Ein Stethoskop hängt an zwei Falschen Desinfektionsmittel in der Berliner Charité (Bild: dpa/Daniel Bockwoldt)
Bild: dpa/Daniel Bockwoldt

Offener Brief zur Corona-Krise - Pflegekräfte von Vivantes und Charité fordern mehr Unterstützung

Schlechte Bezahlung, fehlende Tarifverträge, harte Arbeit - schon vor der Corona-Krise klagten Pflegekräfte über zu hohe Belastung. Weil die Situation in den Berliner Kliniken nun noch angespannter wird, müsse sich etwas ändern, fordern die Beschäftigten.

Beschäftigte der Berliner Krankenhäuser von Vivantes und Charité fordern von ihren Klinikleitungen, dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) und der Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) mehr Unterstützung in der Corona-Krise. Demnach bräuchten sie ausreichend Schutzkleidung, Desinfektionsmittel und die schnelle unbürokratische Einstellung von Personal, wie es in einem offenen Brief vom Dienstag [verdi.de] heißt.

"Es ist bereits absehbar, dass die vorhandenen Bestände nicht ausreichen werden", schreibt Silvia Habekost, Pflegekraft am Vivantes-Klinikum in Friedrichshain. Das Land müsse deswegen einen Weg finden, Masken, Schutzkittel, Schutzbrillen, Handschuhe und Desinfektionsmittel zu produzieren. Bayern und Baden-Württemberg hätten schon Produktionsstätten umgerüstet. Berlin müsse nun so schnell wie möglich nachziehen.

Gesundheitssystem sei vor der Krise kaputtgespart worden

Neben der Forderung nach Unterstützung appellieren die Beschäftigten an die Politik, ihre Expertise im Umgang mit dem Virus und der Infrastruktur wahrzunehmen. Sie schlagen der "Gesundheitssenatorin und weiteren politischen Entscheidern eine zeitnahe Beratung per Videokonferenz" vor.

Die Arbeit in den Berliner Kliniken sei nicht erst durch die Corona-Pandemie belastend geworden. Vielmehr hätten schon davor eine schlechte Bezahlung, fehlende Tarifverträge und die harten Arbeitsbedingungen das medizinische Personal an ihre "physischen und psychischen" Grenzen gebracht, heißt es im Schreiben weiter.

"Diese Kolleginnen und Kollegen, die nun auch noch durch den Kontakt mit Infizierten selbst einer hohen Gefährdung ausgesetzt sind, die selbst nach Orientierung suchen, erweisen sich in der Krise als verlässliche Stützen des Berliner Gesundheitswesens", führt Janine Balder, ver.di-Gewerkschaftssekretärin für Vivantes aus. Die Krankenhäsuer seien über Jahrzehnte "durch ein widersinniges Prinzip des Marktes" kaputt gespart worden, statt es ausschließlich an der Gesundheit der Bevölkerung zu orientieren.

Sendung: Inforadio, 25.03.2020, 15:00 Uhr

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16 Kommentare

  1. 16.

    Und wo kommt das ganze Geld her um das Gesundheitssystem zu finanzieren, wenn die Wirtschaft am Boden liegt?
    Hört sich menschlich alles toll an, aber wir haben auch keinen unendlichen Geldtopf dafür, man muss halt abwägen weil an irgendeiner Stelle muss dann gespart werden.
    Mal sehen ob das dann jeder noch so sozial sieht.
    Ganz ehrlich ich bin stolz auf unser Gesundheitssystem im Gegensatz zu Italien und Spanien und in Ansätzen Frankreich sieht man doch wie gut das bei uns funktioniert.

  2. 15.

    „Vom Klatschen kann man sich nichts kaufen“. Ihnen dürfte aber nicht entgangen sein, das unsere Politiker gerade dabei sind über finanzielle Erleichterungen bei Sonderprämien ohne Steuerabzüge zu beraten. Und das nicht nur für Pflegekräfte in den Krankenhäusern, sondern auch für die vielen fleißigen Kräfte in den Supermärkten. Das halte ich für sehr vernünftig. Zurück zum erstgenannten. Wenn viele Menschen durch das Ablaudieren ihren Respekt all den fleißigen Helfern in der Not bezeugen, kundtun, finde ich das sehr richtig und gut. Nicht jeder hat eine so schöne Stimme und stimmt ein schönes Lied an oder sitzt auf dem Balkon und musiziert zum DANK. Nochmal zum Mitschreiben: Wir alle sitzen im gleichen Boot.

  3. 14.

    Sie haben völlig Recht.

    Ein Tipp noch für die kitas: Werden Mittel gestrichen, unbedingt Antrag auf Leistungen aus dem Soforthilfepaket-I (Rettungsschirm) sowie Soforthile-II (ab Freitag) beantragen und mit der Hausbank sprechen. Es ist etwas möglich, wenn auch leider nicht im Ansatz das, was in den Medien für die breite Masse versprochen wird; aber das war in der Umsetzung noch nie anders.

    Es gibt viele Leute, die diesbezüglich helfen; ich biete in der besonderen Zeit kostenfreie Unterstützung für die Antragsverfahren an (siehe div. Beiträge zum Thema bei RBB). Ich darf hier nicht beraten, aber vielleicht kann der RBB eine Möglichkeit einräumen, wie man hier zusammenkommt und sich Unternehmer gegenseitig helfen können? Kommentare helfen, aber nur "allgemein" nicht individuell.

  4. 13.

