Symbolbild: Das Kunstwerk "Zeitfeld" von Klaus Rinke im Volksgarten. Die Uhren zeigen auf kurz nach zwei Uhr in der Nacht. (Quelle: dpa/Fabian Strauch)
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Ab Sonntag gilt Sommerzeit - Wie man die Zeitumstellung trotz Corona-Krise meistert

Für viele ist es ein Graus: die Umstellung von Winter- auf Sommerzeit. Sie fühlen sich danach tagelang müde und schlapp - das könnte sich in Corona-Zeiten noch verschlimmern. Doch Experten haben Tipps parat. Offen ist, ob es die letzte Zeitumstellung sein wird.

Was Sie jetzt wissen müssen

Das Wichtigste vorweg, weil man es immer wieder vergisst: In der Nacht auf Sonntag (29. März) werden die Uhren um 2 Uhr auf 3 Uhr vorgestellt, wir verlieren also eine Stunde Schlaf. Der Anfang der Sommerzeit bringt es mit ich, dass es zunächst morgens später hell wird, das ändert sich erst in einigen Wochen. Dafür bleibt es aber schon am Sonntag abends länger hell.

Ganz grundsätzlich hat die Zeitumstellung Auswirkungen auf den Biorhythmus vieler Menschen. Einer Studie der Universität Erlangen-Nürnberg zufolge senkt die Umstellung auf die Sommerzeit vorübergehend sogar die Lebenszufriedenheit. Daniel Kühnle, Statistiker an der Universität Erlangen, hat die entsprechende Langzeitstudie begleitet und erklärt: "Zum einen fehlt vielen Menschen nach der Zeitumstellung eine Stunde Schlaf, was kurzfristig die Stimmung und Aufmerksamkeit beeinflussen kann."

Darüber hinaus benötige der Körper etwas Zeit, sich an den neuen Rhytmus zu gewöhnen, sagt Kühnle. Er bezeichnet die Zeitumstellung als einen Mini-Jetlag, für dessen Überwindung viele Menschen ein paar Tage bräuchten. "Genau das finden wir auch in unserer Studie, und zwar dass die Lebenszufriedenheit in der Mitte der Woche nach der Zeitumstellung ihren Tiefpunkt erreicht und sich dann allmählich wieder erholt", so Kühnle.

Neue Möglichkeiten durch Homeoffice

In der Studie, die Jahre vor der Corona-Pandemie durchgeführt wurde, gaben viele Befragte vor allem Müdigkeit und quengelnde Kinder als Grund für ihre größere Unzufriedenheit an. Beide Aspekte spielen bei vielen Menschen derzeit auch ohne Zeitumstellung eine große Rolle. Die Sorge vor einer Infektion, die geschlossenen Schulen und Kitas, soziale Distanzierung, eingeschränkte Aufenthalte im Freien - all das kratzt schon seit Wochen an der Lebenszufriedenheit.

Immerhin: Viele Menschen arbeiten momentan von zu Hause aus und ersparen sich dadurch die zeitraubende Fahrt zur Arbeitsstelle. Somit können viele etwas länger schlafen und auch Stress in der U-Bahn oder im Straßenverkehr umgehen. Und die Arbeit lässt sich - insofern man keine zeitgebundenen Schichten im Homeoffice absolvieren muss - zeitlich flexibler gestalten.

Unabhängig von Ausnahmesituationen wie sie derzeit herrschen appellieren die Forscher der Universität Erlangen ohnehin an die Arbeitgeber, zumindest in den ersten Tagen nach der Zeitumstellung flexibel auf die Situation zu reagieren. "Als Beispiel wäre zu nennen, keine wichtigen Termine in die Morgenstunden nach der Zeitumstellung zu legen oder nach Absprache eine Woche Gleitzeit zu gewähren", empfahl Daniel Kühnle schon nach der Studienveröffentlichung im Jahr 2016.

Lieber Fantasiereisen statt News-Schlagzeilen

Schon seit Jahren rät Hans-Günter Weeß, Leiter des Schlafzentrums am Pfalzklinikum, vor der Zeitumstellung Tag für Tag ein paar Minuten früher ins Bett zu gehen. Viele Menschen haben derzeit allerdings Einschlafschwierigkeiten, weil ihnen Sorgen vor dem Coronavirus und dessen Folgen durch den Kopf gehen. Ihnen rät Weeß: "Gerade in Corona-Zeiten sollten wir vor dem Schlafen keine Schreckensnachrichten mehr lesen, die uns aufwühlen." Besser sei es, sich mit schönen Dingen zu beschäftigen: "Alles ist geeignet, was uns Sicherheit und Geborgenheit vermittelt. Denn diese Gefühle helfen uns zur inneren Ruhe zu kommen."

Rituale sind ebenfalls gut: Entspannungsübungen, ein Hörbuch, eine Fantasiereise machen, ein Buch lesen - allerdings besser keinen spannenden Krimi. Menschen, die derzeit viel im Homeoffice arbeiten, sollten dies tagsüber nicht im Schlafzimmer tun, so Weeß: "Sonst denken wir vor dem Schlafen an unerledigte Dinge."

