Eine Blaumeise hinter sitzt von Ästen verdeckt auf einem Baum. (Quelle: dpa/H. Becker)
Bild: dpa/H. Becker

Blaumeisensterben - Vogelkrankheit erstmals in Brandenburg bestätigt

In Brandenburg wurde zum ersten Mal ein Bakterium an einem toten Vogel nachgewiesen, dass derzeit im Südwesten Deutschlands zu einem massenhaften Meisensterben führt. Naturschützer sind von der Entwicklung überrascht. Von Oliver Noffke

In Brandenburg ist ein Erreger nachgewiesen worden, dem derzeit insbesondere in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen vor allem Blaumeisen zum Opfer fallen. "Was uns ein bisschen überrascht hat", sagte Lars Lachmann, Vogelexperte beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu), auf Anfrage von rbb|24, "weil wir bisher davon ausgegangen sind, dass die Blaumeisen, die in Ostdeutschland sterben, der normalen Sterblichkeit zuzuordnen sind."

13.800 Fälle in zwölf Tagen

Seit Anfang März werden in einigen Regionen Deutschlands besonders häufig Blaumeisen beobachtet, die sich krank verhalten und kurz darauf sterben. Bis zum 22. April seien dem Nabu innerhalb von zwölf Tagen 13.800 Fälle gemeldet worden, die etwa 26.000 Vögel betreffen. Das Bakterium Suttonella ornithocola habe nun als Erreger für das gehäufte Meisensterben identifiziert werden können, teilte der Nabu am Mittwoch mit.

Bei den befallenen Tieren löst das Bakterium eine Lungenentzündung aus, an der sie sterben. Besonders auffällig ist, dass Teile des Kopfgefieders ausfallen.

Nabu ruft Bevölkerung zur Mithilfe auf

Vorerst wird die Mark von dem Bakterium verschont bleiben, glaubt Nabu-Experte Lachmann. "Ich denke mal, dass man in diesem Jahr in Brandenburg keine Auswirkungen sehen wird, weil wir bisher von dort vergleichsweise wenige Fälle gemeldet bekommen haben." Er geht aber dennoch davon aus, dass sich die Krankheit in Deutschland etablieren wird, in den kommenden Jahren könnte sie sich bundesweit verbreitet haben. "Wo die Krankheit neu auftritt, dürfte es dann jeweils größere Massensterben geben", so Lachmann. Unklar ist derzeit, ob die Tiere Resistenzen ausbilden können.

Um Ausmaß, räumliche Verbreitung und Verlauf der Epidemie ermitteln zu können, ruft der Nabu dazu auf, Fälle von kranken oder offensichtlich krank verstorbenen Vögeln zu melden, die dann weiter untersucht werden könnten. Dazu wurde ein Online-Formular eingerichtet [nabu.de/meisensterben]. Der Nabu mahnt aber zur Vorsicht im Umgang mit Vogelkadavern. Der neue Erreger ist für Menschen und Haustiere ungefährlich, die Vögel könnten aber auch an anderen Krankheiten verstorben sein.

Suttonella ornithocola wurde 1996 in Großbritannien entdeckt und wurde lange Zeit nur dort nachgewiesen. Erst 2017 wurde die Krankheit zum ersten Mal außerhalb entdeckt. Ein Jahr später wurden erste Fälle in Deutschland bekannt.

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Beitrag von Oliver Noffke

Kommentar

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5 Kommentare

  1. 5.

    Es ist nicht der Klimawandel,oder den Vögeln zu Schaffen macht sondern die Monokulturen der Landwirtschaft, die für Insekten weder Lebensraum noch Nahrungsquelle darstellen. Damit haben auch Vögel ihre wichtigste Nahrungsquelle, besonders für ihren Nachwuchs, verloren. Nicht an allem ist das Klima schuld! Daran passt die Natur sich an, an verlorene Lebensräume nicht.

  2. 3.

    Ich möchte korrigieren, es ist ein Bakterium wie im Text steht, kein Virus. Sonst denkt noch jemand die Vögel verbreiten Corona und müssen beim Futtern in Zukunft eine "Maske" tragen

  3. 1.

    Das ist echt traurig, schon der Klimawandel macht den Vögeln zu schaffen, nun auch noch ein Virus, wird alles immer schlimmer:-(

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