Michael Müller bei der Senats-PK am 21.04.2020 (Bild: imago images/Reiner Zensen)
Audio: Inforadio | 22.04.2020 | Michael Müller im Interview | Bild: imago images/Reiner Zensen

Erste Details zur Ausweitung der Betreuung - Berliner Kitas sollen deutlich vor August komplett öffnen

Der Berliner Senat arbeitet an einem Kita-Fahrplan, um noch vor August zum Normalbetrieb zurückzukehren. Nach ersten Lockerungen in einigen Bereichen fordern immer mehr Eltern-Initiativen stärkere Unterstützung bei der Kinderbetreuung.

Die Kitas in Berlin sollen deutlich vor dem zuletzt anvisierten 1. August wieder für alle Kinder öffnen. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) bekräftigte am Mittwoch im Inforadio vom rbb dieses Vorhaben. "Es war uns sehr wichtig, dass es vor August wieder ein flächendeckendes Angebot gibt", so Müller.

Viele Eltern fühlen sich mit der Betreuung ihrer Kinder überfordert, weil sie unter anderem gleichzeitig noch aus dem Homeoffice arbeiten. Vor diesem Hintergrund hatte der Senat am bereits am Dienstag beschlossen, ab dem 27. April die Notbetreuung für Angehörige bestimmter Berufsgruppen auszuweiten. Details gab Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Mittwoch bekannt.

100 Berufe gelten künftig als systemrelevant

So gilt der Anspruch künftig für alle Familien, in denen mindestens ein Elternteil einen in der Corona-Krise als systemrelevant eingestuften Beruf ausübt. Bisher mussten dafür zum Teil beide Elternteile in einer solchen Berufsgruppe arbeiten. Die entsprechende Liste wurde zudem erweitert, so um Logopäden, Zahntechniker oder Frachtpersonal auf Flughäfen. Sie umfasst nunmehr um die 100 Berufe in 14 Berufsgruppen, die nach mehreren Erweiterungen inzwischen weit über die ursprünglich definierten Kerntätigkeiten etwa bei Polizei, Feuerwehr oder im Gesundheitswesen hinausgehen.

Eine wichtige Neuerung ist, dass auch Alleinerziehende, von denen sich besonders viele überfordert fühlen, ihre Kinder tagsüber wieder abgeben können. Als alleinerziehend gelten Mütter oder Väter, die ledig, verwitwet, dauernd getrennt oder geschieden sind und nicht mit einem anderen Erwachsenen, jedoch mit ihrem Kind zusammenleben. Generell gilt weiterhin: Wer das Notangebot in Anspruch nehmen will, muss glaubhaft machen, dass er keine andere Möglichkeit der Kinderbetreuung hat.

Zudem dürfen sich Eltern ab Montag in privaten Betreuungsgemeinschaften mit bis zu drei Kindern gegenseitig unterstützen, auch die Hilfe von Nachbarn oder Verwandten sei zulässig, so die Senatsverwaltung.

Anspruch für alle Alleinerziehenden

Eine wichtige Neuerung ist, dass auch Alleinerziehende, von denen sich besonders viele überfordert fühlen, ihre Kinder tagsüber wieder abgeben können. Als alleinerziehend gelten Mütter oder Väter, die ledig, verwitwet, dauernd getrennt oder geschieden sind und nicht mit einem anderen Erwachsenen, jedoch mit ihrem Kind zusammenleben. Generell gilt weiterhin: Wer das Notangebot in Anspruch nehmen will, muss glaubhaft machen, dass er keine andere Möglichkeit der Kinderbetreuung hat.

Von den rund 170.000 Kitakindern in Berlin hatten laut Familiensenatsverwaltung bisher etwa 20.000 Kinder einen Anspruch auf Betreuung, also etwa zwölf Prozent. Tatsächlich sind etwa 8.000 bis 9.000 Kinder in der Notbetreuung, jedoch nicht alle jeden Tag.

Betreuung in möglichst kleinen Gruppen

Scheeres gab den Trägern in zwei Schreiben Empfehlungen zum Gesundheitsschutz beim Kita-Betrieb in Corona-Zeiten. So soll die Betreuung in möglichst kleinen Gruppen stattfinden, was je nach räumlicher Situation unterschiedlichste organisatorische Maßnahmen erfordere. Denkbar seien Vormittags- und Nachmittagsgruppen oder eine Betreuung an versetzten Wochentagen.

