zug-Bewegung abzufedern, müssen besagte Öffnungen vorhanden sein. Auch bei Tornados in unseren Breiten funktioniert das Druckausgleichsprinzip.

  15. 26.

    Meine Achtung den Leuten, die so etwas entschärfen!
    Aber laut Meldung in den Nachrichten beim Rbb TV kurz vor 22 Uhr ließ man verlauten, es wäre zu gefährlich gewesen, die Druckwelle mit Stroh und Dämmmaterial nach oben zu leiten, ist an den Haaren herbei gezogen.
    Wenn ich als Sprengmeister sehe, die Bombe kann nicht entschärft werden und ich setze schon einen Computer gestütztes Schneidwerkzeug ein, dann muß ich mich vorher um die Sicherheit kümmern! Es kann immer etwas passieren und da ist Sicherheit die erste Tugend! Bei den vielen Sprengungen in Oranienburg ist so ein Fall noch nie aufgetreten und die Bomben waren auch nicht kleiner. Da hat wirklich einer geschlafen, um 3:30 Uhr.

  16. 25.

    Das Ding mußte so schnell als möglich weg. Immer wieder findet man bei Baggerarbeiten solche gefährlichen "Eier". Die Natur kommt manchmal dazwischen; aber der Sturm ist noch längst nicht hier bei Stahnsdorf. Ich erinnere mal daran, dass in Stahnsdorf so manch Halbleiterprodukte hergestellt wurden und die Bombe unerkannt da unten lag. Was hätte passieren können ?

  17. 23.

    alle wissen es besser ohne die geringste Ahnung zu haben.... " Dann diese Uhrzeit, mitten in der Nacht "

    dafür wird es wohl Gründe gegeben haben

  18. 22.

    der Transport der Bombe in eine abgelegene Gegend wäre wohl zu gefährlich gewesen , sonst hätte man das wohl gemacht

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