Archivbild: Potsdam: Polizisten und ein Feuerwehrmann begleiten Mitarbeiterinnen der Rettungshundestaffel der Johanniter auf einem Einsatz bei der Suche nach einem vermissten 6-jährigen Mädchen. (dpa/Julian Stähle)
Audio: Inforadio | 01.04.2020 | Lisa Steger | Bild: dpa/Julian Stähle

Sechsjähriges Mädchen entführt - Acht Jahre Haftstrafe in Potsdamer Missbrauchsprozess

Im Mai 2019  brachte ein Potsdamer ein sechs Jahre altes Mädchen vor einem Möbelhaus dazu, ihm in seine Wohnung zu folgen. Dort verging er sich an dem Kind. Das Landgericht Potsdam hat ihn am Mittwoch zu acht Jahren Haft verurteilt. Von Lisa Steger

Das Potsdamer Landgericht hat einen 59 Jahre alten Mann nach einer Kindesentführung, die er vor den Augen der Öffentlichkeit in der Brandenburger Landeshauptstadt begangen hatte, zu acht Haft verurteilt. Das am Mittwoch ergangene Urteil entsprach der Forderung der Staatsanwaltschaft. Zudem soll der schwer alkoholabhängige Verurteilte in eine Entziehungsanstalt. Er hatte die Vorwürfe zum großen Teil eingeräumt. Seine Suchtkrankheit wirkte sich strafmildernd aus.

Getümmel ausgenutzt

An einem Samstag Ende Mai 2019 hatte sich der Mann vor dem Porta-Möbelhaus in Potsdam aufgehalten. Es herrschte großer Kundenandrang. Unbemerkt von anderen Passanten sprach der damals 58-Jährige ein sechs Jahre altes Mädchen an, das ihn vom Sehen aus der Nachbarschaft kannte.

Das Kind war mit seinem Vater und Geschwistern in dem Möbelhaus gewesen. Als die Familie mit dem Aufzug nach unten fahren wollte, hatte sich die Sechsjährige gelöst und war allein vor die Tür gelaufen. Die kurze Zeitspanne nutzte der nunmehr verurteilte Mann aus.

Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme in dem Prozess soll er angeboten haben, das Kind nach Hause zu bringen. Als sich das Mädchen von ihm losreißen wollte, soll er auf ein Messer gezeigt haben, das er bei sich trug. Das Mädchen folgte ihm in die Wohnung – aus Angst.

Das Kind führte die Beamten zurück zur Wohnung des Verurteilten

Noch am selben Abend suchte die Polizei mit einem Großaufgebot nach dem Kind. Zahlreiche Beamte durchkämmten das Neubaugebiet in der Nähe des Kaufhauses, auch ein Hubschrauber war im Einsatz.

22 Stunden nach seinem Verschwinden tauchte das Mädchen wieder auf. Eine Polizistin fand es weinend auf dem Gehsteig. Ein Polizeisprecher teilte Journalisten mit, das Mädchen werde aufgrund der Umstände ärztlich untersucht. Das Kind hatte die Beamten zu der Wohnung des nun Verurteilten geführt.

Bereits in der DDR wegen Sexualstraftaten verurteilt

Der seit Dezember laufende Strafprozess fand zu großen Teilen unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, um die Privatsphäre des Kindes zu schützen. Es sollten keine Einzelheiten der Tat öffentlich bekannt werden. Auch die Urteilsverkündung war nicht öffentlich. Diese Art der Verhandlung lässt das Gerichtsverfassungsgesetz zu, gerade in Verfahren um Sexualverbrechen. Hier kam noch hinzu, dass das Opfer ein Kind ist.

Der Staatsanwaltschaft zufolge ist der Angeklagte einschlägig vorbestraft. Bereits in der DDR wurde er wegen Sexualstraftaten verurteilt – dabei ging es um Kindesmissbrauch und Vergewaltigung. Drei Jahre musste der Mann dafür verbüßen.

Verurteilung wegen mehrerer Delikte

Die Strafkammer verurteilte den heute 59-Jährigen wegen besonders schweren sexuellen Missbrauchs, besonders schwerer Vergewaltigung, Freiheitsentziehung, Entführung Minderjähriger und Körperverletzung, wie Gerichtssprecher Sascha Beck dem rbb auf Anfrage sagte. "Der Strafrahmen dafür reicht von zwei Jahren bis zu elf Jahren und drei Monaten, somit ist die Strafkammer etwa in der Mitte geblieben", betonte Beck. Die langjährige Alkoholabhängigkeit des Angeklagten wirkte sich strafmildernd aus, da die Richter davon ausgingen, dass er wohl zum Tatzeitpunkt vermindert schuldfähig war.

Der 59-Jährige, der seit seiner Festnahme End Mai 2019 in Untersuchungshaft sitzt, soll – wenn das Urteil rechtskräftig geworden ist – zunächst zwei Jahre ins Gefängnis gehen und danach in eine Entziehungsklinik.

Eine Sicherungsverwahrung nach der Haft wurde nicht angeordnet. Gegen das Urteil ist Revision beim Bundesgerichtshof möglich. Dafür besteht jetzt eine Woche Zeit.

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