Ein Landwirt bearbeitet am frühen Morgen mit seinem Traktor und angehängter Egge einen Acker im Oderbruch im Landkreis Märkisch-Oderland
Bild: dpa/Patrick Pleul

Trockenheit und Dürre in Brandenburg - "Für Aprilwetter fehlen 99 Prozent Regen"

Kaum ein Tropfen Regen im April und für die Jahreszeit zu warme Temperaturen sorgen schon jetzt für eine hohe Waldbrandgefahr in einigen Brandenburger Landkreisen. Auch die Landwirte leiden. Selbst für sie ein Novum: Ausgetrocknete Bäche bereits im April.

Der Brandenburger Landwirt Thomas Göbel ist Optimist. Als er vor fünf Jahren einen ersten Dürresommer erlebte, hoffte er auf das darauffolgende Jahr. Doch auch vor vier Jahren regnete es zu wenig. Auf Regen zu hoffen, ist ihm zur Gewohnheit geworden, im fünften Jahr ohne langanhaltende Regengüsse zur Bewässerung seiner Pflanzen. Wäre er kein Optimist, hätte er im vergangenen Herbst nicht erneut seine Wintersaat, also Getreide und Raps, auf seinen Feldern bei Vetschau im Spreewald gesät.

Doch seine Hoffnungen wurden enttäuscht. Den Pflanzen fehlt das Wasser, der Regen bleibt aus. Dass die Triebe darunter bereits jetzt im April leiden, erkenne Göbel an den braunen Spitzen. Auch seine Bäume treiben nicht mehr gut aus. "Diesen Monat ist es enorm. Eigentlich bräuchten meine Pflanzen jeden Tropfen. Die Trockenheit macht sie kaputt." 

Regenwassermengen für ein Trinkglas

Den Eindruck des Landwirts bestätigen auch die Messwerte der Meteorologen. Unterdurchschnittlich viel Regen ist bisher im sonst launenhaften April gefallen. So erreichten vielerorts die Niederschlagsmengen in Brandenburg noch nicht einmal zehn Prozent des Monatssolls. An manchen Orten in der Uckermark fiel kein einziger Tropfen messbaren Niederschlags, oder es kamen, wie in Grünow (Uckermark) "nur Mengen zusammen, die sich bequem in ein Trinkglas füllen ließen", so Meteorologe Heiko Wiese von der MeteoGroup. Das entspreche nicht einmal ein Prozent dessen, was im Normalwert eines Aprils liege.

"Das klassische Aprilwetter mit Schauern, Sonne, Gewittern, ist auch bis auf weiteres nicht absehbar", so Wiese weiter. Deshalb würde es auch für den restlichen April schlecht aussehen, die Statistik auszubessern. Das aktuelle Hochdruckgebiet sei zu stark und würde ein Tiefdruckgebiet abhalten, welches kurzen und kräftigen Regen bringen würde, den Landwirte gerade so dringend bräuchten. Da helfe es auch nichts, dass es von September vergangenen Jahres bis zum März besonders viel geregnet habe. Die dadurch wieder aufgefüllten Bodenwasservorräte trocknen bereits wieder stark aus, bestätigt auch der DWD. 

Hohe Waldbrandgefahr am Wochenende

Viele Flüsse weisen deshalb Wasserstände weit unterhalb der mittleren Werte auf, bestätigt auch das Brandenburger Landesumweltamt rbb|24. Insbesondere Elbe, Schwarze Elster und Spree haben stark an Wasser verloren. Das hat auch Folgen für die Renaturierung in der Lausitz: Ende März hat das Land die Flutung des Cottbusser Ostsees gestoppt, bereits zuvor sukzessive reduziert. 

Nicht nur für die Landwirte ist diese anhaltende Dürre gefährlich. Kein Tropfen Regen, der den Boden und das Laub befeuchtet, bedeutet auch eine anhaltend hohe Waldbrandgefahr. Der Waldbrandschutzbeauftragte Raimund Engel rechnet, dass die Brandenburger Wälder dieses Jahr schon 45 Mal gebrannt haben, auf knapp acht Hektar Land. Engel macht neben der anhaltenden Trockenheit auch der beständige, oft frische Nordostwind Sorgen. Der entfache bereits kleinste Funken, die durch eine achtlos weggeworfene Zigarette entstehen können. Für über die Hälfte der Brandenburger Landkreise besteht im Moment die Waldbrandgefahrenstufe vier, also eine hohe Gefahr.

Engel schätzt die Lage ortsweise sogar als noch gefährlicher ein, also als sehr hohe Gefahrenstufe. "Wir haben jetzt drei Wochen Trockenheit. Mindestens bis zum Wochenende können wir, so wie es aussieht, nicht mit Regen rechnen. Das lässt die Gefahr wieder steigen", sagt der Waldbrandexperte. Helfen könne da nur ein anhaltender Landregen, der auch die Böden in tieferen Schichten befeuchtet. Da der nicht in Sicht ist, hilft laut Engel nur die Früherkennung. "Wir sind trotz Corona weiter besetzt und gelten als systemrelevanter Bereich."