"Viele Eltern sind nach vier Wochen Corona-Maßnahmen und der Doppelbelastung von Beruf und Kinderbetreuung am Rande ihrer Kräfte. Mit dem ersten Öffnungsschritt gehen wir so weit, wie es angesichts der Corona-Entwicklung derzeit möglich ist", sagte Scheeres.

Nach dem Willen der FDP soll der Senat innerhalb der nächsten zwei Wochen einen Fahrplan erarbeiten. "Eine Lösung wäre es, zunächst mit kleinen redundanten Gruppen in den Kitas zu beginnen - maximal fünf Kinder pro Gruppe. Diese sollen zusätzlich zu der bisherigen Notbetreuung stattfinden und nicht mit den Kindern aus der Notbetreuung gemischt werden", sagte der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Paul Fresdorf, am Mittwoch. Das böte den Kindern die Möglichkeit, soziale Kontakte zu pflegen.

Elternverbände: Politische Unterstützung nicht ausreichend

Für die Gründerin der Initiative Kita-Krise Berlin, Katharina Mahrt, ist die politische Unterstützung für die Eltern bislang nicht ausreichend. Aus diesem Grund startete Mahrt eine Petition und wandte sich an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). "Ich fordere, dass Eltern mit kleinen Kindern eine Notfallzahlung von 1000 Euro erhalten", sagte sie. So könnten die schlimmsten Verdienstausfälle ausgeglichen und eventuell professionelle Einzelbetreuung organisiert werden. Am Mittwochnachmittag hatten rund 36.000 Menschen die Petition unterschrieben.

Aus Sicht der Vorsitzenden des Landeselternausschusses Kita, Corinna Balkow, ist eine solche Zahlung zwar hilfreich, jedoch auch nicht für alle Eltern die Lösung. "In der Priorisierung der Berliner Eltern liegen praktische Hilfen und Betreuungsoptionen vor finanziellen Hilfen", sagte sie. Insgesamt gebe es sehr unterschiedliche Bedürfnisse der Familien, die allesamt berücksichtigt werden müssten. Manche Eltern könnten oder wollten die Kinder aktuell nicht in die Kita geben und benötigten daher finanzielle Unterstützung oder arbeitsrechtliche Hilfe - etwa ein Recht auf Home-Office oder einen Kündigungsschutz.

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26 Kommentare

  1. 26.

    Ich DANKE DIR für diesen konstruktiven Text!!!
    Diejenigen, die hier unreflektiert alle Eltern kritisieren, scheinen vergessen zu haben, dass sie selbst einmal Kinder waren. Und ohne ihre eigenen Eltern hier GAR KEINE Stimme hätten, um so widerlich egoistische, kinder- und elternfeindliche Kommentare da zu lassen.

  2. 25.

    Sterben die Menschen an Corona oder mit Corona? Da können Sie jeden Pathologen - also Leute, die Ahnung davon haben - fragen.

  3. 24.

    Genau so ist es!
    Wir sollen soziale Kontakte vermeiden.
    Ich bin "erst" über 50, sehe meine Kinder und Enkelkinder seit Wochen nur vom Erdgeschossfenster aus und soll nun 10 fremde Kinder betreuen, ohne Maske, mit Hautkontakt,trösten, singen, spielen uvm.
    Was denken sich denn die Eltern????

  4. 23.

    Dem kann ich nur zustimmen, genau meine Meinung.
    Kinder bekommen, aber andere sollen das Leben der Eltern richten.

  5. 22.