    Das ist das Ergebnis von jahrelanger Sparpolitik und Privatisierung von Kliniken. Hier stiehlt sich der Staat aus seiner Verantwortung und wir müssen es ausbaden.
    Man sollte in dieser Situation aber nicht noch Kranke aus Italien einfliegen. Keiner weiß genau, wieviele Intensivbetten wir brauchen.

  5. 12.

    Und welche andere Partei wird das machen? Die CDU oder die FDP? Die kapital-gewinnorientierten Parteien? Ich lach mich schlapp. Sie machen sich lächerlich... Oder etwa die AfD?

  6. 11.

    Der RRG Senat ist einfach zu unfähig sich um die allerwichtigsten Probleme zu kümmern, das wird in dieser Krise wieder mal mehr als deutlich.

    Ich hoffe das dies so langsam JEDEM bewusst wird und sich bei der nächsten Wahl deutlich widerspiegelt !!!

    Alle die in der Gesundheitspflege, im Handel, in relevanten Berufen arbeiten, müssen besser bezahlt werden, denn gerade diese wie sich ja jetzt zeigt, halten derzeit das "normale " Leben am laufen und kümmern sich in aufopferungsvoller Weise darum das es irgendwie weitergeht.
    Einen riesigen Dank dafür und ganz großen Respekt !!!

    Unsere Politiker hingegen überlegen dagegen sich mal wieder ihre Diäten zu erhöhen, von Verzicht in dieser schweren Zeit keine Silbe, SCHÄMT EUCH !!!

  7. 10.

    In meiner Sicht ist staatspolitisch "Gesundheit der Bevölkerung" zwar kein ausschließliches Dogma (im Sinne von Polizeikontrolle ob jeder im Winter Schal-Mütze trägt, um sich nicht zu erkälten, geschweige denn ob im Sommer aufm FKK-Strand alle/s mit Sonnenschutz), aber wenn man die "Gesundheit der Bevölkerung" sagen wir mal als Doktrin vorstellt, da hätte man sicherlich schon längst mal feststellen können dass es gewisse Vorteile hat, ohne unbedingt viel mehr zu kosten. Spezifisch, wenn z.B. Mindestbetrag von um die 1.000 Euro für Rente mit Sozialzuschüßen (wie z.B. für "Essen auf Rädern"), dann wären kaum Krankheitsfälle wie weil Senior im Winter durchnäßt durch den Matsch zu einer Tafel-Stelle für einen Apfel, und dazu vielleicht wegen dieser Krankheit Pflegefall - also alles in allem viel mehr Kosten einfach nur weil man da gespart hat wo es eigentlich ein ziemlicher kritischer Punkt ist, während Senior im Regen an Tafel weit weg von Überlegungen wie z.B. Zahnzusatzversicherung.

  8. 9.

    Daumen hoch für alle vier Vorkommentierer und ganz besonder für Peter und Berliner Designer!!!

    Gruß, Hajakon

  9. 8.

    Danke, das stimmt.
    Ich sage dazu nur noch... Ein Herr Spahn. müsste nur 1-2 Tage in der Pflege arbeiten dann wüsste er was wir tun. Dann würde man sich vielleicht mehr für die Pflegekräfte tun, statt viel reden

  10. 6.

    Auch in den Wohneinrichtungen für Menschen mit Behinderungen wird Schutzkleidung und Desinfektionsmittel knapp. Mundschutz gibt es nur wenn ein Corona Fall bestätigt wird. Vorher ist man Husten und Niesen komplett ungeschützt ausgesetzt. Im schlimmsten Fall hat das Personal dann tagelang den Virus abbekommen.
    Vom Bürgermeister oder der Gesundheitssenatorin hört man überhaupt nichts dazu.
    Man fühlt sich einfach nur allein gelassen.

  11. 5.

    Sehe ich genauso!
    Wird sich aber leider auch durch Corona nicht ändern. Vergessen werden auch immer die Reinigungskräfte, die den ganzen Dreck wegmachen müssen!!!
    Letztendlich sind wir ALLE betroffen.

  12. 4.

    Nicht nur die Pfleger brauchen Unterstützung. Was ist mit den Supermarktmitarbeitern, dem Personal in den Arztpraxen? Lkw-Faher die die Lebensmittel bringen dürfen derzeit fast nirgendwo auf die Toilette oder gar duschen. Das Personal in den Kitas, die die Notbetreuung machen fehlt es ebenso an Schutzkleidung und Desinfektionsmitteln. Und sie sind noch näher am Kind.
    Zum Thema Kita: Als Dank für die zwangsweise Kita-Schließung und Notbetreuung sollen jetzt den Kitas die Gelder vom Senat gekürzt werden. Begründung: es sind ja derzeit weniger Kinder zu betreuen. Wie die Kitas dann Personal und Räume finanzieren sollen ist deren Sache. Zu dieser Politik fehlen einem zunehmend die Worte.

  13. 3.

    Pflege Kräfte sollten 4K Brutto bekommen und es sollten genug von ihnen in den Krankenhäusern arbeiten. Unterbesetzung und Unterbezahlung ist Gift für die Patientenversorgung. Vom Klatschen können die sich auch nichts Kaufen!

  14. 2.

    In Berlin und mit diesem Senat geht alles langsam voran. Manchmal auch gagnicht.
    Die Gesundheits Senatorin hätte sich vielleicht vor einiger Zeit darum bemühen müssen..

  15. 1.

    Berlin und Brandenburg sollen endlich selber Masken, Schutzkittel, Desinfektionsmittel usw. herstellen. Der Markt versagt das sieht man doch. Also Ärmel hochkrempeln und vielleicht eine PPP gründen.

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