Zeitumstellung sollte 2021 aufgegeben werden

Wie lange den Europäern die Zeitumstellung erhalten bleiben wird, bleibt indes offen. In einer EU-weit durchgeführten Umfrage hatte sich eine breite Mehrheit für die Abschaffung der Umstellung ausgesprochen. Obwohl diese Umfrage weder bindend noch repräsentativ war, legte die EU-Kommission im September 2018 einen Entwurf für eine Richtlinie zum Ende der Zeitumstellung vor. Das Europäische Parlament stimmte dafür, die Zeitumstellung nach dem Jahr 2021 aufzugeben. Doch nun müssen die Mitgliedstaaten sich im Rat festlegen, und dort hakt es.

Kroatien hat als aktuelles Vorsitzland des EU-Rats keinerlei Absicht, einen Beschluss dazu voranzutreiben. Im zweiten Halbjahr 2020 übernimmt Deutschland die EU-Präsidentschaft - und hat ebenfalls "keine konkreten Planungen" in dieser Frage, wie es von EU-Diplomaten heißt.

In Deutschland gibt es die Sommerzeit übrigens schon seit 1980. Ursprünglich sollte dank einer besseren Ausnutzung des Tageslichts Energie gespart werden. Tatsächlich gibt es keinen Nachweis, dass dies durch die Zeitumstellung in relevantem Maß gelingt. Vom Umweltbundesamt heißt es dazu: "Zwar wird durch die Zeitumstellung im Sommer tatsächlich abends weniger häufig das Licht angeknipst - im Frühjahr und Herbst jedoch wird in den Morgenstunden auch mehr geheizt. Das hebt sich gegenseitig auf."

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31 Kommentare

  1. 30.

    Tagesschau bei Sonnenschein; Vorhänge zu damit man die Sendung besser verfolgen kann; einfach Unsinn. Da sich die Umstellung nicht ökonomisch rechnet soll man die MEZ ganz baldigst beibehalten. Ärzte halten von dem Quatsch auch nichts. Man geht abends oft zu spät ins Bett um dann doch die eine Stunde früher rauszumüssen. Dazu kommt dann, dass es Betriebe gibt, die ab April zusätzlich 1 Stunde früher mit der AZ beginnen.

  2. 29.

    Der Biorythmus aller Lebewesen und der Menschen in Mitteleuropa ist am Besten in der Normalzeit MEZ gemessen, da die Zeitmessung der Menschen sich nach dem regionalen Sonnenstand und den Zeitzonen nach Längenmaßen über den Globus verteilt. Sehn sie, mit der Zeitumstellung fangen die Probleme an, unausgeschlafen Denken zu müssen. Wir müssen uns wie alle Lebewesen nach der Natur richten und nicht nach der falsch manipulierten HandyUhrenZeit. Die willkürliche "Sommerzeit" ist zum Nachteil der Menschen und echte Fehlleistung: zu Beginn der "Sommer"zeit ist mit kalten Temperaturen heute der Winter mit Schneefall zurückgekehrt...

  3. 28.

    Die Teitumstellung gehört abgeschafft. Was soll das Theater, es hat sowieso keinen produktiven Nährwert. Tiere haben eine innere Uhr, so wie wir Menschen auch. Es ist erwiesen, dass bei der Zeitumstellung eine höhere Rate an Unfällen mit Wildtieren verzeichnet werden, denn diese gehen trotzdem um z.B. 5 Uhr ihren Weg, auch wenn es für uns Menschen schon 6 Uhr ist. Der Biorhythmus ist durcheinander, denn diesen kann man nicht umstellen, zumindest nicht sofort. Also Bitte ....

  4. 27.

    Also... es ist toll, dass wegen 1 Stunde andere Probleme in den Hintergrund rücken.
    Der Deutsche schläft von und bis - jede Abweichung davon stellt die Welt für Tage so auf den Kopf, dass der Arbeitgeber Rücksicht zu nehmen hat...
    Au weia - dit is ja sooooo deutsch!
    Hoffentlich sind die so stark Betroffenen nie in einer Situation, in der ein Abend o. eine Nacht mal länger wird - die Folgen für die Weltwirtschaft wären gravierend und das Ende wäre nah...

  5. 26.

    @ M. Haas aus Berlin:

    Ganz wichtig war Ihr Hinweis auf den Biorhythmus andere Lebewesen!! Meinen Sie ernsthaft, dass Tiere sich nach einer Uhr richten?? Glauben Sie ernsthaft daran, dass ein Hahn nach der Zeitumstellung vor dem Krähen auf seine digitale Funkuhr guckt, bevor er kräht?? Falsch, der kräht dann, wenn es hell wird - und das bestimmt der Lauf der Sonne.

    Und hier behaupten viele, dass sie nach der Umstellung wochenlang Probleme hätten. Das ist definitiv eine MINDERHEIT, die es anderen vermiesen wollen. Eines der größten „Hobbys“ der Deutschen ist MECKERN - leider!!!

  6. 24.