    Was die Erzieherinnen in der Notbetreuung tun? Sie arbeiten, in der Notbetreuung, an den Konzepten, bilden sich fort und zerbrechen sich den Kopf, wie es weitergehen wird...
    Ich bin Leiterin einer Kita. Wir haben, bei Erweiterung der Notbetreuung 40 von knapp 60 Kindern, im Elementarbereich betreuen wir normalerweise 12 Kinder pro Erzieher, nun sollen es 5 Kinder sein, schön, davon träumen wir schon lange, eine Personalverbesserung von über 50%. Nur, wo soll ich die Erzieher hernehmen, die nun die Kinder in "Kleingruppen" betreuen? Auch wir Erzieher_innen haben Familie und machen uns Gedanken, in was für Infektionsketten wir hinein geraten. Ich werde ab 27.4. Kontakt zu ca 100 Personen haben, mein eigenes Kind wird auch in die Notbetreuung gehen müssen, da ich ja andere Kinder (gern) betreue. Und das Kinder eine Infektionsquelle sein können, dürfte ja inzwischen bekannt sein. Wird ein Kind oder Kollege an Covid19 erkranken, ist die Kita dicht.

  6. 21.

    Die Lösungen sind wenig Innovativ. Wieso wird nicht schon längst das potential freigestellter Erzieherinnen genutzt, um zumindest rudimentär Formate anzubieten. Was machen die Erzieherinnen gerade die nicht in der Notbetreuung sind? Wir haben kein einziges digitales Angebot bekommen. Es wäre auch eine Einzel- oder Geschwisterbetreuung möglich die allen Eltern reihum zugute kommt, die das einen Tag wünschen. Nochmal, was macht das Kita-Personal aktuell, dass an der Notbetreuung teilnimmt? Auch wenn alles wieder geöffnet ist starten dann die Schließzeiten zu den Sommerferien, könnte man die nicht kürzen indem man den Urlaub vorzieht?

  7. 20.

    Genau! Seit wann gehört ein Auto kaufen zum täglichen Bedarf?? Natürlich werden die Fallzahlen in den nächsten Wochen steigen, aber bestimmt nicht wegen der Kinder, sondern all derer, die unbedingt jetzt Sachen anprobieren und shoppen müssen. Deutschland ist ein rein konsumorientiertes Land, wo Absatz und Umsatz zählen. Mit kinderfreundlich hat das nix zu tun; zeigt sich jetzt in der Krise besonders deutlich. Die geschaffenen ITS Plätze werden auch nicht aus Empathie an die „europäischen Freunde“ vermittelt sondern für Geld verkauft. Und Kinder „schafft“ man sich auch nicht an. Auch will sich keiner aus der Verantwortung stehlen. Ich kann‘s nicht mehr hören. Ohne Kinder keine Gesellschaft und Zukunft. Die Kinder sind so ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft, der seit Wochen ohne Grundlage weggesperrt werden. Medizinisch bewiesen ist nix. Schämen sollten sich viele, die die Rechte der Kinder so mit Füßen treten.

  8. 19.

    Hä ? Was haben Baumärkte oder sonstige Läden mit Kitas zu tun ? Und woher wollen Sie wissen was jemand kauft ? Sie haben ja sonderbare Gedankengänge.
    Die Kinder werden es verkraften, zumal die typischen Helikoptereltern sowieso im Homeoffice sind.
    Die Kinder kommen klar, die Spielen nämlich zu Hause mit anderen Kindern oder aufm Grundstück im Garten.

  9. 18.

    Die Idee, die Kinder in kleinen Gruppen in Kohorten und alternierend halbtags und an versetzten Wochentagen zu betreuen, finde ich eine gute Alternative. So können Eltern zumindest für eine kurze Zeit entlastet werden und Kinder wieder mit gleichaltrigen spielen. Eine Mund-Nasenschutz ist auch für kleine Kinder ab 3 machbar. (Wird in der Kinderonkologie auch praktiziert)

  10. 17.

    Diese ganze Themaitik wird stets von der falschen Seite beleuchtet. Selbst bei den angestrebten Öffnungen der Kitas wird diese mit Entlastung der Eltern begründet. Dabei liegt der Kern dieser Problematik ganz woanders. Im Gegensatz zu Erwachsenen, die das ganze Lebem Zeit haben erwachsen zu sein, ist eine Kindheit zeitlich eng begrenzt. Ein Jahr im sozialen lock down für Erwachsene ist hart aber hinnehmbar. Ein Jahr im sozialen lock down für Kinder ist eine Katastrophe mit unwiederruflichen Folgen.
    Ich verstehe die Problematik des Ansteckungsrisikos in Kitas. ABER: Es ist die Verantwortung der Erwachsenen. Öffnet die Kitas und Schulen und schließt für jede Kita 3 Baumärkte, 3 Autohäuser und hört auf zu dieser Zeit Autos zu produzieren, die jetzt sowieso keiner kauft !

