Der Skipper Fabian Fisahn
Bild: Clipper Round the World Yacht Race

Interview | Fabian Fisahn aus Berlin - Wie Buschfeuer und Coronavirus eine Weltumsegelung prägen

Fabian Fisahn wollte die Welt umsegeln, um den Naturgewalten nah zu sein. Der Berliner konnte nicht ahnen, wie nah: Bisher ist seine Reise von den Buschfeuern in Australien und der Corona-Pandemie in China geprägt. Über seine Erlebnisse spricht er im Interview.

Was Sie jetzt wissen müssen

Fabian Fisahn aus Berlin nimmt seit September 2019 an einem Etappenrennen rund um die Welt teil. Insgesamt sind elf Teams in London gestartet. Die ersten Etappen führten nach Südamerika, Südafrika und Australien. Der nächste Abschnitt sollte die Teams nach China führen. Durch den Ausbruch der Corona-Pandemie befinden sich die Mannschaften nun auf den Philippinen, wo wir Fabian Fisahn am Telefon erreichen.

rbb|24: Herr Fisahn, Sie sind im Moment mit ihrer Crew auf den Philippinen. War das so geplant?

Fabian Fisahn: Nein, wir sollten jetzt eigentlich in Sanya in China sein. Aber wegen des Coronavirus mussten wir unsere Pläne ändern und wurden auf die Philippinen umgeleitet. Hier sind wir jetzt zehn Tage lang und machen ein Zehn-Tage-Rennen hierher zurück. Dann wissen wir noch nicht, wie es weitergeht. Entweder segeln wir nach Japan oder nach Südkorea.

Zehn Tage auf dem Festland nach etlichen Wochen auf dem Meer. Vermisst man da die See?

Mir fehlt die See immer, aber man braucht ein paar Tage, um sich zu erholen. Das letzte Rennen war mental sehr anstrengend. Wir lagen mehrere Tage in Windstille und konnten nicht wegsegeln. Nach den körperlich anstrengenden Passagen muss man ausschlafen und vor allem richtig schlafen. Auf See geht das nicht. Das Boot ist zu laut. Es knarzt, die Segel schlagen. Der Schlaf an Bord ist nicht erholsam. Ich als Crew-Skipper kann sowieso nie wirklich abschalten. Die eine Hälfte meines Kopfes schläft, die andere ist wach. Wenn mal ein Sturm kommt, muss ich sofort reagieren können.

Wie sieht denn Ihre Route aus?

Im September 2019 segelten wir von London erstmal nach Portimao in Portugal. Von da ging es in 30 Tagen nach Punta del Este in Uruguay. Der nächste Abschnitt ging von Kapstadt nach Freemantle an der Südwestküste Australiens. Von dort ging es um den Süden Australiens rum an Tasmanien vorbei und an der Ostküste hoch. Geplant war eigentlich jetzt nach Sanya in China zu segeln, aber nach der Änderung sind wir auf den Phillipinnen gelandet.

Wie es jetzt weitergeht wissen wir noch nicht genau. Wir haben drei Optionen: Die erste wäre Xindao in China, was aber im Moment eher unwahrscheinlich ist. Die anderen Optionen sind ein Ort in Südkorea oder Yokohama in Japan. Der nächste Abschnitt wird dann der längste, denn es geht nach Seattle. Von da nach Panama durch den Kanal in die Karibik nach New York und letztendlich über den Nord-Atlantik nach Londonderry in Nordirland bevor wir Anfang August wieder in London ankommen.

Fast ein ganzes Jahr mit 15 anderen Menschen auf hoher See. Verstehen Sie sich alle gut?

Natürlich gibt es Unstimmigkeiten, aber es gibt jetzt keinen Streit oder so. Man muss tolerant sein und sich darauf vorbereiten und sagen: Ok, ich bin jetzt vier Wochen auf einigen Quadratmetern quasi eingesperrt, habe keine Privatsphäre, ich teile mein Bett mit anderen Leuten. Klar kommen einige schon an ihre Grenzen. Es ist unter anderem auch meine Rolle zwischen der Crew zu vermitteln, um die Mannschaft auch beisammen zu halten.

Das Boot war voller Asche, die von der 20 bis 30 Kilometer entfernten Küste kam. Man sah keine Sonne während der ganzen Durchfahrt. Es gab drei, vier Tage lang ein sehr surreales Licht.

