Pappeln am Jahn-Sportpark im März 2020. (Quelle: Thomas Draschan)
Bild: Thomas Draschan

Anwohner protestieren - Fallen im Jahn-Sportpark bald die Bäume?

Eine moderne Inklusions-Sportstätte soll im Jahn-Sportpark in Berlin-Prenzlauer Berg entstehen. Allerdings müssten dafür viele Bäume weichen. Anwohner laufen Sturm und sammeln Unterschriften gegen die Baupläne - der Senat wiegelt ab. Von Juliane Kowollik  

Die ersten Sonnenstrahlen des nahenden Frühlings ziehen die Menschen nach draußen in den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark in Prenzlauer Berg. Mütter mit teuren Kinderwagen schieben ihren Nachwuchs, die Pumper schwitzen an den Geräten, ein paar Läufer ziehen schnaufend ihre Runden. Die Eichhörnchen lassen sich kaum beeindrucken, Vögel streiten in den Bäumen.

Thomas Draschan im März 2020. (Quelle: Aleksandra Kwasnik)
Bild: Aleksandra Kwasnik

Wenn es nach Thomas Draschan ginge, bliebe hier alles beim Alten. Draschan ist Anwohner und hat eine Petition gestartet. Er ist ziemlich aufgebracht. "Ich kann nicht verstehen, wie ein derart idyllisches Naherholungsgebiet einfach platt gemacht werden soll", sagt er. "Es kann doch nicht sein, dass 2020, wo es jedes Jahr heißer wird und es kaum noch Abkühlung gibt, hier Beton auf die Wiese gekippt werden soll."

So versteht zumindest Draschan die Pläne der Berliner Senatsverwaltung für Sport und Inneres, die keinen Erholungspark vorsehen, sondern eine Inklusionssportstätte. Die 240 Bäume in der Mitte des Geländes und die Wiese müssten dann einer mehrstöckigen Sporthalle mit Verwaltungsetage und Gastronomie weichen. Auch ein Parkhaus steht zur Debatte.

Anwohner wollen Ruhe, Berlin will mehr Inlusion

Von der Senatssportverwaltung heißt es, es werde keinen Kahlschlag geben. Die Bäume am Rand blieben erhalten und Neupflanzungen seien geplant, wie bei jedem großen Projekt, heißt es auf Anfrage des rbb. Der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark habe nicht nur eine besondere Bedeutung für den Kiez, sondern für die gesamte Metropolregion Berlin als "überregionale und internationale Sport- und Veranstaltungsstätte". Sie solle Menschen mit und ohne Behinderung den Zugang zu Sport ermöglichen.

Noch sei keine Entscheidung getroffen, momentan prüfe man den Bedarf. Die Anwohner seien in einer Onlinebefragung einbezogen worden, genauso wie die Vertreter des Behindertensportverbands. Im Juni wird ein Bericht dem Abgeordnetenhaus vorgelegt, dann wird entschieden.

Friedrich Ludwig Jahn Sportpark in der Cantianstrasse im Berlin-Prenzlauer Berg (Bild: imago/Schöning)
Bild: imago stock&people

Das alte Stadion wird abgerissen

Was allerdings jetzt schon klar ist: Das alte BFC-Dynamo-Stadion mit seinen markanten Flutmasten wird abgerissen. Ende des Jahres werden hier die Bagger rollen, die Bäume in der unmittelbaren Nähe der Baustelle werden gefällt. Auch ein Bienenvolk muss dann weichen - ob es woanders unterkommen kann, ist bisher offenbar noch nicht geklärt. Es entsteht ein modernes und behindertengerechtes Stadion gleicher Größe - Abriss und Neubau sollen etwa 120 Millionen Euro kosten.

