Ein ausgetrockneter Kiefernwald in Brandenburg am 04.07.2019 (Bild: dpa/Andreas Franke)
Audio: Inforadio | 22.4.2020 | Thomas Rautenberg | Bild: dpa/Andreas Franke

Trockenheit in Brandenburg - Da genügt schon der kleinste Funke

Seit Wochen hat es nicht geregnet, dabei haben Brandenburgs Wälder in den vergangenen beiden Dürresommern ohnehin stark gelitten. Nun sind die Böden bereits im Frühjahr staubtrocken, wie der Besuch in einem Kieferwald zeigt. Von Thomas Rautenberg

Die Trockenheit in dem Kiefernwald bei Wünsdorf im Landkreis Teltow-Fläming ist vor allem zu hören: Mit jedem Schritt knacken tote Äste unter den Füßen, die verdorrten Kiefernadeln rascheln. "Ich gehe derzeit mit Wehmut und mit einem weinenden Auge durch den Brandenburger Wald", sagt Förster Philipp Haase. "Wir haben eine Situation, die es so noch nicht gegeben hat."

Foerster Phillip Haase bei der Begutachtung eines Baumes (Bild: rbb/Rautenberg
| Bild: rbb/Rautenberg

Selbst die Kiefer ist mit ihrer Kraft am Ende

Die Trockenheit der letzten Jahre setzt dem Wald augenscheinlich zu. Die lichten Baumkronen halten kaum die Sonne ab, deren Strahlen die Erde aufheizen. Aus dem Waldboden ist längst die letzte Feuchtigkeit entwichen. Da wächst nichts mehr - selbst die anspruchslose märkische Kiefer ist mit ihrer Kraft am Ende, sagt der Förster: "Wenn man sich diese Kiefer anschaut, sieht man, dass das Nadelvolumen in der Krone deutlich abgenommen hat. Der Wuchsmotor der Kiefer, ihre Krone, ist also deutlich geschwächt. Das ist ein erstes Anzeichen für uns, dass die Kiefer in einem schlechten Zustand ist."

Diese Kiefer werde den Sommer nicht überleben, sagt der Förster: "Wenn wir uns die Rinde mal genau anschauen, sehen wir, dass man sie ganz leicht mit den Fingern entfernen kann. Darunter sehen wir auch Insektenbefall. Die Käfer haben das Übrige getan und den geschädigten Baum endgültig zerstört."

Und es sterben nicht nur alte Bäume. Auch die Aufforstungen zum geplanten Waldumbau aus dem vergangenen Herbst sind weitgehend hinüber. 3,5 Liter Regen pro Quadratmeter in einem Monat sind einfach viel zu wenig.

Philipp Haase bleibt stehen - heller Staub steigt unter seinen schweren Schuhen auf. "Diese Fläche ist komplett ausgetrocknet", sagt er. "Das Laub und die Kiefernadeln des letzten Jahres liegen in der prallen Sonne. Hier reicht der kleinste Funke, um einen Waldbrand zu entfachen."

Waldbrandschutzbeauftragter Raimund Engel in der Waldbrandschutzzentrale Wünsdorf (Bild: rbb/Rautenberg)
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"Unsere Wälder sind in Gefahr"

Drei Kilometer weiter im Verwaltungszentrum Wünsdorf ist die Brandenburger Waldbrandzentrale. Dort hat die Beobachtungstechnik gerade Alarm geschlagen und Brandenburgs Waldbrandschutzbeauftragter Raimund Engel und seine Kollegen blicken gebannt auf einen großen Bildschirm an der Wand auf den das Kamerabild übertragen wird.

"Das ist das östliche Ufer des Scharmützelsees, da gibt es wirklich eine große Rauchentwicklung", sagt Engel. Es brennt also wieder einmal. Laut Statistik ist es der 51. Waldbrand in diesem Jahr in Brandenburg. Neun Hektar Wald wurden dabei geschädigt oder zerstört. In den beiden Vorjahren hat es jeweils 400 Mal gebrannt, dagegen nimmt sich die Zahl noch klein aus. Aber die eigentliche Waldbrandsaison habe noch gar nicht begonnen, sagt Raimund Engel: "Um es ganz klar zu sagen: Unsere Wälder sind in Gefahr."

Beitrag von Thomas Rautenberg

18 Kommentare

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  1. 18.

