Brand in der JVA Tegel (Quelle: Morris Pudwell)
Audio: rbb 88.8 | 27.03.2020 | Raphael Knop | Bild: Morris Pudwell

Brandursache noch unklar - Häftling stirbt bei Feuer in Berliner Gefängnis Tegel

Feuer im Gefängnis: Ein 42-jähriger Häftling ist in der JVA Tegel ums Leben gekommen. Die Brandursache ist noch nicht abschließend geklärt. In der Vergangenheit kam es in Berliner Gefängnissen immer wieder zu Bränden - oft gelegt von Häftlingen.

Bei einem Brand in einer Zelle der Justizvollzugsanstalt Tegel ist in der Nacht zum Freitag ein 42-jähriger Insasse ums Leben gekommen. Der Gefangene hatte in der Teilanstalt V eine lebenslange Freiheitsstrafe verbüßt. 21 Gefangene aus umliegenden Hafträumen wurden in Sicherheit gebracht, sagte Justizsprecher Sebastian Brux am Morgen. Nach bisherigen Erkenntnissen sei niemand schwer verletzt worden.

Nach Angaben der Feuerwehr war der Brand in einem Haftraum in der vierten Etage des achtgeschossigen Gebäudes ausgebrochen. Nach der Alarmierung kurz nach 3 Uhr bekämpften 70 Feuerwehrleute die Flammen. Der Einsatz dauerte einem Sprecher zufolge etwa zweieinhalb Stunden. Die Brandursache war noch unklar. Beamte des Landeskriminalamts nahmen die Ermittlungen auf.

Viele Fälle von Brandstiftung durch Häftlinge

In den vergangenen Jahren hatte es in den Berliner Gefängnissen Dutzende Male gebrannt. Im vergangenen Sommer sprach der Senat von 54 Bränden seit Anfang 2015. Meist handelte es sich demnach um Brandstiftung durch Häftlinge. In einigen Fällen waren aber auch kaputte Tauchsieder und vergessene brennende Kerzen der Grund für das Feuer.

Den Brand mit dem höchsten Schaden, rund 115.000 Euro, legte ein Gefangener am 3. Februar 2018 in Tegel. Der Mann hatte sich in seiner Zelle verbarrikadiert und dort ein Feuer entfacht. Wände, Decken, Fenster, der Flur sowie alle anderen Zellen und der Rest der Station wurden verrußt. Das Löschwasser der Feuerwehr beschädigte auch die darunter liegenden Stockwerke.

In Tegel sind etwa 800 Männer mit mittleren und langen Freiheitsstrafen sowie lebenslanger Haft untergebracht. Die Anstalt gehört mit einer Fläche von mehr als 130.000 Quadratmetern deutschlandweit zu den größten Gefängnissen. Einige Gebäude stammen noch aus der Anfangszeit von 1898.

Sendung: rbb 88.8, 27.03.2020, 7:30 Uhr

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3 Kommentare

  1. 3.

    Also was ich hier lese sind sachlich und wertfrei nachzulesende und auch nachzuweisen Statistiken der letzten Jahre..das hier Dargestellte ist nun mal passiert..niemand leugnet Vorkommnisse wie das schreckliche Gesehen rund um Oury Jalloh auch dieses Ereignis fand statt..letztlich geht es hier wenn dann nur um Wahrscheinlichkeitsrechnungen und die sich daraus ergeben Prozente... Und abschließend denke ich würde der RBB auch kritisch darüber berichten wenn es keine Brandstiftung durch einen Insassen gewesen ist sondern das was Sie ja hier letztendlich implizieren wollen..

  2. 2.

    Vielleicht mal richtig lesen, wo steht denn hier, das der Häftling der ums Leben gekommen ist den Brand selber gelegt hat?!? Bekommt Ihnen das HO nicht? "Viele Fälle von Brandstiftung durch Häftlinge" steht doch in einem völlig neuen Abschnitt und bezieht sich als Zusatzinformation zu dem Artikel auf die Historie. Verstehe ich nicht, was das Problem ist.

  3. 1.

    Und weil in anderen Fällen Häftlinge nachweislich Brände gelegt haben, müsse es naheliegen, dass das auch in diesem Fall so gewesen sei? Wieso diese Anspielung? Solange nichts abschließend geklärt ist, ist das blanke Spekulation und absolut unsachlich. Darüber hinaus sind in Gewahrsamszellen bei Polizei z.B. auch Menschen durch Brände ums Leben gekommen, ohne dass die Insassen einen Brand gelegt haben konnten, s. Oury Jalloh. Ein bisschen mehr Differenzierung wäre angebrachter, ohne den unmittelbar Betroffenen sofort eine Mitschuld zuzuschreiben. Auch in allen tatsächlichen Fällen von Bränden in JV-Anstalten wurden diese gerichtlich im Einzelfall geklärt, so wie es in einem Rechtsstaat vorgesehen ist. Sippenhaft ist Willkür und man verteidigt sie mit solchen unbedachten Artikeln. Es wird zudem länger auf Sachschäden eingegangen als auf die Auswirkungen auf Menschen, nicht nur gesundheitliche. Sind ja nur Knastis, nicht wahr? Menschenrechte gelten bedingungslos!

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