Aus einer Gruppe heraus wurde am 1. Mai ein Team der Satiresendung "heute-Show" des ZDF in Berlin angegriffen und verletzt. (Quelle: rbb)
Bild: rbb

Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin - Angriff auf ZDF-Team: Aufklärung laut Ermittlern schwierig

Erste Spuren nach dem Angriff auf das ZDF-Team am 1. Mai in Berlin führen ins linksextreme Spektrum. Doch die Ermittlungen seien schwierig, betont die Polizei. Denn zu der Attacke kam es bei einer Demonstration, an der auch Rechtspopulisten teilnahmen

Drei Tage nach dem brutalen Überfall auf ein ZDF-Kamerateam in Berlin fahndet die Polizei weiter nach Tätern und ermittelt zu den Hintergründen. Die Untersuchung führt nach Angaben vom Montag weiterhin der für politisch motivierte Taten zuständige Staatsschutz des Berliner Landeskriminalamtes (LKA).

Die Ermittler gehen nach bisherigen Erkenntnissen davon aus, dass die Täter dem linken Spektrum zuzuordnen sind, schließen aber auch Verbindungen ins rechtspopulistische Lager nicht aus. "Die Aufklärung der Tat ist angesichts der Dynamik und Unübersichtlickeit des Geschehens aufwändig und schwierig", hieß es am Montag in einer gemeinsamen Mitteilung von Polizei und Berliner Generalstaatsanwaltschaft. Denn der Angriff geschah ganz in der Nähe einer Demonstration gegen die Corona-Regeln, an der auch Rechtspopulisten und Anhänger von Verschwörungstheorien teilgenommen hatten. 

Drei Verdächtige sollen linksextreme Gewalttäter sein

Erste Spuren führten allerdings ins linksextreme Milieu: Als das Team der ZDF-Satiresendung "Heute-Show" die Demonstration bereits verlassen hatte, wurde es in einer Seitenstraße nahe dem Alexanderplatz von mindestens 15 Menschen angegriffen. Die Polizei nahm nach dem Angriff sechs Verdächtige fest und ließ sie wieder frei. Bei ihnen hätten nicht genügend Beweise für einen dringenden Tatverdacht vorgelegen, hieß es seitens der Generalstaatsanwaltschaft zur Begründung.

Zu drei der sechs zunächst festgenommenen Menschen lagen laut Polizei "Erkenntnisse im Bereich der politisch motivierten Kriminalität links" vor. Aus Sicherheitskreisen hieß es, eine der polizeilich bekannten Personen sei seit 2015 als "Gewalttäter" aus dem linken Spektrum bekannt. 

Scharfe Reaktion der Bundesregierung

Ermittelt werde aktuell gegen eine Gruppe von etwa 15 Personen wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung, hieß es weiter. Aus dieser Gruppe heraus sollen demnach sechs Mitarbeiter des ZDF-Teams gezielt angegriffen und unter anderem mit einem "metallenen Gegenstand" attackiert worden sein. Fünf Personen seien dabei "erheblich" verletzt worden, heißt es in der Pressemitteilung. Verletzt wurden ein Redakteur, der Kameramann und der Kameraassistent sowie drei private Wachleute. Der Satiriker Abdelkarim blieb unverletzt.

Die Bundesregierung hat den Angriff scharf verurteilt. "Wer Journalisten angreift, bedroht, verletzt, der steht weit außerhalb unserer demokratischen Ordnung und der muss uns alle gegen sich haben", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. "Wir sehen seit längerem, dass Extremisten aller Richtungen die Pressefreiheit, eines unserer wichtigsten Grundrechte, buchstäblich mit Füßen treten", sagte Seibert. Es sei traurig, dass die Begleitung durch Sicherheitsleute für Journalisten bei vielen Demonstrationen heute schon obligatorisch sei.

Sendung: Abendschau, 4.5.2020, 19:30 Uhr 

27 Kommentare

  1. 27.

    Wenn Sie jetzt noch die Frage beantworten könnten, WARUM bisher sämtliche Versuche, eine sozialistische/kommunistische Gesellschaft zu errichten, mit Ein-Personen- oder Parteidiktaturen geendet haben... dann wüsste man doch glatt, wie es beim nächsten Versuch zu vermeiden wäre. Oder man wüsste, dass es nicht vermeidbar ist, und dass man eine bessere als die (sozialstaatlich eingehegte) kapitalistische Gesellschaft nicht bekommen wird.

    Für einen großen Durchschauer sicherlich eine leichte Übung.

  2. 26.

    Und wieder einmal werden sie nicht müde Rechtsextremisten zu verharmlosen, indem sie Geschichtsklitterung betreiben.