  11. 16.

    Vielleicht sollten sich die Damen und Herren Eltern mal überlegen, dass Familiengründung und Erziehung keine Frage von Ansprüchen, sondern von übernommene Veratwortung ist, die nicht mit Zeugung und Geburt erledigt ist! Immer nur nach anderen schreien, die dann machen sollen, wozu eigentlich Eltern da zu sein haben, ist armselig und lässt tief blicken. Kinder sind zu schade, um nur zu einem Addon für Ego- und Karrieredenken degradiert zu werden.

  12. 15.

    Kitas und Schulen sind in einer Pandemie Pandoras Büchsen. Geschlossen gut. Geöffnet schlecht. Da können Sie jeden Virologen - also Leute die Ahnung davon haben - fragen. Ebenso jede andere Gemeinschaftseinrichtung wie etwa Tanzlokale.

  13. 14.

    "Viele Eltern sind (...) Doppelbelastung von Beruf und Kinderbetreuung am Rande ihrer Kräfte" gut dann fragen Sie mal die an Corona gestorbenen, ob die auch am Rande ihrer Kräfte sind. Scheint jedenfalls so.

  14. 13.

    Ich krieg ne Krise.
    Nur noch von Öffnen ist die Rede. Menschen über Menschen auf den Straßen.Leider dann wohl bald auch Menschen über Menschen im Krankenhaus.
    Es geht so nicht.
    Ich habe zwar kein Kindergartenkind zu Hause, aber ein Schulkind. Und arbeite zuhause. Ja, es ist nicht ideal und mal liegen die Nerven blank, aber es ist notwendig. Ich könnte mein Kind in die Notbetreuung geben, mache ich aber nicht. Oberste Regel Kontakt vermeiden. Und das gilt noch ganz lange!!!!!!!

  15. 12.

    Wenn das gesetzlich so geregelt ist, dass Du als Berufstätiger nur noch die Pflicht hast, Deine Kinder abends ins Bett zu bringen, und jetzt selbst dafür sorgen musst dass die Kits umsorgt werden, dann paart sich Desinteresse mit Ahnungslosigkeit und führt in eine starke Krise!!

  16. 11.

    Sorry, aber dein Kommentar zeigt mal wieder, dass du nichts kapierst. Kinder werden nicht „angeschafft“, man wünscht sie sich oder es passiert halt einfach. Bleib du gerne ewig in der Isolation. Dich wird sicherlich keiner vermissen.

  17. 10.

    Weil man bei der Familienplanung nicht wusste, dass man in so eine Situation gerät?
    Weil nicht vorauszusehen war, dass man HomeOffice, HomeSchooling, Haushalt und das Familienleben plötzlich alleine und gleichzeitig schultern muss?
    Immerhin hat man ja einen gesetzlichen Anspruch auf Kitaplätze und eine Schulpflicht.
    Dürfen jetzt nur noch Leute Kinder kriegen, die soviel Geld haben, dass sie keinen Job mehr brauchen und immer zuhause sein können, ohne in Nöte zu geraten?
    Ich kann diese blöden Sprüche "warum hat man dann Kinder" einfach nicht mehr lesen!
    Widerlich!
    Und nein, ich habe keine kleinen Kinder. Für meinen Sohn steht nur so langsam die Gesellenprüfung auf dem Spiel, wenn die Berufsschulen noch mehr Ausfall hinnehmen müssen.

  18. 8.

    Ein Szenario könnte sein: 2 Wochen durchatmen der Eltern ( warum haben die sich eigentlich Kinder angeschafft ? ) .
    Danach komplett neuer Lockdown und verschieben des „normalen“ Leben in den Sanktnimmerleinstag.

  19. 7.

    Und was wird gemacht, wenn die ungeschützten Erzieher*innen erkranken (am Virus) und ausfallen? Bzw. ihre eigene Familie anstecken? Kollataralschaden oder falschen Beruf gewählt....

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