Ein Impfbuch am 13.11.2019 mit angekreuzten Feldern für die Impfung gegen Masern, Mumps, Röteln, Pertussis, Poliomyelitis und Diphterie. (Quelle: dpa/Jens Kalaene)
Bild: dpa/Jens Kalaene

Risiko Impflücken - Zahl der Masernfälle in Berlin und Brandenburg gesunken

Bis zu diesem Jahr sollten die Masern eigentlich weltweit ausgerottet sein. In Berlin und Brandenburg treten zwar immer weniger Fälle auf, Entwarnung gibt es aber noch nicht. Noch bestehende Impflücken stellen ein Risiko dar.

In Berlin und Brandenburg gibt es immer weniger Masernerkrankungen. Im vergangenen Jahr traten nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) nur 22 Fälle in Berlin und zwei Fälle in Brandenburg auf.

2018 war das hoch ansteckende Virus in Berlin noch bei 30 Patienten nachgewiesen worden, im Jahr davor bei 69. In Brandenburg gab es 2018 noch zwölf Masernfälle. In den ersten drei Monaten dieses Jahres gab es in Berlin vier neue Fälle, in Brandenburg noch keinen.

Ziel: Impfquoten von 95 Prozent

Um die Krankheit auszurotten, müssten nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sein. In Berlin ist diese Quote allerdings noch nicht erreicht. Von den Kindern, die 2017 eingeschult wurden, waren beispielsweise nur 92,6 Prozent gegen Masern geimpft, wie aus Zahlen der Senatsverwaltung für Gesundheit hervorgeht. Mit der Impfpflicht für Masern, die seit März besteht, soll diese Quote nach Angaben der Senatsverwaltung erhöht werden. Doch auch in anderen Altersgruppen scheint es Impflücken zu geben: 2019 war in Berlin jeder zweite Masern-Patient älter als 20 Jahre.

Besser steht Brandenburg da. Hier ist die Impfquote in einigen Altersgruppen bereits erreicht. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums waren 2018 beispielsweise 95,1 Prozent aller Schulanfänger und 97,3 Prozent aller Zehntklässler gegen Masern geimpft. Dennoch seien Krankheitsausbrüche möglich, weil auch in Brandenburg in einigen Bevölkerungsgruppen noch Impflücken vorhanden seien, hieß es aus dem Gesundheitsministerium. Die Impfpflicht, die seit März besteht, soll den Schutz der Bevölkerung demnach weiter verbessern.

"Die Anzahl der übermittelten Masern-Erkrankungen schwankt von Jahr zu Jahr zum Teil erheblich", teilte das Gesundheitsministerium in Potsdam mit. So war in den Jahren 2011, 2013 und 2016 jeweils mehr als ein Einwohner von 100.000 erkrankt. Den mit Abstand größten Masernausbruch der vergangenen Jahre gab es in Deutschland 2015. In Brandenburg waren damals mehr als 100 Menschen erkrankt, also mehr als vier von 100.000 Einwohnern. In Berlin steckten sich mehr als 1.200 Menschen an.

Nahezu jeder Kontakt führt zu Ansteckung

Die Impfkommission empfiehlt Erwachsenen, die nach 1970 geboren wurden und in der Kindheit nicht oder nur mit einer Dosis geimpft wurden, sich nachimpfen zu lassen. Dadurch könnten nach Angaben des Landesamts für Gesundheit und Soziales viele der Krankheitsfälle bei Erwachsenen verhindert werden.

Das Masernvirus verbreitet sich über kleine Speicheltröpfchen über die Luft. Es ist so ansteckend, dass nahezu jeder Kontakt zwischen einem ungeschützten Menschen und einem Erkrankten zur Ansteckung führt - selbst auf eine Distanz von mehreren Metern. Wer sich angesteckt hat, bekommt zunächst grippeähnliche Symptome wie Fieber, Schnupfen und Halsschmerzen. Später kommt ein charakteristischer rötlich-brauner Hautausschlag hinzu. Bei schwerem Verlauf können Lungen- oder Gehirnentzündungen entstehen, in sehr seltenen Fällen endet die Krankheit tödlich. Vor allem für Säuglinge und Kleinkinder sind Masern gefährlich.

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5 Kommentare

  1. 5.

    Moin, also ich gehöre auch zur Generation over 50 und hatte Masern sowie viele andere Kinderkrankheiten. Diese Leute sind bei der Impfung gegen Masern auch nicht gemeint.
    Eine Impfung gegen Influenza mache ich jedes Jahr und ich hab noch nie erlebt das mein Arzt keinen Impfstoff in der Praxis hatte.
    Vielleicht muss man bei einer Corona Impfung, wenn es sie mal gibt, genauso vorgehen wie bei den Pocken. Ich kann mir auch gut vorstellen das Menschen, die nicht geimpft sind, in andere Länder nicht einreisen können.
    Das gibt es ja jetzt schon z. B. beim Gelbfieber.
    Warten wir erst einmal ab und hoffen das Beste. Alles Gute!

  2. 4.

    Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass Jahr für Jahr Grippe-Impfstoff nur für einen sehr begrenzten Teil der Bevölkerung zur Verfügung steht. Und weil sich die Erreger immer wieder ändern bzw. wechseln, muss eigentlich jedes Jahr geimpft werden.

    Allerdings werfen Sie die völlig richtige Frage auf, wie wir denn mit Menschen verfahren wollen, die sich nicht gegen "Corona" impfen lassen wollen. Auch die könnten ohne weiteres noch das Gesundheitssystem zum Zusammenbruch bringen.

    Und zu den Masern: Ich bin nicht gegen sie geimpft und werde mich auch nicht gegen sie impfen lassen, denn ich habe sie gehabt - damals gab es leider noch keinen Impfstoff. In der ganzen Berichterstattung fehlt mir meist der Hinweis darauf, dass wir Älteren (50+), die leider "auf natürliche Weise" immun wurden, keine Impfung mehr benötigen.

  3. 3.

    In meiner Kindheit wurde impfen angeordnet. Damals gab es dieses Rumgeheule und affektierte Gehabe nicht.
    Impfen hat mir nie geschadet und deshalb mache ich es heute noch.

  4. 2.

    100% richtig! Ich fürchte auch, dass die Impfgegner eine irgendwann mögliche Impfung ablehnen werden. Und zu Masern: in 35 Jahren Berufstätigkeit im Bereich Pädiatrie habe ich kein Kind mit Impfschaden gesehen, aber alle paar Jahre eines mit schwerer Behinderung nach Masernencephalitis und das waren diejenigen, die als Säuglinge vor dem Impfzeitraum von ungeimpften angesteckt wurden. Das ist bitter und völlig unnötig. Und da es nicht verstanden wurde, ist jetzt die Pflicht richtig.

  5. 1.

    Moin, also da gibt es einen Impfstoff gegen das Masernvirus und dann wird es von einigen wenigen nicht genutzt. Sollte es einen Impfstoff gegen Corona geben wollen diese Bürger den auch nicht nutzen und andere immer wieder in Gefahr bringen? Bei der Grippe genauso: es gibt einen Impfstoff aber trotzdem sterben jedes Jahr tausende Menschen daran.
    Wir Menschen haben die Pocken besiegt und sollten mit Masern genauso verfahren.

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