Archivbild: Ein Polizist steht am 31.03.2017 in Berlin im Bezirk Mitte an der Straße Unter den Linden. (Quelle: dpa/Wolfram Steinberg)
Video: Abendschau | 09.03.2020 | Norbert Siegmund | Bild: dpa/Wolfram Steinberg

Kriminalstatistik 2019 - Deutlich mehr Internetkriminalität und sexuelle Gewalt in Berlin

Die Zahl der Verbrechen, die im Internet begangen werden, ist in Berlin im vergangenen Jahr um 26 Prozent gestiegen. Das geht aus der aktuellen Kriminalstatistik hervor. Den Anstieg der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung nannte Innensenator Geisel "drastisch".

Die Kriminalität in Berlin hat im vergangenen Jahr leicht zugenommen. Die Zahl der Straftaten stieg um 0,3 Prozent auf 513.426 Fälle, sagte Innensenator Andreas Geisel (SPD) am Montag bei der Vorstellung der Berliner Kriminalitätsstatistik 2019 [berlin.de]. Das seien gegenüber dem Vorjahr 1.749 Fälle mehr. Weniger als die Hälfte (44,7 Prozent) konnte aufgeklärt werden.

Straftaten im Internet deutlich gestiegen

Einen Anstieg gab es besonders bei der Kriminalität, die mit Hilfe des Internets begangen wurde (39.988 Fälle, + 26,7 Prozent). Meistens ging es um Betrug. Gleichzeitig wurden mehr Einbrüche in Wohnungen und Keller angezeigt.

Die Zahl der registrierten Diebstähle ist allerdings 2019 leicht gesunken. Bei Taschendiebstählen (17.738 Fälle), Ladendiebstahl (34.718 Fälle) und Fahrraddiebstählen (28.711 Fälle) gab es einen leichten Rückgang. Ebenso waren die Gewalttaten, Widerstandshandlungen und Drohungen gegen Polizisten im vergangenen Jahr mit rund 6.600 Taten leicht rückläufig.

"Besonders betroffen" von sexueller Gewalt

Besonders betroffen zeigte sich Geisel wegen des drastischen Anstiegs von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Erfasst wurden insgesamt 4.809 Fälle, 628 mehr als 2018. Das entspricht einem Anstieg von 15 Prozent. Allein im Bereich Vergewaltigung und sexuelle Übergriffe registrierte die Polizei 1.431 Straftaten, ein Plus von 154 Fällen. 2.857 Tatverdächtige wurden ermittelt, davon waren knapp 96 Prozent Männer.

FDP: "Rekordhoch" bei Gewalt- und Sexualdelikten

Von einem "neuen Rekordhoch" bei Gewalt- und Sexualdelikten sprach der innenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Marcel Luthe. Rund 20 Prozent mehr Fälle von besonders schwerer Vergewaltigung, erneut über zehn Prozent mehr Raubüberfälle auf offener Straße und die Zunahme der Gewaltdelikte im ÖPNV würden eine deutliche Sprache sprechen. "Wer hier von bloßem "Sicherheitsgefühl" schwadroniert, verhöhnt die Opfer dieser widerlichen Taten", sagte Luthe in einer Pressemitteilung. "Berlin braucht dringend mehr objektive Sicherheit im öffentlichen Raum und keine zeitraubenden PR-Kampagnen des Senators auf Kosten der Polizei."

Auch politisch motivierte Kriminalität stieg an

Einen Anstieg gab es auch bei der politisch motivierten Kriminalität (PMK) auf insgesamt 4.464 Fälle, 198 mehr als 2018 (plus 4,6 Prozent). 599 Fälle (plus fünf) waren politisch motivierte Gewaltdelikte, davon wurden 153 von Rechts- und 257 von Linksextremisten begangen. Die Fälle rechter Kriminalität stiegen insgesamt um 143 auf insgesamt 1.932 Delikte. Davon waren 901 Propagandadelikte. Auch die Zahl linksextremer Straftaten stieg um 155 auf 1.389 Fälle.

