Schabe in einer Neuköllner Großbäckerei (Bild: Polizei Berlin)
Video: rbb|24 | 6.3.2020 | Material: Abendschau | Bild: Polizei Berlin

Polizei schließt den Betrieb - Schaben und Ratten in Neuköllner Großbäckerei

Die Lebensmittelkontrolle wollte in einer Berliner Bäckerei feststellen, ob die Mängel aus der vorigen Prüfung beseitigt wurden. Doch dann trafen die Beamten auf Mäuse und andere unerwünschte Tiere. Die Polizei schloss den Betrieb und twitterte Belege der Zustände.

Die Polizei hat eine mit Mäusen, Ratten und Schaben übersäte Großbäckerei in Berlin-Neukölln geschlossen. Die Bäckerei belieferte mehrere Abnehmer in Berlin, wie die Polizei am Donnerstag mitteilte.

Christian Berg, Pressesprecher des Bezirksamts Neukölln sagte dem rbb am Freitag: "Die Zustände, die wir dort vorgefunden haben, sind absolut ekelerregend gewesen." Weil die Kontrolleure des Amts eine Gesundheitsgefährdung "nicht ausschließen konnten", habe die Behörde nur entscheiden können, die Bäckerei zu schließen.

Mängel zuvor nie in der Dimension wie bei der aktuellen Kontrolle

In den vergengenen vier Monaten habe es in der Bäckerei vier Begehungen gegeben, bei der immer wieder Missstände festgestellt worden seien, die dann trotz Anordnungen diese abzustellen nichts geschehen sei. "Allerdings war das nie in der Dimension, wie dies nun am Mittwoch bei der Begehung angetroffen wurde", sagte Berg.

Zwar habe es in den vergangenen Monaten während der Kontrollen und Nachkontrollen Verbesserungen der bemängelten Zustände gegeben, doch seien nie alle Mängel behoben und die geforderten Maßnahmen vollständig durchgesetzt worden. "Wir haben gesehen: Die Zustände haben sich teilweise verbessert bei den Kontrollen, aber nie so, dass man sagen konnte: Das ist in Ordnung so." So habe es zuletzt auch noch immer Löcher in den Wänden gegeben: "Da können Tiere eindringen oder sich Keime festsetzen", so Berg weiter. "Da haben wir gesagt: Es reicht."

Berg zufolge ermittle nun die Polizei, inwiefern die Betreiber der Bäckerei die Gesundheit der Verbraucher gefährdeten und den Arbeitsschutz missachteten. Berg allerdings ergänzte, solche Zustände seien die absolute Ausnahme bei Betrieben in Berlin.

Detaillierte Beschreibung der Zustände durch die Polizei

Sehr detailliert hatte nach der Schließung die Polizei die Zustände beschrieben: "Schon beim ersten Betreten strömte den Beamten ein ekelerregender Geruch nach Ammoniak entgegen, wohl ausgehend von Mäuse- und Rattenfäkalien." Weiter heißt es: "Überall tummelten sich Schaben oder lagen tot auf dem Boden. Es herrschte in Teilen ein Befall von Mäusen und Ratten. Einer Beamtin lief eine Maus über die Schuhe. In anderen Bereichen der Großbäckerei gesellten sich Motten und Fliegen zu den Schaben." Zudem seien diverse bauliche und arbeitsrechtliche Mängel festgestellt worden.

Nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft und mit dem Bezirksamt Neukölln sei der Betrieb dann am Mittwoch geschlossen und Strafanzeige gestellt worden, hieß es.

33 Kommentare

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  1. 33.

    Ihr Verhalten in allen Ehren, doch gibt es denn tatsächlich keine Möglichkeit für die Beschäftigten, den Behörden solche Anordnungen anonym zu melden?
    (Falls nein, würde das meine Forderungen nach einer entsprechenden Hotline bekräftigen.)
    Ich sehe das so:
    Die in solchen Betrieben Angestellten haben Angst um ihre Jobs, wissen nicht, wie es mit ihnen weitergehen soll, falls sie solche Zustände melden.
    Hätten das auch die Unverantwortlichen (weil sie drakonische Strafen fürchten müssten und dann womöglich nie wieder in der Lebensmittelverarbeitung arbeiten dürften), wäre das nur fair.
    Übrigens ist Ihr Nick in Anbetracht Ihrer damaligen (verweigerten) Tätigkeit gut gewählt.