Fabian Fisahn über die Eindrücke von den Buschfeuern in Australien

Während Ihrer Reise ist ja so einiges in der Welt passiert. Wie erreichen Sie die Nachrichten?

Wir erfahren relativ wenig. Was auf der einen Seite ganz gut ist, weil wir uns auf das Rennen konzentrieren können. Aber wir kriegen natürlich Sachen mit, die uns betreffen. Die Veranstalter schrieben uns zum Beispiel, wie sich das Buschfeuer in Australien ausbreitete. Wenn man aus Berlin ist, denkt man sich, wie schlimm kann das denn sein. Als wir da waren, sahen wir schon die Rauchwolken. Noch schlimmer war es aber auf der Ostküste von Australien. Man sah von weiten, wie sich der Himmel verdunkelte. Das Boot war voller Asche, die von der 20 bis 30 Kilometer entfernten Küste kam. Man sah keine Sonne während der ganzen Durchfahrt. Es gab drei, vier Tage lang ein sehr surreales Licht.

Die Rauchschwaden hingen tief unter der Wolkendeckel. Wir konnten daher nicht das Wetter einschätzen und wurden von einem Orkan überrascht. Man merkte nur, dass sich die Windrichtung dreht und dann ging es los. Wir mussten die Segel runternehmen. Für einige Minuten hing das Boot fast 90 Grad senkrecht im Wasser. Der Mast berührte schon das Wasser. Es bestand die Gefahr, dass der Mast abbricht und die Segel reißen. Wir konnten das Boot aber zum Glück unter Kontrolle bringen.

Kaum haben Sie das brennende Australien verlassen, steuern Sie auf die nächste Katastrophe zu. Wann haben Sie vom Coronavirus erfahren und war Ihnen und Ihrer Crew von Beginn an bewusst, dass das Virus eine Auswirkung auf Ihre Reise haben könnte?

Die ersten Fälle des Coronavirus gab es, als wir noch in Australien waren. Wir dachten erstmal, dass uns das nicht betrifft. Dann stellten wir aber fest, dass etwas im Gange ist. Das Virus breitet sich sehr schnell aus. Wir haben vom Veranstalter relativ schnell gehört, dass der erste Stopp auf jeden Fall nicht in China sein wird. Wir wurden umgeleitet.  Da war die Kommunikation sehr gut. Es muss ja viel für unser Rennen vorbereitet werden. Die elf Boote müssen irgendwo andocken. Reparaturen müssen durchgeführt werden.

Wie hat die Mannschaft auf den Abbruch der Reise nach China reagiert?

Erleichtert. Wir habe schnell von unseren Familien erfahren, dass es sich um eine reale Gefahr handelt. Da sterben Leute und man kann sich leicht anstecken. Deshalb war es eine Erleichterung auf die Philippinen zu reisen und zu wissen, hier besteht keine Gefahr, hier ist man sicher.

Was wäre passiert, wenn Sie in China an Land gegangen wären?

Wir wären sicherlich in eine Art Quarantäne gekommen. Da haben die Veranstalter schnell reagiert und dafür gesorgt, dass erstmal die Personen an Bord nicht gefährdet sind und dass die Reise fortgeführt werden kann. Selbst als wir hier auf den Philippinen ankamen, wurde unsere Temperatur gemessen. Wir mussten unterschreiben, dass wir nicht krank waren.

Ihre Freundin reist Ihnen auf dem Landweg hinterher. Auch Sie musste ihre Reiseroute ändern. Wo können Sie sich nun stattdessen treffen?

Wir haben uns in Australien auf Land getroffen. Sie hatte bereits Tickets nach China, musste aber natürlich alles stornieren. Jetzt ist sie mit mir auf den Philippinen.

Sie haben die Reise auch gestartet, um der Freiheit näher zu sein. Nun werden Sie durch ein Buschfeuer und eine Pandemie in Ihrer Freiheit eingeschränkt. Wie fühlt sich das an?

Unsere Freiheit wurde nicht eingeschränkt. Im Endeffekt haben wir immer die Wahl unsere Route zu ändern und einen anderen Hafen anzufahren. Wir können sagen, nein, da möchten wir nicht hin, wir möchten lieber nach Hawaii und können das dann auch machen.

Wie steht Ihr Segelboot im Rennen?

Wir könnten besser stehen. Momentan sind wir auf Platz acht von elf.

Vielen Dank für das Gespräch!

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Das Interview mit Fabian Fisahn führte Efthymis Angeloudis, rbb|24.

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