    "Links- und Rechtsextreme haben in Wahrheit mehr gemein, als Mancher wahr haben will. Und dass Extremisten gerne Mal die Seiten wechseln, ist nun wahrlich nichts Neues. Maßgeblich ist nicht der Sprachgebrauch sondern das Ziel. Das ist bei den einen der nationale Sozialismus, bei den Anderen der internationale".

    Wer soll ihnen denn diesen Dummfug abnehmen? Leser von Tichys Einblick oder AfD kompakt? Menschen mit Geschichtsbewußtsein führen sie jedenfalls mit ihrem plumpen whataboutism nicht hinters Licht. Der Sozialimus, den es in der DDR Diktatur, in der Sowjetunion und noch immer in China und Nordkorea gibt, der har mit Sozialimus soviel zu tun wie der Sozialismus der Gebrüder Strasser.

    Das sind, bzw. waren alle Diktaturen, entweder Ein-Personen- oder Parteidiktaturen.

  3. 25.

    Ja komisch, die Kommunisten in der DDR hatten genau das selbe Vokabular drauf, wären die dann auch rechtsextrem? Links- und Rechtsextreme haben in Wahrheit mehr gemein, als Mancher wahr haben will. Und dass Extremisten gerne Mal die Seiten wechseln, ist nun wahrlich nichts Neues. Maßgeblich ist nicht der Sprachgebrauch sondern das Ziel. Das ist bei den einen der nationale Sozialismus, bei den Anderen der internationale. Freiheit sieht keines der Zielbilder vor.

  4. 24.

    Woher weiß die Polizei, wer linksextrem oder rechtsextrem ist? Haben die Mitgliedsausweise, reichen da Selbstbehauptungen? Jeder kann behaupten, er ist links/rechtsextrem, Arzt, Polizist oder sonstwas. Mußten das die links/rechtsextremen auch beweisen? Wurden die Journalisten von Rechtsextremen angegriffen, um das Verbrechen den Linksextremen in die Schuhe schieben zu können?

  5. 23.

    "Diese sollen auch in der Vergangenheit durchaus zu gemeinsamen Aktionen geführt haben."

    Welche denn?

  6. 22.

    Es ist immer wieder von Angriff auf die Pressefreiheit zu lesen, wäre es im Falle einer Satiresendung nicht Angriff auf die Kunstfreiheit? Es ging hier ja nicht um journalistische Beiträge sondern es ging darum einen satirischen Beitrag für eine Sendung im ZDF zu drehen.
    Ich verurteile die Tat, aber ist es ein Angriff auf die Pressefreiheit, wenn ZDF auf der Kamera stand? Wie sieht es dann bei Sat 1 oder Pro 7 aus?
    Und auch Kunstfreiheit ist ein Grundrecht und damit ist der Angriff so oder so ein Angriff auf unsere Grundrechte. Nur lasst doch mal die ganze Dramatik und Übertreibung raus und bleibt ein wenig sachlich.

  7. 21.

    Quelle zu meinem Beitrag:

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Jugendwiderstand_(Berliner_Gruppe)

  8. 20.

    Ein bisschen staune ich über den Artikel auch wenn natürlich drauf hingewiesen wird naja vielleicht waren es doch eher Menschen aus den rechten Spektrum! Kurz nach dem erscheinen der Meldung seitens der Polizei das die Täter wahrscheinlich aus dem linken Spektrum kommen wird im Originalbericht zum Überfall bei RBB 24 die komentarfunktion geschlossen! Wenn doch jeder Artikel auf Netikette geprüft wird warum werden dann die Kommentare verbannt? Das ist mir einfach zu hoch? Warum warten sie nicht einfach mal ab was den nun wirklich raus kommt bei den Ermittlungen bevor sie wieder alles anfeuern! Und wichtig es muss drauf hingewiesen werden ja es könnten doch die rechten sein? Einfach ermitteln lassen und dann die Ergebnisse berichten! Das wäre guter Journalismus und dem RBB würdig!

  9. 19.

    Über den genannten Artikel zum Jugendwiderstandst bei Wikipedia ist zudem zu lesen:


    "Die Gruppe strebte in Deutschland einen Bürgerkrieg zur Überwindung des Systems an. Untypisch für eine als links firmierende Gruppe waren der positive Bezug der Gruppe auf Begriffe wie "Volk", „Vaterland“, "Heimat" sowie "Ruhm und Ehre" oder die Beschimpfung von Gegnern als Volksfeinde. Ein Mitglied der Gruppe war auch früher in der NPD."

  10. 18.

    Wenn man bei politischen Themen mitdiskutieren und potenzielle Gegner (in Ihrem Fall: Ermittlungsbehörden, der Staat?) diskreditieren will, sollte man sich schon ein bisschen auskennen.