  2. 32.

    Vielleicht sollte man an dieser Stelle einmal über den Schutz von 'Whistleblowern' nachdenken.
    Solche Zustände könnten von Mitarbeitern angezeigt werden, aber oft ist die Angst vor Job-Verlust dann eben größer.
    Außerdem ist es auch schwer zu beweisen, wenn man nicht gleichzeitig gegen seinen Vertrag handelt.
    (Ich habe tatsächlich in jungen Jahren selbst erlebt, wie in einer Pizzafabrik bewusst verschimmelte Pizzaböden verarbeitet und anschließend gefroren, verpackt und verkauft wurden. Einfach nur, weil die Backstation stand und man alte eingefrorene Pizzaböden verarbeiten musste, die aber eben angetaut und zum großen Teil verschimmelt waren.)
    Ich hatte die Qualitätssicherung darauf aufmerksam gemacht und wurde genötigt, einfach weiter diese Böden in die Beleg-Maschinen einzufüllen. Ich war damals zu jung und habe mich verweigert. Als einzige im ganzen Betrieb! Ein drei Schichten Betrieb, der täglich zig-tausende Pizzen herstellte.

  3. 31.

    Umfassende Transparenz würde ständige Überwachung erfordern.
    Wie sollte das personell zu stemmen sein?
    Und ich möchte vor Aktionismus warnen:
    Soll womöglich eine ganze Fillialkette gebrandmarkt werden, weil es in einer Bäckerei irgendeinen Makel gegeben hat (der womöglich gleich nach der Inspektion behoben wurde)?
    Nicht dass wir uns falsch verstehen:
    Natürlich sollten in der Gastronomie wie auch im Gesundheits- und Kosmetikbereich besonders strenge Maßstäbe gelten.
    Doch diese sollten mit Augenmaß und nicht vollkommen unnachsichtig überwacht und ggfs. gemaßregelt werden.
    Ansonsten könnten ein oder zwei Fehler gleich zur Vernichtung einer beruflichen Existenz des Verantwortlichen und zur Arbeitslosigkeit bei seinen Angestellten führen.
    Berichte wie dieser machen einen wütend, klar.
    Doch Wut ist kein guter Ratgeber.

  4. 30.

    Es gibt viele dieser Formen und Restaurants, aber leider fehlt die Inspektion in diesem Restaurant nicht. Ich habe viele Restaurants gesehen, die abstoßend und sehr schmutzig sind, insbesondere die Küchen und der Ort zum Kochen und Waschen

  5. 29.

    Mit den Strafen gebe ich Ihnen vollkommen Recht, die sind viel zu niedrig. Das noch größere Problem sehe ich aber in der fehlenden Transparent. Eine negative Kontrolle bleibt für den Verbraucher geheim und der Betreiber erhält großzügig Gelegenheit zur Beseitigung der Hygienemängel. Als Verbraucher erfährt man davon nur, wenn es so schlimm ist, dass ein Betrieb mal geschlossen werden muss. Der Anreiz für den Betreiber, stets hygienisch einwandfrei zu handeln, ist daher denkbar gering. Das ist beim dänischen Modell anders. Müsste der Bäcker fürchten, an all seinen Filialen eine rote Hygiene-Ampel für mindestens 12 Monate aushängen zu müssen, könnte er es sich nicht erlauben, solche Zustände jemals einreißen zu lassen. Nur 100%ige Transparenz kann dem entgegen wirken.

  6. 28.

    Und das öfter unangemeldet, die Kontrollen auch durch verschiedene Firmen und sofort, nicht erst ewig darüber diskutieren!


  7. 27.