Im Jahr 2023 richtet Berlin die "Special Olympics World Games" aus, eine große Sportveranstaltung zur Inklusion für Menschen mit geistiger und körperlicher Beeinträchtigung. Nur bei optimalem Bauverlauf sei das Stadion rechtzeitig fertig, ansonsten müsse man ohnehin auf den Olympiapark ausweichen, heißt es aus der Senatsverwaltung für Inneres und Sport.

Pappeln am Jahn-Sportpark im März 2020. (Quelle: Thomas Draschan)
Bild: Thomas Draschan

Auch Wladimir Kaminer ist gegen die Baupläne

Der Stadionneubau ist beschlossen, der Bau der neuen Inklusionssportstätte dagegen befindet sich noch in der Planungsphase. Die Anwohner haben Hoffnung, diesen Bau und die Rodung der Bäume vielleicht doch noch verhindern zu können. Einen prominenten Unterstützer haben sie: Wladimir Kaminer, Autor und Erfinder der "Russendisko", blickt aus seinem Arbeitszimmer direkt auf den Park und das Stadion: "Wir brauchen die Bäume und den Park zum Sport treiben und zum Spazieren gehen. Ich war tausendmal mit meinen Kindern dort. Der Sport darf nicht wichtiger sein als das alltägliche Leben", ereifert sich Kaminer. "Die Senatsverwaltung hat diese Bäume nicht gepflanzt, sie hat kein Recht, sie wegzuradieren."

Ob es wirklich dazu kommen wird, ist unklar. Der Jahn-Sportpark soll laut Senatssportverwaltung ein Sportpark bleiben, "er bleibt im Kern wie er ist, nur moderner, inklusiver und vielseitiger", sagte ein Sprecher dem rbb.

Sendung: rbb88,8, 10.03.2020, 07:00 Uhr

Beitrag von Juliane Kowollik

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Antwort auf [Tim A.] vom 10.03.2020 um 21:35
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6 Kommentare

  1. 6.

    Ich find es gut das der alte Stasipark umgebaut wird .Erich Milke Prestige objekt braucht keiner mehr. Schönes neues muss her für alle.

  2. 5.

    Man kann das alte Olympiagelände nutzen.
    Es ist riesig und böte für alle notwendigen Gebäude eines Sportbetriebes im internationalen Ausmaß Platz. Auch für Parkplätze wäre gesorgt.

    Der Jahn Sportpark ist eine verkehrstechnische Nullnummer.

    Stadion abreißen und als Kompensation für diverse dem Mauerpark entnommene Flächen zuschustern, wäre eine äußerst vernunftbegabte Variante.

  3. 4.

    Leute! Bitte keine Fake-News, Pappeln können sehr alt werden: http://www.baumkunde.de/forum/viewtopic.php?t=15207

  4. 3.

    Ist Berlin, seiner Verwaltung und seinen Politikern noch zu helfen?
    Ich glaube nicht.
    Bitte nehmt die Übertreibung nicht wegen eines beliebigen -ismus auseinander.

  5. 2.

    Leute, das sind Pappeln! Die wurden in den 50er Jahren gesetzt, um möglichst schnell wieder etwas Grünes in der verwüsteten Stadt zu haben, zumal im Hungerwinter 1946 alles verbrannt worden war, was irgendwie nach Holz aussah.

    Lange halten die nicht mehr durch, denn Pappeln wachsen schnell und sterben früh. Über kurz oder lang brechen sie von selbst weg oder müssen wegen fehlender Standfestigkeit gefällt werden. Und was dann? Je früher robustere Bäume angepflanzt werden, desto besser.

  6. 1.

    Wird wahrscheinlich so hübsch wie der Betonklotz des "Europasportparks" mit den vertrockneten Apfelbäumchen. Im Vergleich zu den Bäumen im Jahn Stadion sehen die eher wie vertrocknete Sträucher aus.
    Wieso nicht gleich auf den Olympiapark ausweichen? Und vor Ort eine Variante für alle bauen - das geht auch inklusiv ;) im Sinne der Anwohnenden.
    Mit inklusivem open air Parcours :)

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