Missernten auf der "märkischen Sandbüchse"

Dabei ist Brandenburg bei langanhaltender Trockenheit im Nachteil: Der wenige Regen kann schlechter als in anderen Regionen gehalten werden, weil fast im gesamten Bundesland der Boden sandig ist. Auch auf Göbels Ackern, der "märkischen Sandbüchse", wie er sie nennt, versickern die wenigen Tropfen schnell. "Wir hatten die vergangenen Jahre wiederholt totale Missernten", sagt der Landwirt.

Inzwischen können sich die Pflanzen nicht einmal mehr durch tiefergelegene Grundwasserschichten regenerieren. Auch Bäche in seiner Umgebung, wie der Göritzer Mühlenfließ, sind trockengefallen. "Der ist die vergangenen zwei Jahre im Juni bis Oktober ausgetrocknet, aber dass er jetzt schon trocken ist, das gab es noch nie." Denn auch Schnee habe es vergangenen Winter kaum gegeben, und so fließt kein Schmelzwasser ab. Landwirt Göbel schätzt, dass er die vergangenen zwei Jahre pro Quadratmeter 300 Liter Wasser Defizit hatte. 

Doch er staunt immer wieder, wie lang seine Pflanzen durchhalten. Nun fehle ihnen selbst der sonst im Frühling erfrischende Morgentau. Langfristig sei deshalb Umdenken gefragt, so Göbel. Seine Felder werden nicht mehr gepflügt, damit die Feuchtigkeit nicht verdunstet. Und er setzt auf andere Sorten. "Da steht dann nicht mehr der hohe Ertrag, sondern das Durchstehvermögen im Vordergrund."

Sendung: Antenne Brandenburg, 15.04.2020, 6 Uhr

28 Kommentare

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  1. 28.

    der große Zusammenhang zwischen Wetter, Luftströmung und Niederschlagsmengen wird anscheinend nicht erkannt.
    Maßnahmen, die dazu beitragen sollen den CO2-Ausstoß zu verringern führen bei näherer Betrachtung dazu, dass Luftmassen umgelenkt und gebremst werden, die Wasser transportieren und dass bereits auf dem Meer.
    Damit muss ja logischerweise weniger Wasser ankommen. Zudem durch riesige Flächen Solarpaneelen verhindert,
    dass wasser Verdunsten kann, wass auch auf bebaute / zubetonierte Flächen zutifft. Summa sumarum werden sich
    die Niederschlagsmengen schon dadurch weiter verringern.

  2. 27.

    Ja, Brandenburg das Land der riesigen Monokulturen. Jede Feuchtwiese wird doch am Besten noch trockengelegt, um darauf staubige Äcker und Felder anzulegen. Klimawandel ? - den erzeugt doch unsere Brandenburger Agrarlobby mit der Austrocknung unserer Landschaften, doch Selber. An jeder Ecke, nur irgendein riesiger Mono-Acker, ein riesiges Mono-Feld, oder Mono-Wälder. Und dazu kommen große Export-Baumschulen mit unendlichem Wasserbedarf. Und wo das keine Kohle mehr bringt, werden Mastbetriebe, Solarfelder, oder Windparks zur Zerstörung der Umwelt errichtet. Macht Alle weiter So, mit eurer Bauernwirtschaft, dann gibt es feuchtes angenehmes Klima, nur noch im Fernsehen.

  3. 26.

    Auf welche Sorten setzt denn jetzt Bauer Göbel? Und müssen wir jetzt immer auf einheimische Tomaten und Gurken verzichten?

  4. 25.

    Feuchter Ackerboden soll m.E. eher wenig Wasser verdunsten: Idealer Weise wird er ja von Pflanzen abgeschattet, die sich CO2 aus der Luft und das Wasser aus dem Boden holen, um daraus Nährstoffe und Sauerstoff zu machen. Erst beim Verbrauch dieser Nährstoffe durch Lebewesen (einschließlich Pflanzen bei Nacht) wird mit Ausatemluft und Ausscheidungen wieder Wasser freigesetzt. Damit dieses freigesetzte Wasser später an den richtigen Orten wieder abregnet, muss dort tatsächlich das Mikroklima (z.B. Ihr Stichwort "Thermik") stimmen. Und das kann offenbar schnell aus den Fugen und gar in Teufelskreise geraten, wie leider auch der Artikel zeigt.

  5. 24.

    Streitet - aber bitte sachlich. Da haben alle mehr von! Das Thema ist zu wichtig, um sich ggseitig anzublaffen.

  6. 23.

    Ein Fakt bleibt, der "billige" Kohlestrom verursacht nicht nur durch CO2 Ausstoß mehr Schaden als Nutzen.

  7. 21.