    Ja.
    Bzw muss das viel schneller eskaliert werden, inklusive der erwähnten Geldstrafen, auch schon bei der 2ten Prüfung.
    Das sollte der Masstab für Industrie-Lebensmittelbetriebe sein.
    Abgesehen von der Bäcker-Ehre...

  8. 26.

    M.E. muss es häufige , regelmäßige und unangekündigte Kontrollen der zuständigen Behörde geben,wozu man aber austeichend Personal braucht. Ein Riesenproblem in allen Verwaltungen,seit man diese fast totgespart hat. Der Versuch , Personallücken zu schließen wurde viel zu spät gestartet und man merkt die Auswirkungen überall.
    Verbraucherschutzsenator Dirk Behrendt ist in diesem Fall auch in der Verantwortung. Sein Haus lässt lt. Tagesspiegel seit Monaten einen Gesetzentwurf in der Schublade versauern, der Ekel-Fälle wie diesen verhindern könnte: Eine „Hygiene-Ampel“ für Berlin, die die Verbraucherinnen und Verbraucher an der Ladentür informiert, wie ein Lebensmittelbetrieb bei der Hygiene-Kontrolle abgeschnitten hat. Wenn das auch für die Zulieferer gilt, wäre auch der Hygienezustand dieser Großbäckerei für Kunden transparent.

  9. 25.

    Klingt plausibel, doch auch DIESER Betrieb wurde kontrolliert und deshalb noch nicht geschlossen.
    Solche Zustände können also offenbar überraschend schnell entstehen, so dass ein derartiger Aushang im Grunde schon nach kurzer Zeit Schnee von gestern sein kann und womöglich ein trügerisches Gefühl der Sicherheit vermittelt.
    Das einzige, das diesbezüglich wohl einen nachhaltigen Effekt haben dürfte, wären die von mir bereits erwähnten, harten Strafen.
    D. h. jahrelange Haft plus lebenslanges Berufsverbot für den Betreiber.
    Und natürlich auch eine Geldstrafe, die sich gewaschen hat.

  10. 23.

    Mit "in dringenden Ausnahmefällen" meine ich etwas, das erst noch von Fachleuten konkretisiert werden müsste.
    Also beispielsweise einen dermaßen akuten Schädlingsbefall, dass man ihn auf den ersten Blick sieht bzw. eine Verunreinigung, die man sofort riecht.
    Es sollte häufige Kontrollen geben, doch nicht unbedingt regelmäßig, denn dadurch wären diese kalkulierbar.
    Und einzelne Personen können sich irren (oder gar bestechlich sein), bei zwei vollkommen unabhängig voneinander arbeitenden Kontrolleuren sehe ich dieses Risiko hingegen kaum.
    Nein, ich fürchte mich nicht vor dem Staat, da dieser bislang meiner Kenntnis nach noch nie in meiner Küche war.
    Obwohl... neulich war mein Sesamknäcke überraschend schnell alle... die Hand kann ich diesbezüglich also nicht ins Feuer legen.
    Noch Fragen?

  11. 22.

    Der Tagesspiegel benennt den Betrieb, Teile der Kunden sowie auch noch einen politisch interessanten Aspekt:
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/kakerlaken-und-ratten-in-neukoellner-baeckerei-der-gruene-senator-behrendt-traegt-eine-mitschuld-an-diesen-zustaenden/25619034.html

  12. 21.

    Lieber Kunde.
    Ich kann Ihre Erschütterung vollständig nachvollziehen.
    Auch ohne selbst Glied der Versorgungskette zu sein, sondern nur Endkunde/Verbraucher/Brotfresser.
    Aber Kopf hoch! SIE haben nichts falsch gemacht!!

    Zurecht verlassen wir uns alle auf die Kontrollen der einzelnen Glieder unserer Versorgungsketten.
    Diese Kontrollen müssen verstärkt werden, angekündigte wie auch unangekündigte.

    Alles zu kontrollieren wird mE aber nie funktionieren, gut so.