Zudem wurden 281 antisemitische Vorfälle von der Polizei registriert. Davon gingen 230 Delikte auf das Konto von Rechtsextremisten, ein Fall wurde von einem Linksextremisten
begangen. 40 Fälle ordnete die Polizei unter "ausländische Ideologie", drei Fälle unter "religiöse Ideologie" ein.

Sendung: Inforadio, 09.03.2020, 11:45 Uhr

8 Kommentare

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  1. 8.

    Mich wundert in letzter Zeit gar nichts mehr.
    Hoffe ich zumindest.

  2. 7.

    In der Kriminalstatistik findet sich ein Durchschnittsschaden von €730 pro gemeldetem Fahrraddiebstahl. Da braucht man also gar nicht zu spekulieren oder anzunehmen. Es gab 28.711 Fälle, das ist immer noch zu viel aber weniger als ein Fall pro 100 Einwohner. Das wird sich natürlich von Kiez zu Kiez unterscheiden und die Dunkelziffer wäre auch interessant.

  3. 6.

    Wenn jemand sagt "man wird ja wohl noch sagen dürfen," dann ist das meist etwas, was man durchaus sagen oder fragen darf. Aber es als verboten darzustellen bringt natürlich Märtyrerstatus und lenkt ab davon, ob die Aussage Sinn macht. In diesem Fall kann man ganz einfach die Kurzfassung der Kriminalstatistik lesen, wenn man nicht auf die ausführliche Fassung warten möchte.

    In der Kurzfassung liest man dann von einer absoluten und prozentualen Abnahme der Verdächtigen "Zugewanderten" (Definition dieses Begriffs auf S. 32, nicht "Zugewandert" sind z.B. EU-Bürger) auf 8999 bzw. 7.2%. Mord und Totschlag fast unverändert bei 13 Fällen (3 davon vollendet), Ladendiebstahl rauf, Beförderungserschleichung runter, Drogen rauf.

  4. 5.

    Da muss nichts eruiert werden, seit 2015 heißt die Erklärung das es in der Gruppe der jungen Männer schon immer die höchsten Auffälligkeiten gab/gibt. Herkunft spielt da keine Rolle.

  5. 4.

    Warum sollte man als "Nazi" gelten, wenn man nach der Quote nicht deutscher Tätverdächtiger fragt, Satanus? Diese Zahlen werden sogar jährlich in der Kriminalitätsstatistik veröffentlicht.

    Im jahr 2018 waren es Berlinweit knapp 44% und Deutschlandweit 34,5%; abzüglich der ca. 5% an Straftaten, die nur durch Ausländer begangen werden können (Verstöße gegen das Ausländerrecht) ist allgemein zu konstatieren, dass die Quote recht hoch liegt.

    Hier ein Bericht aus 2019, der sich auf 2018 bezieht und sich kaum von der neuesten Statistik unterscheiden düfte.

    https://www.morgenpost.de/berlin/article216536323/Mehr-Einbrueche-und-Gewaltdelikte-gegen-Polizisten.html

  6. 3.

    Ohhh, diese Frage ist heutzutage politisch sehr heikel, man gilt schnell als Nazi, wenn man die Frage stellt. Das Ihr Kommentar eingestellt wurde, ist schon überraschend. Interessieren würde mich die Antwort aber auch.

  7. 2.

    Erschreckend. Das heißt ja fast 20 Taten gegen Polizisten und 4 Vergewaltigungen im Schnitt JEDEN Tag. Wenn man pro gestohlenem Rad ca. 100 ansetzt, kommt man selbst bei dieser von der Polizei eher belächelten Kategorie im Jahr auf knapp 3 Millionen €, ein Schaden, der vor allem diejeingen hart trifft, die auf das Rad als Fortbewegungsmittel angewiesen sind und sich nicht im Wochentakt ein neues kaufen können. Bei der EInschätzung stimme ich Herrn Luthe, auch wenn er von der FDP ist, vollkommen zu.

  8. 1.

    Was mir an dieser sog. Statistik fehlt, wie sich es verhält mit den Anteilen von deutschen und nicht deutschen Bürgern.
    Da sollte noch einmal erruiert werden.

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