    Ein extrem trockenes Frühjahr bedeutet, daß nicht nur die Waldbrandgefahr steigt, sondern daß wir wieder aufgefordert sein werden, in der Region weniger Trinkwasser z.B. für das Bewässern unserer Gärten, denen ja der Regen fehlt, zu verbrauchen. Wenn für das Fundament der Gigafactory Tesla jetzt in Freienbrink der Grundwasserleiter, der die Trinkwasserbrunnen der Wasserwerke speist, tausendfach durchbohrt werden wird, sehe ich schwarz für die Qualität und Quantität unserer künftigen Trinkwasserversorgung. Im Nahen Osten wird schon seit Jahrzehnten Krieg um das Wasser geführt - wird man auch irgendwann auch in Brandenburg begreifen, daß Wasser ein kostbares Gut ist, das es zu verteidigen gilt?

  2. 17.

    Na, da bin ich ja gespannt wie gut die neuen Bäume, die Tesla als Ausgleichspflanzungen setzen muss, anwachsen werden, noch dazu gänzlich ohne Beschattung durch Altbäume und Bewässerung. Das wird bestimmt ein Knaller!
    Die Neupflanzungen der letzten zwei Jahre sind jedenfalls laut Forst überwiegend vertrocknet. Selbstredend weiß auch das Landesamt für Umwelt, dass eine derartige Aufforstung wie von Tesla beabsichtigt kaum Aussicht auf Erfolg haben wird, aber man kann die Leute doch so prima damit ruhig stellen. Wie war doch gleich das Verhältnis der Aufforstung? Ja, das haben wir jetzt alle drauf nachdem es uns unzählige Male durch die Medien eingetrichtert wurde! 3:1 soll die Antwort lauten? Möp! Shauen Sie mal was tatsächlich in den Antragsunterlagen steht!

  3. 16.

    Die intensive und fast ausschließlich an wirtschaftlichen Gesichtspunkten ausgerichtete Waldwirtschaft trägt nicht dazu bei, dass sich der Wald an klimatische Änderungen anpassen kann. Dafür wäre eine hohe Biodiversität des Bewuchses vonnöten, so dass sich die Bäume am besten fortpflanzen können, die am besten mit den geänderten klimatischen Bedingungen klarkommen. Dies ist ein für menschliche Verhältnisse langer Prozess.
    Der Mensch sollte nicht ständig eingreifen, auch nicht unter dem Deckmantel des "Waldumbaus zu Mischwald", sondern den Wald viel mehr seiner natürlichen Entwicklung überlassen. Wald existiert bereits seit Millionen Jahren und hat es immer wieder geschafft, sich an die verschiedensten Umweltbedingungen anzupassen, ohne Einmischung des Menschen.

  4. 15.

    Auch aus meiner Sicht ist es ein brillanter Plan des LfU; aus Gründen des Vorbeugenden Brandschutzes vorsorglich die Fällung von 90 ha Wald zu genehmigen, denn dann kann es auf dieser Fläche keinen Waldbrand geben, und das ist doch toll. Um nun eine Staubbildung zu unterbinden, muß diese Fläche bewässert werden, das ist klar, auch wenn das Wasser u.U. der Landwirtschaft fehlt, dann hat auch das sein Gutes; weniger Erträge, möglicherweise weniger Lebensmittel, das ist echt mal ein nachhaltiger Beitrag zur Gesunderhaltung der Bevölkerung: der Anteil der Übergewichtigen ist sowieso zu hoch.

  5. 14.

    Eine Möglichkeit wäre es, viel Totholz liegen zu lassen. Das beschattet den Boden, der behält die Feuchtigkeit. Genau das ist das Gegenteil vom oberen Bild und nicht im Sinne der forstwirtschaftlichen Nutzung. Aber wenn jeder Wald demnächst abbrennt, werden viele ihre einseitige Monokultur bereuen. Da ist auch offensichtlich die Neuanpflanzung von schutzlosen Bäumchen sinnlos.

  6. 13.

    Der Förster sagt: „selbst die anspruchslose märkische Kiefer ist mit ihrer Kraft am Ende …“. Kann dies bedeuten, daß die in Grünheide verleumdete Kiefer auf dem Märkischen Sandboden, den man erstaunlicher Weise gerade auf dem Tesla-Baugelände entdeckt hat, gerade richtig dort war? Führen die schier endlosen Rodungen, die durch die Eugal, Tesla, Stromtrassen / Strassen / neue Windparks für Tesla nötig sind und sein werden, eventuell zu einer Beschleunigung der immer stärkeren Austrocknung der Region? Erreichen wir eventuell mit den SUVs, die Tesla in Grünheide bauen will, das Klimaziel nicht nur nicht schneller, sondern gar nicht mehr?

