Geschändetes Grab des getöteten Polizisten Roland Krüger (Bild: Morris Pudwell)
Archivbild von der Grabschändung 2019 | Bild: Morris Pudwell

Friedhof Berlin-Britz - Gräber von getöteten Polizisten erneut geschändet

Erst vor ein paar Wochen wurden zwei Straßenabschnitte in Berlin nach Polizisten benannt, die bei der Verfolgung von Kriminellen starben. Jetzt ist die Bestürzung groß: Unbekannte haben sich wieder an ihren Gräbern vergriffen.

Was Sie jetzt wissen müssen

Die letzte Ruhestätte von zwei Berliner Polizisten, die im Dienst getötet wurden, ist erneut geschändet worden. Die Grabsteine von Uwe Lieschied und Roland Krüger auf dem Friedhof am Buckower Damm in Berlin-Britz wurden laut Polizei in der Nacht zum Donnerstag beschmiert, ein Grabstein wurde umgestoßen. Auch Pflanzen seien herausgerissen worden. Der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt hat die Ermittlungen übernommen. Innensenator Andreas Geisel (SPD) zeigte sich beschämt und sprach den Angehörigen sein Mitgefühl aus.

Bereits vor einem Jahr waren Anfang April 2019 die Gräber der beiden Polizisten verwüstet und die Grabsteine mit Hakenkreuzen beschmiert worden. 2016 war eine Gedenktafel für Uwe Lieschied am Tatort durch einen Brandanschlag beschädigt worden.

Der Kommissar Roland Krüger starb 2003, als er mit anderen Kollegen seines Spezialeinsatzkommandos (SEK) eine Wohnung stürmte. Ein gesuchter Täter schoss ihm in den Kopf. Uwe Lieschied wurde im März 2006 erschossen, als er Taschenräuber an der Hasenheide verfolgte. Mehrere tausend Polizisten erinnerten danach mit einem Schweigemarsch an ihren Kollegen.

Geisel: "An Niedertracht kaum zu überbieten"

Innensenator Geisel erklärte, er "empfinde tiefe Scham". Geisel: "Gräber zu schänden ist an Niedertracht kaum zu überbieten." Der SPD-Politiker bekräftigte, die Polizisten seien ein Teil von Berlin. "Und sie werden es immer bleiben."

Für die Gewerkschaft der Polizei sagte Berlins Landeschef Norbert Cioma, die beiden Polizisten hätten ihr Leben in den Dienst der Stadt gestellt und diesen Einsatz mit ihrem Leben bezahlt. "Wer ihre Gräber schändet, handelt nicht nur respektlos und beschmutzt ihr Andenken, er greift alle Polizistinnen und Polizisten dieser Stadt an."

Der innenpolitische Sprecher der oppositionellen FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Marcel Luthe, erklärte, die Tat offenbare Menschenverachtung und blinden Hass der Täter auf den Rechtsstaat. Der Senat müsse den Kampf gegen jeden Extremismus gleichermaßen aufnehmen.

Straßennamen als Ehrung

Erst Ende Februar waren zwei Straßenabschnitte in Neukölln nach den beiden Beamten benannt worden. Zu der Zeremonie war neben dem Innensenator auch Polizeipräsidentin Barbara Slowik gekommen. Die Umbenennungen sollten die Solidarität mit denen zeigen, die die Menschen beschützten, hieß es damals.

Sendung: Inforadio, 09.04.2020, 16:30 Uhr

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10 Kommentare

  1. 10.

    Die Rigaer Str. hat eine Länge von ca. 1,2 km und ist im Wesentlichen eine normale Wohn- und Geschäftsstraße. Einzig rund um die Kreuzung Rigaer/Liebigstr. kam und kommt es immer wieder zu Angriffen auf Polizisten - was ich für idiotisch halte, aber deshalb nicht den von Ihnen behaupteten Zustand eines rechtsfreien Raums darstellt, Paula.

    Und wer immer wieder mit dem Argument kommt, der Berliner Senat würde linke Gewalttäter schützen, sollte mal in Betracht ziehen, ob er oder sie in seiner "links/grün" Antipathie nicht etwas den Blick für die Realität verloren hat.

  2. 9.

    Für die Respektlosigkeit gegenüber Polizisten ist der Senat m.E. sehr wohl mit verantwortlich. Wieso sonst ist z.B. die Rigaer Str. eine rechtsfreie Zone.
    Das führt offensichtlich dazu, dass Kriminelle auch kein Respekt vor verstorbenen Polizisten haben.
    Und wer jetzt mit dem Argument komnt, Polizisten würden ja für diesen Job bezahlt und wüssten worauf sie sich einlassen,denen sollen ihre Worte im Hals stecken bleiben. Kein Mensch und keine Berufsgruppe hat es verdient menschenverachtend behandelt zu werden.
    Egal ob links-oder rechtsmotivierte Täter, hier hat der Staat hart durchzugreifen.

  3. 8.

    Natürlich nicht, Steffen. Und das habe ich auch nicht impliziert. Aber dass die Gräber der Polizisten beschmiert wurden, hat wohl kaum etwas mit dem Berliner Senat zu tun, wie es "Observer" unterstellt.

  4. 7.

    Das können doch wohl nur einschlägig bekannte Kriminelle sein,die wussten,wo sich die Gräber befinden. Also hoffe ich, dass die Polizei diese Typen fassen kann. Was ihnen dann wirklich droht, ist leider fraglich.
    Es tut mir leid für die Familien , für die es schrecklich sein muss, dass hier die letzte Ruhestätte ihrer Angehörigen so hasserfüllt verunstaltet wurden.
    Ich finde es unfassbar,wie Polizisten im Dienst heutzutage behandelt werden,unter den Augen unseres Senats,siehe nur Rigaer Str. Das nun nicht einmal vor Verstorbenen bzw. ihrer letzten Ruhestätte halt gemacht wird, finde ich unerträglich.

  5. 6.

    Und? Selbst, wenn es so wäre, macht es das besser? Wie tief muss man eigentlich sinken, sich an der letzten Ruhestätte Anderer zu vergreifen? Einfach nur ekelhaft, egal welches angebliche "Motiv" dahintersteckt!

  6. 4.

    Mit solchen wiederholten Grabschändungen reißen sich solche Unmenschen nur ihre bürgerliche Maske von ihren widerlichen Fratzen. Die menschliche Größe der getöteten Polizisten können sie mit ihren Untaten nicht schmälern. Vielmehr wächst mit jeder Grabschändung die Abscheu in der Gesellschaft. Es ist zu hoffen, daß die Polizei wenn nicht heute, dann morgen, am längeren Hebel sitzt und die Unholde dingfest macht. Dann kann die Justiz dieses sich als Rechtsstaat sehenden Gemeinwesens unter Beweis stellen, daß solche ekligen Straftaten ihr nicht nur Bewährung oder Geldstrafen wert sind

  7. 2.

    Was für eine abscheuliche und widerwärtige Tat.
    Pfui Teufel!
    Mein Mitgefühl den Hinterbliebenen und der Polizei, für deren Dienst ich tgl. dankbar bin.

  8. 1.

    Im links/grünen Berlin wundert es mich nicht.

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