    Es gibt nämlich durchaus GEIMEINSAME Feindbilder bei Links- UND Rechtsextremisten. Diese sollen auch in der Vergangenheit durchaus zu gemeinsamen Aktionen geführt haben.

  11. 17.

    Offenbar ist es polizeilich manchmal nicht so leicht zwischen Links- und Rechtsextremen zu unterscheiden. Wenn die Selbstbezeichnung in die Irre führt z.B.: "Der Jugendwiderstand war eine von 2015 bis 2019 bestehende antisemitische, maoistische, stalinistische, militante und nach Einschätzung des Verfassungsschutzes linksextreme Gruppe aus Berlin. Auf Graffiti wurde die Gruppe auch mit JW abgekürzt. Die Gruppe soll vor allem in Berlin-Neukölln aktiv gewesen sein. Andere linke Gruppierungen distanzierten sich von der Vereinigung. Die Gruppe war vor allem für ihre Gewaltbereitschaft, für ihren aggressiven Antizionismus und Hass auf Antideutsche bekannt. Die Mitglieder der Gruppe sollen Gewalt auch gegen linke Gruppen verübt haben. Auch Menschen außerhalb der linksextremen Szene, die sich für das Existenzrecht Israels aussprechen, sollen attackiert worden sein. Juden wurde mit Ermordung gedroht." https://de.wikipedia.org/wiki/Jugendwiderstand_(Berliner_Gruppe)

  12. 16.

    Auch das wird im Berliner Sand erlaufen. Genau wie der angebliche Krampfanfall des SUV-Fahrers.

  13. 15.

    Journalisten anzugreifen ist eigentlich bisher nicht unbedingt "typisch" für Linksradikale gewesen, das Feindbild "Lügenpresse" ist doch eher ein rechtsextremes Thema. Deswegen überrascht mich diese Zuordnung ein wenig. Da es aber Idioten bekanntlich überall gibt, kann man es sicherlich nicht ausschließen.

  14. 14.

    Wo steht der Feind?
    Sehr merkwürdige Aussagen der Ermittler.

  15. 13.

    Welches Update? Das ist schlampige Arbeit der Polizei! Entweder habe ich Tatverdächrige, die einem der Lager zuzuordnen sind oder nicht.
    Offensichtlich hat die Berliner Polizei ein Problem mit der Öffentlichleitsarbeit, wie auch der Vorfall der schwerverletzten Journalistin beweist.

    Offensichtlich will man, ohne Ermittlungsergebnisse zu haben, die Tat dem "linksextreme Milieu" (was immer das sein soll) in die Schuhe schieben. Das wäre auch nicht das erste Mal.

  16. 12.

    Alles klar. Die Festgenommen entstammen zwar dem linksextremen Milieu, aber weil auf der Demo auch "Rechtspopolisten" anwesend waren, sind die Ermittlungen schwierig. Was will man uns damit suggerieren? Linke und Rechte hätten sich verabredet, um gemeinsam die Qualitätsjournalisten zu verhauen? Ja nee, klingt sehr glaubwürdig.

  17. 11.

    "Die Ermittler gehen nach bisherigen Erkenntnissen davon aus, dass die Täter dem linken Spektrum zuzuordnen sind, schließen aber auch Verbindungen ins rechtspopulistische Lager nicht aus."

    Danke an das RBB-Team für das Update. Mal sehen was da raus kommt.

  18. 10.

    „Es gibt Bürger die würden gerne darüber Aufgeklärt werden, welche Extremisten diesmal unsere freiheitlichen Rechte mit ihrer stumpfen Gewalt abschaffen wollen.“

    Für diese Aufklärung sorgt heute die taz.

    „Die Journalistin Lea Remmert wurde am 1. Mai bei ihrer Arbeit von einem Polizisten verletzt.“
    „Ein Polizeibeamter hat einer Journalistin am 1. Mai in Berlin mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Die Journalistin, die mit einem Kamerateam die Demos im Stadtteil Kreuzberg begleitete, trug Verletzungen an der Nase und zwei abgebrochene Zähne davon, sie selbst spricht gegenüber der taz von einem „gezielten Schlag“.“
    https://taz.de/Polizeigewalt-am-1-Mai/!5682832/

    Da mag ich Herrn Seibert nicht widersprechen.
    "Wer Journalisten angreift, bedroht, verletzt, der steht weit außerhalb unserer demokratischen Ordnung und der muss uns alle gegen sich haben".

  19. 8.

    @wagner Ein Angriff auf die Presse und Satire wird ihrer Meinung "breitgetreten". Ist das Sarkasmus? Es gibt Bürger die würden gerne darüber Aufgeklärt werden, welche Extremisten diesmal unsere freiheitlichen Rechte mit ihrer stumpfen Gewalt abschaffen wollen.

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