  7. 12.

    In der beschriebenen Situation ist es doch ein genialer Gedanke, in Grünheide 90 ha Wald zu roden (300 sollen es werden), die Fläche zu versiegeln und darauf Großindustrie anzusiedeln, die gigantische Wassermengen verbrauchen wird. Kapiert eigentlich jemand, daß es nicht reicht, seitens der Politik die Förderung größerer Wassermengen durch die Wasserbetriebe Strausberg - Erkner einfach zu „genehmigen“? Wenn es keine Niederschläge gibt, immer höhere Temperaturen herrschen und dazu noch Winde, die eine Austrocknung der Böden begünstigen, wird die Teslaansiedlung wie ein Katalysator bei der Verwüstung Brandenburgs wirken: herzlich Willkommen in Nevada!

  8. 11.

    Man könnte auch aufhören Kohle und Öl zu verbrennen.......

  9. 10.

    Man sollte Meerwasserentsalzungsanlagen an der Ostsee bauen. Rohrleitungen nach Brandenburg bauen mit Pumpen und Speicherbecken füllen. Damit könnte man die Landschaft bewässert.

  10. 9.

    “Wie gut“ das in Grünheide schonmal genug Wald “entfernt wurde“ der kann nicht mehr vertrocknen und anbrennen...

  11. 8.

    Habe heute wieder über den Müllexport aus Deutschland gelesen. Früher nach China; heute in die Türkei etc. Transport kostet nicht nur Geld. Warum wird der Müll nicht hier aufbereitet bzw verwertet. Früher sammelte mein Sohn im Keller sämtliche Kronen-und andere Verschlüsse aus Metall und brachte die zum Schrott. Er holte sogar Altmetall bei Nachbarn ab und verdiente sich sein 1. eigenes Geld.

  12. 7.

    Und die Lage wird noch trauriger...
    2019 war das heißeste Jahr in Europa seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Das ist keine Ausnahme, sondern längst ein Trend: Elf der zwölf wärmsten Jahre fallen in die letzten zwei Jahrzehnte.
    Und die Entwicklung halte an – trotz aller Bemühungen. Im Jahr 2019 stieg die Konzentration von Kohlendioxid (CO2) und Methan (CH4) weiter. Laut den Wissenschaftlern muss Millionen von Jahren zurückblickt werden, um ähnliche Werte zu finden.
    Die Menschen kapieren es einfach nicht, das ist wie mit dem Frosch im Wasser das langsam zum sieden gebracht wird.

  13. 6.

    Den ganzen Winter über hatte ich unter einem Stuhl mit Ablaufloch eine Auffangschüssel für Regenwasser. So 22-25 L habe ich in Behältern nun zur Verfügung für Pflanzen, die es kalkfrei habenn wollen. Das Dach unserer halbüberdachten Tiefgarage ist extern begrünt-derzeit auch staubtrocken. Anflugsamen vom Ahorn trieben zwar aus aber werden nun gelb. Mir geht es wie dem Förster. Aber die Linde vor dem Haus wird immer grüner. Wird von mir regelmäßig gegossen. Kachelmann sagt: Am Monatsende 0,2-0,5 L "Regen".

  14. 4.

    Die Frage ist jetzt nicht ernst gemeint oder?
    Wo soll denn das Wasser herkommen?

  15. 3.

    Es wäre es nicht möglich, die Wälder zu bewässern?

  16. 2.

    Und dazu kommt die hohe Munitionsbelastung in so vielen Brandenburger Wäldern. Kann der RBB nicht mal recherchieren, wieviel Munition bei der Defender-Übung der Nato (begonnen 2019) noch zusätzlich in den Wäldern gelassen wurde? Und ob irgendjemand sich gnädigerweise um die Entsorgung kümmert?

  17. 1.

    Die Lage ist sehr traurig. Danke für den erneuten Bericht zu dem Thema! Das einzig gute an der Situation ist, dass der Mensch permanent vor Augen geführt bekommt, was er mit seinem Verhalten bewirkt: Klimawandel und Umweltschäden. Denn wenn es gerade keine Witterungs-Anormalie gäbe, vergisst ja der Großteil der Bevölkerung leider dieses Thema sehr schnell. Dran bleiben!

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