    Jeder, wir alle, ob Bäcker/Klempner/Informatiker/Mediziner/Ofensetzer/Krimiautorin 'verkürzen' gelegentlich bestimmte Teile des Produktionsvorgangs.
    Das macht vielleicht sogar den 'Profi' aus (hm,naja).
    Ein Grad an Schluder gehört wohl zum Handwerk, aber in diesem Fall ist der Wert der Überschreitung kaum noch zu beschreiben.

    (wie kann man nur...?????)

    Mein Bedauern geht auch an die Mitarbeiter!


  13. 20.

    NÖ.
    Gut dass es Kontrollen gibt, wir sehen ja was so ans Tageslicht kommt. Hygiene ist das eine, abgelaufene Zutaten noch eine ganz andere Seite, die (noch) wir nicht kennen.

  14. 19.

    Schon traurig, dass der RBB keine anderen Möglichkeiten zu Recherche hat und deshalb nur oberflächlich berichtet.

  15. 18.

    Was bitte meinne Sie mit 'außer in sehr dringenden Ausnahnmefällen .. Alarm zu schlagen' ?
    Und bedeutet 'wie in diesem Ausnahmenfall'?
    Was meinen Sie mit 'aufgrund irgendeines Irrtums oder aus irgendeiner Absicht heraus'?
    Stimmen Sie zu, dass es regelmässige Kontrollen geben muss, ja/nein?
    Wieso müssen zwei unabhängige Institutionen hygenische Missstände 'beweisen'?
    Sind Sie schlampig in Ihrer Küche? Haben Sie Angst vor dem Staat?

  16. 17.

    Ich stimme Ihnen zu Steffen. Ich bin seit Jahren Kunde vom o.g. Betrieb und schäme mich zu tiefst, diese Brote weiter verkauft zu haben. Ich fühle mich teilweise von diesem Betrieb betrogen, da diese Missstände bekannt waren und man selbst nichts davon mitbekommt. Pünktliche Lieferung, nettes Personal und dann so etwas. Wer weiß, wo noch solche Zustände herrschen. @ Waldfreund. Solche Kontrollen finden unangekündigt statt, dennoch fehlt das Personal, um diese in regelmäßigen Abständen durchzuführen. Ferner sollte Betriebe wie jene, wenn gravierende Missstände vorliegen, sofort geschlossen werden, um nicht, wie in meinem Fall, mindestens 4 Monate mit evt. verseuchtem Brot versorgt zu werden.

  17. 16.

    Das von Ihnen beschriebene dänische Model mag gut funktionieren für Restaurants, Imbiss-Läden und kleine 'Back'-Stuben.
    Im konkreten Fall handelt es sich um eine Gross-Industrie-Bäckerei. Dort helfen die smileys einfach garnicht. smiley

  18. 15.

    Ich finde das dänische Modell sehr gut, wo an jedem Lebensmittelgeschäft und Restaurant ein Aushang mit dem Ergebnis des letzten Hygienetests ausgehängt werden muss. Auf diesem gibt es leicht verständliche farbige Smileys mit dem Ergebnis für jeden Kunden direkt und ungeschönt sichtbar. Alleine diese Transparenz hat zu einer deutlichen Verbesserung der Prüfergebnisse geführt, weil sonst die Kunden fern bleiben.

  19. 14.

    Was diesehr häufigen Kontrollen betrifft:
    Wo sollte das dafür erforderliche Personal herkommen?
    Und ich bin dagegen, außer in sehr dringenden Ausnahnmefällen (wie diesem) Alarm zu schlagen.
    Zu Fehleinschätzungen (sei es aufgrund irgendeines Irrtums oder aus irgendeiner Absicht heraus) kann es immer mal wieder kommen und in solchen Fällen wäre jemand womöglich von heute auf morgen ruiniert.
    Also Zwansschließungen und öffentliche Bekanntmachungen/Warnungen grundsätzlich ja, doch nur in dringenden Fällen und vorzugsweise, wenn sie von mindestens zwei Institutionen als unabdingbar angesehen werden.

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