    Wie der Verlauf zwischen #14 und #17 zeigt, sind wir uns ja vermutlich grundsätzlich eher einig. Dennoch finde ich, dass man meist möglichst sachbezogen argumentieren sollte. - Wie sich ein Meer auf den Wasserhaushalt der angrenzenden Landflächen auswirkt, weiss ich nicht. Vielleicht kann man das nicht pauschal sagen. Zumindest gibt es ja einige extrem trockene Flächen auf der Erde, die direkt ans Meer grenzen. Und ich glaube, da muss nicht mal immer ein Gebirge zwischen Meer und Wüste sein. Daher sollte man die mikroklimatischen Auswirkungen von Tümpeln nicht grundsätzlich kleinreden. Die können durchaus spürbar positiv sein - oder eben spürbar negativ, wenn der "Tümpel" dem umgebenden Land das Wasser abzieht; wie bei einer Tagebau-Flutung.

  8. 20.

    Die Argumentation "größere Oberflächenwasser sorgen für grössere Niederschläge ist richtig. Grössere Oberflächenwasser sind aber nicht nur Seen, Flüsse und tiefer gelegte Bäche sondern in viel grösserem Maße feuchte Ackerböden. Leider werden die alle durch tiefer gelegte Bäche trocken gelegt. Es kann keine Verdunstung mehr stattfinden und es entsteht erhöhte Thermik, die die Wolken von der Region fern hält.

  9. 19.

    Jaja Tümpel....der grössten künstliche See Deutschlands.
    Mehr Wasseroberfläche bedeutet mehr Niederschlag, auch wenn es ihnen nicht vergönnt ist dies zu erfassen.

  10. 17.

    Welcher Niederschlag ? Grundwasseranstieg stimmt, wird aber ohne Zufluss ewig dauern.
    Bitte nicht eine Meeresfläche mit einem künstlichen Tümpel verwechseln was die Wetterbeinflussung betrifft.

  11. 16.

    Das Wasser muss unter den Feldern und Wäldern absinken, um in den den See zu fliessen: Kein Wassertropfen kann ja an zwei Orten gleichzeitig sein. Und weil Wasser (ausser in feinsten Röhrchen) der Schwerkraft folgt, sinkt der Grundwasserspiegel. Nach dem Verdunsten aus dem See wird dann KEINE ausreichende Menge Wasser wieder dort abregnen, wo Mensch und/oder Natur es brauchen. Was Sie aus der Schule zitiert haben, führt nur dann zu einer positiven Bilanz, wenn die Gewässer aus anderen Gegenden, z.B. aus der Schneeschmelze in Gebirgen, regelmäßig gefüllt werden: Nur dann kommt zusätzliches Wasser in eine Region. Andernfalls ist die Bilanz negativ. Viele Wüsten der Erde entstanden und entstehen so.

  12. 15.

    Das Grundwasser wird ja dann nicht mehr abgesenkt, sondern fült den Alttagebau von unten.

  13. 14.

    Johns Aussage ist ja erstmal korrekt. Nur, dass vermutlich das Absinken des Grundwassers den positiven Niederschlagseffekt ins Gegenteil verkehrt.

  14. 13.

    Na klar doch....und mehr Fläche bedeutet weniger Verdunstung.
    Lernt man in der Baumschule Ast 4.......
    Der Zufluss ins Kohleloch Cottbus dürfte sich bei noch so einem Sommer buchstäblich in Luft auflösen.

  15. 12.

    Grössere Oberflächenwasser sorgen für mehr regionale Niederschläge...wird so in Geografie unterrichtet.
    Kann aber auch geschwindelt sein...

  16. 11.

    Bin landwirtschaftlicher Laie. Dennoch habe ich schon vor einem Vierteljahrhundert aufgeschnappt, dass Pflügen/ Umgraben des Bodens letztlich nachteilig ist - wegen Austrocknung, aber auch, weil es die Lebensgemeinschaften im Boden zerstört. Im letzten Absatz bestätigt dies nun ein Profi mindestens teilweise. Auf anderen Äckern, aber auch in Millionen Gärten und Grünanlagen in Stadt und Land wird jedoch noch immer weiter umgebuddelt und generell "Unkraut" entfernt, so dass nur noch graubrauner Staub übrig bleibt. Es ist traurig, dass es immer erst richtig hart kommen muss, bevor die Massen vielleicht langsam anfangen umzudenken.

  17. 10.

    Ich möchte an "Wofgang" anschließen.
    Gibt es eigentlich Studien zu den Auswirkungen der gefluteten Tagebaugruben?
    In Bezug auf Wasser - können die Seen das Wasser halten, welchen Nedarf haben sie zur Wasserhaltung, gibt es positive Auswirkungen auf die Landschaft ringsrum.
    Oder ist das alles für die natürlichen Gewässern schädlich?

  18. 9.

    Wenn ich schon die RBB Wetterkarte sehe, von heute durchgehend bis nächsten Freitag nur Sonnensymbole, das macht mir Angst.

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