    Fällt die Zeitumstellung jetzt wegen Corona doppelt so groß aus? Was soll diese unsinnige Verknüpfung mit Corona? Ich möchte daran erinnern, dass es auch Menschen gibt, die eine Zeit ohne Umstellung gar nicht erlebt haben, die erst nach der Einführung von Sommer/Winterzeit geboren wurden. Zu denen zähle ich ich. Für mich ist der Sommer-Winterzeit-Rythmus Normalität. Wenn man sich jetzt fürs ganze Jahr für eine Zeit entscheiden müsste, dann hätte es, egal wofür man sich entscheidet, in der jeweils anderen Jahreshälfte Nachteile. Der Sommer-Winterzeit-Rythmus funktioniert meiner Meinung nach sehr gut. Dummerweise muss man etwas nur lange genug wiederholen (in diesem Fall die Forderung nach der Abschaffung), bis es irgendwann ein jeder nachplappert. Diese 1 Stunde kann doch nicht wirklich DER Grund sein, diesen Rythmus aufzugeben.

  7. 23.

    "In Deutschland gibt es erst ab 1878 die gemeinsame Zeit..." Ich ergänze mal kurz zu dieser für Deutschland historischen Einheitszeit: Die wurde 1893 für das gesamte Deutsche Reich eingeführt. Und wer hats gemacht? Die Eisenbahn! Die hat heute mit dieser 1 Stunde weg und im Herbst 1 Stund mehr organisatorisch auch zu kämpfen. Züge fahren ab und kommen an in einer Zeit, die eigentlich gar nicht da ist...

  8. 22.

    Danke, der sinnvollste Kommentar bisher!
    Für mich ist die nicht die Zeitumstellung ein Graus - die eine Stunde habe ich an einem Tag wieder aufgeholt - aber mich nervt es total, dass es abends jetzt bis halb oder um elf dauert, bis es einigermaßen dunkel wird. Wer "mehr vom Tag haben" will, kann doch eine Stunde eher aufstehen und dafür eine Stunde eher nach der Arbeit nach Hause kommen, dank Gleitzeit, die in vielen Berufen heutzutage möglich ist.
    Sommerzeit ist für mich Depressionszeit.

  9. 21.

    Da widerspricht die Physik, jeder Tag hat immer 24 Stunden.
    Und dem Tag ist es völlig egal was Sie daraus machen.

  10. 20.

    Der morgige (Umstellungs)Tag hat leider nur 23 Stunden aufgrund der Zeitumstellung. Ab Montag sind es dann wieder 24 Stunden.

  11. 19.

    Sie wissen schon, dass es neben Ihnen auch noch Menschen gibt, die derzeit arbeiten müssen? Und sich mit der Zeitumstellung zusätzlich zu dem ganzen "Coronastress" auch noch herumplagen dürfen? Von denen sich viele tatsächlich wochenlang müde und schlapp fühlen werden?

  12. 17.

    Ich freue mich jedes Jahr wieder auf die Sommerzeit. Endlich hat man nach dem Feierabend noch was vom Tag. Ohne Sommerzeit würde es im Sommer bereits gegen halb vier Uhr morgens hell werden. Wer braucht das, frage ich mich?

  13. 16.

    Wochenlang werde ich mich jetzt wieder müde und schlapp fühlen, wie Millionen andere Menschen, für die die Zeitumstellung gerade im Moment eine kaum mehr zu ertragende Belastung darstellt: Womöglich muss man ab Sonntag eine Stunde früher damit beginnen, auf der Couch herumzuhängen oder belanglose Filmchen im Internet anzuschauen. Da sollte die UNO eingreifen!

  14. 15.

    Zeitumstellung abschaffen - ja, bitte! Sie bringt nichts und belastet nur (vor allem Menschen, die wie ich chronobiologisch zu den "Eulen" zählen - nur eine Minderheit gehört übrigens zu den "Lerchen"). Normalzeit das ganze Jahr über, so wie es bis 1980 der Fall war, und gut ist!

    Wer jetzt heult, daß er im Sommer abends aber gerne im Hellen sein Bier trinken möchte, und darum eine permanente Sommerzeit fordert, der sollte sich überlegen, ob er dann im Winter tatsächlich bis gegen zehn warten möchte, bis es endlich hell ist (Sonnenaufgang bedeutet ja nicht schlagartig hell, das kommt ja erst sukzessive, gelt?). Außerdem gibt es seit ein paar Jahren diese lustige Erfindung namens Lichterkette - die macht den Biergarten auch an dunklen Sommerabenden stimmungsvoll gemütlich. Entscheidender ist da doch wohl die Außentemperatur.

  15. 14.

    Was hat Zeitumstellung mit corona zu tun? Dem rbb ist nichts zu lächerlich um es zu berichten.

  16. 13.

    Dieser Blödsinn mit der Zeitumstellung gehört endlich abgeschafft.

  17. 12.

    Bitte schafft endlich diese Zeitumstellung ab brauch keiner und will auch keiner!
    Es ist auch nur nervig sich wieder an eine Stunde weniger gewöhnen.

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